Sintra, der Hügel der unwirklichen Paläste
Lord Byron nannte sie ein „glorreiches Eden“. Doch kein Wort bereitet auf den ersten Eindruck dieser kleinen Bergstadt vor, in der gelbe und rote Schlösser wie märchenhafte Erscheinungen aus dem Blätterdach emporragen. Die Luft ist frisch und von Feuchtigkeit aus den waldreichen Hängen geprägt. Lissabon ist nur vierzig Zugminuten entfernt.
Ein Spielplatz für Wanderer und Träumer
Als Kulturlandschaft zum UNESCO-Welterbe erklärt, zieht die Stadt jährlich über drei Millionen Besucher an. Viele reisen für einen Tagesausflug aus Lissabon an, besichtigen zwei Schlösser und fahren wieder zurück. Das ist schade, denn das Gebiet verdient mindestens zwei Tage, um es ohne Hektik zu erkunden.
Geeignet für:
- Architektur-, Geschichts- und Kulturliebhaber
- Familien mit Kindern, die sich für Höhlen, Tunnel und Türme begeistern
- Wanderer, Romantiker, Fotografen
Ungeeignet für:
- Reisende mit eingeschränkter Mobilität: steile Hügel, Treppen und Kopfsteinpflaster an jeder Ecke
- Menschen, die großen Andrang meiden wollen: in der Hauptsaison sind die Warteschlangen zeitraubend
- Fans von entspannten Strandtagen: die Küste ist hier rau und windig
Ein Budget, das eingeplant werden muss
Die Eintrittskarten läppern sich schnell zusammen. Der Palácio da Pena kostet 20 €* pro Erwachsenen, die Quinta da Regaleira etwa 20 €*, die Mauermühle beziehungsweise das Castelo dos Mouros 12 €*. Rechnet man den Touristenbus für 13,50 €* und die Bahnfahrt hinzu, übersteigt ein Tag schnell 85 €* pro Person. Online-Kombitickets helfen, rund 10 Prozent zu sparen.
| Ausgaben | Schmaler Geldbeutel | Komfortabel |
|---|---|---|
| Unterkunft | 15 bis 25 €* im Hostel | 50 bis 80 €* in der Guesthouse |
| Snacks auf die Hand | 5 bis 8 €* | 8 bis 12 €* |
| Restaurantbesuch | 10 bis 15 €* | 20 bis 35 €* |
| Transport und Eintritt, 1 Tag | 20 bis 30 €* | 45 bis 65 €* |
| Tagesgesamtsumme | 50 bis 75 €* | 120 bis 190 €* |
Bereit zum Wandern?
Gutes Schuhwerk ist das A und O. Die Sehenswürdigkeiten verteilen sich auf steile Hügel und sind durch teils rutschige Waldwege verbunden. Das Mikroklima der Serra de Sintra sorgt für Temperaturen, die 2 bis 5 Grad unter denen von Lissabon liegen, oft begleitet von morgendlichem Nebel. Eine wärmende Schicht Kleidung sollte selbst im Sommer mit. Bezüglich der Sicherheit gibt es keinerlei Bedenken.
Die Paläste der Extravaganz
Der Palácio Nacional da Pena ist das absolute Wahrzeichen. Maurisch, Renaissance, manuelinisch: König Ferdinand II. kombinierte Stile völlig frei und schuf damit eines der wagemutigsten romantischen Schlösser Europas. Der dazugehörige Park erstreckt sich über 200 Hektar und beherbergt Mammutbäume, Baumfarne und Teiche. Cruz Alta, der höchste Punkt, eröffnet ein Panorama bis zum Atlantik.
Ein Tipp unter Freunden: reserviere dein Zeitfenster online, zwischen April und September am besten am Vortag. Das Ticket nur für den Park für 10 €* gewährt Zutritt zu Gärten und Terrassen, die ebenso spektakulär sind wie die Innenräume.
Zehn Gehminuten entfernt schlängeln sich die Mauern des Castelo dos Mouros über den Felsgrat. Diese Festung aus dem 8. Jahrhundert bietet Blicke hinab auf die Altstadt und den Palácio da Pena. Plan gut eine Stunde für den Besuch ein.
Esoterische Gärten und vergessene Pfade
Die Quinta da Regaleira ist ein weiteres absolutes Highlight. Auf 4 Hektar vereint das Anwesen Tempelrittersymbole, Freimaurerei und Mythologie. Der initiatorische Brunnenschacht, ein umgekehrter Turm mit neun Etagen hinab in die Tiefe, ist über Tunnelsysteme mit einem unterirdischen See verbunden. Die Wirkung ist eindringlich.
Der weniger bekannte Palácio de Monserrate erinnert an ein kleines Taj Mahal mit arabischen und indischen Einflüssen. Sein 143 Hektar großer Park ist der friedlichste Ort der Region. Mit einem Eintrittspreis von nur 8 €* finden wir ihn preislich am attraktivsten.
Wer die Höhen ohne Bus erreichen möchte, nimmt die Vila Sassetti, einen kostenfreien Pfad durch terrassierte Gärten, der zum Castelo dos Mouros und zum Palácio da Pena führt. Die meisten Besucher wissen gar nicht, dass es diesen Weg gibt.
Am Rand des Kontinents: die wilde Küste
Der Cabo da Roca markiert den westlichsten Punkt des europäischen Festlands. Klippen im Wind, der weite Atlantik, ein Leuchtturm und ein Gedenkstein mit einem Vers von Camões. Bei Sonnenuntergang ein echtes Schauspiel. Etwas weiter nördlich gilt die Praia da Ursa als einer der schönsten naturbelassenen Strände Portugals.
Wo in Sintra essen und trinken?
Zwei süße Spezialitäten geben hier den Ton an. Die queijadas, kleine Frischekäsetörtchen mit Zimt, deren Rezept bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen soll. Dazu die travesseiros, gefüllte Blätterteigtaschen mit Mandelcreme. Die traditionsreiche Adresse ist die Casa Piriquita, gegründet 1862 in der rua das Padarias. Dona Estefânia, ein paar Straßen weiter, ist deutlich weniger frequentiert.
Für eine richtige Mahlzeit serviert die Tasca do Xico gegrillten Oktopus, Stockfischkroketten und Lammkoteletts zu fairen Preisen. Tascantiga bietet moderne Tapas und eine hervorragende Caldo-verde-Suppe. Ein kurzer Fußmarsch von fünf Minuten weg von den Touristenpfaden halbiert die Rechnung.
Wie kommt man nach Sintra?
Vom Bahnhof Rossio in Lissabon dauert die Zugfahrt 40 Minuten und kostet mit der Navegante-Karte rund 2,50 €*. Es gibt drei Verbindungen pro Stunde. Ab Cascais fährt der Bus 1623 in 30 Minuten. Aus Deutschland fliegen TAP, Ryanair und easyJet nonstop nach Lissabon, von dort geht es mit der Bahn weiter.
Das Auto ist für die Stadt selbst nicht zu empfehlen: enge Einbahnstraßen und kaum Parkmöglichkeiten in der Hauptsaison.
Wie bewegt man sich in Sintra fort?
Der Bus 434 verbindet den Bahnhof mit dem Zentrum, dem Castelo dos Mouros und dem Palácio da Pena für 13,50 €*. Der Bus 435 fährt Monserrate und die Regaleira an. Zu Fuß musst du für die hochgelegenen Sehenswürdigkeiten über steile Pfade 30 bis 45 Minuten einplanen.
Tuk-Tuks bieten Touren zwischen 30 und 80 €* für zwei bis drei Personen an. Uber und FreeNow funktionieren, aber außerhalb des Zentrums steigen die Wartezeiten.
Wann ist die beste Reisezeit für Sintra?
Mai, Juni und September bieten den besten Kompromiss aus Wetter und Besucherandrang. Im Sommer ist es überlaufen, vor dem Palácio da Pena bilden sich teils einstündige Warteschlangen. Der Winter ist ruhig und die Preise sinken um 30 bis 50 Prozent, allerdings können Nebel und Regen die Aussicht trüben.
Sintra wurde an einem steilen Küstenabschnitt erbaut und bietet wunderschöne Aussichten für alle, die den Mut aufbringen, die steilen Wege zu erklimmen.
Besonderes Lob geht an den Palast von Pena, eine wirklich tolle Überraschung.