Straßburg besuchen, das Elsass zwischen zwei Welten
Der Geruch von Zimt zieht im Dezember durch die Gassen, Holzschuhe klappern auf den Kopfsteinpflasterstraßen der Petite France, und die astronomische Uhr schlägt jeden Mittag ihre Melodie. Oder ist es das Stimmengewirr von EU-Abgeordneten, die draußen auf einer Terrasse bei Kaffee und Diskussionen zwischen zwei Sprachen wechseln? Diese Stadt verbindet mühelos mittelalterliches Erbe mit europäischer Moderne, Fachwerkhäuser mit moderner Architektur.
Die elsässische Metropole für jeden Reisetyp
Eines vorweg: Diese Stadt gefällt fast jedem. Geschichtsinteressierte finden im UNESCO-geschützten Zentrum genau das Richtige, Feinschmecker bekommen in den Winstubs beim Anblick der Speisekarte Hunger, und selbst Familien schätzen die überschaubare Größe, die sich wunderbar zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden lässt. Wer am liebsten am Strand liegt oder puren Sonnenschein sucht, zieht besser weiter. Hier geht es um die Atmosphäre, die einzigartige elsässische Kultur und dieses Talent, Tradition mit Avantgarde zu verbinden.
Der Trubel? Ja, den gibt es, besonders im Dezember, wenn der Weihnachtsmarkt Millionen von Menschen anzieht. Auch im Sommer steigen die Besucherzahlen, aber es bleibt entspannter als in vielen anderen europäischen Metropolen. Frühling und Herbst zeigen eine intimere Seite mit ruhigeren Terrassen und Museen, in denen du dir wirklich Zeit für die Kunst nehmen kannst.
Ein überschaubares Budget für eine außergewöhnliche Stadt
Plane zwischen 70 und 120 €* pro Tag und Person ein, je nachdem, was du vor hast. Ein Bett im Hostel startet bei 25 €*, ein gut gelegenes Drei-Sterne-Hotel kostet etwa 80-100 €* pro Nacht. Zum Essen gibt es eine kräftige Choucroute garnie in einer traditionellen Winstub für 20-25 €*, und ein Glas elsässischer Wein liegt meist bei 5-7 €*. Die Fortbewegung? Das Tagesticket für 4,60 €* lohnt sich vor allem, wenn du etwas außerhalb wohnst.
Wenn du nur kurz Zeit hast, hilft dir dieser Artikel weiter: Straßburg in 1 Tag besuchen.
Die Grande Île, das schlagende historische Herz
Hier fängt alles an, auf dieser Insel, die von den Armen der Ill umflossen wird. Unmöglich, am Straßburger Münster vorbeizugehen, diesem rosa Sandsteinbau, der mit seinen 142 Metern die Stadt überragt. Steig die 330 Stufen zur Aussichtsplattform hinauf: Der Blick über die Vogesen und den Schwarzwald entlohnt für jede Anstrengung. Drinnen zeigt die astronomische Uhr täglich um 12:30 Uhr ihr Schauspiel, komm am besten eine Viertelstunde früher, um einen guten Platz zu ergattern.
Rund um das Münster verzweigen sich die Gassen fächerartig. Der Gutenberg-Platz mit seinen Straßencafés, die rue des Hallebardes mit ihren Geschäften, die rue du Vieux-Marché-aux-Poissons.. Verliere dich einfach in den Straßen, das ist der beste Tipp. So stößt du auf versteckte Innenhöfe, kunstvoll gestaltete Fassaden und geschmiedete Ausleger.
Ein Tipp unter Freunden: Besuche das Haus Kammerzell direkt am Münsterplatz, selbst wenn du nur auf einen Kaffee bleibst. Das Gebäude aus dem 15. Jahrhundert ist ein architektonisches Meisterwerk, und der Innenraum mit seinen Wandmalereien und Holztäfelungen ist absolut sehenswert.
Die Petite France, das Postkartenviertel
Einst das Viertel der Gerber, Fischer und Müller, ist die Petite France heute der am häufigsten fotografierte Ort der Stadt. Die schiefen Fachwerkhäuser über den Kanälen, die roten Geranien an den Balkonen, die alten Steinbrücken.. Das ist hübsch, das ist beliebt bei Touristen, aber es hat sich seinen echten Charakter bewahrt.
Geh über die Gedeckten Brücken mit ihren vier mittelalterlichen Türmen und spaziere anschließend hinauf zum Vuban-Wehr für ein freies Panorama über das gesamte Viertel. Früh am Morgen oder am späten Nachmittag, wenn die großen Touristengruppen abziehen, spürst du die besondere Stimmung am besten. Entlang der Kais reihen sich traditionelle Winstubs aneinander: Le Tire-Bouchon, La Maison des Tanneurs mit ihrer Terrasse direkt am Wasser, Le Pont du Corbeau, das mit einem Bib Gourmand ausgezeichnet wurde.
Ein Tipp unter Freunden: Für eine ganz andere Perspektive setzt du dich auf ein Batorama-Schiff, das am Vauban-Wehr ablegt. Bei einer einstündigen kommentierten Rundfahrt fährst du von der Petite France bis ins Europaviertel und siehst die Stadt in ihrer ganzen Ausdehnung.
Die Neustadt, das unentdeckte kaiserliche Erbe
Zwischen 1870 und 1918 während der deutschen Zeit erbaut, überrascht die Neustadt mit ihrer prachtvollen wilhelminischen Architektur. Der Platz der Republik bildet mit seinem Garten im französischen Stil und den massiven Verwaltungsgebäuden das Zentrum. Der Rheinpalast als ehemalige Residenz der Kaiser und die National- und Universitätsbibliothek zeugen von dieser glanzvollen Epoche.
Dieses Viertel wird seltener besucht als die Altstadt und eignet sich wunderbar für einen Spaziergang zur Architekturgeschichte. Breite Alleen und begrünte Parks wie die Orangerie, der älteste öffentliche Park der Stadt, sorgen für viel Grün mitten in der Stadt. Hier schlägt auch das politische Herz mit dem Europäischen Parlament und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Ein Tipp unter Freunden: Schau an einem Sonntagmorgen im Park der Orangerie vorbei. Die Straßburger drehen hier ihre Runden, führen ihre Hunde aus oder mieten sich ein Ruderboot auf dem kleinen See. So erlebst du die Stadt fernab vom Touristentrubel im ganz normalen Alltag.
Rund um das Zentrum: Ausflüge ins Elsass
Nach nur 20 Minuten Fahrt beginnt die berühmte Elsässische Weinstraße. Orte wie Obernai, Riquewihr oder Eguisheim lohnen einen ganzen Ausflugstag. Terrassenweinberge, Weinproben in familiengeführten Kellern, traditionelle Bauten, das ist das Bilderbuch-Elsass, das die Reise allein schon rechtfertigt.
Näher gelegen thront die Hohkönigsburg in 800 Metern Höhe über der Rheinebene. Diese wiederaufgebaute mittelalterliche Festung bietet spannende Einblicke in die Regionalgeschichte und einen weiten Blick über die Landschaft. Wenn du mit Kindern reist, liegt der Europa-Park im nur 60 Kilometer entfernten Deutschland und ist der größte Freizeitpark des Landes.
Wo kann man in Straßburg gut essen und trinken?
Die kulinarische Welt Straßburgs dreht sich um die Winstubs, gemütliche elsässische Tavernen mit viel Holz, in denen deftige Klassiker serviert werden. Auf den Tisch kommen Choucroute garnie, Baeckeoffe, Fleischkiechle und Tarte flambée. Die Portionen sind großzügig, die Preise fair.
Zu den verlässlichen Adressen gehört Le Clou in der rue du Chaudron, eine Institution mit alten Fotos von Prominenten an den Wänden und ehrlicher Stimmung. Die Winstub La Cruche in der rue des Tonneliers hat eine kleinere, aber feine Karte, auf der sich manchmal auch vegetarische Gerichte finden. Für Flammkuchen gehst du am besten ins La Binchstub mit seinen drei Standorten im Stadtgebiet, hier sitzt man eng beieinander, laut und ungezwungen, genau richtig.
Probiere unbedingt auch den herzhaften Gugelhupf zum Frühstück, Bredele zur Weihnachtszeit und reifen Münsterkäse von den Bauernhöfen der Vogesen. Ein Gewürztraminer oder ein Pinot Gris passen perfekt zu dieser Küche. Lass dich am besten in den Kellern der Hospitäler beraten, wo der älteste im Fass gelagerte Wein der Welt lagert.
Anreise und Fortbewegung in Straßburg
Mit dem TGV bist du in 2 Stunden aus Paris oder in 3 Stunden und 20 Minuten aus Lille im Zentrum, und das europäische Schienennetz ist bestens angebunden. Der internationale Flughafen liegt 15 Minuten vom Stadtkern entfernt, bietet allerdings weniger Direktverbindungen als die Flughäfen Basel-Mülhausen oder Karlsruhe-Baden, die per Shuttle erreichbar sind.
Mit dem Auto nutzt du am besten die Park-and-Ride-Parkplätze für 4,20 €* am Tag, in denen bereits unbegrenzte Tramfahrten für alle Mitfahrer im Auto bis zu sieben Personen enthalten sind. Das Straßenbahnnetz ist hervorragend ausgebaut und verbindet mit sechs Linien das gesamte Stadtgebiet. Die Altstadt erkundest du am besten zu Fuß, aber für Fahrten an der Ill entlang und bis ins Europaviertel lohnt sich ein Leihrad von Vélhop, die Stadt verfügt über 600 Kilometer Radwege.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die Monate von Mai bis September bieten den besten Mix aus angenehmem Wetter und lebendiger Stadt. Juni und Juli eignen sich besonders gut, um die Straßencafés und Open-Air-Festivals zu genießen. Wer Kälte und Menschenmassen nicht scheut, erlebt im Dezember mit dem Christkindelsmärik einen echten Zauber, wenn der älteste Weihnachtsmarkt Frankreichs die Gassen in eine Lichterwelt verwandelt.
Januar und Februar lässt du bei Kälteempfindlichkeit besser aus: Die Temperaturen fallen oft unter null und die Tage sind kurz. Der Herbst lockt mit goldenen Farben in den Weinbergen und milden Temperaturen, was besonders Ruhesuchende und Genießer freut, es ist die Zeit der Weinlese und der neuen Jahrgänge.
Je ne comprends pas le rapport entre éclairage du sapin et circulation dans les rues ?