Levanto, der Badeort, den die Cinque Terre nicht in den Schatten stellen konnten
Nur wenige wissen es: Levanto zählt zu den besten Surfspots in ganz Italien. Wenn im Winter der Mistral weht, türmen sich in der Bucht bis zu vier Meter hohe Wellen, und Surfer aus ganz Nordeuropa reisen an. Den Rest des Jahres spielt die ligurische Kleinstadt mit ihren 5.000 Einwohnern eine ganz andere Rolle: Sie dient als ideale Basis für Ausflüge in die Cinque Terre, die nur vier Bahnminuten entfernt liegen.
Levanto jedoch nur als preiswerte Schlafstätte zu betrachten, würde dem Ort nicht gerecht werden. Der Sandstrand, das mittelalterliche Zentrum mit seinen trompe-l'œil-Fassaden und die gattafin, die man sich an einer Straßenecke frittiert auf die Hand holt, erzählen eine ganz eigene Geschichte, die sich von den fünf Nachbardörfern abhebt.
Levanto: Die clevere Alternative zu den Cinque Terre
Dieses Dorf ist wie gemacht für Reisende, die das Beste aus zwei Welten suchen. Auf der einen Seite eine schnelle Anbindung an die fünf UNESCO-Welterbedörfer: Monterosso ist nur eine Zugstation entfernt. Auf der anderen Seite ein authentisches Dorfleben mit Restaurants, die nicht primär auf Kreuzfahrttouristen ausgerichtet sind, einem breiten Strand und einem deutlich entspannteren Tempo.
Levanto ist zudem als Città Slow zertifiziert, ein Label für Kommunen, die besonderen Wert auf Lebensqualität legen. Familien mit Kindern, Paare, Wanderer und Radfahrer fühlen sich hier wohl. Wer hingegen ein intensives Nachtleben oder ein breites kulturelles Angebot erwartet, ist hier falsch: Die Abende enden in Levanto klassisch mit einem Eis auf dem lungomare.
Ein praktischer Rahmen ohne böse Überraschungen
Levanto ist sicher, übersichtlich und lässt sich vollständig zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Der Bahnhof liegt fünf Minuten vom Zentrum entfernt, die Geschäfte säumen die Via Garibaldi und die Via Roma, und der Strand liegt direkt unterhalb.
Ein erschwingliches Budget im Vergleich zur Region
Das ist das stärkste Argument für Levanto. Plane mit 70 bis 130 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer, je nach Saison. Das sind 30 bis 50 Prozent weniger als in den Cinque Terre. Ein komplettes Essen im Restaurant kostet 20 bis 35 Euro pro Person. Ein realistisches Tagesbudget liegt bei 80 bis 120 Euro pro Person.
Strand und Surfen
Der Strand von Levanto ist eine willkommene Besonderheit an der ligurischen Küste: weitläufig, sandig und leicht zugänglich. Öffentliche Bereiche existieren neben privaten bagni, wo Liegestühle und Sonnenschirme für etwa 15 Euro pro Tag gemietet werden können. Das Wasser wird nur allmählich tiefer, was ideal für Familien ist.
Surfen wird hier großgeschrieben. Die Blackwave Surf School nimmt Anfänger auf, während die Spots Casinò, Pietra und Nadia bei Fortgeschrittenen beliebt sind. Das Surfestival zwischen Mai und Juni lockt Teilnehmer aus der ganzen Halbinsel an.
Der Radweg MareMonti und die Nachbardörfer
Dies ist vielleicht die schönste Aktivität in Levanto. Der Radweg MareMonti verläuft auf fast 6 km Länge auf der ehemaligen Eisenbahntrasse aus dem 19. Jahrhundert. Er führt durch alte Bahntunnel, die sich immer wieder zu Panoramablicken auf die Küste öffnen. Die flache, asphaltierte Strecke verbindet Levanto mit Bonassola und Framura, zwei Dörfern, die für ihre Strände und Cafés einen Zwischenstopp wert sind.
Tipp vom Experten: Leih dir Fahrräder bei Surf Levanto an der Piazza del Popolo. Der Inhaber, ein seit Jahren hier lebender Australier, gibt exzellente Empfehlungen für Mittagspausen entlang der Strecke. Die Verleihshops schließen zwischen 12:30 und 15:30 Uhr.
Wanderungen und das mittelalterliche Zentrum
Der Wanderweg von Levanto nach Monterosso, Teil des Sentiero Verde Azzurro, schlängelt sich auf 7 km Länge durch Olivenhaine, Weinberge und mediterrane Macchia. Rechne mit 2 bis 2,5 Stunden Gehzeit, die Rückreise mit dem Zug dauert vier Minuten. Der Abstecher über Punta Mesco bietet einen der schönsten Ausblicke auf die ligurische Küste.
Das mittelalterliche Zentrum lässt sich in einer Stunde erkunden, ist aber ein Highlight. Die Kirche Sant'Andrea aus dem 13. Jahrhundert zeigt eine Fassade aus weißen und dunkelgrünen Marmorstreifen, die typisch für die ligurische Gotik ist. Die mittelalterliche Loggia auf der Piazza del Popolo aus dem Jahr 1405 erinnert daran, dass Levanto bereits vor dem Tourismus ein wohlhabender Handelsort war.
Wo kann man in Levanto essen und trinken?
Die lokalste Spezialität sind gattafin: mit Kräutern gefüllte, frittierte Ravioli, außen knusprig und innen zart. Man isst sie direkt auf der Straße, auch wenn die Finger danach etwas fettig sind. Wie überall an der ligurischen Riviera gehören focaccia, farinata und pesto auf trofie zur Grundausstattung.
Die Trattoria Tumelin in einem gotischen Haus aus dem 12. Jahrhundert in der Via Grillo serviert seit 1970 traditionelle Fischküche. Für eine unkomplizierte Pizza ist Da Rino in der Via Garibaldi die erste Adresse. Das Ristorante Casinò, untergebracht im Art-déco-Gebäude des ehemaligen städtischen Casinos direkt am Meer, bietet eine gehobenere Küche in einem Ambiente der 1920er Jahre.
Wo übernachten in Levanto und Umgebung?
Das historische Zentrum und die Straßen nahe dem Bahnhof bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis mit B&Bs, kleinen familiengeführten Hotels und Apartments. In den umliegenden Hügeln liegen Agriturismo-Betriebe mit Blick auf das Tal, für die jedoch ein Auto erforderlich ist. Bonassola, eine Station mit dem Zug entfernt, ist eine noch ruhigere Alternative, falls dir Levanto im August zu belebt erscheint.
Anreise und Fortbewegung in Levanto
Die nächstgelegenen Flughäfen sind Genua-Cristoforo Colombo (1,5 Stunden mit dem Zug) und Pisa-Galileo Galilei (etwa 2 Stunden, Umstieg in La Spezia). Aus Richtung Nizza sind es rund 5 Stunden Fahrt über die A12. Mit dem Zug liegt Levanto 30 Minuten von La Spezia und 1 bis 1,5 Stunden von Genua entfernt.
Mit dem Auto ist das Parken hier einfacher als in den Cinque Terre: Etwa 2 Euro pro Stunde, maximal 15 Euro pro Tag. Vor Ort erledigt man alles zu Fuß oder mit dem Rad. Der Cinque Terre Express verkehrt alle 20 bis 30 Minuten.
Wann ist die beste Reisezeit?
Von April bis Juni und von September bis Oktober genießt du angenehme Temperaturen, gut begehbare Wanderwege und Strände ohne die großen Menschenmassen. Im September feiert das Festival della Sciacchetrà den lokalen Süßwein der Cinque Terre. Juli und August sind heiß und sehr gut besucht, während der Herbst und Winter die Surfer anlockt.