Nationalmuseum von Schottland: Schottland vom Boden bis zum Glasdach
Wenn du die Tore des viktorianischen Gebäudes an der Chambers Street durchschreitest, ragt die Decke der Grand Gallery gut zehn Meter über dir auf. Das kunstvolle Gusseisen, das natürliche Licht, das durch die Glasdächer einfällt, und das leise Murmeln der Besucher auf den verschiedenen Ebenen der Galerien: Es ist eine säkulare Kathedrale der Neugier. Und der Eintritt ist frei.
Warum das Nationalmuseum von Schottland besuchen?
Das Museum entstand 2006 aus der Zusammenlegung zweier sich ergänzender Institutionen: dem Royal Scottish Museum, einem Gebäude im venezianischen Neo-Renaissance-Stil, das 1866 eröffnet wurde, und dem Museum of Scotland, einem modernen Flügel von 1998. Gemeinsam bilden sie heute die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in ganz Schottland, mit über 3,1 Millionen Besuchern im Geschäftsjahr 2023/2024.
Seine Stärke? Eine schwindelerregende Bandbreite. Wissenschaft, Archäologie, Weltkulturen, schottische Geschichte, Mode und Technologie sind unter einem Dach vereint, verbunden durch eine Erzählweise, die das Lokale stets mit dem Globalen verknüpft.
Architektur zwischen viktorianischem Gusseisen und modernem Stein
Die Grand Gallery: Das Atrium, das den Ton angibt
Der viktorianische Flügel ist architektonisch beeindruckend. Die Grand Gallery ist ein riesiges Kirchenschiff aus Eisen und Glas, in dem historische Flugzeuge in der Luft hängen, als würden sie mitten im Flug verharren. Die Millennium Clock, eine mehrere Meter hohe kinetische Skulptur, erwacht jede Stunde zu einer Performance, die Uhrmechanik mit der Symbolik der Zeit verbindet.
Der moderne Flügel: Eine andere Art, Schottland zu erzählen
Der 1998 errichtete Anbau schlägt einen völlig anderen Ton an: eine Fassade aus lokalem Sandstein, offene Innenräume und zenitales Licht. Hier entfaltet sich die chronologische Reise durch die schottische Geschichte, von neolithischen Felsmalereien bis hin zu den industriellen Umbrüchen des 19. Jahrhunderts.
Stücke, die einen längeren Stopp wert sind
Wir haben eine Schwäche für die Dichte der Galerien zur Geschichte Schottlands. Es gibt nur wenige Orte, an denen man innerhalb einer Stunde ein Kreuz, das Maria Stuart zugeschrieben wird, und die Scottish Maiden, eine schottische Enthauptungsmaschine aus der Zeit vor der französischen Guillotine, betrachten kann.
Das solltest du dir nicht entgehen lassen:
- Dolly the Sheep: Das ausgestopfte Schaf, der erste Star des weltweiten Klonens, wurde 1996 am Roslin-Institut in Edinburgh geboren und nach Dolly Parton benannt. Du findest sie in den Wissenschafts- und Technikgalerien auf Ebene 1.
- Die Lewis Chessmen: 12 mittelalterliche Schachfiguren aus Walrosselfenbein, die im 19. Jahrhundert auf der Insel Lewis entdeckt wurden und zu den ausdrucksstärksten Zeugnissen nordischer romanischer Kunst zählen.
- Der Helm von Newstead: Ein Meisterwerk römischer Goldschmiedekunst, das in Schottland ausgegraben wurde. Seine Raffinesse widerlegt allein den Begriff der Barbarei in den Randgebieten des Reiches.
- Die Galerien für Mode und Design: Von Hofkleidern des 18. Jahrhunderts bis zu Entwürfen von Vivienne Westwood und Jean Muir eine überraschende Reise durch das Modeschaffen.
Ein kleiner Tipp: Das Museum ist riesig, mit 8 Ebenen und Dutzenden Abteilungen. Hol dir den gedruckten Plan direkt am Eingang auf Ebene 0 in der Grand Gallery. Ohne ihn verpasst man leicht ganze Bereiche. Konzentriere dich bei deinem ersten Besuch auf 3 oder 4 Themen, anstatt alles auf einmal sehen zu wollen.
Was dieses Museum so besonders macht
- Freier Eintritt zu den ständigen Sammlungen in einem der meistbesuchten Museen des Vereinigten Königreichs.
- Zwei sich ergänzende Architekturen (viktorianisch und zeitgenössisch), die selbst schon ein Erlebnis sind.
- Eine seltene thematische Bandbreite: vom T-Rex bis zur Haute Couture, inklusive des berühmten geklonten Schafes.
- Regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen, darunter auch kostenpflichtige Formate mit hoher Strahlkraft.
Tipps für einen erfolgreichen Besuch
- Die schiere Größe ist eine Falle: Ohne Plan und Prioritäten verlässt man das Museum erschöpft und frustriert, weil man nur an der Oberfläche gekratzt hat.
- Hoher Andrang an Wochenenden und in den Schulferien; wähle am besten den Vormittag an einem Wochentag.
- Wichtige Sonderausstellungen (wie etwa Giants im Jahr 2025) sind kostenpflichtig und erfordern eine Vorabreservierung.
Preise
| Art des Zugangs | Preis |
|---|---|
| Ständige Sammlungen | Kostenlos |
| Sonderausstellungen (z. B. Giants) | Variabel, von 5 GBP bis 18 GBP je nach Ausstellung |
| F1-Simulator (Galerie Explore) | 1 GBP pro Fahrt |
Die Preise können sich ändern.
Öffnungszeiten
Wie viel Zeit du für diese Aktivität einplanen solltest
*Angaben können sich ändern
War gar nicht in unserem Reiseplan vorgesehen, wir sind eher zufällig im Museum gelandet (kostenloser Eintritt, muss man dazu sagen!) und was für eine tolle Überraschung! Erst einmal ist es riesig und vollgestopft mit Ausstellungen aller Art, zu jedem erdenklichen Thema! Geschichte, Kultur, Wissenschaft... Aber dazu ist die Architektur im Inneren auch noch richtig schick. Da ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei, egal ob Kinder oder Erwachsene, und es ist ein absolut sehenswerter Stopp in Edinburgh.