Place du Vieux-Marché in Rouen: Hier wurde französische Geschichte geschrieben
Am 30. Mai 1431 bestieg eine neunzehnjährige Frau vor einer riesigen Menschenmenge einen Scheiterhaufen. An diesem Morgen wurde auf dem Marktplatz von Rouen aus Jeanne d'Arc eine Legende. Heute hat sich der Platz den Charakter eines belebten Treffpunkts bewahrt, an dem Café-Terrassen, bunte Marktstände und moderne Architektur auf mittelalterliche Überbleibsel treffen.
Warum sollte man die Place du Vieux-Marché besuchen?
Es gibt nur wenige Orte, die so viele historische Schichten an einem einzigen Punkt vereinen. Im Mittelalter diente dieser dreieckige Platz als Markthalle für Metzger und Fischhändler, aber auch als Ort für öffentliche Hinrichtungen. Der Dramatiker Pierre Corneille wurde in der Kirche Saint-Sauveur getauft, die früher hier stand. Ihre bei archäologischen Grabungen freigelegten Grundmauern sind heute am südlichen Ende des Platzes zu sehen.
Das Märtyrertum der Jungfrau von Orléans veränderte die Identität dieses Ortes für immer. Fünfundzwanzig Jahre später, im Jahr 1456, wurde in diesem Viertel von Rouen im Rahmen eines Rehabilitationsprozesses ihre Unschuld proklamiert. Ein großes Kreuz markiert heute den exakten Standort des Scheiterhaufens, genau wie es das Urteil der Rehabilitation vorsah.
Die Kirche Sainte-Jeanne-d'Arc: Ein radikaler architektonischer Entwurf
Das Gebäude wirkt wie eine erstarrte Welle. Die vom Architekten Louis Arretche entworfene und am 27. Mai 1979 von Präsident Valéry Giscard d'Estaing eingeweihte Kirche sorgt seit ihrer Eröffnung für Diskussionen. Ihre Silhouette erinnert mal an ein umgedrehtes Wikingerschiff, mal an einen stilisierten Fisch oder die Flammen des Scheiterhaufens. Das Dach aus Schiefer und Kupfer wellt sich über dem Platz und setzt sich in den Hallen des überdachten Marktes fort.
Die geretteten Glasfenster
Wenn du die Schwelle übertrittst, gewöhnen sich deine Augen erst an das Halbdunkel. Die Nordwand offenbart dann dreizehn Renaissance-Glasfenster in leuchtenden Farben. Diese Fenster aus dem 16. Jahrhundert stammen aus der ehemaligen Kirche Saint-Vincent, die bei den Bombenangriffen von 1944 zerstört wurde. Die Denkmalschutzbehörde hatte sie bereits 1939 in Sicherheit gebracht. Drei dieser Werke stammen von den Glasmalern Le Prince de Beauvais. Das Licht, das durch diese jahrhundertealten Scheiben fällt, taucht das Innere in eine andächtige Atmosphäre.
Fachwerkhäuser und das Restaurant La Couronne
Rund um den Platz sind zahlreiche Fachwerkhäuser erhalten geblieben, von denen einige aus dem 15. Jahrhundert stammen. Viele wurden nach dem Krieg hierher versetzt, um sie vor dem Abriss in anderen zerstörten Stadtvierteln zu bewahren. Diese ockerfarbenen, blauen und roten Gebäude beherbergen heute Restaurants, Boutiquen und Cafés, deren Tische bei den ersten Sonnenstrahlen das Kopfsteinpflaster erobern.
An der südlichen Ecke zieht ein Haus mit vorkragenden Stockwerken die Blicke auf sich. La Couronne gilt als die älteste Gaststätte in Frankreich. Die Register weisen einen Betrieb seit 1345 nach. Das Gebäude existierte also bereits, als Jeanne d'Arc über den Platz geführt wurde. Julia Child soll hier eine kulinarische Offenbarung erlebt haben, die ihre Karriere in Richtung der französischen Küche lenkte. Die Ente nach Rouener Art (canard à la rouennaise) bleibt die Spezialität des Hauses.
Tipp vom Experten: Der Obst-, Gemüse- und Blumenmarkt findet dienstags bis samstags von 7:00 bis 19:00 Uhr statt, sonntags bis 13:00 Uhr. Samstags lockt zudem ein Flohmarkt die Schnäppchenjäger an. Komm früh, um die Stimmung ohne den großen Besucherandrang zu genießen.
Die Statue und das Denkmal
Gegenüber der Kirche, an eine Mauer gelehnt, blickt die Statue der Jeanne au bûcher (Jeanne auf dem Scheiterhaufen) auf den Ort ihres Todes. Sie wurde 1927 von Maxime Real del Sarte geschaffen und wiegt mehr als vier Tonnen. Das ruhige Gesicht der jungen Frau bildet einen Kontrast zu den Flammen, die an ihrem Kleid emporzüngeln. Von diesem Werk existieren zwei Repliken, eine in Buenos Aires und eine in Montreal.
Unter dem verlängerten Kirchendach erinnert eine Gedenkgalerie mit den Worten von André Malraux, die er am 31. Mai 1964 während der Feierlichkeiten zu Ehren von Jeanne d'Arc sprach. Jedes Jahr am letzten Maiwochenende feiert Rouen die Heldin mit mittelalterlichen Vorführungen, Paraden und Handwerksmärkten.
Als Tourist kommt man natürlich wegen des schrecklichen Endes von Jeanne d'Arc auf die Place du Vieux-Marché. Ein kleines Denkmal erinnert an dieses Ereignis, das einen riesigen Einfluss auf die Geschichte unseres Landes hatte. Abgesehen davon ist die Place du Vieux-Marché einen Abstecher wert, wegen der alten Architektur der Häuser, die sie säumen, und wegen ihrer Restaurants, unter denen man das älteste Gasthaus von Rouen finden kann. Ich persönlich empfehle den Besuch der Kirche, die mitten auf dem Platz thront, nicht. Die moderne Architektur des Ortes hat mir nicht sehr gefallen. Ich finde, sie passt nicht zum allgemeinen Ambiente des Platzes.