Das Benaki-Museum: 6.000 Jahre griechische Geschichte in einem Athener Stadtpalais
Eine goldene Decke aus dem 18. Jahrhundert, die aus einem mazedonischen Herrenhaus hierher übertragen wurde, dominiert Saal 27. Die geschnitzten und bemalten Holzpaneele fangen das Morgenlicht ein und lassen Lichtreflexe über die Wände tanzen. Solche Überraschungen erwarten dich auf jeder Etage dieses besonderen Museums, in dem du 36 mit Erinnerungen gefüllte Säle durchquerst und dabei von der Frühgeschichte bis zur modernen Zeit Griechenlands reist.
Warum ein Besuch im Benaki-Museum lohnt
Antonis Benakis, Sohn eines wohlhabenden Baumwollhändlers aus Alexandria, verbrachte 35 Jahre damit, mehr als 45.000 Objekte griechischer Kultur zusammenzutragen. Im Jahr 1931 schenkte er dem griechischen Staat seine Sammlung sowie das Familienanwesen, ein elegantes neoklassizistisches Palais direkt gegenüber dem Nationalgarten von Athen. So entstand das erste Privatmuseum Griechenlands.
Im Gegensatz zu den großen archäologischen Museen erzählt das Benaki die Geschichte als Kontinuum. Vom Neolithikum bis zum Unabhängigkeitskrieg treten die Objekte in einen Dialog und enthüllen die vielfältigen Einflüsse, die die hellenische Identität geformt haben: byzantinische, osmanische, venezianische und europäische Einflüsse.
Die Sammlungen Etage für Etage
Erdgeschoss: Von der Frühgeschichte bis Byzanz
Drei goldene Becher aus der Zeit um 3000 bis 2800 v. Chr. eröffnen den Rundgang. Diese gehämmerten Objekte von beeindruckender Schlichtheit markieren den Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit. Etwas weiter sind mykenische Schmuckstücke zu sehen, darunter ein Siegelring mit der Darstellung einer heiligen Hochzeit. In Saal 12 befinden sich zwei Frühwerke von Dominikos Theotokopoulos, besser bekannt als El Greco, die noch vor seinem Weggang aus Kreta entstanden.
Erste Etage: Kunst unter fremder Herrschaft
Bestickte Trachten, orthodoxe liturgische Gegenstände und nachbyzantinische Keramiken zeugen von der kulturellen Vitalität Griechenlands trotz vier Jahrhunderten osmanischer Besatzung. Die Rekonstruktionen von Salons aus Herrenhäusern in Kozani, Siatista und Hydra sind das Highlight dieser Etage. Diese kompletten Räume, die in den 1930er Jahren gerettet wurden, bewahren ihre originalen goldenen Decken und Holzarbeiten.
Zweite Etage: Das Panorama-Café
Die Sammlung setzt sich mit Textilien und traditionellen Musikinstrumenten fort. Eine Pause bietet sich auf der Terrasse des Restaurants an, das einen freien Blick auf die Akropolis und den Lykabettus-Hügel bietet. Die Sauerteigsandwiches und der griechische Kaffee sind dort sehr empfehlenswert.
Dritte Etage: Die Geburtsstunde des modernen Griechenlands
Porträts von Helden des Unabhängigkeitskrieges, Waffen der Kämpfer von 1821 und Dokumente der Philiki Etairia. Das Arbeitszimmer von Lord Byron, dem englischen Dichter, der 1824 in Missolonghi starb, nimmt einen Ehrenplatz ein. Dieser Bereich beleuchtet eine Epoche, die ausländischen Besuchern oft weniger bekannt ist.
Was du dir ansehen solltest
- Die beiden Gemälde von El Greco als seltene Zeugnisse seiner kretischen Zeit
- Die rekonstruierten mazedonischen Salons mit ihren geschnitzten Decken
- Die Sammlung hellenistischer Goldschmiedekunst in Saal 7
- Die bestickten Hemden aus Attika mit ihren geometrischen Mustern
- Das ägyptische Mumienporträt aus dem 3. Jahrhundert
Tipp vom Kenner: Am Donnerstagabend ist der Eintritt in die Dauerausstellungen von 18:00 Uhr bis Mitternacht kostenlos. Nach 20:00 Uhr leert sich das Museum und die Atmosphäre wird beinahe privat. Nutze das für einen Ausklang auf der bei Kerzenschein beleuchteten Restaurantterrasse.
Ein Museum, das über Athen verteilt ist
Das Benaki ist nicht auf ein einziges Gebäude beschränkt. Die Stiftung verwaltet sieben Ausstellungsorte in der Stadt: das Museum für Islamische Kunst im Viertel Kerameikos, die Dependance in der Odos Pireos für zeitgenössische Kunst, die Ghikas-Galerie und das Atelier des Bildhauers Yannis Pappas. Jeder Standort ist einen eigenen Besuch wert, sofern es deine Zeit erlaubt.
Obwohl das Museum kleiner ist als das Archäologische Nationalmuseum, ist es dennoch sehr interessant, um mehr über die griechische Zivilisation zu erfahren. Die Sammlungen sind ziemlich reichhaltig und abwechslungsreich, mit zahlreichen Überresten aus der Epoche. Auch wenn es kein absolutes Muss ist, ist dieses Museum sehr sympathisch.