Hieronymus-Kloster: Steinerne Kathedrale des Gewürzhandels
Das Morgenlicht trifft auf die Kalksteinfassade und bringt hunderte Skulpturen zum Vorschein, die man zuvor kaum beachtet hat. Steinerne Seile, Armillarsphären und Meereskreaturen verstecken sich in jedem Winkel. Das Mosteiro dos Jerónimos erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Man muss es sich erarbeiten, Detail für Detail.
Warum das Hieronymus-Kloster besuchen?
Alles beginnt im Juli 1497. Vasco da Gama verbringt seine letzte Nacht in einer Kapelle am Strand von Restelo, bevor er in Richtung Indien aufbricht. Zwei Jahre später kehrt er mit einer Ladung Gewürze zurück, die ein Vermögen wert ist. König Manuel I. beschließt daraufhin, ein Kloster zu Ehren dieses Erfolgs zu errichten. Die Arbeiten beginnen am 6. Januar 1501, finanziert durch eine 5-prozentige Steuer auf importierten Pfeffer.
Der Bau erstreckt sich über fast ein Jahrhundert. Der Architekt Diogo de Boitaca legt die Grundsteine, bevor João de Castilho im Jahr 1517 übernimmt und die spektakulärsten Elemente entwirft. Die UNESCO nahm das Ensemble 1983 gemeinsam mit dem nahegelegenen Turm von Belém in das Welterbe auf.
Der Manuelinik-Stil entschlüsselt
Die Manuelinik ist ein architektonischer Stil, der typisch für Portugal ist. Er verbindet Spätgotik mit Einflüssen der Renaissance und maurischen Elementen, feiert aber vor allem die maritimen Entdeckungen. Achte auf die wiederkehrenden Motive: Seile, Anker, Muscheln und Armillarsphären. Jede Säule und jedes Portal erzählt die Epen der portugiesischen Seefahrer.
Das Südportal, das zum Tejo ausgerichtet ist, ragt über 30 Meter in die Höhe. Im Zentrum thront die Jungfrau von Belém, umgeben von Heinrich dem Seefahrer und dem Erzengel Gabriel. Das Westportal, ein Werk des französischen Bildhauers Nicolas Chanterenne, dient als Eingang zur Kirche und zeigt Statuen von Manuel I. und seiner Ehefrau Maria von Aragon.
Die sehenswerten Bereiche
Der zweistöckige Kreuzgang
Dieser Kreuzgang mit einer Seitenlänge von 55 Metern gilt als einer der schönsten Europas und beeindruckt durch die Finesse seiner Arkaden. Eine seltene Besonderheit sind die vier offenen Ecken mit ihrer doppelten Arkadenreihe. Die untere Ebene, entworfen von Boitaca, bewahrt einen reinen manuelinischen Stil. Das Obergeschoss von Castilho integriert schlichtere Elemente der Renaissance.
Die Kirche Santa Maria de Belém
Der Eintritt ist frei und erfolgt über das Westportal. Das 25 Meter hohe Kirchenschiff ruht auf sechs skulptierten Säulen, deren Rippen sich wie Palmen zum Gewölbe hinaufstrecken. Die Grabmäler von Vasco da Gama und dem Dichter Luís de Camões flankieren den Eingang. Weiter hinten, im Kapitelsaal, ruht der Dichter Fernando Pessoa.
Insider-Tipp: Komme unter der Woche nach 15:00 Uhr. Die Reisegruppen fahren dann zurück in das Zentrum von Lissabon und du kannst den Kreuzgang fast für dich allein fotografieren. Im Sommer sind Wartezeiten von 45 Minuten bis 1,5 Stunden am Vormittag keine Seltenheit.
Das Refektorium und seine Azulejos
Dieser gewölbte Saal mit seinen Wänden, die mit Fliesen aus dem 18. Jahrhundert verkleidet sind, ist einen Stopp wert. Das Paneel, das die Brotvermehrung darstellt, nimmt die gesamte Eingangswand ein.
Rund um das Kloster
Ebenfalls sehenswert im Viertel Belém:
- Der Turm von Belém, eine weitere UNESCO-Stätte, etwa 15 Gehminuten den Tejo entlang.
- Das Padrão dos Descobrimentos, ein Denkmal für die Entdecker.
- Das MAAT, ein Museum für zeitgenössische Kunst direkt am Ufer.
- Die Konditorei Pastéis de Belém, wo der Legende nach die Mönche das Originalrezept der Pastéis de nata erfanden.
Das Kloster beherbergt zudem das Nationale Archäologiemuseum in einem Flügel aus dem 19. Jahrhundert sowie einen Teil des Schifffahrtsmuseums. Die Eintrittskarten für diese Museen werden separat verkauft.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Mein Lieblingsort in Lissabon! Dieses wunderschöne Kloster umfasst eine Kirche, deren Eintritt kostenlos ist, sowie einen Kreuzgang, der absolut beeindruckend ist und Eintritt kostet. Der Ort zeugt von der Geschichte und den portugiesischen Entdeckungen dank einer sehr detailreichen gotischen Architektur voller maritimer Motive. In Verbindung mit dieser Vergangenheit beherbergt die Kirche die Gräber von Vasco da Gama und Luis de Camoes. Man kann diesen Besuch problemlos mit dem Archäologiemuseum, das sich im Anbau befindet, und dem Torre de Belém verbinden.