Oaxaca, dort wo Mexiko seine geheime Seele offenbart
Der Geruch erreicht dich, noch bevor du den ersten Schritt auf das Kopfsteinpflaster setzt: eine Mischung aus geröstetem Kakao, Copal-Rauch und gegrilltem Mais, die schwer in der Bergluft liegt. Oaxaca besucht man nicht einfach, man atmet es ein.
Diese Kolonialstadt liegt eingebettet in einem Tal auf 1.500 Metern Höhe, umgeben von kargen Bergrücken und Feldern voller bläulicher Agaven. Sie vereint sechzehn der achtundsechzig indigenen Kulturen Mexikos. Hier sind die zapotekischen Traditionen keine Museumsobjekte, sondern der Alltag von Händlern, Webern und Mezcal-Meistern, die ihre Handwerkskunst seit Generationen weitergeben.
Ein Ziel für neugierige Seelen
Oaxaca richtet sich vor allem an Reisende, die echte Authentizität suchen: Gastronomie-Fans mit Mut zum Neuen, Handwerksbegeisterte und Geschichtsentdecker, die tiefer in die präkolumbianische Vergangenheit eintauchen wollen. Paare und Alleinreisende finden hier eine entspannte und sichere Atmosphäre, fernab des Massentourismus der Küstenorte. Familien schätzen die herzliche Gastfreundschaft und die vielfältigen Aktivitäten.
Wer allerdings direkt am Strand sein möchte, muss eine halbtägige, kurvenreiche Fahrt zur Pazifikküste einplanen. Zudem kommt es in der Stadt häufig zu Demonstrationen, die den Verkehr blockieren können, und die Höhe kann in den ersten Tagen etwas ermüden. Ein Auto ist im Zentrum überflüssig, für die Erkundung der umliegenden Dörfer jedoch unverzichtbar.
Ein sehr günstiges Budget für mexikanische Verhältnisse
Plane für einen komfortablen Aufenthalt etwa 50 bis 70 Euro pro Tag ein. Rechne mit 25 bis 40 Euro für ein Zimmer in einem charmanten Hotel, 10 bis 15 Euro für ausgiebige Mahlzeiten in den Comedores und auf Märkten sowie einen kleinen Betrag in Pesos für die Colectivos. In Jugendherbergen und bei Streetfood-Ständen kommst du ohne große Mühe mit unter 35 Euro pro Tag aus.
Das Centro Histórico: Ein UNESCO-geschütztes Labyrinth aus Farben
Das Herz der Stadt schlägt rund um den Zócalo, einen von Lorbeerbäumen beschatteten Platz, auf dem Mariachi-Musiker auf Verkäufer von nieves artesanales (handgemachtem Eis) treffen. Die Straßencafés dehnen sich bis auf das Pflaster aus und das Treiben dauert bis tief in die Nacht an. In den umliegenden Fußgängerzonen wie der Macedonio Alcalá reihen sich Kunstgalerien, Boutiquen mit bestickten Textilien und Schokoladenmanufakturen aneinander, in denen der Kakao direkt vor deinen Augen gemahlen wird.
Verpasse nicht die Kirche Santo Domingo de Guzmán, ein barockes Meisterwerk, dessen mit Blattgold überzogenes Interieur absolut beeindruckend ist. Das angeschlossene Kloster beherbergt das Museo de las Culturas, in dem die Schätze aus Grab 7 von Monte Albán, darunter ein mit Türkis besetzter Schädel, von der Pracht der Mixteken zeugen.
Ein Tipp vom Insider: Der Jardín Etnobotánico ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich und ein frühes Erscheinen lohnt sich. Die englischsprachige Tour um 11:00 Uhr (100 MXN) ist schnell ausgebucht. Alternativ ist die spanischsprachige Führung (50 MXN) intimer und wird häufiger angeboten.
Die präkolumbianischen Schätze der Umgebung
Monte Albán, die ehemalige zapotekische Hauptstadt
Dreißig Minuten mit dem Shuttle vom Zentrum entfernt thront die archäologische Stätte von Monte Albán seit 500 v. Chr. über dem Tal. Das zum Weltkulturerbe zählende Plateau ist übersät mit Pyramiden, Tempeln und einem beeindruckenden juego de pelota (Ballspielplatz), das einen körperlich spürbaren Einblick in die Geschichte bietet. Das kostenlose Museum am Ausgang ordnet die vor Ort gefundenen Exponate hervorragend ein.
Ein Tipp vom Insider: Nimm das Shuttle von der Calle Minas (ca. 70 MXN hin und zurück) statt eines Taxis und komm direkt bei Öffnung zur Stätte, um die Anlage ohne die Besuchermassen und vor der Mittagshitze zu genießen.
Hierve el Agua und der Baum von Tule
Eineinhalb Stunden Fahrt entfernt bieten die natürlichen Becken von Hierve el Agua ein surrealistisches Naturschauspiel: versteinerte Wasserfälle, die durch Mineralablagerungen entstanden sind und über das Tal samt Agavenfeldern ragen. Du kannst in den Becken mit kühlem Wasser baden und dabei den Blick über die Berge schweifen lassen.
Auf dem Rückweg lohnt sich ein Stopp in Santa María del Tule, um den breitesten Baum der Welt zu bestaunen: eine Montezuma-Zypresse, die zwischen 1.500 und 3.000 Jahre alt ist und einen Stammdurchmesser von 14 Metern erreicht. Ein stiller Riese, der das eigene Zeitgefühl relativiert.
Das lebendige Handwerk der Dörfer
Das Tal von Oaxaca ist eine Werkstatt unter freiem Himmel. In San Bartolo Coyotepec formen Töpfer das barro negro, eine weltweit einzigartige, schwarz glänzende Keramik. In Teotitlán del Valle fertigen zapotekische Weber Wollteppiche, die nach jahrhundertealten Techniken mit natürlichen Farbstoffen wie Cochenille und Indigo gefärbt werden.
Für die berühmten bunten Figuren ist San Martín Tilcajete das Ziel, die Wiege der alebrijes, fantastischer Kreaturen, die aus Copalholz geschnitzt werden. Familienwerkstätten öffnen ihre Türen für Besucher und bieten sogar Malkurse an.
Ein Tipp vom Insider: Besuche am Sonntagmorgen den Markt von Tlacolula, den größten Wochenmarkt der Region. Ein intensives Erlebnis für alle Sinne, bei dem du Barbacoa (im Erdofen gegartes Fleisch) und knusprige Chicharrones probieren kannst.
Die Pazifikküste: Ein Abstecher wert
Wenn es deine Zeit erlaubt, überquere die Sierra Madre del Sur, um die wilden Strände des Bundesstaates zu erreichen. Mazunte, Puerto Escondido und Huatulco locken mit türkisfarbenen Buchten, Surfspots von Weltrang und einer entspannten Bohème-Atmosphäre. Plane einen halben Tag im Sammeltaxi oder einen ganzen Tag im Bus ein, um die von Kaffeeplantagen bedeckten Berge zu überqueren.
Wo kann man in Oaxaca essen und trinken?
Oaxaca gilt als gastronomische Hauptstadt Mexikos, und jede Mahlzeit bestätigt diesen Ruf. Der lokale Star bleibt das mole negro, eine komplexe Sauce aus Chilis, Gewürzen und Schokolade, die zu Huhn serviert wird. Mutigere probieren chapulines (geröstete Heuschrecken), die gerne zum Aperitif mit einem Shot handwerklichem Mezcal geknabbert werden.
Verlasse die Stadt nicht, ohne tlayudas probiert zu haben, große, knusprige Tortillas, belegt mit Bohnen, Oaxaca-Käse und Tasajo (getrocknetem Fleisch), oder tamales, die in Bananenblätter eingewickelt sind. Der Mercado 20 de Noviembre ist der Tempel des Streetfoods: Suche dir dein Fleisch an den Ständen aus, lass es vor Ort grillen und genieße es mit memelitas und scharfen Salsas.
Wo übernachten in Oaxaca und Umgebung?
Das Centro Histórico bietet das größte Angebot, von lebendigen Jugendherbergen bis hin zu Boutique-Hotels in ehemaligen Kolonialhäusern. Das Viertel Jalatlaco mit seinen gepflasterten Gassen und pastellfarbenen Fassaden ist eine ruhigere und etwas günstigere Alternative, nur zehn Gehminuten vom Zócalo entfernt.
Für eine künstlerische Atmosphäre zieht das Viertel Xochimilco kreative Reisende mit seinen angesagten Cafés und Künstlerateliers an. Wer ein knappes Budget hat, findet Schlafplätze in Schlafsälen ab 15 bis 18 Euro pro Nacht, während Liebhaber von besonderem Charme sich ein Zimmer in einem ehemaligen Kloster für 80 bis 150 Euro pro Nacht gönnen können.
Wie kommt man nach Oaxaca und wie bewegt man sich fort?
Der internationale Flughafen Xoxocotlán empfängt tägliche Flüge aus Mexiko-Stadt sowie einige Verbindungen aus den USA. Der Flug von der Hauptstadt dauert eine Stunde, mit dem Bus sind es etwa sieben Stunden (20 bis 60 Euro je nach Anbieter und Komfort). Die ADO-Busse bieten verstellbare Sitze und WLAN, was die Fahrt angenehm macht.
Vom Flughafen aus kosten geteilte Colectivos je nach Zone etwa 85 bis 140 MXN bis ins Zentrum. In der Stadt ist alles zu Fuß erreichbar. Für Ausflüge starten die Colectivos von den peripheren Terminals, oder du mietest einen privaten Fahrer mit Auto für den Tag (rechne mit 1.500 bis 2.000 MXN). Die App Didi funktioniert für Fahrten innerhalb der Stadt einwandfrei.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die ideale Jahreszeit reicht von Oktober bis März: blauer Himmel, milde Temperaturen zwischen 20 und 28 Grad Celsius und außergewöhnliche Feierlichkeiten. Der Día de Muertos (Ende Oktober bis Anfang November) verwandelt die Stadt in ein riesiges Freilufttheater, allerdings müssen Unterkünfte Monate im Voraus gebucht werden. Die Guelaguetza (Juli) zelebriert die sechzehn indigenen Kulturen mit einem farbenfrohen Festival voller Tänze.
Vermeide die Regenzeit (Juni bis September). Die heftigen Schauer am späten Nachmittag können Ausflüge vermiesen und im Mai kann die Hitze erdrückend werden.
Wir haben am Stadtrand übernachtet, aber ich weiß noch, wie sehr wir die Altstadt genossen haben. Die Fußgängerzonen und die Kirchen aus der Kolonialzeit lassen sich wunderbar zu Fuß erkunden. Ich habe auch die Abendessen auf einer Dachterrasse in sehr guter Erinnerung. Weitere Aktivitäten, die mir gefallen haben: die Ausflüge nach Monte Alban, Hierve el Agua und zu den Mezcal-Brennereien (ein besonderes Lob an unsere Begleiterin Minerva!).
Und falls ihr die Gelegenheit habt, die Strecke von der Pazifikküste nach Oaxaca zu fahren, es erwarten euch atemberaubende Berge voller Wälder und Kaffeeplantagen!