Portugal: Wo man in den Gassen noch den Atlantik hört
In Lissabon quietscht die gelbe Tram in einer Gasse, die so eng ist, dass Passagiere die Azulejos an den Fassaden fast berühren könnten. Der Duft von gegrillten Sardinen zieht aus einem Restaurant herauf, während aus einem offenen Fenster Fado-Gesang erklingt. Das Land der Seefahrer erstreckt sich auf nur wenigen Kilometern zwischen Bergen und Ozean, doch es birgt jahrhundertealte Geschichte und eine Lebensart, die viele Reisende immer wieder zurückkehren lässt.
Ein Ziel, das jeden begeistert
Das Land spricht unterschiedlichste Reisetypen an. Kulturliebhaber finden manuelinische Klöster und historische Viertel, die zum UNESCO-Welterbe zählen. Familien schätzen die überwachten Strände der Algarve und die gut ausgebaute Infrastruktur. Wanderer entdecken Küstenpfade, die zu den schönsten in Europa gehören. Feinschmecker dürfen sich auf eine großzügige Küche zu fairen Preisen freuen.
Wer nach radikalem Exotik-Faktor oder tropischen Stränden sucht, könnte in Portugal enttäuscht werden. Der Atlantik bleibt selbst im Sommer kühl. Die Großstädte wie Lissabon und Porto leiden mittlerweile unter dem Massentourismus, der die Preise in die Höhe getrieben und den Charakter mancher Viertel verändert hat. Die portugiesische Sprache ist für viele Reisende anfangs schwer zu verstehen, doch mit Englisch kommt man meist gut zurecht. Das Land gilt als sehr sicher und die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren zuverlässig.
Ein sanftes Budget für Westeuropa
Portugal zählt weiterhin zu den erschwinglichsten Zielen in Westeuropa. Kalkuliere mit 70 bis 120 Euro pro Tag für einen durchschnittlichen Reisenden: Unterkunft in einem ordentlichen Hotel zwischen 60 und 100 Euro pro Nacht, eine Mahlzeit zwischen 10 und 20 Euro, städtische Verkehrsmittel kosten rund 1,50 bis 2 Euro pro Fahrt mit der Metro.
Lissabon und Porto: Zwei Seelen, zwei Stimmungen

Lissabon muss man sich erlaufen. Die Hauptstadt erstreckt sich über sieben Hügel und belohnt jeden, der den Aufstieg nicht scheut. Das Viertel Alfama bewahrt mit seinen verwinkelten Gassen und Fado-Häusern die ursprüngliche Seele der Stadt. Das Castelo de São Jorge bietet einen Panoramablick über den Tejo und die ockerfarbenen Dächer. Das Bairro Alto erwacht abends mit seinen zahlreichen Bars und Restaurants zum Leben.

Porto spielt in einer anderen Liga. Die Stadt ist kompakter, für manche authentischer, und besticht durch Fassaden voller blauer Azulejos, die Ponte Dom Luís I über den Douro und die Weinkeller am gegenüberliegenden Ufer. Das UNESCO-gekrönte Viertel Ribeira zeigt seine bunten Häuser entlang des Flusses. Porto wirkt rauer als Lissabon und ist weniger vom Tourismus glattgebügelt.
Tipp vom Experten: Die Straßenbahnlinie 28 in Lissabon ist mittlerweile eine überfüllte Touristenfalle. Wähle lieber die Linien 12 oder 25 für ein ähnliches Erlebnis ohne das Gedränge oder fahre ganz früh morgens ab der Endstation.
Die Algarve: Ockerfarbene Klippen und türkisfarbenes Wasser

Der Süden zieht Liebhaber spektakulärer Strände an. Die goldenen Klippen von Lagos stürzen in ein tiefblaues Meer. Die Praia da Marinha wird regelmäßig als einer der schönsten Strände Europas genannt. Albufeira ist der Anlaufpunkt für Nachtleben und große Ferienanlagen.
Um den Massen zu entfliehen, lohnt der Weg nach Westen. Sagres und das Cabo de São Vicente, der südwestlichste Punkt des europäischen Festlands, bieten eine wildere Küstenlandschaft. Die Costa Vicentina, die unter Naturschutz steht, bietet kilometerlange, fast menschenleere Strände wie die Praia da Bordeira. Im Osten bewahrt Tavira mit seinen 37 Kirchen und der per Boot erreichbaren Insel eine ruhigere Atmosphäre.
Richtung Alentejo-Küste
Zwischen Lissabon und der Algarve beherbergt das Naturschutzgebiet des Sado-Ästuars eine Delfinpopulation, die man von Setúbal aus per Boot beobachten kann. Die Strände von Comporta und Tróia ziehen ein gehobeneres Publikum an, bleiben aber in ihrer Natur geschützt. Der Naturpark Arrábida versteckt kleine Buchten, die nur zu Fuß erreichbar sind.
Das Hinterland: Bergdörfer und Weinberge in Terrassen

Óbidos mit seinen mittelalterlichen Stadtmauern empfängt Besucher nur eine Stunde von Lissabon entfernt. Die weißen Gassen voller Bougainvilleen sind beliebt, aber das Dorf bewahrt seinen Charme. Monsaraz thront auf einem Hügel über dem See Alqueva und bietet unvergessliche Sonnenuntergänge über dem größten künstlichen See Europas.
Weiter im Norden trotzt Monsanto der Logik, da die Häuser zwischen riesigen Granitblöcken gebaut wurden. Das Dorf wurde zum "portugiesischsten Dorf Portugals" gewählt und ist wegen seiner zeitlosen Atmosphäre einen Abstecher wert. Die Aldeias do Xisto, Schieferdörfer in den Bergen der Mitte, bieten Wandermöglichkeiten und eine Architektur, die abseits der klassischen Routen liegt.

Die Serra da Estrela ist mit 1 993 Metern der höchste Punkt auf dem portugiesischen Festland und bietet im Winter sogar Skimöglichkeiten. Der Nationalpark Peneda-Gerês, der einzige des Landes, versteckt Wasserfälle, Wildpferde und Dörfer, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Das Douro-Tal, Weltkulturerbe, erstreckt sich mit seinen terrassierten Weinbergen über 250 000 Hektar. Eine Flusskreuzfahrt oder eine Panoramafahrt offenbaren eine der fotogensten Landschaften Europas.
Tipp vom Experten: Tomar, eine Stunde von Lissabon entfernt, beherbergt den Convento de Cristo, den ehemaligen Sitz der Templer und später des Christusordens. Dieses außergewöhnliche Monument wird weniger besucht als Sintra und verdient einen ganzen Tag.
Die Inseln im Atlantik
Die Azoren liegen 1 500 km von der Küste entfernt und bieten ein vulkanisches, grünes Portugal. São Miguel, die größte Insel, konzentriert Kraterseen wie Sete Cidades und die natürlichen heißen Quellen von Furnas. Die Insel Flores ist schwerer erreichbar, belohnt Abenteurer jedoch mit Wasserfällen und unberührter Natur.
Madeira liegt näher an Afrika als an Lissabon und bietet Wanderungen entlang der Levadas, jener jahrhundertealten Bewässerungskanäle, die die Insel auf über 2 500 km durchziehen. Das subtropische Klima erlaubt Wanderungen das ganze Jahr über.
Portugal auf dem Teller: Kabeljau, Gegrilltes und Süßspeisen

Der Kabeljau, oder bacalhau, wird der lokalen Legende nach in über 365 Rezepten zubereitet. Bacalhau à brás vermischt zerkleinerten Kabeljau mit Strohkartoffeln und Rührei. Gegrillte Sardinen parfümieren im Sommer die Gassen, besonders während der Feste des Heiligen Antonius in Lissabon im Juni. Die Caldo Verde, eine Suppe mit Kohl und Chorizo, wärmt an Abenden im Norden.
Die Pastéis de Nata sind ihren Ruf wert. Diese Törtchen mit Creme, knusprig und karamellisiert, begleiten den Kaffee am Morgen oder am Nachmittag. Die Manufaktur in Belém in Lissabon produziert die Originalversion seit 1837, doch jede Pastelaria verteidigt ihre eigene Rezeptur. Der Portwein wird in den Kellern von Vila Nova de Gaia gegenüber von Porto verkostet. Der Vinho Verde, ein leicht prickelnder Weißwein aus dem Norden, passt perfekt zu Meeresfrüchten.
Wann ist die beste Reisezeit für Portugal?
Das gemäßigte Klima erlaubt es, das Land fast das ganze Jahr über zu besuchen. Der Süden und die Algarve bleiben selbst im Winter angenehm, mit Temperaturen um die 15 Grad. Der Norden und das Landesinnere erleben kühlere und feuchtere Winter. Die beste Reisezeit für das Festland ist von Mai bis Oktober.
Der Sommer zieht die Massen an die Küsten und treibt die Preise nach oben. Frühling und Herbst bieten einen idealen Kompromiss: mildes Wetter, mäßiger Andrang und günstigere Tarife. Madeira kann dank seines subtropischen Klimas ganzjährig besucht werden. Die Azoren sind im Sommer, von Juni bis September, am angenehmsten, wenn die Temperaturen 22-25 Grad erreichen.
Wie kommt man nach Portugal?
Das Flugzeug ist das schnellste Mittel. Rechne mit 2h Flugzeit ab Paris nach Porto, 2h30 nach Lissabon oder Faro. Low-Cost-Fluggesellschaften wie Transavia, easyJet oder Ryanair bieten Flüge ab 30-50 Euro bei Vorausbuchung an.
Der Zug ist von Frankreich aus langwierig und wenig konkurrenzfähig. Für Madeira solltest du mit 4 Stunden Flugzeit ab Paris rechnen. Die Azoren erfordern etwa 5-6 Stunden mit einem Zwischenstopp in Lissabon. TAP Air Portugal führt den Großteil der Verbindungen zu den Inseln durch. Europäische Staatsangehörige benötigen lediglich einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.
Wie bewegt man sich in Portugal fort?
Das Schienennetz der CP bedient die wichtigsten Städte des Festlandes. Die Fahrt Lissabon-Porto dauert mit dem Schnellzug etwa 3 Stunden und kostet 25-35 Euro. Buche deine Tickets im Voraus, da die Züge besonders am Wochenende schnell ausgebucht sind.
Ein Mietwagen ist sinnvoll, um die Algarve, das Douro-Tal oder das Alentejo zu erkunden. Rechne mit etwa 25-40 Euro pro Tag für einen Kompaktwagen. Die Straßen sind generell in gutem Zustand, die Autobahnen sind mautpflichtig. Auf den Azoren verbinden Fähren die Inseln untereinander und bieten eine malerische Alternative zum Flugzeug für Reisende mit mehr Zeit.