Heraklion entdecken: Zwischen minoischen Ruinen und mediterranem Puls
Der Geruch von Frappé mischt sich mit der salzigen Brise des venezianischen Hafens. Zur Linken debattieren kretische Studenten auf der Terrasse eines Kafeneio über Politik. Zur Rechten verkauft eine Frau in schwarzer Kleidung Wildkräuter, die sie noch am selben Morgen in den Hügeln gesammelt hat. Willkommen in der kretischen Hauptstadt, wo 4.000 Jahre Geschichte an jeder Straßenecke aufeinanderprallen.Eine Stadt für Neugierige, nicht für Postkarten-Romantiker
Wer den Charme der Kykladen sucht, ist hier falsch. Die fünftgrößte Stadt Griechenlands wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt und danach schnell wieder aufgebaut, oft mit mehr Beton als Poesie. Doch genau das macht ihre Authentizität aus. Dieses Ziel ist ideal für Archäologie-Fans, die tief in die mysteriöse minoische Zivilisation eintauchen wollen. Auch Gourmets kommen auf ihre Kosten, denn die kulinarische Szene ist hervorragend. Familien schätzen die hohe Dichte an Museen und Sehenswürdigkeiten, die alle nah beieinander liegen. Wer mit kleinem Budget reist oder paradiesische Sandstrände bevorzugt, findet auf der Insel bessere Optionen. Für die Stadt selbst braucht man kein Auto, für die Erkundung der Umgebung ist ein Mietwagen jedoch fast Pflicht.Der minoische Schock: Knossos und sein Museum
Ein Besuch im Palast von Knossos, nur 5 Kilometer vom Zentrum entfernt, ist ein Muss. Auf 20.000 Quadratmetern lässt sich die Geschichte der ersten großen europäischen Zivilisation nachvollziehen. Arthur Evans hat sich bei der umstrittenen Restaurierung Anfang des 20. Jahrhunderts zwar künstlerische Freiheiten erlaubt, doch die Anlage strahlt eine beeindruckende Kraft aus. Die Stier-Darstellungen lassen sofort an den Mythos des Minotaurus und sein Labyrinth denken. Man verliert sich gerne in dem Gewirr aus Räumen, riesigen Lagern und den filigranen Fresken im Megaron der Königin. Die Akustik im Thronsaal ist bis heute faszinierend.Tipp vom Experten: Buche dein Kombiticket für Knossos und das Archäologische Museum vorab online. Du sparst Geld und vermeidest die Warteschlangen. Besuche die Anlage am besten früh morgens oder am späten Nachmittag, um den Kreuzfahrt-Gruppen auszuweichen.
Zurück in der Stadt ist das Archäologische Museum von Heraklion eines der bedeutendsten Europas. Die minoische Sammlung ist atemberaubend: der mysteriöse Diskos von Phaistos mit seinen ungelösten Symbolen, fein ziselierter Goldschmuck und die Kamares-Vasen mit ihren kühnen Mustern. Plane mindestens zwei Stunden für den Rundgang ein.Streifzug durch das venezianische Herz
Der alte Hafen und die Festung Koules bieten einen der schönsten Ausblicke auf die Stadt. Die mächtige venezianische Zitadelle aus dem 16. Jahrhundert, an deren Fassade noch der Markuslöwe prangt, zeugt von der 20-jährigen osmanischen Belagerung. Der Blick vom Dach lohnt sich. Gehe anschließend die Rue du 25-Août hinauf, die Hauptschlagader der Stadt. Du passierst die byzantinische Kirche Agios Titos, die venezianische Loggia, die heute als Rathaus dient, und landest schließlich auf der berühmten Löwenplatz mit dem Morosini-Brunnen, dem Treffpunkt für Studenten und Senioren. Verpasse nicht den Zentralmarkt in der Rue 1866, ein Fest für Sinne. Zwischen den Ständen mit lokalem Käse (den Graviera musst du probieren), Bergkräutern und Oliven in allen Variationen spürst du den Geist Kretas. Samstagvormittags bietet zudem der Markt von Pateles handwerkliche Erzeugnisse an.Tipp vom Experten: Steige auf die venezianischen Stadtmauern für einen ungewöhnlichen Spaziergang. Die Befestigungen aus dem 16. Jahrhundert umringen die Altstadt. Am Bastion Martinengo findest du das Grab von Nikos Kazantzakis, dem bedeutendsten Schriftsteller Kretas.
Museen für Entdecker
Das Historische Museum von Kreta, untergebracht in einem eleganten neoklassizistischen Gebäude am Meer, dokumentiert 1.700 Jahre Geschichte seit der byzantinischen Ära. Hier hängen die beiden einzigen auf Kreta ausgestellten El-Greco-Gemälde, und es gibt ein faszinierendes Modell der Stadt zur Zeit der Venezianer. Der Eintritt kostet 5 Euro, das Museum ist sonntags geschlossen. Das neuere Naturkundemuseum begeistert vor allem Familien. Die lebensgroße Rekonstruktion des Deinothirio, eines riesigen Säugetiers, das vor 9 Millionen Jahren hier lebte, beeindruckt Groß und Klein. Die Dioramen zum kretischen Ökosystem sind exzellent gestaltet.Ausflüge in die Umgebung
25 Kilometer südlich liegt der Strand von Matala, wo die berühmten Höhlen in den Klippen in den 1970er-Jahren Hippies aus aller Welt anzogen. Die Atmosphäre ist entspannt, das Wasser des Libyschen Meeres glasklar. Die Ruinen des römischen Hafens von Gortyn liegen auf dem Weg und sind einen Stopp wert. Die Insel Dia vor der Nordküste erreichst du in einer Stunde per Boot. Das unbewohnte Naturschutzgebiet bietet wilde Buchten und eine Unterwasserwelt, die schon Jacques Cousteau erkundete. Täglich legen Katamarane im Hafen ab. Wer mehr Zeit hat, sollte Bergdörfer wie Archanes oder Peza besuchen und dort Weingüter besichtigen. Auch die Lassithi-Hochebene mit ihren traditionellen Windmühlen ist ein schönes Tagesziel.Tipp vom Experten: Wenn du zwei volle Tage Zeit hast, nimm die Fähre nach Santorin. Die Schnellboote brauchen nur knapp 2 Stunden, sodass du die vulkanischen Klippen und weißen Dörfer der Kykladen bestaunen kannst und abends wieder zurück bist.
Heraklion hat mit seinen kleinen Gassen und den hübschen Gebäuden viel Charme. Die Atmosphäre ist angenehm und es herrscht dort eine gewisse Lebensfreude. Es ist ideal für einen entspannten Aufenthalt in der Sonne. Wenn möglich, meiden Sie die Schulferien, da ist es sehr voll.