Die Antike Agora von Athen, der Geburtsort der Demokratie
Zwischen Pinien und den von fünfundzwanzig Jahrhunderten gezeichneten Marmorsäulen erstreckt sich das pulsierende Herz des antiken Athen. Diese weitläufige Anlage am Fuße der Akropolis war weit mehr als nur ein öffentlicher Platz. Sie war das nervöse Zentrum, in dem über das Schicksal der Stadt entschieden wurde, Sokrates im Schatten der Hallen über Philosophie diskutierte und die Bürger die Gesetze verabschiedeten, die das Fundament der westlichen Zivilisation bilden sollten.
Warum die Agora ein Pflichtbesuch ist
Die im 6. Jahrhundert v. Chr. unter dem Tyrannen Peisistratos angelegte Agora verkörpert das Wesen der griechischen Polis. Ihr Name leitet sich vom Verb ageiro ab, was so viel wie versammeln bedeutet. Hier konzentrierten sich alle lebenswichtigen Funktionen der antiken Stadt: die Politik im Bouleuterion, wo die 500 Ratsmitglieder tagten, der Handel in den umliegenden Läden und Werkstätten, die Religion mit ihren Tempeln für die olympischen Götter und die Philosophie in den berühmten Stoa, in denen die großen Denker lehrten.
Das heutige Gelände, eine grüne Oase von mehreren Hektar, ist das Ergebnis intensiver Ausgrabungen, die seit 1931 von der American School of Classical Studies (Amerikanische Schule für klassische Studien) geleitet werden. Um die Agora vollständig freizulegen, mussten über 360 moderne Häuser abgerissen werden. Ein städtebauliches Opfer, das es heute ermöglicht, auf demselben Boden zu stehen wie Perikles, Platon und Aristophanes.
Das Hephaisteion, ein intaktes architektonisches Juwel
Der über dem Hügel Kolonos Agoraios thronende Tempel des Hephaistos beeindruckt durch seinen außergewöhnlichen Erhaltungszustand. Das zwischen 460 und 415 v. Chr. errichtete dorische Heiligtum für den Gott der Schmiedekunst und Athena Ergane ist der besterhaltene Tempel der gesamten griechischen Antike. Seine 34 kannelierten Säulen ragen fast unversehrt in die Höhe.
Die skulptierten Friese zeigen Heldentaten des Theseus, was dem Bau seinen volkstümlichen Namen Theseion einbrachte. Während der osmanischen Besatzung diente er als Friedhof für ausländische Reisende, was ironischerweise zu seiner Erhaltung beitrug. Von seinen Stufen aus bietet sich einer der schönsten Blicke auf die Agora mit der Akropolis im Hintergrund.
Die Stoa des Attalos, das erste Einkaufszentrum der Geschichte
An der Ostseite der Agora besticht die imposante Stoa des Attalos durch ihre lange Säulenhalle. Mit einer Länge von 115 Metern und einer Breite von 20 Metern wurde dieser zweistöckige Portikus um 150 v. Chr. von Attalos II., dem König von Pergamon, gestiftet. Mit 42 Läden auf zwei Etagen war dies das erste Einkaufszentrum der Menschheit.
Nach ihrer Zerstörung im 3. Jahrhundert wurde sie zwischen 1953 und 1956 dank der Finanzierung durch John D. Rockefeller vollständig rekonstruiert. Heute beherbergt sie das Museum der Agora, das die Fundstücke der Ausgrabungen ausstellt: bemalte Keramik, Ostraka mit den Namen zu verbannender Bürger, Münzen, Waffen und Schmuck aus drei Jahrtausenden.
Auf den Spuren von Sokrates und den Philosophen
Die Überreste des Ortes lassen die intellektuelle Lebendigkeit des klassischen Athen erahnen. An der Stelle der Stoa des Zeus, von der nur noch die Fundamente zeugen, pflegte Sokrates zu philosophieren und die Passanten mit seiner berühmten Mäeutik zu befragen. Nicht weit entfernt tagte im Bouleuterion der Rat der 500 Vertreter der zehn athenischen Stämme.
Der Altar der Zwölf Götter an der nördlichen Kreuzung des Platzes markierte den Nullpunkt für alle Entfernungen von Athen aus. Ein starkes Symbol: Die Agora war buchstäblich das Zentrum der griechischen Welt.
Ein kleiner Tipp: Besuche die Agora am späten Nachmittag, wenn das goldene Licht die Säulen streift und die Hitze nachlässt. Das Gelände ist wunderbar bewaldet und bietet zahlreiche Bänke im Schatten von Pinien und Granatapfelbäumen, von denen aus man die Akropolis betrachten kann. Im Gegensatz zu letzterer bleibt die Agora selbst in der Hochsaison angenehm ruhig.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Die Agora gehört zu den absoluten Highlights, die man in Athen gesehen haben muss. Der Besuch ist sehr angenehm, da es dort grüner ist als auf der Akropolis. Der Hephaistos-Tempel ist sehr beeindruckend und in ziemlich gutem Zustand. Man sollte seine Tickets unbedingt im Voraus buchen, genau wie bei den anderen Sehenswürdigkeiten in Athen.