Besuch der Abteikirche Saint-Ouen
In der Stadt Rouen ist nicht nur die berühmte Kathedrale ein Juwel normannischer Gotik. Auch wenn die Abteikirche Saint-Ouen weniger bekannt ist, steht sie in puncto Prestige und Dimensionen ihrem berühmten Pendant in nichts nach. Sie gilt als ein Paradebeispiel für diesen ganz speziellen Baustil.
Geschichte
Die Abtei Saint-Ouen zählte einst zu den einflussreichsten Benediktinerklöstern der Normandie. Sie wurde im Jahr 750 auf den Überresten einer früheren merowingischen Kirche gegründet. Ihr Name geht schlicht darauf zurück, dass der spätere heilige Ouen im Jahr 684 dort beigesetzt wurde.
Im Jahr 918 ließ Rollon, der frisch ernannte Herzog der Normandie, die Abtei restaurieren. Es dauerte bis 1062, ehe der Abt Nicolas de Normandie einen Neubau im romanischen Stil initiierte. Die Kirche wurde dem heiligen Petrus geweiht und nahm 1095 dessen Gebeine auf.
Die gesamte Anlage fiel 1178 und erneut 1248 verheerenden Bränden zum Opfer, was einen langwierigen Wiederaufbau erforderlich machte. Erst 1318 begann der Abt Jean Mardargent damit, die romanische Kirche in ein gotisches Bauwerk zu verwandeln.
Die Bauarbeiten zogen sich über Jahrhunderte hin. Das Kirchenschiff wurde erst 1537 vollendet, und die Westfassade sah ihre endgültige Fertigstellung sogar erst im 19. Jahrhundert.
Im April 1944, nach den schweren Bombenangriffen auf die Stadt, diente das Gotteshaus als zentraler Ort für religiöse Zeremonien, während die zerstörte Kathedrale nicht nutzbar war.
Die Kirche Saint-Ouen
Obwohl sie nicht die Bekanntheit der Kathedrale von Rouen genießt, bietet sie eine vergleichbare Atmosphäre. Ihr charakteristischer flamboyanter gotischer Stil zieht jeden Besucher in den Bann. Das lichtdurchflutete Kirchenschiff mit seinen Glasfenstern auf drei Ebenen, der Chor mit seinen elf Kapellen sowie die bemerkenswerte Sammlung von Glasmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert machen den Ort zu einem beeindruckenden Erlebnis. Die Kapellen beherbergen zudem die größte Sammlung von Glasfenstern aus dem 14. Jahrhundert in ganz Frankreich.
Ein Besuch, den man bei einem Aufenthalt in der normannischen Hauptstadt nicht auslassen sollte.
Sie ist zwar kleiner als die Kathedrale, aber das heißt nicht, dass sie winzig ist. Ich fand sie sehr charmant, und wie in allen Kirchen ist es dort kühl, was zum Innehalten einlädt. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber man muss nicht gläubig sein, um solche Orte zu schätzen.