Rouen, die unterschätzte Hauptstadt der französischen Fayence
Hinter der klassischen Fassade eines Hôtel particulier aus dem 17. Jahrhundert (einem herrschaftlichen Stadtpalais) erzählen Tausende von Fayence-Stücken vom goldenen Zeitalter einer Stadt, die über fast zwei Jahrhunderte eines der bedeutendsten Keramikzentren Europas war. Die Vitrinen reihen sich in einer fast klösterlichen Stille aneinander, in der jedes Geschirrstück noch den Abdruck des Feuers zu tragen scheint, das es einst formte.
Warum das Keramikmuseum besuchen?
Das im Hôtel d'Hocqueville untergebrachte Museum beherbergt eine der umfangreichsten französischen Sammlungen, die der Fayence aus Rouen und der Normandie gewidmet ist. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert. In dieser Ära entwickelten die hiesigen Werkstätten Dekore, die man unter tausenden wiedererkennt, allen voran den berühmten Style rayonnant mit seinen symmetrischen blauen und roten Mustern.
Der Ort beschränkt sich nicht darauf, altes Geschirr auszustellen. Er zeichnet eine ganze Wirtschafts- und Technikgeschichte nach, die eines Handwerks, das einst mit den großen europäischen Manufakturen konkurrierte, bevor es im 19. Jahrhundert durch die aufkommende Porzellanproduktion allmählich verdrängte wurde.
Die Stücke, die einen Umweg wert sind
Unter den Hunderten von ausgestellten Objekten ragen einige Stücke durch ihre Größe oder ihre technische Virtuosität heraus. Die großen Platten in Blaumalerei aus dem 17. Jahrhundert, die mit mythologischen oder heraldischen Szenen verziert sind, zeugen vom Können der Keramiker aus Rouen auf ihrem Höhepunkt.
Es finden sich auch seltenere Exponate wie Fayence-Stäbe oder dekorative Objekte mit religiösem Bezug, die das breite Spektrum der lokalen Fertigung weit über das einfache Tafelgeschirr hinaus belegen.
Ein architektonischer Rahmen für sich
Das Hôtel particulier selbst verdient es, dass man den Blick vom Mobiliar abwendet. Seine vertäfelten Salons, die Prunktreppe und die eleganten Proportionen bilden einen spannenden Kontrast zur Sammlung. Man besucht hier genauso sehr einen Ort wie eine Ausstellung. Das natürliche Licht, das durch einige Räume fällt, verändert je nach Tageszeit die Wahrnehmung der Glasuren.
Tipp vom Experten: Besuche das Museum am späten Vormittag. Das Tageslicht bringt die Blautöne der alten Fayencen am besten zur Geltung, da diese unter künstlicher Beleuchtung oft ihre feinen Nuancen verlieren.
Geeignet für
- Liebhaber der Geschichte des Kunsthandwerks
- Fans historischer Architektur
- Einen ruhigen Besuch ohne Menschenmassen
Weniger geeignet für
- Kleinkinder, die sich meist nicht für dieses Thema begeistern
- Eilige Besucher, denn das Thema erfordert Zeit und Ruhe
Öffnungszeiten
Mittwoch bis Montag: 10:00 bis 13:00 Uhr und 14:00 bis 18:00 Uhr.
Dienstags sowie am 1. Januar, 1. Mai, 1. November, 11. November und 25. Dezember geschlossen.
Wie viel Zeit du für diese Aktivität einplanen solltest
Plane etwa 1 Stunde und 30 Minuten ein, um die ständigen Sammlungen zu erkunden und die feine Verarbeitung der Exponate zu bewundern. Wenn du die Geschichte der Fayencen aus Rouen im Detail studieren möchtest, solltest du 2 Stunden vorsehen.
Ich fand den Besuch dieses Museums wirklich sehr interessant. Wenn Sie sich für Keramik begeistern und heute selbst welche herstellen, dann sollte Ihnen das auch sehr gefallen. Achtung, prüfen Sie vorher gut, ob das Museum geöffnet ist, da meines Wissens nach Bauarbeiten geplant sind.