Setúbal entdecken, die Hafenperle abseits des Massentourismus
Während sich in Cascais die Reisebusse drängen und Sintra vor Selfies kaum noch Luft bekommt, pflegt Setúbal knapp 50 Kilometer südlich von Lissabon ganz entspannt seine maritime Identität. Der Duft von gegrilltem Fisch liegt über dem Hafen, an den Wänden erzählen Azulejos von Fischerszenen, die sonst niemanden interessieren, und genau das macht den Reiz aus. Diese Fischerstadt weigert sich beharrlich, sich für den Massentourismus aufzuhubschen.
Ein Ziel für alle, die das echte Portugal suchen
Machen wir uns nichts vor: Wer von einer Hochglanz-Postkarte träumt oder einem malerischen Ort, an dem jeder Stein für Instagram arrangiert zu sein scheint, wird von Setúbal vielleicht enttäuscht. Die Industriestadt am Wasser hat Ecken und Kanten. Wenn du allerdings einen lebhaften Fischmarkt einem Souvenirshop vorziehst und die Vorstellung, in einer verrauchten tasca mit Einheimischen an einem Tisch zu sitzen, verlockender findest als ein schickes Restaurant, bist du hier genau richtig.
Beim Budget hält sich alles im Rahmen. Die besten Choco-Frito-Lokale kosten etwa 10-15 €* pro Person, und Unterkünfte bleiben im Vergleich zu Lissabon bezahlbar. Ein Mietwagen erleichtert den Weg zu den Stränden der Arrábida ungemein, aber Bus und Bahn tun es auch, wenn du etwas Zeit mitbringst. Das Leben hier folgt dem Takt des Hafens und der Gezeiten statt den Zeitplänen von Reisegruppen.
Kulturerbe und Aromen in der Altstadt
Der 1930 eröffnete Mercado do Livramento gehört zu den eindrucksvollsten Markthallen des Landes. Hinter den rosafarbenen Mauern verbirgt sich ein mit Kacheln und Mosaiken ausgekleidetes Innenleben, in dem sich die Fischstände aneinanderreihen. Hier decken sich vor allem die Setubalenses für den Tag ein, nicht Touristen mit Fotoapparaten. Die Stimmung ist laut, direkt und ungeskriptet.
Wenige Schritte weiter breitet die Praça do Bocage ihre schattigen Terrassen aus, über die das Standbild des lokalen Dichters wacht. Das violette Rathaus überrascht mit barocker Architektur als Wiederaufbau nach einem Brand im Jahr 1910. Die Igreja São Julião aus dem 13. Jahrhundert steht neben der Renaissance-Kathedrale, deren Azulejos und vergoldeter Altar einen Blick lohnen. Die Kopfsteinpflasterstraßen der Fußgängerzone führen direkt zur avenue Luisa Todi, der Hauptschlagader mit ihren Fischrestaurants und traditionellen tascas.
Die zwischen 1490 und 1495 errichtete Igreja de Jesus gilt als das allererste Bauwerk im manuelinischen Stil, der später auch das Hieronymus-Kloster in Lissabon prägen sollte. Die gedrehten Säulen zeigen, wie weit die gotische Baukunst damals ging.
Ein Tipp unter Freunden: Geh am frühen Morgen zum Markt, wenn die Fischer ihren Fang an Land bringen und der Fisch direkt an den Ständen ausgenommen wird. Dieses Schauspiel ersetzt jedes Heimatmuseum.
Die Strände der Arrábida, ein Geheimnis mit wachsendem Andrang
Die Praia de Galapinhos wurde von European Best Destinations zur schönsten Bucht Europas gekürt, was die Anreise inzwischen etwas umständlich macht. Von Juni bis September ist der Autoverkehr auf der Küstenstraße streng reglementiert, mit einer Zugangskontrolle am "cruzamento do Pinheiro". Fahrräder und Motorräder dürfen passieren, Autos müssen am Creiro abgestellt werden; von dort geht es zu Fuß oder mit dem Shuttle weiter.
Die Praia da Figueirinha bleibt der am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbare Strand ab Setúbal und passt perfekt für Familien. Etwas weiter drinnen bieten die Praia dos Galapos und die Praia dos Coelhos kristallklares Wasser zum Schnorcheln, eingerahmt von den Kalksteinfelsen der Serra da Arrâbida. Das Wasser ist hier kühler, als es das mediterrane Flair vermuten lässt, aber von bemerkenswerter Klarheit.
Ein Tipp unter Freunden: Die Straße zwischen Figueirinha und Galapos bleibt wegen Steinschlaggefahr ganzjährig gesperrt. Nach Galapinhos gelangst du nur über Creiro oder Azeitão. Pack feste Schuhe ein und komm früh, besonders im Sommer.
Die Delfine des Sado und die Halbinsel Tróia
Im Sado-Estuário lebt eine feste Kolonie von etwa 27 bis 30 Großen Tümmlern, eine von europaweit nur drei Populationen, die dauerhaft in einer Flussmündung heimisch sind. Die Tiere werden seit 1981 wissenschaftlich beobachtet; jedes Exemplar lässt sich an seiner Rückenfinne erkennen. Katamaran-Touren starten am Hafen von Setúbal, meist um 10:30 Uhr und 14:30 Uhr, und dauern rund zweieinhalb Stunden. Die Preise liegen bei etwa 35-40 €* pro Erwachsenem.
Auf der anderen Seite des Ästuars zieht die Halbinsel Tróia ihre 13 Kilometer langen Strände aus hellem Sand und Pinienhainen entlang. Die Personenfähre kostet 8,40 €* für die einfache Strecke (Rückfahrt kostenlos) und fährt im Zentrum von Setúbal in der Nebensaison stündlich, im Sommer alle 30 Minuten ab. An der Ostküste der Halbinsel lassen sich die römischen Ruinen von Cetobriga besichtigen, einer einst bedeutenden Anlage zur Fischkonservierung. Tróia hat sich mit Luxushotels und Casino zwar zur gehobenen Adresse gewandelt, aber wer ein Stück läuft, findet im Süden noch immer menschenleere Abschnitte.
Ein Tipp unter Freunden: Delfine sind wilde Tiere, aber die Sichtungsrate liegt bei knapp 95 Prozent. Die Morgentouren sind meist ruhiger und bieten das bessere Licht für Fotos.
Die Weingüter von Azeitão und lokale Spezialitäten
Eine Viertelstunde Autofahrt entfernt liegen in den Hügeln der Arrábida die Weinberge von Azeitão, der Heimat des berühmten Moscatel de Setúbal, eines süßen Likörweins aus Alexandrinischem Muskateller. Die Weingüter José Maria da Fonseca und Bacalhôa bieten Führungen durch ihre historischen Keller an, in denen manche Fässer seit über einem Jahrhundert lagern. Perfekt dazu passt der Queijo de Azeitão, ein cremiger Schafskäse aus handwerklicher Herstellung mit pflanzlichem Lab aus Artischockenblüten.
Die Tortas de Azeitão, mit Eigelb gefüllte und mit Zimt bestreute Biskuitrollen, machen die kulinarische Trilogie komplett. Du bekommst sie in den traditionellen Bäckereien des Ortes, am besten zu einem Espresso namens bica.
Wo essen und trinken in Setúbal?
Der choco frito (frittierter Tintenfisch) regiert die lokale Gastronomie. Die Casa Santiago - O Rei Do Choco Frito an der Avenue Luisa Todi serviert dieses Gericht seit 1974. Außen knusprig, innen zart, leicht gewürzt und mit Pommes und Salat serviert, taucht die Sepia hier in jeder Variante auf. Im April feiert Setúbal jedes Jahr eine eigene Choco-Woche, in der rund fünfzig Restaurants kreative Gerichte wie Tintenfisch-Risotto, Favada mit Sepia oder Choco-Nigiri auftischen.
Weitere Lokale für gegrillten Fisch reihen sich entlang derselben Allee und in den Seitenstraßen auf. Frische Sardinen, Oktopus, Caldeirada (Fischeintopf) und Schweinefleisch mit Venusmuscheln stehen überall auf der Karte. Für einen Aperitif oder ein Mitbringsel lohnt sich ein Stopp im Casa da Baía, dem blauen Gebäude mit der Touristeninformation und einem Shop für Moscatel und regionalen Käse.
Wo übernachten in Setúbal und Umgebung?
Rund um die Praça do Bocage findest du solide Mittelklassehotels zu fairen Preisen, von denen aus Markt, Restaurants und Hafen zu Fuß erreichbar sind. Die Viertel nahe dem Uferpark Albarquel bieten modernere Unterkünfte mit Blick auf die Flussmündung. Selbst in der Hauptsaison bleiben die Preise deutlich unter dem Niveau von Lissabon.
Wer nah an Stränden und Weingütern sein möchte, findet in Azeitão Gästezimmer und charmante Quintas mitten im Grünen. Drüben in Tróia geht es luxuriöser zu, allerdings schlägt das Fährticket bei jedem Weg zu Buche.
Anreise und Fortbewegung in Setúbal
Ab Lissabon fährt der Zug vom Bahnhof Roma-Areeiro in 58 Minuten nach Setúbal. Auch Busse verbinden die Hauptstadt in etwa einer Stunde mit der Stadt. Mit dem Auto über die A2 dauert es vom Zentrum Lissabons rund 45 Minuten. Der nächste Flughafen ist Lissabon in 40 Kilometern Entfernung.
Vor Ort lässt sich die Altstadt wunderbar zu Fuß erkunden. Für die Strände der Arrábida ist ein Auto praktisch unersetzlich, da öffentliche Busse nur nach Figueirinha fahren. In den Sommermonaten kann das Parken nahe der Küste schwierig werden, was ein frühes Losfahren ratsam macht. Die Personenfähre nach Tróia legt am Cais 3 in der Innenstadt ab, die Autofähre an der Doca do Comércio.
Wann ist die beste Reisezeit?
Von April bis Oktober sorgt das mediterrane Klima für warme Tage und wenig Regen. Im Juli und August ist an den Stränden am meisten los. Ende Juli findet die Feira Sant’Iago statt, ein 400 Jahre altes Volksfest. Anfang August zieht die maritime Prozession der Nossa Senhora do Rosário auf dem Wasser viele Besucher an. Zwischen März und April feiert das Festival Queijo, Pão e Vinho die regionalen Produkte. Der Herbst lockt Weinliebhaber zur Lese in die Quintas von Azeitão.
Nicht weit von Lissabon entfernt liegt diese Küstenstadt an einer sehr hübschen Bucht. Das Wasser ist zum Baden selbst im Sommer relativ kalt, aber die Umgebung ist wirklich schön.