Mexiko: Wo uralte Zivilisationen auf die Karibik treffen
Der Duft von gegrilltem Mais auf einem Kohlebecken, das intensive Grün einer Cenote tief im Dschungel, eine Maya-Pyramide, die über das Blätterdach ragt. Mexiko beeindruckt durch seine schiere Größe und historische Tiefe. Das Land mit seinen 130 Millionen Einwohnern beherbergt mehr Unesco-Welterbestätten als jedes andere Land Lateinamerikas.
Von den türkisfarbenen Stränden auf der Halbinsel Yucatán bis zu den schneebedeckten Vulkanen im Zentrum, von Kolonialstädten bis zu den indigenen Dörfern in Chiapas: Es ist unmöglich, das Land in einer einzigen Reise vollständig zu erfassen.
Eine Reise, die etwas Vorbereitung erfordert
Dieses Ziel ist etwas für Reisende, die bereit sind, abseits ausgetretener Pfade unterwegs zu sein und sich auf die lokalen Gegebenheiten einzulassen. Touristische Regionen wie Yucatán, Campeche und die Riviera Maya gelten bei Einhaltung gängiger Vorsichtsmaßnahmen als sicher. Von Reisen in andere Bundesstaaten, insbesondere Guerrero, Sinaloa und Michoacán, raten die Behörden ab. Außerhalb der touristischen Zentren kann die Sprachbarriere eine Hürde sein, da dort nur wenige Menschen Englisch sprechen.
Mexiko belohnt diejenigen, die sich Zeit nehmen. Drei Wochen ermöglichen eine gute Kombination aus der Hauptstadt, Maya-Stätten und Strandtagen. Zwei Wochen genügen, um eine Region intensiv zu erkunden. Eine Woche in Cancún oder Tulum gibt einen ersten Eindruck, kratzt aber nur an der Oberfläche.
Ein Budget nach deinen Vorstellungen
Plane als Backpacker mit Hostels und Streetfood etwa 20 bis 40 Euro pro Tag ein. Mit einem Budget von 60 bis 120 Euro sind ordentliche Hotels, Restaurantbesuche und Ausflüge bequem machbar. Die All-inclusive-Resorts an der Riviera Maya kosten hingegen schnell mehr als 200 Euro pro Nacht.
Präkolumbische Stätten für die Ewigkeit
- Chichén Itzá bleibt die berühmteste Maya-Stätte und zählt zu den sieben neuen Weltwundern. Die Kukulcán-Pyramide zieht gewaltige Menschenmassen an. Sei am besten schon zur Öffnung um 8:00 Uhr vor Ort, um die Anlage vor den Reisebussen aus Cancún zu erleben. Der Eintritt für ausländische Besucher liegt bei etwa 600 Pesos.
- Palenque bietet ein völlig anderes Erlebnis. Die Maya-Stadt taucht mitten im Dschungel von Chiapas auf und wirkt beinahe mystisch. Die Tempel und der Palast zeugen von bemerkenswerter architektonischer Finesse. Das Gelände öffnet um 8:00 Uhr, und wegen der feuchten Hitze ist ein früher Start ratsam.
- Teotihuacán liegt nur eine Stunde von Mexico-Stadt entfernt und ist älter als die Maya- und Azteken-Kulturen. Die Sonnen- und Mondpyramiden überragen die 2,5 km lange Allee der Toten. Busse fahren alle 15 Minuten vom zentralen Busbahnhof in Mexiko-Stadt ab und kosten etwa 50 Pesos.
Tipp vom Experten: Die Stätte von Calakmul, tief im Dschungel von Campeche gelegen, bietet ein wesentlich intimeres Erlebnis als Chichén Itzá. Die Pyramide ist 45 Meter hoch und der Ausblick über den Wald ist beeindruckend. Plane für den Ausflug einen ganzen Tag ab Bacalar oder Campeche ein.
Cenoten und Lagunen, die den Atem rauben
Yucatán besitzt über 6.000 Cenoten, jene natürlichen Kalksteinhöhlen mit kristallklarem Süßwasser. Manche sind beliebte Touristenattraktionen, andere noch echte Geheimtipps. Nahe Valladolid lassen sich die Cenoten Oxman, Suytun und Ik Kil gut an einem Tag besichtigen. Der Eintritt liegt je nach Ort zwischen 100 und 250 Pesos.
Die Lagune von Bacalar, auch Lagune der sieben Farben genannt, ist eine entspannte Alternative zu den überlaufenen Stränden der Riviera Maya. Das türkisfarbene Wasser wechselt je nach Tiefe von hellem Blau zu tiefem Marineblau. Bacalar ist primär bei Mexikanern und erfahrenen Reisenden beliebt und bietet eine deutlich ruhigere Atmosphäre als Tulum.
Die Huasteca Potosina: Ein gut gehütetes Geheimnis
Diese Region im mittleren Norden beeindruckt mit Wasserfällen, türkisfarbenen Flüssen und surrealen Gärten. Der 105 Meter hohe Wasserfall Tamul ist per Kanu über den Fluss erreichbar. In Xilitla findest du die Gärten von Edward James, ein Labyrinth aus surrealistischen Skulpturen mitten im Dschungel. Die Region ist bei ausländischen Gästen noch wenig bekannt, was sich in günstigen Preisen widerspiegelt.
Kolonialstädte, in denen die Zeit stillzustehen scheint
- Guanajuato erstreckt sich mit seinen bunten Gassen an den Hängen eines Tals. Die unterirdischen Tunnel, einst ausgetrocknete Flussläufe, dienen heute als Verkehrswege. Die nächtlichen Callejoneadas sind eine gute Gelegenheit, in die lokale Kultur einzutauchen.
- Oaxaca besticht durch seine entspannte Atmosphäre. Auf den Märkten findest du Kunsthandwerk der Zapoteken, und in den Mezcalerias kannst du dich durch Dutzende Varianten des Agavenschnapses probieren. Die Stätte von Monte Albán liegt nur 20 Minuten vom Zentrum entfernt mit Blick über das Tal.
- San Cristóbal de las Casas liegt auf 2.200 Metern Höhe in Chiapas und vereint koloniales Erbe mit den indigenen Kulturen der Tzotzil und Tzeltal. In den Nachbardörfern Zinacantán und San Juan Chamula werden bis heute faszinierende synkretistische Traditionen gelebt.
Strände und die Karibikküste
Playa del Carmen konzentriert sich mit Restaurants und Geschäften rund um die Fußgängerzone Quinta Avenida. Tulum zieht mit seinen Beach Clubs und den Maya-Ruinen direkt am Meer ein trendbewusstes Publikum an, was in den letzten Jahren zu stark gestiegenen Preisen geführt hat.
Um dem Trubel zu entkommen, sind Holbox, eine autofreie Insel nördlich von Yucatán, oder El Cuyo, ein noch ursprüngliches Fischerdorf, gute Ziele. Die Pazifikküste bietet weitere Optionen: Puerto Escondido zum Surfen und Mazunte für mehr Ruhe.
Tipp vom Experten: Mahahual nahe Belize bietet karibische Strände ohne den Massenandrang von Tulum. Das Dorf bleibt an Tagen, an denen keine Kreuzfahrtschiffe anlegen, herrlich entspannt.
Mexikos Küche: Mehr als nur Tacos
Tacos gibt es in unzähligen regionalen Varianten. In Mexiko-Stadt drehen sich die Tacos al pastor am vertikalen Spieß, eine Tradition libanesischer Einwanderer. In Yucatán sind Tacos de cochinita pibil mit ihrem in Zitrusfrüchten und Achiote marinierten Schweinefleisch ein Muss. Eine Portion von drei Tacos kostet an einem Straßenstand zwischen 30 und 60 Pesos.
Oaxaca ist das Zentrum für Mole, eine komplexe Sauce aus Kakao, Chilis und zahlreichen Gewürzen. Handwerklich hergestellter Mezcal läuft dort der Tequila den Rang ab. An den Küsten lassen sich Ceviches aus frischem Fisch und Meeresfrüchten für wenige Pesos auf den Märkten genießen.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die Trockenzeit von November bis April bietet im Großteil des Landes das beste Wetter. Die Riviera Maya und Yucatán besucht man idealerweise von November bis März, um der Hitze und der Hurrikansaison von Juni bis Oktober zu entgehen. Im Zentrum des Landes können die Nächte in den Höhenlagen von Dezember bis Februar kühl werden.
Der Día de los Muertos am 1. und 2. November verwandelt das ganze Land. Die eindrucksvollsten Feierlichkeiten finden in Pátzcuaro und auf der Insel Janitzio in Michoacán statt. Buche Unterkünfte für diese Zeit unbedingt mehrere Monate im Voraus.
Anreise nach Mexiko
Direktflüge von Paris nach Mexiko-Stadt oder Cancún dauern etwa 11 bis 12 Stunden. Air France und Aeroméxico bieten regelmäßige Verbindungen an. Die Preise liegen je nach Saison zwischen 500 und 1.200 Euro. Flüge mit Zwischenstopp in den USA dauern länger und erfordern ein ESTA.
Deutsche Staatsangehörige benötigen für einen touristischen Aufenthalt von bis zu 180 Tagen kein Visum. Ein Einreiseformular (FMM) wird bei der Ankunft ausgehändigt. Bewahre es gut auf, da es bei der Ausreise vorgelegt werden muss; der Verlust zieht eine Gebühr von etwa 600 Pesos nach sich. Reisende aus Österreich oder der Schweiz prüfen am besten die Bestimmungen für ihre Staatsangehörigkeit.
Unterwegs im Land
Die Fernbusse von ADO und ETN verbinden die wichtigsten Städte komfortabel. Eine Fahrt von Cancún nach Mérida kostet etwa 400 Pesos bei einer Dauer von 4 Stunden. Inlandsflüge mit Volaris oder Viva Aerobus bringen dich in 2 Stunden von Mexiko-Stadt nach Cancún für 50 bis 150 Euro.
Ein Mietwagen bietet auf der Halbinsel Yucatán, wo die Sehenswürdigkeiten weit verstreut sind, eine angenehme Freiheit. Rechne mit 30 bis 50 Euro pro Tag für einen Kleinwagen. Vermeide Fahrten bei Nacht. In Städten funktioniert Uber zuverlässig und erspart Preisverhandlungen mit Taxifahrern.