Der Hüter der Schätze des antiken Griechenlands
Im Herzen von Athen, untergebracht in einem imposanten neoklassizistischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, entfaltet sich die wohl außergewöhnlichste Sammlung griechischer Altertümer. Auf 8.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche lassen sich mehr als 11.000 Exponate entdecken, die sieben Jahrtausende Geschichte vom Neolithikum bis zur Spätantike abdecken.
Warum dieses Museum ein Muss ist
Das 1829 gegründete Nationale Archäologische Museum Athen (Ethniko Archaiologiko Mouseio) ist weit mehr als ein gewöhnliches Museum. Es ist das größte archäologische Museum Griechenlands und zählt weltweit zu den bedeutendsten seiner Art. Seine Geschichte ist eng mit der des Landes verwoben: Während des Zweiten Weltkriegs vergruben die Mitarbeiter die wertvollen Sammlungen in Kisten, um sie vor Plünderungen zu schützen.
Heute beherbergt das Haus Schätze von allen großen archäologischen Stätten Griechenlands. Jeder Saal bietet eine faszinierende chronologische Reise durch die Zivilisationen, die den Mittelmeerraum entscheidend geprägt haben.
Die legendären Sammlungen
Mykenische Pracht
Saal 4 entführt dich direkt in die goldene Welt von Mykene. Die legendäre Goldmaske des Agamemnon, die 1876 von Heinrich Schliemann entdeckt wurde, zieht jeden Besucher in ihren Bann. Diese Totenmaske aus massivem Gold stammt tatsächlich aus der Zeit um 1550 v. Chr. und damit lange vor dem in den Epen Homers beschriebenen König. Umgeben ist sie von ziseliertem Schmuck, goldenen Trinkschalen und kunstvoll verzierten Waffen, die den hohen Standard dieser Kultur belegen.
Bronzen, die die Zeit überdauerten
Die Säle 15 und 36 beherbergen eine atemberaubende Sammlung antiker Bronzestatuen. Besonders die monumentale Figur des Artemision-Bronzegottes, der mit ausgestreckten Armen entweder Zeus oder Poseidon darstellt, beeindruckt durch ihre enorme Präsenz. Daneben zeigt der Reiter vom Kap Artemision aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. ein Pferd in voller Bewegung, was für die damalige Zeit eine technische Meisterleistung darstellt. Diese Skulpturen haben nur deshalb überlebt, weil sie jahrhundertelang auf dem Meeresgrund ruhten.
Der Mechanismus von Antikythera
In Saal 38 findet sich ein unscheinbares Objekt, das unser Verständnis der Antike grundlegend verändert hat. Es handelt sich um ein System aus Bronzezahnrädern aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., das heute als der weltweit erste Analogcomputer gilt. Es konnte die Planetenbewegungen und die Zeitpunkte der Olympischen Spiele mit verblüffender Präzision berechnen.
Fresken, Vasen und verborgene Schätze
In der oberen Etage lassen dich die spektakulären minoischen Fresken von Santorin in eine Welt leuchtender Farben eintauchen. Diese Wandmalereien wurden durch den Vulkanausbruch im 16. Jahrhundert v. Chr. konserviert und zeigen Alltagsszenen von erstaunlicher Lebendigkeit.
Die Keramiksammlung verdeutlicht die stilistische Entwicklung von geometrischen bis zu hellenistischen Formen. Die panathenäischen Amphoren, die einst mit heiligem Olivenöl gefüllt an die Sieger der Spiele überreicht wurden, veranschaulichen die enge Verbindung zwischen Sport und Religion in der Antike.
Ein Tipp vom Insider: Achte auf die Initiative Unseen Museum, bei der alle drei Monate besondere Stücke aus den Depots präsentiert werden. Diese kleinen Wechselausstellungen bieten einen exklusiven Einblick in Schätze, die sonst selten für die Öffentlichkeit zugänglich sind.
Die ägyptische Sammlung
Die Säle 40 und 41 beherbergen eine überraschende ägyptische Sammlung, die in dieser Form einzigartig in Griechenland ist. Sie geht auf eine Schenkung des Sammlers Ioannis Dimitriou im Jahr 1890 zurück und umfasst Objekte von 5000 v. Chr. bis zur römischen Eroberung. Darunter finden sich bemalte Sarkophage, Mumien, Papyri und die Mumienporträts aus dem Fayum mit ihrem eindringlichen Blick.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Ich war überrascht von der Größe dieses Museums, das wirklich sehr weitläufig ist und zahlreiche Werke beherbergt. Man kann dort Skulpturen, Gemälde, Fresken und Statuen bewundern. Man sollte mindestens zwei bis drei Stunden vor Ort einplanen. Es ist ein absolutes Muss bei einem Besuch in Athen.