Edinburgh: Eine mittelalterliche Hauptstadt, in der Geister auf Dudelsäcke treffen
Stell dir eine Stadt vor, die auf vulkanischen Hügeln thront, wo eine Burg aus schwarzem Stein seit neun Jahrhunderten über zerklüftete Kopfsteinpflastergassen wacht. Dazu der ferne Klang eines Dudelsacks, der zwischen georgianischen Gebäuden widerhallt, der rauchige Duft von Torfwhisky aus den Brennereien und dieser mysteriöse Nebel, der die Stadt bei Einbruch der Dunkelheit einhüllt.
Genau hier, eingeklemmt zwischen Meer und Bergen, schlägt das Herz Schottlands. Eine Stadt, in der man an jeder Straßenecke Geschichte atmet, wo Geisterlegenden mit Festivals für zeitgenössische Kunst konkurrieren und wo man einen erloschenen Vulkan erklimmen kann, bevor man in einem jahrhundertealten Pub einkehrt.
Ein Ziel für romantische Seelen und Geschichtsbegeisterte
Wer Sonne und Dolce Vita sucht, ist hier falsch. In Edinburgh umarmt man den Regen, den Wind und den Himmel, der sich gefühlt viermal am Tag ändert. Aber für Liebhaber mittelalterlicher Architektur, Literatur und gotischer Atmosphäre ist die Stadt ein Paradies. Sie zieht Paare auf der Suche nach einem romantischen Wochenende ebenso an wie Familien, die Schlösser und kostenlose Museen erkunden wollen, oder Festivalbesucher, die im August in Scharen einfallen. Backpacker schätzen das gut ausgebaute Netz an Jugendherbergen und die vielen Museen mit freiem Eintritt.
Falls du Menschenmassen meiden willst, mache einen großen Bogen um den August. Das Fringe-Festival verwandelt die Stadt dann in einen riesigen Bienenstock mit über 50.000 Aufführungen und Straßen, die von morgens bis abends überfüllt sind. Praktisch gesehen lässt sich das historische Zentrum komplett zu Fuß erkunden. Ein Auto ist überflüssig, Busse und Straßenbahnen reichen völlig aus. Denke daran, dass die Schotten früh essen: Die meisten Küchen schließen gegen 21:00 Uhr, plane dein Abendessen also entsprechend.
Ein Budget, das es in sich hat
Stell dich darauf ein, dass das britische Pfund den Geldbeutel belastet. Rechne mit 120-150 GBP (ca. 145-180 Euro) pro Tag und Person für einen komfortablen Aufenthalt mit Drei-Sterne-Hotel, Restaurantbesuchen und ein paar Eintrittsgeldern. Ein Mittagessen im Pub kostet 12-18 GBP (ca. 14-22 Euro), ein Pint Bier 4-5 GBP (ca. 5-6 Euro). Bei den Unterkünften starten Betten in Jugendherbergen bei 25 GBP pro Nacht (ca. 30 Euro), Mittelklassehotels liegen zwischen 80 und 150 GBP (ca. 95-180 Euro) pro Zimmer. Die gute Nachricht: Viele Museen sind kostenlos, darunter das sehenswerte National Museum of Scotland.
Old Town, das pulsierende mittelalterliche Herz
Das Labyrinth aus Kopfsteinpflastergassen, das sich vom Schloss bis zum Holyrood Palace erstreckt, bildet das historische Zentrum. Die Royal Mile, die Hauptschlagader, windet sich kilometerlang vorbei an Tartan-Geschäften, traditionellen Pubs und mysteriösen Closes. Diese engen Durchgänge zwischen den Gebäuden verbergen geheime Innenhöfe und Geschichten über die Pest. Mary King's Close, eine unterirdische Straße aus dem 17. Jahrhundert, gewährt bei theatralischen Führungen Einblicke in den Alltag (und die Tragödien) des alten Edinburgh.
Über diesem mittelalterlichen Chaos thront das Edinburgh Castle auf seinem vulkanischen Felsen wie ein steinerner Wächter. Im Inneren glitzern die Kronjuwelen im Halbdunkel, die St. Margaret's Chapel aus dem 12. Jahrhundert steht bereit und jeden Tag um exakt 13:00 Uhr ertönt die One O'Clock Gun. Der Blick von den Festungsmauern reicht über die ganze Stadt bis zum Meer. Buche deine Tickets online, um besonders in der Hochsaison Warteschlangen zu vermeiden.
Verpasse nicht die St Giles' Cathedral mit ihrem krönenförmigen Turm, der den Himmel durchbricht. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird jedoch geschätzt. Im Inneren beeindruckt die Kapelle des Distelordens mit Holzschnitzereien und Glasmalereien. Für Fans von Nervenkitzel bietet der Greyfriars Kirkyard nächtliche Führungen durch die Grabgewölbe an. Es ist auch der Ort, an dem der treue Hund Bobby 14 Jahre lang über das Grab seines Herrchens wachte.
Der Profi-Tipp: Besuche das Schloss früh am Morgen, direkt zur Öffnung um 9:30 Uhr, bevor die Reisebusse eintreffen. Du hast den Ort fast für dich allein und das Licht auf den Gebäuden ist fantastisch.
New Town, die Verkörperung georgianischer Eleganz
Überquere die Princes Street Gardens und du fühlst dich zwei Jahrhunderte in die Zukunft versetzt. Die Neustadt, im 18. Jahrhundert angelegt, entfaltet ihre schnurgeraden Straßen, harmonischen Plätze und makellosen neoklassizistischen Fassaden. Die Princes Street, die Haupteinkaufsstraße, reiht ihre großen Kaufhäuser entlang der Gärten auf, mit dem Schloss als Kulisse. Der Kontrast zur Old Town ist beeindruckend.
George Street und Rose Street konzentrieren schicke Boutiquen, Cocktailbars und angesagte Restaurants. Die Atmosphäre ist luftiger und bürgerlicher. Der Charlotte Square mit dem als Museum hergerichteten Georgian House erlaubt einen Blick in den Alltag wohlhabender Familien des 18. Jahrhunderts. Führer in historischen Kostümen erzählen den Alltag in diesen Häusern mit vielen amüsanten Details.
Calton Hill, der Aussichtspunkt, der den Aufstieg lohnt
Erklimme diesen Hügel östlich der Princes Street für einen der schönsten Panoramablicke auf die Stadt. Das National Monument of Scotland, dieser unvollendete Parthenon, steht auf dem Gipfel wie eine antike Ruine. Es ist der Lieblingsort der Einheimischen, um den Sonnenuntergang zu genießen. Zudem finden sich dort das Nelson Monument und das Observatorium. Der Aufstieg dauert vom Bahnhof Waverley nur zehn Minuten.
Der Profi-Tipp: Um den Menschenmassen auf dem Calton Hill zu entgehen, teste den Blackford Hill im Süden der Stadt. Die Aussicht ist genauso spektakulär und du triffst dort hauptsächlich Einheimische beim Gassigehen.
Arthur's Seat und Holyrood, Natur mitten in der Stadt
Wer hätte gedacht, dass man mitten in einer europäischen Hauptstadt einen 251 Meter hohen erloschenen Vulkan besteigen kann? Der Holyrood Park bietet genau diesen Luxus. Arthur's Seat, der Gipfel, ist über mehrere Wanderwege in 45 Minuten zu erreichen. Sportliche nehmen den Weg über die Salisbury Crags, die schwindelerregenden Klippen über der Stadt. Der 360-Grad-Blick vom Gipfel umfasst die gesamte Stadt, das Meer und die umliegenden Hügel.
Am Fuß des Vulkans erstreckt sich der Palace of Holyroodhouse mit seiner Renaissance-Architektur. Als offizielle Residenz der königlichen Familie bei ihren Schottland-Besuchen kann er außerhalb dieser Zeiten besichtigt werden. Die Gemächer von Maria Stuart sind sehenswert, besonders das Schlafzimmer, in dem ihr Sekretär vor ihren Augen ermordet wurde. Die Gärten laden zum entspannten Flanieren ein.
Direkt daneben wirkt das Schottische Parlament mit seiner umstrittenen zeitgenössischen Architektur fast wie ein Fremdkörper. Manche finden das Gebäude mutig, andere halten es für einen Betonklotz. Kostenlose Führungen erlauben es dir, dir eine eigene Meinung zu bilden und die Institutionen Schottlands kennenzulernen.
Der Profi-Tipp: Starte früh morgens oder am späten Nachmittag zum Arthur's Seat. Mittags stauen sich die Wanderer auf den Pfaden. Bei dichtem Nebel kannst du dir den Aufstieg sparen, da sieht man ohnehin nichts.
Leith, der aufstrebende Hafen
Vier Kilometer vom Zentrum entfernt hat sich das ehemalige Hafenviertel in ein angesagtes Viertel verwandelt. The Shore, der historische Kai, bietet Austernbars, gehobene Restaurants und authentische maritime Pubs. Die Stimmung ist entspannter als in der Innenstadt und weniger touristisch. Die Royal Yacht Britannia, das ehemalige königliche Schiff, das heute ein schwimmendes Museum ist, erzählt 44 Jahre königliche Reisen mit vielen Details zum Leben an Bord.
Sonntags solltest du den Flohmarkt nicht verpassen, um Vintage-Tartans und schottische Kuriositäten zu finden. Fans von Street Art finden entlang des Water of Leith beeindruckende Wandmalereien. Die Gegend ist perfekt, um abseits der Touristenpfade das echte Edinburgh zu erleben.
Wo essen und trinken in der schottischen Hauptstadt?
Die schottische Gastronomie geht weit über das Klischee des Haggis hinaus, dieser gefüllten Schafsmagen-Spezialität, die manche Touristen abschreckt. Zugegeben, das Nationalgericht sollte man einmal mit neeps and tatties (Steckrüben- und Kartoffelpüree) probieren. Aber die kulinarische Szene ist in den letzten Jahren förmlich explodiert. Die cullen skink, eine cremige Suppe mit geräuchertem Schellfisch, wärmt an regnerischen Tagen die Seele. Ein deftiges Scottish breakfast umfasst Eier, Speck, Blutwurst, Bohnen und manchmal geräucherten Schellfisch.
Für diese Spezialitäten in traditionellem Rahmen empfiehlt sich The White Hart Inn am Grassmarket, einer der ältesten Pubs der Stadt, in dem schon Cromwell ein Glas gehoben haben soll. The Scran & Scallie interpretiert schottische Küche in einem entspannten Gastropub-Ambiente neu. Rechne mit 20-40 GBP (ca. 24-48 Euro) pro Person. Feinschmecker zieht es ins Timberyard, wo lokale Produkte in einem ehemaligen Holzlager veredelt werden. Das Degustationsmenü liegt bei etwa 70 GBP (ca. 85 Euro).
Beim Thema Getränke ist Whisky natürlich der unangefochtene König. Die Whiski Rooms bieten über 300 Sorten in gemütlichem Ambiente. Die Scotch Whisky Experience auf der Royal Mile bietet geführte Tastings, um die Unterschiede der Regionen zu verstehen. Ein Pint lokales Bier kostet in traditionellen Pubs etwa 4-5 GBP (ca. 5-6 Euro). Liebhaber von Gin können die Edinburgh Gin Distillery für Führungen und Verkostungen in der Rutland Place besuchen.
Wo übernachten in der Stadt der sieben Hügel?
In der Old Town sind alle Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichbar, aber es kann laut werden, besonders im Sommer mit den Feiernden, die aus den Pubs strömen. Hotels sind dort meist teurer. Die New Town ist ein hervorragender Kompromiss: ruhig, zentral und gut an den Verkehr angebunden. Die Viertel Stockbridge und Dean Village im Nordwesten bestechen durch ihre georgianischen Häuser, unabhängigen Cafés und dörfliche Atmosphäre. Plane 80-150 GBP (ca. 95-180 Euro) pro Nacht für ein charmantes Hotel ein.
Kleine Budgets finden exzellente Jugendherbergen wie das Castle Rock Hostel oder das Code Pod Hostel für 20-35 GBP (ca. 24-42 Euro) im Schlafsaal. Leith bietet günstigere Preise in Boutique-Hotels mit Hafenblick. Für ein einzigartiges Erlebnis sind die georgianischen B&Bs in der New Town ideal, wo die Besitzer ein komplettes schottisches Frühstück in historischen Speisesälen servieren.
Während des Festivals im August steigen die Preise sprunghaft an und alles ist Monate im Voraus ausgebucht. Buche mindestens sechs Monate vorher oder suche nach Unterkünften in umliegenden Städten wie Leith oder Portobello, die gut mit Bussen angebunden sind.
Anreise und Unterwegs in der schottischen Hauptstadt
Der Flughafen Edinburgh liegt 13 km vom Zentrum entfernt. Die Straßenbahn verbindet den Flughafen in 35 Minuten für 6 GBP (ca. 7 Euro) für eine einfache Fahrt (8,50 GBP / ca. 10 Euro für Hin- und Rückfahrt) mit der Princes Street. Abfahrten alle 8-10 Minuten von 6:00 bis 23:00 Uhr. Der Bus Airlink 100 fährt ebenfalls in 30 Minuten für 4,50 GBP (ca. 5,50 Euro) ins Zentrum und hat den Vorteil, rund um die Uhr zu verkehren. Ein Taxi kostet etwa 20-25 GBP (ca. 24-30 Euro) und benötigt 20-25 Minuten.
In der Stadt solltest du laufen! Old Town und New Town sind komplett zu Fuß zu erkunden. Um entlegene Orte wie die Royal Yacht Britannia in Leith oder den Botanischen Garten zu erreichen, ist das Lothian-Busnetz ideal. Eine Einzelfahrt kostet 1,70 GBP (ca. 2 Euro), ein Tagesticket 4 GBP (ca. 5 Euro). Die schwarzen Taxis lassen sich leicht auf der Straße heranwinken, rechne mit 6-7 GBP (ca. 7-8 Euro) für eine Fahrt im Zentrum.
Von Deutschland aus bieten Air France, EasyJet und Transavia Direktflüge ab Paris an. Der Flug dauert etwa 2 Stunden und kostet bei frühzeitiger Buchung ab 60 Euro. Der Zug von London benötigt 4,5 Stunden und bietet nach Überschreiten der schottischen Grenze eine herrliche Küstenlandschaft.
Wann ist die beste Reisezeit?
Mai, Juni und September bieten den besten Kompromiss: milde Temperaturen (15-18°C), weniger Regen als im Sommer, lange Tage und erträgliche Menschenmassen. Ironischerweise gibt es im Juli und August trotz milder Temperaturen um 19°C häufiger Niederschlag. Es ist jedoch auch die Zeit des Fringe-Festivals, ein einzigartiges Erlebnis, wenn man den Trubel und die hohen Preise in Kauf nimmt.
Der Winter (Dezember bis Februar) ist kalt und feucht mit Temperaturen um 5-8°C, aber Hogmanay, der schottische Jahreswechsel, verwandelt die Stadt in eine gigantische Straßenparty. Vermeide November, den grauesten und regnerischsten Monat, es sei denn, du liebst eine Atmosphäre, die den Gothic-Stil auf die Spitze treibt.
Ich habe es geliebt, ein paar Tage in Edinburgh zu verbringen. Ich fand die Stadt lebendig und die Einwohner viel gastfreundlicher als in London. Es ist eine Stadt mit menschlicher Größe, die man gut zu Fuß erkunden kann. Edinburgh besitzt eine Architektur, die noch sehr gut erhalten ist. Verpassen Sie auf keinen Fall das Schloss, das Sie mitten in die schottische Kultur eintauchen lässt.