Sie wird oft nur die superba, die Stolze, genannt, und kaum eine andere Stadt ist so beeindruckend wie Genua. Die Hauptstadt von Ligurien fasziniert mit einer schier unendlichen Geschichte. Ihre Straßen gleichen einem Freilichtmuseum voller Paläste, prachtvoller Plätze und monumentaler Gebäude. Als einstige Macht des Mittelalters und stolze Seerepublik, deren Einfluss über das Mittelmeer bis zum Schwarzen Meer reichte, war die Stadt ein Zentrum für Reeder, Navigation und Handel. Als erbitterte Konkurrentin von Venise und Stadt des Adels ist ihr kulturelles Erbe von Weltformat. Genua hat es geschafft, ihre historischen Schätze mit moderner Infrastruktur zu verbinden und sich gleichzeitig als kulinarische Hochburg zu etablieren. Die Stadt von Christoph Kolumbus ist ein Ort voller Wunder.
Die Wiege prachtvoller Architektur
Die Piazza de Ferrari ist das Herz von Genua und der ideale Ausgangspunkt, um das 113 Hektar große historische Zentrum sowie den modernen Teil der Stadt zu erkunden. Hier steht auch ihr berühmter monumentaler Bronzebrunnen aus dem Jahr 1936. Rundherum erheben sich prunkvolle Gebäude wie das Teatro Carlo Felice von 1827 mit seinen historischen Säulen oder der Palast der Neuen Börse, ein herausragendes Beispiel des genuesischen Jugendstils. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich die Seitenfassade des gewaltigen Palazzo Ducale, seit 1339 Residenz des Dogen. Der Komplex mit seinem Volksturm, der Grimaldina, diente einst als Gefängnis und beherbergt heute beeindruckende Ausstellungsräume.
Taucht man in das Labyrinth der Gassen ein, entdeckt man die caruggi, die das Wesen des mittelalterlichen Viertels ausmachen. Luxuriöse Gebäude reihen sich an Kirchen und kleine gotische Juwelen, die eine einzigartige Atmosphäre schaffen. Auf der Via Garibaldi weiß man kaum, wo man zuerst hinsehen soll. Die Straße gehört zum UNESCO-Welterbe und zeugt vom Reichtum der Renaissance und des Barock. Die prestigeträchtigen Palazzi dei Rolli, ehemalige Adelssitze aus dem 16. und 17. Jahrhundert, wetteifern an Eleganz und Luxus. Insgesamt gibt es 42 dieser Paläste, darunter auch die in der Via Lomellini und der Via Balbi.
Der Palazzo Reale ist nur ein Beispiel, zählt jedoch zu den außergewöhnlichsten Museen Europas mit Prunkräumen, einer Spiegelgalerie, einer Terrasse mit Blick auf die Stadt und exotischen Gärten. Meisterwerke der Kunst hätten keinen schöneren Rahmen finden können. Ganz in der Nähe steht die Kathedrale San Lorenzo mit ihrer markanten Fassade aus schwarz-weißem Marmor, die von steinernen Löwen bewacht wird. Durch zahlreiche Umbauten vereint sie verschiedene Baustile, und ihr Interieur mit gotischen Säulen ist überaus prunkvoll. Die chiesa del Gesu als barockes Meisterwerk voller Gemälde und Fresken, der Torre Embriaci, das Porta Siberia als Überrest der Stadtmauer von 1551 und die Musei di Strada Nuova machen Genua zu einem glänzenden Juwel.
Eine Stadt für Genießer
In dieser Hafenstadt hat sich das Viertel Porto Antico modern gewandelt und ist heute einer der geselligsten Orte Genuas. Ob auf dem Wasser mit dem erstaunlichen Galeone Neptune, einer Nachbildung eines Piratenschiffs, oder in der Luft mit dem Bigo-Aufzug, der einen Panoramablick bietet, hier ist immer etwas los. Der Palazzo San Giorgio mit seiner kunstvoll bemalten Fassade fungiert heute als Hafenverwaltung. Am Ende des Hafens, im alten Quai Spinola, liegt das Aquarium von Genua. Es ist eines der größten Europas und beherbergt in 70 Becken rund 12.000 Tiere, darunter auch Wale. Mit einer Höhe von 76 Metern auf einem 40 Meter hohen Felsen ist la Lanterna der älteste noch aktive Leuchtturm und der zweithöchste der Welt. In den Hügeln liegt das Viertel Belvedere mit seinen genuesischen Festungen, aber auch mit Gemüsegärten und Obstplantagen. Die Stadt wäre jedoch nicht vollständig ohne ihre berühmte Gastronomie.
An erster Stelle steht das berühmte Pesto alla genovese, das hier mit hochwertigem Basilikum mit geschützter Herkunftsbezeichnung (DOP), Parmesan und manchmal Ziegenkäse zubereitet wird. Am besten genießt man es mit einer frischen focaccia. Ravioli al tocco und Nudeln mit Walnusssoße sind auf jeder Speisekarte zu finden. Die Nähe zum Meer sorgt für exzellente Fischgerichte, gesalzene Sardellen und frittierte pignolini (kleine Fische). Auch das Gebäck folgt dieser Tradition, allen voran das berühmte pandolce. Im Herzen der Avenue XX Settembre versammelt der Orientalische Markt von 1899 unter seinem Dach Erzeuger aus allen Regionen und ist das Zentrum all dieser Köstlichkeiten.
Nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt warten Badeanstalten und Strände auf dich, besonders im Viertel Nervi. Drei Kilometer weiter ist das Fischerdorf Boccadasse mit seinen bunten Häusern direkt am Meer ein ideales Ziel für einen Spaziergang.
Beste Reisezeit
Dank des mediterranen Klimas ist es das ganze Jahr über mild. Von April bis Oktober herrschen ideale Bedingungen, um Genua zu entdecken. Im Juli und August ist der Tourismus am stärksten, weshalb man diese Monate für einen entspannten Besuch eher meiden sollte. Kulturelle Veranstaltungen prägen das ganze Jahr.
Anreise
Es gibt zahlreiche Flugverbindungen nach Genua, der Flughafen liegt sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und wird durch den Volabus angebunden. Die Anreise mit dem Zug oder Bus ist ebenfalls problemlos möglich, insbesondere aus Südfrankreich kommend. Genua liegt 175 Kilometer von der Grenze entfernt und ist über vier Autobahnen erreichbar.