Griechenland: 5.000 Jahre Geschichte am türkisfarbenen Meer
Der Duft von wildem Thymian, der von den Hügeln herabweht, das Geräusch einer weißen Tischdecke, die auf einer Terrasse vor dem Ägäischen Meer ausgebreitet wird, der Geschmack einer Tomate, die so süß ist, dass man sie für eine Frucht halten könnte: Griechenland spricht zuerst deine Sinne an, bevor es seine Geschichte preisgibt.
Das Land umfasst mehr als 6.000 Inseln und Inselchen, von denen kaum 227 bewohnt sind. Der Rest? Vom Wind kahlgefegte Felsen, die in einem fast unwirklich blauen Wasser liegen. Doch Griechenland nur auf seine Postkartenmotive der Kykladen zu reduzieren, würde bedeuten, den Kern des Landes zu verpassen. Es ist ein europäisches Reiseziel voller Kontraste, in dem die schwindelerregenden Schluchten des Nordens mit den Stränden des Südens konkurrieren und in dem jedes Dorf ein Jahrtausende altes Geheimnis zu hüten scheint.
Ein Land für (fast) jeden Reisetyp
Griechenland gehört zu den Destinationen, die ein breites Publikum ansprechen. Paare auf der Suche nach Sonnenuntergängen auf Santorini, Familien, die sichere Strände auf Kreta bevorzugen, oder Wanderer, die von den Samaria-Schluchten oder dem Olymp angezogen werden: Das Land erfüllt viele Wünsche. Dennoch gibt es Reisende, die hier weniger auf ihre Kosten kommen könnten, weshalb man vor der Buchung einiges wissen sollte.
Ideal für:
- Liebhaber antiker Stätten und Mythologie: Kein anderes Land der Welt konzentriert so viele Überreste auf so kleinem Raum.
- Paare und Frischvermählte, die Inselromantik suchen.
- Familien mit Kindern: flach abfallende Strände, einfache und schmackhafte Küche, entspannte Atmosphäre.
- Partyhungrige und Nachtschwärmer, besonders auf Mykonos und Ios.
- Wanderer und Naturliebhaber, vom Peloponnes bis zum bergigen Norden.
- Foodies: Die griechische Küche ist eine der großzügigsten des Mittelmeerraums.
Weniger geeignet für:
- Menschen, die Hitze meiden: Im Juli und August klettert das Thermometer in Athen regelmäßig über 40 °C.
- Reisende mit eingeschränkter Mobilität: Auf den Inseln sind gepflasterte Gassen und Treppen die Norm.
- Suchende nach radikalen kulturellen Unterschieden: Griechenland funktioniert in seinem Alltag sehr europäisch.
- Liebhaber von modernen Großstädten und High-End-Shopping.
Ein vernünftiges Budget, außer auf den prominenten Inseln
Griechenland ist im Vergleich zu vielen westeuropäischen Ländern preiswerter, mit Lebenshaltungskosten, die etwa 12 bis 15 Prozent niedriger liegen. Aber Vorsicht: Die Preise schwanken enorm zwischen einer abgelegenen Insel und Mykonos mitten im August. Auch die Fährverbindungen zwischen den Inseln schlagen besonders in der Hochsaison ins Budget.
| Reisetyp | Region | Dauer | Budget pro Person |
|---|---|---|---|
| Kultur-Städtetrip | Athen | 4 Tage | 250 € bis 500 € |
| Island Hopping Kykladen | Paros, Naxos, Santorini | 10 Tage | 800 € bis 1.800 € |
| Familienurlaub | Kreta oder Rhodos | 1 Woche | 500 € bis 1.000 € |
| Roadtrip Festland | Peloponnes und Meteora | 10 Tage | 600 € bis 1.200 € |
| Partyurlaub | Mykonos oder Ios | 5 Tage | 600 € bis 2.000 € |
| Wandern und Natur | Zagori, Olymp, Kreta | 1 Woche | 400 € bis 800 € |
Unterwegs vor Ort: Was du wissen musst
Das griechische Verkehrsnetz funktioniert gut, erfordert aber etwas Planung. Die Fähren verbinden die Inseln regelmäßig, es sei denn, der Meltemi, ein starker Nordwind im Sommer, zwingt die Schiffe in den Hafen. Auf dem Festland bedienen die KTEL-Busse die wichtigsten Städte effizient und kostengünstig. Kartenzahlung ist fast überall möglich, selbst in kleinen Dorftavernen. Das WLAN-Netz ist solide und eine lokale SIM-Karte kostet etwa 15 € für einen Monat Datenvolumen.
Sprachlich kommt man in den touristischen Gebieten mit Englisch sehr gut zurecht. In abgelegenen Dörfern auf dem Peloponnes oder in Epirus bewirken ein paar Brocken Griechisch Wunder: Ein einfaches „Efcharistó“ sorgt oft für ein Lächeln und vielleicht sogar ein spendiertes Stück Kuchen.
Wie sicher ist Griechenland?
Sehr sicher. Die Kriminalitätsrate für Gewaltverbrechen ist niedrig, selbst in Athen. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen für europäische Großstädte reichen aus: Achte auf deine Wertsachen in der U-Bahn und an stark frequentierten Orten wie Monastiraki. Auf den Inseln ist das Sicherheitsgefühl noch größer. Viele Alleinreisende berichten, dass sie sich zu jeder Tages- und Nachtzeit wohlfühlen.
Tipp vom Experten: Die größte Gefahr in Griechenland ist weder Diebstahl noch Betrug, sondern der Straßenverkehr. Motorroller tauchen überall auf, Gehwege fehlen oft, und auf den kurvenreichen Inselstraßen ist Vorsicht geboten, wenn du ein Fahrzeug mietest.
Antike Stätten, die beeindrucken
Kein europäisches Land konzentriert so viele antike Stätten auf einem Quadratkilometer. Die Akropolis von Athen mit ihrem 2.500 Jahre alten Parthenon ist der unverzichtbare Startpunkt. Das Ticket kostet 20 € pro Erwachsenem, während der Eintritt für EU-Bürger unter 25 Jahren kostenlos ist. Etwas tiefer bietet die Antike Agora einen ruhigeren Spaziergang an, dort wo einst Sokrates seine Zeitgenossen traf.
Doch die griechische Geschichte endet nicht in der Hauptstadt. Auf dem Peloponnes besitzt das Theater von Epidaurus eine so perfekte Akustik, dass man eine auf die Bühne fallende Münze sogar von den obersten Rängen hört. Mykene mit seinem Löwentor führt dich zurück in die Bronzezeit. Weiter nördlich thront das an einen Berghang geschmiegte Delphi über einem Olivenhain, der sich bis zum Golf von Korinth erstreckt.
Auf Delos, das per Boot von Mykonos aus erreichbar ist, ist eine ganze Insel ein Freilichtmuseum. Dorische Tempel, Mosaike und die berühmte Löwenterrasse bilden ein UNESCO-Weltkulturerbe, das erstaunlicherweise deutlich weniger Besucher zählt als die benachbarten Strände.
Inseln jenseits der blau-weißen Klischees
Santorini und seine Häuser mit den blauen Kuppeln verdienen ihren Ruf, besonders zum Sonnenuntergang in Oia. Doch das Anstehen für ein Foto, die hohen Preise in den Restaurants und die überfüllten Gassen im Sommer trüben das Erlebnis. Wir bei Avygeo meinen, dass man Santorini am besten im Mai oder Oktober erlebt, wenn die Insel wieder Luft zum Atmen hat.
Für eine entspanntere Inselerfahrung bieten sich die weniger frequentierten Kykladen an. Naxos kombiniert feine Sandstrände, Bergdörfer und antike Überreste ohne den großen Trubel. Folegandros mit seiner auf einer Klippe thronenden Hora wird vor allem von Griechen selbst geschätzt. Milos, geformt durch vulkanische Aktivität, bietet Strände mit surrealen Farben, von Sarakiniko und seinen weißen Mondlandschaften bis zu Firiplaka mit seinem bunten Sand.
Bei den Ionischen Inseln verbindet Korfu venezianische Architektur mit smaragdgrünen Stränden. Lefkada, das über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, besitzt einige der schönsten Strände des Mittelmeers, wie Porto Katsiki und Egremni, wo weiße Klippen ins türkisfarbene Wasser stürzen.
Tipp vom Experten: Buche deine Fähren in der Hochsaison im Voraus, besonders die schnellen Katamarane. Frühbucherangebote auf Ferryhopper können 30 bis 40 Prozent gegenüber kurzfristigen Käufen sparen.
Der Norden und das Festland: Das unbekannte Griechenland
Die Mehrheit der Touristen zieht es auf die Inseln, wodurch sie ein ganz anderes Griechenland übersehen. Die Meteora-Klöster, vier Autostunden von Athen entfernt, bieten ein atemberaubendes Schauspiel: Sechs byzantinische Klöster thronen auf Felsnadeln, die über 300 Meter in die Höhe ragen. Das Morgenlicht dort ist außergewöhnlich und der Andrang weitaus geringer als an der Küste.
Thessaloniki, die zweitgrößte Stadt des Landes, hat eine ganz andere Energie als Athen. Die Uferpromenade, die Markthallen von Modiano und Kapani, die UNESCO-geschützten byzantinischen Kirchen und die kulinarische Szene machen die Stadt zu einem Stopp von zwei bis drei Tagen, der sich absolut lohnt. Das Viertel Ano Poli, die Oberstadt, bietet bei Sonnenuntergang Panoramaausblicke auf den Thermaischen Golf.
Weiter nordwestlich beherbergt die Region Zagori in Epirus 46 Steindörfer, die durch osmanische Bogenbrücken verbunden sind. Die Vikos-Schlucht, eine der tiefsten Europas, lässt sich an einem anspruchsvollen, aber grandiosen Tag durchwandern. Dies ist das alpine Griechenland, weit weg von jedem Strandpostkarten-Klischee.
Strände und Buchten: Wo man sein Handtuch ausbreitet
Mit 13.676 Kilometern Küstenlinie besitzt Griechenland das elftlängste Küstengebiet der Welt. Der Strand von Navagio auf Zakynthos, mit seinem am weißen Sand gestrandeten Schiffswrack inmitten von Klippen, ist einer der meistfotografierten der Welt. Er ist nur per Boot erreichbar, was ihm eine fast unwirkliche Ausstrahlung verleiht.
Auf Kreta bietet die Lagune von Elafonissi rosafarbenen Sand und flaches Wasser, ideal für Familien. An der Südküste kombiniert der Strand von Preveli einen Palmenhain mit einem Fluss, der ins Meer mündet. Weniger bekannt ist der Strand von Voidokilia auf dem Peloponnes, der einen perfekten Halbkreis aus goldenem Sand bildet, geschützt durch Dünen und selbst im Sommer kaum besucht.
Zum Tauchen bieten die Gewässer rund um die Kykladen und den Dodekanes eine außergewöhnliche Sicht. Kastellorizo, eine winzige Insel an der türkischen Grenze, verbirgt die blaue Grotte von Parasta, eine der schönsten Unterwasserhöhlen des Mittelmeers.
Griechenland auf dem Teller: Wenn Einfachheit zur Kunst wird
Die griechische Küche basiert auf Produkten von beeindruckender Frische: sonnengereifte Tomaten, kaltgepresstes Olivenöl, in Salzlake gereifter Feta und wilde Kräuter, die auf den Hügeln gesammelt wurden. Eine griechische Mahlzeit ist zum Teilen gedacht: Man bestellt mehrere Mezze für die Tischmitte, von Tzatziki über Tarama bis hin zu Dolmadakia (gefüllte Weinblätter) und Zucchinipuffern. Dazu trinkt man Retsina, den harzigen Weißwein, der die Geister scheidet, oder einen Ouzo, der mit einem Schuss Eiswasser milchig trüb wird.
Hauptgerichte drehen sich um Souvlaki, die gegrillten Fleischspieße im Pita-Brot mit Zwiebeln und Tzatziki, sowie die Moussaka, ein Auberginen-Auflauf mit Hackfleisch und Béchamelsauce, der von Familie zu Familie variiert. In Thessaloniki solltest du dir die Bougatsa nicht entgehen lassen, ein Gebäck mit Vanillecreme oder Käse, das man morgens lauwarm in den Bäckereien auf dem Markt genießt.
Tipp vom Experten: Frage in den Tavernen nach „krasi hyma“, dem offenen Wein in der Karaffe. Er kostet drei- bis viermal weniger als Flaschenwein und die Qualität ist oft exzellent.
Wann ist die beste Reisezeit für Griechenland?
Die Monate Mai, Juni und September bieten den besten Kompromiss aus angenehmem Wetter, moderatem Andrang und vernünftigen Preisen. Das Meer ist ab Ende Mai badetauglich und bleibt bis Mitte Oktober warm. Der Frühling schmückt die Landschaft mit Wildblumen und die Temperaturen liegen zwischen 20 und 28 °C, perfekt zum Wandern und für Besichtigungen.
Juli und August sind die heißesten und teuersten Monate. Athen wird stickig, die beliebten Inseln sind überlaufen und die Preise verdoppeln oder verdreifachen sich. Dennoch ist dies die Zeit, in der das Nachtleben auf den Partyinseln pulsiert. Der griechische Winter ist in Athen und auf Kreta mild, im Norden jedoch kalt und feucht. Die Inseln laufen auf Sparflamme, aber die Hauptstadt und Thessaloniki lassen sich wunderbar besuchen, mit Tiefpreisen und einer angenehmen, lokalen Atmosphäre.
Wie kommt man nach Griechenland?
Von Paris aus werden das ganze Jahr über Direktflüge nach Athen von Air France, Aegean Airlines, Transavia, easyJet und Sky Express angeboten. Die Flugzeit beträgt etwa 3 Stunden 15 Minuten. Die Preise für Hin- und Rückflug variieren je nach Saison und Buchungszeitpunkt zwischen 90 € und 400 €. Im Sommer gibt es zudem Direktflüge von Paris, Lyon, Marseille oder Nantes nach Santorini, Mykonos, Kreta und Rhodos.
Für Liebhaber von Seereisen gibt es Fährverbindungen von Italien nach Griechenland. Die gängigsten Linien starten in Bari, Ancona oder Brindisi in Richtung der Häfen von Igoumenitsa und Patras. Die Überfahrt dauert je nach Abfahrtsort 8 bis 16 Stunden. Für EU-Bürger ist kein Visum erforderlich: Ein gültiger Personalausweis oder ein Reisepass genügt.
Wie bewegt man sich in Griechenland fort?
Zwischen den Inseln ist die Fähre das wichtigste Verkehrsmittel. Die Gesellschaften Blue Star Ferries, SeaJets und Hellenic Seaways bedienen die meisten Archipele ab dem Piräus, dem Hafen von Athen. Eine Fahrt von Piräus nach Santorini kostet je nach Geschwindigkeit des Schiffes zwischen 35 € und 80 €. Die Schnellfähren benötigen etwa 4 Stunden, die klassischen eher 8 Stunden. Achtung: Der Meltemi kann im Sommer zu Verspätungen oder Ausfällen führen.
Auf dem Festland bleibt der Mietwagen die flexibelste Art, den Peloponnes, die Meteora-Klöster oder Epirus zu erkunden. Rechne mit 25 bis 60 € pro Tag je nach Saison. Benzin ist teuer, etwa 1,80 € pro Liter, und auf den Hauptautobahnen gibt es Mautgebühren. Die KTEL-Busse bieten eine günstige Alternative auf den Hauptstrecken, mit Fahrten für etwa 5 € pro 100 km. Die U-Bahn in Athen verbindet die Stadt und den Flughafen gut miteinander für 1,20 € pro Ticket im Stadtzentrum.
Tipp vom Experten: Miete auf den Inseln lieber ein kleines Fahrzeug statt eines großen Wagens. Die Gassen sind eng, Parkplätze selten, und ein Roller oder ein kleiner Stadtwagen reichen völlig aus. Schließe unbedingt eine Vollkaskoversicherung ab, der lokale Fahrstil ist sportlich.