Sintra, der Hügel der unmöglichen Paläste
Lord Byron nannte den Ort ein glorreiches Eden. Doch Worte bereiten dich kaum auf den ersten Anblick dieser kleinen Stadt vor, die sich an ihren Berg klammert, wo gelbe und rote Paläste wie aus einem Märchen über den Baumwipfeln auftauchen. Die Luft ist kühl und riecht nach feuchtem Wald. Lissabon ist mit dem Zug nur dreißig Minuten entfernt.
Ein Spielplatz für Wanderer und Träumer
Als UNESCO-Weltkulturerbe in der Kategorie Kulturlandschaft eingestuft, zieht die Stadt jährlich über drei Millionen Besucher an. Viele kommen für einen Tagesausflug aus Lissabon, haken zwei Paläste ab und fahren wieder. Das ist schade, denn das Gebiet verdient mindestens zwei Tage, um ohne Eile erkundet zu werden.
Ideal für:
- Liebhaber von Architektur, Geschichte und Kulturerbe
- Familien mit Kindern, die Spaß an Höhlen, Tunneln und Türmen haben
- Wanderer, Romantiker und Fotografen
Weniger geeignet für:
- Menschen mit eingeschränkter Mobilität: steile Hügel, Treppen und überall Kopfsteinpflaster
- Alle, die Menschenmassen meiden: In der Hochsaison sind die Warteschlangen anstrengend
- Fans von entspannten Strandtagen: die Küste hier ist rau und windig
Das Budget im Blick
Die Eintrittsgelder summieren sich schnell. Der Palacio da Pena kostet 20 Euro pro Erwachsenem, die Quinta da Regaleira etwa 20 Euro, die Mauerburg (Castelo dos Mouros) 12 Euro. Rechnet man den Touristenbus für 13,50 Euro und die Zugfahrt dazu, überschreitet ein Tag leicht 85 Euro pro Person. Kombi-Tickets online sparen etwa 10 Prozent.
| Ausgaben | Low-Budget | Komfort-Budget |
|---|---|---|
| Unterkunft | 15 bis 25 Euro im Hostel | 50 bis 80 Euro in der Pension |
| Kleiner Snack | 5 bis 8 Euro | 8 bis 12 Euro |
| Restaurantbesuch | 10 bis 15 Euro | 20 bis 35 Euro |
| Transport + Eintritte, 1 Tag | 20 bis 30 Euro | 45 bis 65 Euro |
| Tagesbudget gesamt | 50 bis 75 Euro | 120 bis 190 Euro |
Bereit für den Aufstieg?
Gutes Schuhwerk ist das Wichtigste. Die Sehenswürdigkeiten liegen verteilt auf steilen Hügeln und sind über teils rutschige Waldwege verbunden. Das Mikroklima der Serra de Sintra macht es 2 bis 5 Grad kühler als in Lissabon, morgens ist Nebel häufig. Packt selbst im Sommer eine warme Schicht ein. Was die Sicherheit betrifft, gibt es keine besonderen Bedenken.
Paläste der Superlative
Der Palacio Nacional da Pena ist das absolute Wahrzeichen. Maurisch, Renaissance, manuelinisch: König Ferdinand II. mischte die Stile hemmungslos und schuf einen der kühnsten romantischen Paläste Europas. Sein 200 Hektar großer Park beherbergt Mammutbäume, Baumfarne und Seen. Cruz Alta, der höchste Punkt, bietet ein Panorama bis zum Atlantik.
Insider-Tipp: Reserviert euer Zeitfenster online, zwischen April und September mindestens einen Tag im Voraus. Das Ticket nur für den Park kostet 10 Euro und gewährt Zugang zu Gärten und Terrassen, die genauso spektakulär sind wie die Innenräume.
Nur zehn Gehminuten entfernt schlängeln sich die Mauern des Castelo dos Mouros über den Felsgrat. Diese Befestigung aus dem 8. Jahrhundert bietet Tiefblicke auf die Altstadt und den Pena-Palast. Plant etwa eine Stunde vor Ort ein.
Esoterische Gärten und vergessene Pfade
Die Quinta da Regaleira ist ein weiteres Highlight. Dieses 4 Hektar große Anwesen vereint Symbole der Tempelritter, Freimaurerei und Mythologie. Der Initiationsbrunnen, ein umgekehrter Turm, der neun Stockwerke in die Tiefe führt, ist durch Tunnel mit einem unterirdischen See verbunden. Die Wirkung ist beeindruckend.
Weniger bekannt ist der Palast von Monserrate, der an ein kleines Taj Mahal mit arabischen und indischen Einflüssen erinnert. Sein 143 Hektar großer Park ist der friedlichste Ort der Region. Wir halten ihn für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, mit einem Ticket für nur 8 Euro.
Um die Höhen ohne Bus zu erreichen, wählt den Vila Sassetti, einen kostenlosen Pfad, der durch terrassierte Gärten führt, bevor er beim Castelo dos Mouros und dem Palacio da Pena herauskommt. Die meisten Besucher kennen diesen Weg nicht.
Am Ende des Kontinents: die wilde Küste
Das Cabo da Roca ist der westlichste Punkt des europäischen Festlands. Vom Wind gepeitschte Klippen, der Atlantik soweit das Auge reicht, ein Leuchtturm und eine Stele mit einem Vers von Camões. Spektakulär zum Sonnenuntergang. Weiter südlich gilt die Praia da Ursa als einer der schönsten wilden Strände Portugals.
Essen und Trinken in Sintra
Zwei süße Spezialitäten regieren hier. Die Queijadas, kleine Käsetörtchen mit Zimt, deren Rezept bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen soll. Und die Travesseiros, Blätterteiggebäck gefüllt mit Mandelcreme. Das historische Haus ist die Casa Piriquita, gegründet 1862 in der rua das Padarias. Dona Estefânia, ein paar Straßen weiter, ist weniger überlaufen.
Für eine richtige Mahlzeit serviert die Tasca do Xico gegrillten Oktopus, Kabeljaukroketten und Lammkoteletts zu fairen Preisen. Tascantiga bietet moderne Tapas und eine exzellente Caldo Verde. Entfernt euch von der Touristenroute: Fünf Minuten zu Fuß genügen, um die Rechnung zu halbieren.
Übernachten in Sintra und Umgebung
Vor Ort zu schlafen ändert alles: Um 8:45 Uhr steht ihr vor dem Palacio da Pena, wenn die Busse aus Lissabon noch nicht einmal losgefahren sind. Das historische Zentrum konzentriert Pensionen und Boutique-Hotels zwischen 50 und 120 Euro pro Nacht. Budget-Optionen finden sich in Bahnhofsnähe, ca. 1,5 km entfernt. Als Alternative bieten Cascais und Estoril Unterkünfte mit Strand und einfacher Busanbindung.
Anreise nach Sintra
Vom Bahnhof Rossio in Lissabon benötigt der Zug 40 Minuten für etwa 2,50 Euro mit der Navegante-Karte. Es gibt drei Abfahrten pro Stunde. Von Cascais braucht der Bus 1623 etwa 30 Minuten. Aus Deutschland oder Österreich fliegen TAP, Ryanair oder easyJet direkt nach Lissabon. Die Flugzeit beträgt etwa 2:30 Stunden.
Vom Auto ist in der Stadt selbst abzuraten: kurvige Einbahnstraßen und Parken ist in der Hochsaison fast unmöglich.
Unterwegs in Sintra
Der Bus 434 verbindet den Bahnhof mit dem Zentrum, dem Castelo dos Mouros und dem Palacio da Pena für 13,50 Euro. Der Bus 435 bedient Monserrate und die Regaleira. Zu Fuß solltet ihr für die oben gelegenen Sehenswürdigkeiten über steile Pfade 30 bis 45 Minuten einplanen.
Tuk-Tuks bieten Touren zwischen 30 und 80 Euro für 2 bis 3 Personen an. Uber und FreeNow funktionieren, aber die Wartezeiten steigen außerhalb des Zentrums an.
Wann ist die beste Reisezeit?
Mai, Juni und September bieten den besten Kompromiss zwischen Wetter und Besucherandrang. Der Sommer ist überlaufen, mit Warteschlangen von bis zu einer Stunde vor dem Palacio da Pena. Der Winter ist ruhig und die Preise fallen um 30 bis 50 Prozent, aber Nebel und Regen können die Aussicht trüben.
Sintra wurde an einem steilen Küstenabschnitt erbaut und bietet wunderschöne Aussichten für alle, die den Mut aufbringen, die steilen Wege zu erklimmen.
Besonderes Lob geht an den Palast von Pena, eine wirklich tolle Überraschung.