Monterosso al Mare, das Cinque-Terre-Dorf, das aus der Reihe tanzt
Im Jahr 1910 kehrte ein Ehepaar aus Monterosso mit einem in Argentinien erworbenen Vermögen in seine Heimat zurück und gab eine 14 Meter hohe Neptunstatue in Auftrag, um damit die eigene Villa direkt am Meer zu schmücken. Der Bildhauer Arrigo Minerbi entwarf einen Giganten aus Stahlbeton, der auf seinen Schultern eine Terrasse in Muschelform trug. Alliierte Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstörten die Villa, und ein schwerer Sturm im Jahr 1966 riss dem Koloss schließlich die Arme, den Dreizack und die Muschel ab.
Heute steht Il Gigante noch immer am Ende des Strandes, ein verstümmelter Rumpf, der dem Meer entgegenblickt, zugleich Ruine und Wahrzeichen. Das ist Monterosso in einem Bild: ein Ort, der trotz seiner überschaubaren Größe schon immer groß gedacht hat.
Der Badeort der Cinque Terre, und noch viel mehr
Monterosso ist das westlichste und zugleich größte der fünf Dörfer. Es ist zudem das einzige, das über einen echten Sandstrand, Sonnenschirme, Liegestühle und eine Strandpromenade verfügt. Für Familien mit Kindern, Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Reisende, die einfach nur ihr Handtuch ausbreiten möchten, ohne auf rutschigen Felsen zu balancieren, ist es die logische Wahl. Das Dorf ist deutlich flacher gebaut als seine Nachbarn, was bei der Anreise mit viel Gepäck oder Kinderwagen ein echter Vorteil ist.
Wer nach dem rauen Charme der an die Klippen geklebten Turmhäuser sucht, wird in Manarola oder Riomaggiore eher fündig. Monterosso hat eine klare Badeort-Mentalität, besonders im modernen Ortsteil Fegina, wo sich die Hotels entlang der Küste reihen. Das ist kein Nachteil, aber man sollte es wissen. Das historische Zentrum hingegen, auf der anderen Seite des Tunnels, der den Hügel von San Cristoforo durchquert, bewahrt sich einen intakten ligurischen Charme mit engen Gassen, bunten Fassaden und kleinen Plätzen, auf denen die Wäsche zwischen den Häusern in der Sonne trocknet.
Ein Dorf, das auch ohne Wanderschuhe funktioniert
Im Gegensatz zu den anderen Cinque-Terre-Dörfern sind die Straßen in Monterosso weitgehend ebenerdig. Der Bahnhof liegt direkt am Strand von Fegina, was die Ankunft unkompliziert macht. Der Fußgängertunnel, der den modernen Teil mit dem Borgo Antico verbindet, ist kurz, gut beleuchtet und weist keine nennenswerten Steigungen auf. Lediglich der Aufstieg zum Kapuzinerkloster und zum Heiligtum von Soviore erfordert ein wenig Kondition.
Ein Budget, das leicht über dem Rest der Cinque Terre liegt
Monterosso ist das teuerste der fünf Dörfer, besonders bei den Unterkünften. Rechne in der Hochsaison mit 150 bis 280 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer, 35 bis 55 Euro pro Person für eine Mahlzeit im Restaurant und zusätzlich 20 bis 35 Euro für die tägliche Cinque Terre Treno Card. Im Mai oder Oktober sinken die Hotelpreise um 30 bis 40 Prozent.
Der Strand und die Uferpromenade: Der wahre Luxus von Monterosso
Der Strand von Fegina erstreckt sich über mehrere hundert Meter vor dem Bahnhof und ist gesäumt von orange-grünen Sonnenschirmen, die das Postkartenbild des Dorfes prägen. Der Großteil des Sandes gehört zu privaten stabilimenti balneari: Für eine Liege und einen Schirm musst du zahlen, meist zwischen 20 und 40 Euro pro Tag, abhängig von der Reihe und der Saison. Es gibt drei öffentliche Strandabschnitte: vor dem Bahnhof, unter der Statue des Gigante und am Fuß der Altstadt. Diese füllen sich im Sommer sehr schnell.
Der Sand ist mit feinen Kieselsteinen durchsetzt und das Wasser ist sauber und flach abfallend. Es ist der einzige Strand der Cinque Terre, an dem Kinder und ungeübte Schwimmer sicher ins Wasser können. Kajaks können vor Ort gemietet werden, und vom kleinen Hafen starten Bootsausflüge entlang der Küste in Richtung Vernazza oder Riomaggiore, inklusive Badestopps in Buchten, die vom Land aus unzugänglich sind.
Insider-Tipp: Der kleine öffentliche Strand am Fuß des Gigante, am östlichen Ende von Fegina, ist weniger überlaufen als der beim Bahnhof. Der Zugang ist etwas steinig, aber die Atmosphäre ist ruhiger, mit der Statue als stillem Nachbarn.
Borgo Antico: Das andere Gesicht des Dorfes
Sobald man den Tunnel unter dem Hügel von San Cristoforo hinter sich lässt, ändert sich die Kulisse radikal. Die engen Gassen, auf Ligurisch caruggi genannt, duften nach frischem Basilikum und warmer Focaccia. Die Kirche San Giovanni Battista aus dem 13. Jahrhundert besticht durch ihre Fassade aus weißem und dunkelgrünem Marmor und Serpentin, typisch für die ligurische Gotik. Direkt daneben beherbergt das Oratorio dei Neri, eine Barockkapelle aus dem 17. Jahrhundert, ein Skelett aus weißem Marmor, das eine Sense hält. Ein zugleich verstörender und faszinierender Anblick.
Das Dorf verdankt seinen Namen den Obertenghi, Markgrafen mit rotblondem Haar, die im 7. Jahrhundert das Kastell auf dem Hügel gründeten. Die ursprünglichen Bewohner stammten aus Albereto, einem von den Langobarden zerstörten Bergdorf. Jahrhunderte später verbrachte der Literaturnobelpreisträger Eugenio Montale seine Sommer in einer Villa in Fegina, der sogenannten "gelben Pagode". Seine Gedichte über Zitronenbäume und das mediterrane Licht entstanden hier. Noch heute findet man Keramiktafeln mit seinen Versen an den Hauswänden des Dorfes.
Insider-Tipp: Steige hinauf zum Kapuzinerkloster und seiner Kirche San Francesco auf dem Hügel zwischen den beiden Dorfteilen. Der Blick umfasst die gesamte Bucht und die Kirche beherbergt eine Kreuzigung, die Van Dyck zugeschrieben wird. Der Zugang ist frei und der Ort bleibt selbst im Hochsommer erstaunlich ruhig.
Die Wanderung nach Vernazza: Das Highlight des Sentiero Azzurro
Der Pfad zwischen Monterosso und Vernazza gilt als der schönste und anspruchsvollste Abschnitt des Sentiero Azzurro. Plane für die 3,7 km etwa 2 Stunden ein, bei insgesamt rund 280 Höhenmetern. Der Weg führt zunächst durch die mediterrane Macchia, vorbei an terrassierten Zitronenhainen, und führt dann über eine lange Steintreppe durch die Weinberge hinunter nach Vernazza. Die Cinque Terre Card ist für diesen Weg obligatorisch.
An Tagen mit hohem Besucheraufkommen wird der Pfad zwischen 9:00 und 14:00 Uhr als Einbahnstraße von Monterosso Richtung Vernazza geführt. Das ist ein wichtiger Punkt für deine Tagesplanung. Für geübte Wanderer bietet der Pfad Richtung Punta Mesco, dem Felsvorsprung, der die Bucht im Norden abschließt, eine kostenlose und weniger frequentierte Alternative. Rechne mit 1 Stunde für den Hinweg zum Leuchtturm, von wo aus du einen tiefen Blick auf den Golf von Monterosso hast und bei klarem Wetter sogar bis zu den Seealpen und Korsika schauen kannst.
Zitronen und Sardellen: Die kulinarische Doppelidentität
Monterosso lebt von zwei Produkten. Die Zitronen, die allgegenwärtig auf den Terrassen über dem Dorf wachsen, aromatisieren Liköre, Desserts und Fischmarinaden. Die Sardellen, die seit Jahrhunderten in den Gewässern vor dem Dorf gefischt werden, sind der lokale Stolz. Im ligurischen Dialekt als u pan du ma, das "Brot des Meeres", bezeichnet, zeichnen sich die Sardellen von Monterosso durch ihr festes Fleisch und einen feinen Geschmack aus, der durch den speziellen Salzgehalt der lokalen Gewässer geprägt ist. Ob frittiert, gefüllt, gesalzen oder in Zitrone mariniert: Du solltest sie unbedingt in allen Variationen probieren.
Das Dorf widmet ihnen zwei jährliche Feste. Bei der Sagra dell'Acciuga Fritta, am dritten Samstag im Juni, werden die Sardellen in einer riesigen fischförmigen Pfanne frittiert und mit sgabei, typischen salzigen Krapfen, serviert. Die Sagra dell'Acciuga Salata im September feiert die gesalzene und konservierte Variante. Beide Feste sind authentische lokale Ereignisse und keine Touristenfallen.
Wo essen und trinken in Monterosso al Mare?
Was Focaccia angeht, streiten sich Il Massimo della Focaccia im Viertel Fegina und Il Frantoio in der Altstadt um die Krone. Letzteres ist auch wegen der Farinata einen Besuch wert, einem Kichererbsenfladen aus dem Holzofen, der oben knusprig und unten weich ist. Eine komplette Mahlzeit für unter 8 Euro.
Das Ristorante Ciak, eine Institution im Borgo Antico, die seit 1974 besteht, serviert berühmte Spaghetti mit Miesmuscheln, Venusmuscheln, Tomaten und Taggiasca-Oliven. Küchenchef Luigi, erkennbar an seiner Matrosenuniform, arbeitet in einer offenen Küche. Für ein außergewöhnliches Ambiente besetzt das L'Ancora della Tortuga einen ehemaligen militärischen Bunker auf der Klippe: Die Tische stehen direkt über dem Meer. Eine Reservierung ist für beide Adressen unbedingt erforderlich. Für Wein ist die Terrasse der Enoteca Internazionale ideal, um einen Cinque Terre DOC oder ein Glas Sciacchetrà am späten Nachmittag zu genießen.
Wo übernachten in Monterosso al Mare und Umgebung?
Es gibt zwei getrennte Bereiche. Der Borgo Antico bietet den Charme der Gassen und kurze Wege zu den Restaurants, aber die Zimmer sind oft klein und ohne Meerblick. Fegina, der moderne Teil, bietet Hotels direkt am Strand mit kurzem Weg zum Bahnhof. Das Hotel Porto Roca ist das luxuriöseste Haus, thronend auf der Klippe zwischen den beiden Vierteln. Die Locanda Il Maestrale im historischen Zentrum verbindet Komfort mit Charakter. MìaChì ist moderner und liegt nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt.
Für ein kleineres Budget bleibt La Spezia die beste Alternative, nur 23 Minuten mit dem Zug entfernt, mit Preisen, die zwei- bis dreimal niedriger sind. Levanto, die erste Stadt nördlich der Cinque Terre, bietet einen großen Sandstrand, Geschäfte und eine schnelle Zuganbindung. Das im Kastanienwald über Monterosso gelegene Heiligtum von Soviore bietet ebenfalls Gästezimmer für ein außergewöhnliches Erlebnis.
Wie kommt man nach Monterosso al Mare und wie bewegt man sich fort?
Monterosso ist das erste Dorf der Cinque Terre, wenn man aus dem Norden kommt. Von La Spezia Centrale dauert die Zugfahrt 23 Minuten. Von Genua aus rechne mit etwa 1:30 Stunden mit dem Regionalzug. Von Pisa aus sind es 1:30 bis 2 Stunden mit Umstieg in La Spezia. Von Florenz aus dauert die Fahrt zwischen 2:30 und 3 Stunden.
Für Reisende aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz sind die Flughäfen in Pisa und Genua die praktischsten Einfallstore. Vom Auto ist abzuraten: Das Dorf ist autofrei und der Parkplatz in Fegina kostet etwa 20 bis 30 Euro pro Tag bei begrenzter Platzkapazität. Die Fähre verbindet Monterosso in der Saison mit den anderen Dörfern und bietet eine beeindruckende Perspektive auf die Küste vom Wasser aus.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die beste Zeit liegt zwischen Mitte Mai bis Ende Juni und Anfang September bis Mitte Oktober. Der Mai fällt mit dem Zitronenfest und dem Beginn der Badesaison zusammen, während der September die Sardellen-Festivals, noch warmes Wasser und deutlich weniger Andrang bietet. Juli und August sind drückend heiß, überlaufen und die öffentlichen Strände werden zum täglichen Kampf. Die Wanderwege können in diesen Spitzenmonaten zudem als Einbahnstraßen geregelt sein.
Die Dörfer der Cinque Terre haben alle ihren eigenen Charme. Dieses hier ist perfekt, wenn man eine Atmosphäre sucht, die so richtig nach Urlaub duftet. Der Strand ist direkt da und vom Dorf aus zugänglich! Die Aussicht mit der Brücke ist sehr reizvoll! Besuchen Sie auch die Sehenswürdigkeiten, ich war sehr beeindruckt von der Neptunstatue Il Gigante!