Das Museum der Schönen Künste in Rouen: Fünf Jahrhunderte europäischer Malerei bei freiem Eintritt
Das Licht fällt durch die Glasdächer auf den hellen Steinboden des Skulpturengartens. Um dich herum heben sich Büsten und Bronzestatuen in gedämpfter Stille vom Raum ab. Doch das ist nur der Anfang. Hinter diesem spektakulären Eingang, den Andrée Putman 1994 neu gestaltete, erstrecken sich rund sechzig Säle mit fünf Jahrhunderten europäischer Kunst. Von Pietro Perugino bis Amedeo Modigliani beherbergt das Haus eine der bedeutendsten regionalen Sammlungen Frankreichs.
Warum ein Besuch im Museum der Schönen Künste in Rouen lohnt
Das Museum wurde 1801 per napoleonischem Dekret gegründet und öffnete 1809 mit einem Grundstock von 244 Gemälden seine Pforten. Nach über zwei Jahrhunderten voller Schenkungen und Ankäufe umfasst die Sammlung heute etwa 8.000 Werke. Bereits 1878 galt die Institution als die umfassendste Sammlung Frankreichs nach Paris.
Dieser Ruf ist keineswegs übertrieben. In einem chronologischen Rundgang begegnest du Werken von Caravaggio, Diego Velázquez, Peter Paul Rubens, Nicolas Poussin und Eugène Delacroix. Der Eintritt in die ständige Sammlung ist dauerhaft kostenfrei.
Ein weiteres gewichtiges Argument ist die impressionistische Abteilung. Dank der Schenkung des Rouener Industriellen François Depeaux im Jahr 1909 wurde Rouen zur wichtigsten Stadt für diese Epoche außerhalb von Paris. Claude Monet, Alfred Sisley, Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir, Edgar Degas und Gustave Caillebotte sind hier mit einer Dichte vertreten, die für ein regionales Museum selten ist.
Säle und Werke, die du gesehen haben musst
Das 17. Jahrhundert, das Herzstück der Sammlung
Die Geißelung Christi von Caravaggio, gemalt im Jahr 1607, ist eines der wenigen Werke des Meisters, die in Frankreich erhalten geblieben sind. Die Spannung der Szene und das seitliche Licht auf der Haut Christi ziehen einen sofort in den Bann. Nur wenige Säle weiter blickt dich der Demokrit von Velázquez (1629) mit einem rätselhaften Lächeln an. Die Anbetung der Hirten von Rubens rundet diese für ein Regionalmuseum ungewöhnlich hochkarätige Zusammenstellung ab.
Géricault, der Sohn der Stadt
Elf Gemälde des in Rouen geborenen Romantikers sind in einem Saal mit tiefblauen Wänden ausgestellt. Die Wirkung ist beeindruckend. Seine anatomischen Studien und aufbäumenden Pferde entfalten in diesem dunklen Rahmen eine fast beklemmende Kraft. Das Porträt des Zimmermanns aus dem Floß der Medusa erinnert daran, dass nicht alles im Louvre zu finden ist. Die Werke von Géricault, die nicht in Paris hängen, befinden sich hier in Rouen.
Die impressionistische Galerie
Die Gestaltung des salle Depeaux bietet genügend Abstand, um jedes Gemälde in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Zu den Hauptwerken zählen:
- Die Kathedrale von Rouen, das Portal und der Albatros-Turm, graues Wetter von Monet, aus seiner berühmten Serie, die er von einem Fenster gegenüber der Kathedrale malte
- Gesamtansicht von Rouen, ebenfalls von Monet, das ein Panorama der Stadt von der Côte Sainte-Catherine aus bietet
- Die Boieldieu-Brücke in Rouen, untergehende Sonne von Pissarro, getaucht in goldenen Dunst
Tipp eines Insiders: Die kostenlose App Wivisites, die über einen QR-Code am Museumseingang zugänglich ist, bietet zwei Audioguide-Touren für dein Smartphone an. Ein Rundgang für die Meisterwerke und einer für den Impressionismus. So verlierst du in den sechzig Sälen nie den Überblick.
Ein Gebäude, das einen Blick verdient
Der Architekt Louis Sauvageot vollendete diesen neoklassizistischen Bau zwischen 1877 und 1888. Die Fassade blickt auf den square Verdrel, der sich perfekt für eine kurze Pause vor oder nach dem Besuch anbietet. Im Inneren gelang es Andrée Putman bei der Renovierung, die ursprüngliche Großzügigkeit der Räume zu bewahren und gleichzeitig die Ausstellungsfläche zu vergrößern.
Der Skulpturengarten, eine weitläufige verglaste Halle, ist ein eigenständiger Bereich. Dort befindet sich auch das MBA-Café, das täglich von 12:00 bis 15:00 Uhr für einen leichten Mittagssnack geöffnet hat.
Direkt hinter dem Museum befindet sich das musée Le Secq des Tournelles. Es ist in einer ehemaligen gotischen Kirche untergebracht und beherbergt eine weltweit einzigartige Sammlung von Schmiedekunst. Beide Museen lassen sich problemlos an einem Vormittag oder Nachmittag verbinden, und beide sind kostenlos zugänglich.
Ich habe 3 Jahre in Rouen gelebt und die kulturelle sowie historische Vielfalt der Normandie sehr geschätzt. Ein Besuch im Museum der Schönen Künste war für mich ein absolutes Muss, vor allem wegen des Erbes der Impressionisten in dieser Region! Das Museumsgebäude fand ich bei meinem Besuch absolut fantastisch und die Sammlungen sind sehr schön. Allerdings war ich ein wenig enttäuscht, dass ich während meines Besuchs fast keine impressionistischen Gemälde gesehen habe (Monet, Manet, Renoir...). Das wäre fast logisch gewesen, wenn man bedenkt, wie viele Künstler dieser Bewegung aus der Region stammen.