Ottrott, das elsässische Dorf mit eigenem Rotwein
Es gibt nur eine einzige Appellation für Rotwein entlang der gesamten elsässischen Weinstraße, und sie trägt den Namen eines Dorfes, an dem die meisten Touristen achtlos vorbeifahren. Ottrott liegt direkt am Fuße des Mont Sainte-Odile und produziert seit Jahrhunderten einen Pinot Noir, den die Winzer vor Ort schlicht "le Rouge d'Ottrott" nennen.
Kenner machen manchmal extra einen Abstecher von Strasbourg aus, nur um ihn zu probieren. Das Dorf selbst ist zweigeteilt in Ottrott-le-Haut und Ottrott-le-Bas. Die beiden Ortsteile waren bis 1858 eigenständige Gemeinden, jede mit eigener Kirche, eigenen Schlössern und einer ganz eigenen Geschichte.
Ist dieses Ziel das Richtige für dich?
Wanderer, Weinliebhaber und Geschichtsinteressierte: definitiv. Alle anderen: vielleicht eher nicht.
Ottrott überzeugt nicht durch ein ausgeprägtes Nachtleben oder Museen von nationalem Rang. Es ist ein ruhiges Winzerdorf, das ideal liegt, um den Mont Sainte-Odile, die mittelalterlichen Burgruinen in den Höhenlagen und die umliegende Weinstraße zu erkunden. Wenn du einen entspannten Ausgangspunkt für diese Ecke des Elsass suchst, wo gute Restaurants und Weinkeller in direkter Reichweite liegen, bist du hier genau richtig.
Geeignet für:
- Wanderer, die einen einfachen Zugang zum Mont Sainte-Odile und den Burgruinen suchen
- Liebhaber elsässischer Weine, insbesondere Neugierige, die den Rouge d'Ottrott probieren wollen
- Paare, die ein entspanntes Wochenende suchen, besonders dank der Spas in den Hotels vor Ort
- Familien mit kleineren Kindern (Aquarium des Naïades, gut begehbare Wege)
- Reisende, die einen ruhigen Zwischenstopp entlang der Weinstraße suchen
Weniger geeignet für:
- Reisende ohne Auto: Das Dorf ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen
- Stadtbewohner, die ein ausgeprägtes Nachtleben, große Museen oder bedeutende Ausstellungen suchen
- Reisende mit sehr knappem Budget in der Hochsaison (gute Hotels haben ihren Preis)
Budget: Im elsässischen Mittelfeld, doch die Spas treiben die Kosten
| Ausgaben | Preisspanne |
|---|---|
| Günstige Unterkunft (Gîte, Privatunterkunft, Domaine Le Moulin) | Ab 64 € / Nacht |
| Komfortable Unterkunft (3-4 Sterne Hotel wie L'Ami Fritz oder Hostellerie des Châteaux) | 125 € bis 200 € / Nacht |
| Schnelles Essen / Winstub / Imbiss in Obernai (4 km entfernt) | 12 € bis 18 € |
| Restaurantbesuch vor Ort (L'Ami Fritz, Restaurant der Hostellerie) | 30 € bis 55 € |
| Aktivitäten (Wandern kostenlos, Eintritt Museum Klingenthal, Weinprobe) | 0 € bis 15 € |
| Tagesbudget für Rucksacktouristen | 80 € bis 100 € |
| Tagesbudget für Komfortbewusste | 180 € bis 280 € |
Praktische Tipps für die Reise
Ein Auto ist fast unerlässlich, um Ottrott und die Umgebung in vollen Zügen zu genießen. Der Bahnhof von Obernai liegt 4 km entfernt und ist von Strasbourg aus mit dem Regionalzug in etwa 30 Minuten für unter 10 € erreichbar. Von dort bringen dich ein Taxi oder ein gemietetes E-Bike in den Ort. Parkplätze sind im Ortskern einfach zu finden und kostenlos. Die Wege zwischen Ottrott-le-Haut und Ottrott-le-Bas sind bequem zu Fuß machbar.
Was die Sprache angeht: Elsässisch und Französisch dominieren. Deutsch wird fast überall verstanden. In Hotels und touristischen Restaurants kommst du mit Englisch gut zurecht. Wochentags sind die Weinkeller am Nachmittag oft geschlossen. Informiere dich am besten vorher, bevor du losfährst.
Der Mont Sainte-Odile und die Burgen: Berglegenden des Elsass
Vom Dorf aus führen zwei markierte Wanderwege direkt zu den mittelalterlichen Burgruinen hoch über den Weinbergen. Die Burg Rathsamhausen und die Burg Lutzelbourg liegen nur etwa fünfzig Meter voneinander entfernt und bieten beeindruckende Überreste: drei Bergfriede, Wohngebäude mit verzierten Kaminen und kunstvolle Fensterbögen. Die Rathsamhausen besitzt einen sogenannten Palas-Bergfried, von dessen makaberer Entdeckung der Historiker Silbermann im 18. Jahrhundert berichtete: Ein in Ketten gelegtes Skelett in einem fensterlosen Verlies mit 13 Fuß dicken Mauern.
Von den Ruinen aus führt der Pilgerpfad hinauf zum Mont Sainte-Odile (764 m), dem Heiligtum der Schutzpatronin des Elsass. Der Ort zieht Wanderer ebenso an wie Gläubige. Der Ausblick über die elsässische Ebene bis zum Rhein ist den Aufstieg wert. Plane für den Hin- und Rückweg vom Dorf aus etwa 2 bis 2,5 Stunden ein.
Tipp vom Experten: Folge auch dem Verlauf der Heidenmauer. Diese 10,5 km lange Steinmauer schlängelt sich um den Gipfel. Es ist eine der geheimnisvollsten vorgeschichtlichen Bauten Nordeuropas, deren genaue Funktion bis heute nicht abschließend geklärt ist.
Klingenthal und das Dorf: Zweitausend Jahre Geschichte in einem Weiler
Der Weiler Klingenthal, wörtlich das Tal der Klingen, verdankt seine Existenz einem Dekret von Ludwig XV. aus dem Jahr 1730, der dort die erste königliche Waffenmanufaktur Frankreichs ansiedelte. Facharbeiter wurden damals aus Solingen angeworben, um Säbel, Degen und Bajonette zu schmieden. Heute zeigt die Maison de la Manufacture in der alten Gemeindeschule die Werkstätten und Techniken von damals und präsentiert eine beachtliche Sammlung an historischen Blankwaffen.
Im Dorf selbst beherbergt die Kapelle Saint-Nicolas d'Ottrott-le-Bas aus dem 12. Jahrhundert eine der ältesten Madonnenfiguren des Elsass. Die 1771 erbaute Kirche von Ottrott-le-Haut besitzt eine denkmalgeschützte Silbermann-Orgel, ein Instrument, dessen Ruf weit über die Region hinausgeht. Im Sommer finden dort regelmäßig Konzerte statt.
Der Rouge d'Ottrott: Eine weinbauliche Besonderheit
Der Pinot Noir aus Ottrott ist eine erfreuliche Ausnahmeerscheinung an der elsässischen Weinstraße, die sonst von Weißweinen dominiert wird. Die Weingüter Fritz-Schmitt und Vonville, letzteres seit 1830 in Familienhand, empfangen Besucher in ihren Kellern zu entspannten Verkostungen.
- Der Rouge d'Ottrott wird ausschließlich aus Pinot Noir gekeltert, einer im Elsass eher seltenen Rebsorte.
- Die Weingüter sind vom Dorfzentrum aus zu Fuß erreichbar; in der Nebensaison ist meist keine Reservierung nötig.
- Die Preise sind im Vergleich zu den großen elsässischen Grand-Cru-Lagen der Nachbarorte sehr fair.
Tipp vom Experten: Im Mai und Juni organisiert das Dorf eine kulinarische Weinwanderung durch die Reben mit verschiedenen Stationen. Im Juli ist die Heidelbeer-Route in den Vogesen eine schöne Abwechslung zu den klassischen Pfaden. Suche außerdem nach dem Wildschwein am Spieß der Confrérie de la Corne, das zweimal jährlich serviert wird, ein Geheimtipp für alle, die genau wissen, wo sie suchen müssen.
Domaine du Windeck: Ein Park wie aus dem Bilderbuch
Kaum ein Reiseführer erwähnt die Domaine du Windeck, die zum Foyer de Charité gehört. Ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, umgeben von einem 11 Hektar großen Park, der als einer der schönsten im Bas-Rhin gilt. Mit seinen gestaffelten Teichen, denkmalgeschützten Bäumen und Blickachsen wirkt er wie ein Museum unter freiem Himmel. Der Zugang ist nach vorheriger Anfrage beim Foyer de Charité möglich, was den Besucherandrang auf natürliche Weise begrenzt.
Wo essen und trinken in Ottrott?
Die kulinarische Szene in Ottrott ist klein, aber fein. Die Hostellerie des Châteaux bietet eine gehobene Küche unter der Leitung von Chefkoch Ernest Schaetzel, ideal für ein besonderes Abendessen (rechne mit 40 bis 60 € pro Person ohne Getränke). Für eine entspanntere Atmosphäre ist das Hôtel-Restaurant L'Ami Fritz in einem steinernen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert eine gute Adresse für großzügige elsässische Küche zu fairen Preisen.
Die Flammekueche (Flammkuchen) und Choucroute (Sauerkraut) bleiben in den umliegenden Winstubs die sicheren Klassiker. Für ein schnelles Mittagessen bietet sich der Markt in Obernai (4 km entfernt) mit Käse, Wurstwaren und lokalem Brot an. Nimm dir am besten eine Flasche Rotwein direkt beim Winzer im Dorf mit: Der offene Wein in den Restaurants der Umgebung ist oft weniger spannend als das, was du direkt beim Erzeuger kaufst.
Wo übernachten in Ottrott und Umgebung?
Das Dorf bietet ein für seine Größe beachtliches Hotelangebot. Die Hostellerie des Châteaux & Spa (4 Sterne) ist die lokale Referenz mit einem 2.500 m² großen Spa und drei Pools. Für eine familiärere Atmosphäre bieten die Domaine Le Moulin und das Hôtel L'Ami Fritz ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis ab 64-85 € pro Nacht. Für ein besonderes Erlebnis sorgt die Hostellerie du Mont Sainte-Odile auf 763 m Höhe direkt auf dem Berg mit Zimmern ab 80 € pro Nacht und Panoramablick über die elsässische Ebene.
Im Dorf und im benachbarten Boersch gibt es zahlreiche Ferienwohnungen. Wochenmieten starten bei etwa 490 €. Rucksacktouristen finden die nächsten Campingplätze Richtung Obernai oder im Bruche-Tal, etwa 15 km entfernt.
Wie kommt man nach Ottrott?
Von Strasbourg: 28 km, etwa 35 Minuten Fahrt über die D422. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln geht es per Regionalzug in 30 Minuten nach Obernai (unter 10 €), von dort decken Taxi oder E-Bike die restlichen 4 km ab. Es gibt keinen direkten Bus in das Dorf.
Von Paris: Mit dem TGV bis Strasbourg (2h20, ab 29 € bei Vorab-Buchung), dann weiter mit Auto oder Regionalzug. Aus Deutschland: Freiburg im Breisgau liegt 75 km entfernt (1 Std.), Stuttgart 160 km (1h45). Der Flughafen Strasbourg-Entzheim ist 28 km vom Dorf entfernt.
Wie bewegt man sich in Ottrott fort?
Das Dorf lässt sich gut zu Fuß erkunden, um die beiden Ortsteile Ottrott-le-Haut und Ottrott-le-Bas zu verbinden. Die markierten Wege zu den Burgen und zum Mont Sainte-Odile starten direkt im Ort. Das Hôtel L'Ami Fritz verleiht E-Bikes, die ideal sind, um die Weinberge und die Nachbardörfer an der Weinstraße zu erkunden.
Das Auto bleibt praktisch, um nach Obernai, Barr oder weiter entlang der Weinstraße zu fahren. Parken ist überall frei und kostenlos. Taxis aus Obernai bedienen das Dorf auf Abruf. Lokale VTC-Apps gibt es nicht, aber große Anbieter (Uber) sind ab Strasbourg verfügbar, wobei die Wartezeiten auf dem Land länger sein können.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling (Mai-Juni) ist die ideale Zeit: Die Weinberge werden grün, die kulinarische Wanderung belebt das Dorf und die Pfade sind noch nicht überlaufen. Der Herbst (September-Oktober) lockt alle, die die Weinlese erleben wollen. Der elsässische Winter hat seinen eigenen Charme, prüfe aber vorher die Öffnungszeiten der Weinkeller und Sehenswürdigkeiten. Vermeide das Himmelfahrtswochenende und die Wochenenden im August, da auf dem Mont Sainte-Odile dann besonders viel los ist.
Die Stadt Ottrott an sich ist nicht unbedingt super interessant. Ich kann euch jedoch einen Besuch des Mont Saint-Odile sehr empfehlen, auf dessen Gipfel sich eine noch heute aktive Abtei befindet. Die Aussicht dort ist spektakulär. Das Gelände ist zwar mit dem Auto erreichbar, man kann den Aufstieg aber auch zu Fuß machen. Das ist schön, wenn auch ein wenig sportlich.