Playa del Carmen: Wenn die Touristenattraktion das Fischerdorf verschluckt
Der Sand ist noch kühl, das Meer leuchtet in einem fast unwirklichen Blau und die Morgensonne beginnt das Portal Maya in Brand zu setzen. Diese 16 Meter hohe Bronzeskulptur wurde am 21. Dezember 2012 eingeweiht, dem Tag, an dem laut dem Maya-Kalender angeblich die Welt untergehen sollte. Um diese Uhrzeit bist du fast allein an einem der schönsten Sonnenaufgangsorte der Karibik. Zwei Stunden später wird dieser Ort von Tourenverkäufern, Schleppern und Urlaubern auf der Suche nach Mojitos überflutet sein.
Genau in diesem Gegensatz liegt der Kern von Playa del Carmen.
Was in den 1980er Jahren noch ein winziger Fischerhafen der Maya und der obligatorische Zwischenstopp auf dem Weg zur heiligen Insel Cozumel war, hat sich zu einer der am schnellsten wachsenden Städte Lateinamerikas entwickelt. Das einstige Xaman-Ha, was in der Maya-Sprache so viel wie "Gewässer des Nordens" bedeutet, nennen die Stammgäste heute einfach nur "Playa".
Die Stadt zieht eine kosmopolitische Mischung aus europäischen Expats, nordamerikanischen "Snowbirds", digitalen Nomaden und mexikanischen Familien an. Das Ergebnis ist ein eigenwilliger Mix aus Taquerias für 20 Pesos (ca. 1 Euro) und Beach Clubs, die 100 US-Dollar (ca. 92 Euro) Eintritt pro Tag verlangen.
Playa del Carmen: Ein leichteres Cancún, mit allen Vor- und Nachteilen
Wenn du eine entspanntere Alternative zu Cancún suchst, ohne auf ein lebhaftes Nachtleben und touristischen Komfort verzichten zu wollen, bist du hier richtig. Paare, feierwütige Freundesgruppen, Familien und Taucher finden hier genau das, was sie suchen. Zudem dient die Stadt als idealer Ausgangspunkt, um die gesamte Riviera Maya zu erkunden. Cenoten, die Ruinen von Tulum, die Insel Cozumel oder Chichén Itzá erreichst du von hier aus in weniger als zwei Stunden Fahrt.
Wenn du jedoch von einem unberührten, wilden Mexiko träumst, wirst du lange suchen müssen. Playa del Carmen wurde für den Tourismus konzipiert, und das spürt man an jeder Ecke. Die Quinta Avenida, eine 22 Häuserblocks lange Fußgängerzone parallel zum Strand, erinnert manchmal eher an ein Freiluft-Einkaufszentrum als an eine mexikanische Straße. Man wird dich pausenlos ansprechen, um dir Ausflüge, T-Shirts oder manchmal auch ganz andere Dinge zu verkaufen.
Wer echtes kulturelles Eintauchen sucht, ist in Städten wie Oaxaca, Mérida oder San Cristóbal de las Casas deutlich besser aufgehoben.
Sicherheit in Playa del Carmen
Statistisch gesehen bleibt Playa del Carmen eine der sichereren Städte im Bundesstaat Quintana Roo für Touristen. Die Kartelle sind zwar präsent, aber Besucher sind in der Regel nicht ihr Ziel. In der Vergangenheit gab es vereinzelt Schießereien im Bereich der Diskotheken, insbesondere rund um die Calle 12.
Das geschieht nicht systematisch, aber befolge die üblichen Sicherheitsregeln: Lauf nicht mit Wertsachen herum, bleib nachts in belebten Gegenden und informiere dich über die aktuelle Lage, bevor du losziehst. Das CAPTA, das Zentrum für Touristenschutz, hat in der Stadt mehrere Anlaufstellen, falls es Probleme gibt.
Sargassum: Der unerwünschte Gast
Das ist das Thema, das in den Hochglanzbroschüren oft verschwiegen wird. Seit einigen Jahren werden die Strände der Riviera Maya, vor allem zwischen April und August, von riesigen Mengen an Sargassum-Algen heimgesucht. An manchen Tagen sind die Strände von Playa mit einem braunen Teppich bedeckt, der nach faulen Eiern riecht. An anderen Tagen ist das Wasser glasklar. Es ist absolut unvorhersehbar.
Die Hotels schicken jeden Morgen Reinigungstrupps an den Strand und vor der Küste wurden schwimmende Barrieren installiert, doch das Problem bleibt bestehen. Unser ehrlicher Rat: Wenn der Strand deine höchste Priorität ist, komm am besten zwischen November und März oder weiche auf Orte wie Isla Mujeres oder die Westküste von Cozumel aus, die deutlich weniger betroffen sind.
Ein bezahlbares Budget, wenn du Touristenfallen meidest
Playa del Carmen ist sehr günstig, wenn du zum Essen und Trinken die Quinta Avenida verlässt. Rechne mit 30 bis 90 Euro pro Tag, je nach Lebensstil. Ein Bett im Hostel gibt es ab etwa 10 bis 15 Euro, ein ordentliches Doppelzimmer kostet zwischen 40 und 100 Euro und eine Mahlzeit in einer lokalen Taqueria schlägt mit 2 bis 4 Euro zu Buche. Resorts und Beach Clubs können die Rechnung hingegen leicht verdreifachen.
Die Quinta Avenida und das Zentrum: Das laute Herz von Playa
Es gibt kein Entkommen. Die Quinta Avenida ist das Rückgrat der Stadt, eine lange Fußgängerzone, die vom Parque Fundadores im Süden bis zur Calle 40 im Norden reicht. Internationale Boutiquen, Restaurants aller Nationalitäten, Cocktailbars und Kunstgalerien reihen sich lückenlos aneinander. Die Stimmung ist abends elektrisierend, für manche fast schon zu viel.
Ab der Calle 28 in Richtung Norden wird die Quinta ruhiger und lokaler. Hier haben Einheimische und Expats ihre Lieblingsplätze. Nimm dir die Zeit, in die 10. Avenue und die Seitenstraßen abzubiegen. Dort findest du bunte Wandmalereien, kleine unabhängige Läden und eine Atmosphäre, die dich daran erinnert, dass du tatsächlich in Mexiko bist.
Tipp vom Experten: Meide die Restaurants auf der Quinta zwischen der Calle 2 und der Calle 14. Das ist das touristischste Gebiet, in dem die Preise oft doppelt oder dreimal so hoch sind, während die Qualität meist mittelmäßig bleibt. Geh nördlich der Calle 28 oder nach Westen in Richtung Avenida 30, um wie die Einheimischen zu essen.
Die Strände: Zwischen Postkartenidylle und Realität
Der Hauptstrand von Playa del Carmen im Stadtzentrum sieht auf Fotos toll aus, ist aber oft überlaufen und anfällig für Sargassum. Für ein angenehmeres Erlebnis stechen zwei Alternativen deutlich hervor.
Punta Esmeralda im Norden der Stadt ist der Lieblingsstrand der mexikanischen Familien. Weißer Sand, Palmen und eine kleine Süßwasser-Cenote, die direkt am Strand entspringt. Der Eintritt ist kostenlos. Am Wochenende ist der Ort von Einheimischen überlaufen. Unter der Woche ist es ein friedliches Paradies, ideal für den Sonnenuntergang.
Playa Xpu-Ha, 30 Autominuten südlich gelegen, bietet klares türkisfarbenes Wasser und eine noch relativ unberührte Umgebung. Der Eintritt kostet etwa 50 Pesos (ca. 2,50 Euro), und für 200 Pesos (ca. 10 Euro) erhältst du ein Guthaben für das Strandrestaurant. Playa Mamitas hingegen ist der Party-Spot: laute Musik, Beach Clubs, Spring-Break-Stimmung. Du wurdest gewarnt.
Cenoten und Ausflüge: Der wahre Schatz der Region
Die Cenoten sind der Grund, warum sich viele Reisende in Yucatán verlieben. Diese natürlichen Kalksteinlöcher, gefüllt mit übernatürlich blauem Süßwasser, finden sich überall auf der Halbinsel. In der Nähe von Playa sind die Cenotes Azul, Cristalino und Jardín del Edén in 15 bis 20 Autominuten erreichbar und bieten unvergessliche Badeerlebnisse. Komm früh am Morgen, um den Massen zu entgehen.
Für ein intensiveres Erlebnis ist Río Secreto ein System aus halb überfluteten Höhlen, durch die du bei einer Führung zwischen Stalaktiten und glasklarem Wasser wanderst. Es ist eines der beeindruckendsten Erlebnisse in der Region. Rechne mit etwa 80 bis 100 Euro pro Person, inklusive professioneller Fotos.
Erfahrene Taucher sollten wissen, dass Playa del Carmen einer der wenigen Orte weltweit ist, an dem man von November bis Ende Februar mit Bullenhaien unter natürlichen Bedingungen tauchen kann. Die Korallenriffe vor Cozumel, die in 45 Minuten mit der Fähre erreichbar sind, gehören zum zweitgrößten Riffsystem der Welt.
Tipp vom Experten: Für Ausflüge nach Tulum oder Cobá solltest du die organisierten Touren meiden, die auf der Quinta verkauft werden. Sie sind oft überteuert und mit unnötigen Stopps in Souvenirshops vollgestopft. Nimm stattdessen ein Colectivo ab der Calle 2 für nur ein paar Dutzend Pesos.
Das Nachtleben: Von der Cantina bis zum Mega-Club
Nachts verwandelt sich Playa del Carmen. Das Epizentrum der Party liegt rund um die Calle 12 mit riesigen Clubs wie dem Coco Bongo, einem verrückten Kabarett, das Zirkusshows, Imitatoren und eine gigantische Tanzfläche miteinander verbindet. Die Shows beginnen erst nach 23:00 Uhr.
Für einen entspannteren Abend serviert die Cantina Don PP deftige traditionelle Küche mit Tequila in einer lokalen Atmosphäre. Der Manne's Biergarten, der von einem Deutschen geführt wird, der seit Jahren hier lebt, ist ein ungewöhnlicher Treffpunkt nur zwei Blocks von der Quinta entfernt: Craft-Biere, deutsche Küche und ein Stammpublikum aus der ganzen Welt.
Wo man in Playa del Carmen essen und trinken kann
Die kulinarische Szene von Playa ist eine der schönsten Überraschungen. Die lokale Spezialität sind Tacos al Pastor: langsam am vertikalen Spieß gegartes Schweinefleisch, serviert mit einem Stück Ananas, Koriander, Zwiebeln und scharfer Salsa. Für die besten der Stadt gehe zu El Fogón auf der 30. Avenue. Es gibt oft eine Warteschlange, aber das ist das Zeichen, dass du hier richtig bist. Die Tacos kosten ab etwa einem Euro pro Stück.
Für ein unvergessliches Frühstück bietet La Cueva del Chango, versteckt in einem tropischen Garten etwas abseits der Quinta, Chilaquiles und Huevos Rancheros an, für die es sich lohnt herzukommen. Abends verwandelt sich der Ort in ein romantisches Restaurant. Eine weitere lokale Adresse ist El Ñero, eine Taqueria, die erst um 17:00 Uhr öffnet und fast nur von Einheimischen besucht wird. Ihre Tacos al Pastor können es mit denen von El Fogón aufnehmen.
Das wohl außergewöhnlichste Erlebnis ist ein Abendessen im Alux, einem Restaurant, das in einer 10.000 Jahre alten natürlichen Höhle mit einer eigenen Cenote untergebracht ist. Reserviere im Voraus und probiere die Cocktails auf Basis von Xtabentún, einem Maya-Anislikör.
Unterkünfte in Playa del Carmen und Umgebung
Die Wahl des Viertels macht den Unterschied. Der Bereich zwischen der Calle 14 und der Calle 28, in Richtung Osten, bietet den besten Kompromiss aus Strandnähe, Zugang zu Restaurants und relativer Ruhe in der Nacht. Vermeide Unterkünfte in der Nähe der Calle 12, es sei denn, du möchtest bis 4:00 Uhr morgens zum Rhythmus der Bässe schlafen.
Playacar im Süden ist eine geschlossene Wohnanlage mit All-Inclusive-Hotels, gepflegteren Stränden und den kostenlosen Maya-Ruinen von Xaman-Ha. Es ist die ideale Wahl für Familien, die Ruhe suchen und dennoch die Stadt fußläufig erreichen wollen. Nördlich der Calle 38 ist die Atmosphäre wohnlicher und die Preise sinken: Airbnb-Unterkünfte bieten hier ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Anreise und Fortbewegung in Playa del Carmen
Der nächstgelegene Flughafen ist der von Cancún (CUN), der am stärksten frequentierte Mexikos. Aus Europa bieten mehrere Fluggesellschaften Verbindungen mit einem Zwischenstopp an, oft über Madrid oder Mexico City, zu Preisen zwischen 500 und 900 Euro je nach Saison. Vom Flughafen bringt dich der ADO-Bus in etwa einer Stunde für 10 bis 12 USD (ca. 9 bis 11 Euro) ins Zentrum von Playa. Er ist klimatisiert, modern und zuverlässig. Ein privates Taxi kostet etwa 100 USD (ca. 92 Euro).
Vor Ort lässt sich das Zentrum leicht zu Fuß erkunden. Für Ausflüge entlang der Küste nach Tulum oder Akumal sind die Colectivos unschlagbar: für nur wenige Dutzend Pesos erhältst du schnelle und häufige Verbindungen. Die Fähre nach Cozumel legt stündlich vom Terminal am Ende der Calle 1 ab, die Hin- und Rückfahrt kostet etwa 390 Pesos (ca. 20 Euro) für die 45-minütige Überfahrt. Ein Mietwagen ist ratsam, wenn du entlegene Cenoten erkunden oder nach Chichén Itzá fahren willst.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die beste Zeit liegt zwischen November und März: angenehme Temperaturen um 27 bis 30 Grad, wenig Regen und fast kein Sargassum. Dies ist auch die touristische Hochsaison mit höheren Preisen und maximalem Andrang zwischen Weihnachten und Neujahr. Für einen idealen Kompromiss aus Wetter, Andrang und Budget sind April/Mai oder der November zu empfehlen. Vermeide die Zeit von Juni bis September, wenn dir der Strand wichtig ist: Es ist die Hochphase der Sargassum-Algen, die Hitze ist erdrückend und die Hurrikan-Saison in vollem Gange.
Playa del Carmen ist eine große Flaniermeile mit jede Menge Geschäften, Restaurants und Clubs, die Tag und Nacht unglaublich lebendig ist. Wenn ihr die Kultszene aus dem Film The Mask mit Jim Carrey und Cameron Diaz kennt, dann müsst ihr unbedingt den echten Drehort besuchen: das Coco Bongo an der Avenue Playa del Carmen.
Der absolute Pflichtausflug in Mexiko ab Playa del Carmen ist das Schwimmen mit Walhaien. Die beste Reisezeit ist der August, dann habt ihr die Chance, dem größten Fisch der Erde zu begegnen. Ihr könnt sogar mit ihm tauchen. Ich war nur wenige Zentimeter entfernt.
Es ist natürlich verboten, ihn zu berühren, aber alle haben sich an die Regeln gehalten. Jede Gruppe hatte etwa 10 Minuten Zeit, um das Erlebnis zu genießen, damit der Walhai, der ganz entspannt vorbeischwamm, nicht gestresst wurde.