Portovenere: Das sechste Dorf, das die Cinque Terre vor dir verbergen
Es ist 8:00 Uhr morgens und die Fähre aus La Spezia legt gerade ab. Zwanzig Minuten später taucht in der Ferne eine Reihe von Pastellhäusern auf, die dicht gedrängt wie eine bunte Festung am Wasser stehen. Am Ende der Landzunge trotzt eine schwarz-weiß gestreifte Kirche seit acht Jahrhunderten der See.
Willkommen in Portovenere, diesem ligurischen Fischerdorf, das Lord Byron so sehr liebte, dass er der Legende nach die Bucht durchschwamm, um dorthin zu gelangen.
Portovenere: Die italienische Riviera ohne den Massenansturm
Portovenere zieht Reisende an, die die Schönheit der Cinque Terre ohne die Hektik suchen. Der Ort passt perfekt zu Paaren auf der Suche nach Romantik, zu Wanderern, die die Insel Palmaria erkunden möchten, und zu Italien-Fans, die einen Aperitif mit Meerblick dem Selfie-Marathon vorziehen. Zudem dient das Dorf als idealer Ausgangspunkt, um die fünf Nachbardörfer, Lerici oder die nahegelegene Tuskana zu besuchen.
Suchst du hingegen nach Nachtleben, Sandstränden oder einer reinen Kleinkind-Destination, wirst du hier vielleicht nicht ganz glücklich. Das Dorf ist überschaubar, alles läuft zu Fuß über gepflasterte und oft steile Gassen. Kinderwagen sind hier eine echte Belastung.
Sicher und überschaubar
Norditalien gilt als sehr sichere Region und Portovenere bildet da keine Ausnahme. Die einzige logistische Hürde bleibt die Anreise: Es gibt keinen Bahnhof, nur eine einzige Zufahrtsstraße und Parkplätze, die im Sommer schnell überfüllt sind. Sprachlich kommst du mit Englisch gut zurecht, doch ein freundliches „Buongiorno“ öffnet dir stets alle Türen. Die Uhr tickt hier langsamer, ganz im Sinne des Dolce far niente.
Budget: Moderat in der Nebensaison, happig im Sommer
Plane in der Zwischensaison mit Unterkunft zwischen 80 und 150 €* pro Tag für zwei Personen. Eine Nacht im B&B im Zentrum kostet je nach Reisezeit zwischen 90 und 180 €*. Ein Fischgericht am Hafen schlägt mit 25 bis 40 €* pro Person zu Buche, während die meisten Sehenswürdigkeiten wie der Eintritt ins Castello Doria für 5 €* günstig bleiben.
Der Hafen und die Altstadt: Farben und jahrtausendealter Stein
Der bleibende Anblick von Portovenere ist die Palazzata a Mare. Diese Fassade aus mittelalterlichen Turmhäusern in Sorbetfarben diente einst als Schutzwall gegen Angreifer. Heute haben Straßencafés die Schießscharten abgelöst. Setz dich ins Venus Bar bei einem Spritz und beobachte die Fischerboote, die durch den türkisblauen Kanal der Bocche gleiten.
Durchquere das aus dem Jahr 1113 stammende Porta del Borgo, um in das Labyrinth der Altstadt vorzustoßen. Die Hauptstraße Via Capellini säumen Handwerksläden, Focaccerias und kleine Läden, die traditionelles Pesto anbieten. Sobald du diese Achse verlässt, lässt der Trubel nach. Steile Treppen führen zu versteckten Innenhöfen, hängenden Gärten und Durchgängen, in denen die Wäsche zwischen alten Mauern trocknet.
Ein Tipp unter Freunden: Für das beste Hafenfoto gehst du zur Promenade Aldo Moro und biegst sofort rechts auf den Pier ab. Das ist der ideale Blickwinkel auf die Häuserzeile, besonders am Morgen, wenn die Sonne die Fassaden anstrahlt.
Kirchen und Festung: Portovenere von oben
Die auf einem Felsvorsprung thronende Kirche San Pietro am Ende der Landzunge gehört zu den meistfotografierten Motiven in ganz Ligurien. Ihre für die genuesische Architektur des 13. Jahrhunderts typischen schwarz-weißen Streifen heben sich von dem tiefen Blau des Meeres ab. Das Innere fällt schlicht und fast streng aus, doch die Kulisse macht alles wett.
Direkt darunter erinnert die Byron-Grotte daran, dass der englische Dichter zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier schwimmen ging und meditierte. Von hier aus soll er durch die Bucht nach San Terenzo geschwommen sein, um Percy Bysshe Shelley zu treffen. Heutzutage dient die Bucht als beliebter Badeplatz mit flachen Felsen, auf denen man mit Blick aufs offene Meer in der Sonne liegt.
Steige anschließend zum Castello Doria hinauf, einer genuesischen Festung aus dem 12. Jahrhundert auf dem Gipfel des Dorfes. Das Innere ist leer, ohne Schilder oder Museumsausstattung. Doch der 360-Grad-Blick über den Golf der Dichter, die Apuanischen Alpen und das Archipel von Palmaria rechtfertigt die 5 €* Eintritt und den steilen Anstieg allemal.
Auf dem Rückweg lohnt ein Stopp in der weniger besuchten Kirche San Lorenzo. Sie bewahrt das Gemälde der Madonna Bianca auf, deren Farben sich 1399 nach der Überlieferung wundersam erholten, als sie das Dorf von der Pest heilte. Jeden 17. August erleuchten über 2000 Fackeln Portovenere zu ihren Ehren.
Palmaria, das Meer und Bootsausflüge
Die Insel Palmaria liegt nur wenige Bootsminuten vom Hafen entfernt und bietet eine völlig andere Atmosphäre. Wanderwege durchqueren die mediterrane Macchia mit spektakulären Tiefblicken auf die Küste. Entlegene Buchten laden abseits von Straßen und Motorenlärm zum Schwimmen und Schnorcheln ein. Die Hin- und Rückfahrt mit der Fähre kostet rund 5 €* ab dem kleinen Hafen nahe der Trattoria della Marina.
Für eine ungewöhnliche Perspektive lohnt sich eine Anfrage bezüglich der Austernzucht-Touren rund um die Inseln Palmaria, Tino und Tinetto, inklusive Verkostung regionaler Austern. Diese Austern aus Portovenere zeichnen sich durch eine grüne Färbung und eine ausgeprägte Jodnote aus, die auf die Bedingungen des Meeresschutzzugebiets zurückgeht. Die militärisch genutzte Insel Tino öffnet ihre Pforten für die Öffentlichkeit ansonsten nur zwei Tage im Jahr im September zum Fest des San Venerio.
Ein Tipp unter Freunden: Aktive Reisende können sich an den Kletterfelsen des Muzzerone versuchen oder bis zum Dorf Campiglia wandern, um den weiten Ausblick über die gesamte Küste zu genießen.
Vom Hafen zu den Cinque Terre: Portovenere als Stützpunkt
Die strategische Lage macht Portovenere besonders attraktiv. Zwischen April und Oktober verbinden Fähren das Dorf mit den vier Küstenorten der Cinque Terre. Riomaggiore erreichst du per Schiff in dreißig Minuten, Monterosso in etwa einer Stunde und zwanzig Minuten. Ein Tagesticket für die gesamte Linie kostet rund 35 €*.
Südlich davon birgt der Golf der Dichter weitere reizvolle Orte. Lerici, San Terenzo und vor allem Tellaro, ein winziges, an die Felsen schmiegendes Fischerdorf, lohnen einen halbtägigen Ausflug. Mit dem Auto lassen sich diese Stationen bei einem Roadtrip entlang der Küstenstraße unkompliziert ansteuern.
Essen und Trinken in Portovenere
Die Küche ist ligurisch und maritim geprägt. Drei Dinge solltest du unbedingt probieren: Muscoli ripieni, mit Brot, Parmesan, Knoblauch und Petersilie gefüllte Miesmuscheln als regionaler Stolz; Mesciùa, eine rustikale Suppe aus Getreide und Hülsenfrüchten aus der Tradition der Seemannsfamilien; sowie das traditionelle Pesto aus dem Mörser, dessen Erfindung die Region für sich beansprucht.
Direkt am Hafen serviert die Antica Osteria del Carugio solide ligurische Klassiker in der Hauptstraße. Die besseren Adressen liegen jedoch etwas abseits. Das Ristorante MarineRei im sechs Kilometer nördlich gelegenen Ortsteil Fezzano bietet frischen Fisch direkt am Wasser in einem authentischen Rahmen. Für einen schnellen Imbiss bereitet die Focacceria Portovenere ausgezeichnete, saftige Focaccia zum Mitnehmen zu.
Anreise und Fortbewegung in Portovenere
Einen Bahnhof besitzt Portovenere nicht, was den Ort vor dem ganz großen Ansturm im Vergleich zu den Nachbarn schützt. Ab La Spezia fährt die Buslinie 11/P alle fünfzehn Minuten ab und braucht rund 30 bis 35 Minuten für eine Fahrt zu 3 €*. Tickets sind am Bahnhof, in Tabakläden oder über die App DropTicket erhältlich, wobei die Fahrpläne vor Ort bisweilen flexibel ausgelegt werden.
Die Fähre von La Spezia verkehrt von März bis November, ein Ticket für die Hin- und Rückfahrt liegt bei etwa 13 €*. Mit dem Auto erreichst du den Ort von La Spezia aus in zwanzig Minuten über eine Panoramastraße. Parkplätze sind kostenpflichtig und im Sommer rasch belegt. Aus dem deutschsprachigen Raum reist man meist mit dem Auto über die Alpen oder per Flugzeug über die Flughäfen in Pisa (80 km, etwa 1 Stunde 15 Minuten Fahrzeit) oder Genua (110 km) an.
Die beste Reisezeit
Empfehlenswert sind die Monate April bis Juni sowie September und Oktober: Das Wetter zeigt sich mild, ab Juni ist das Meer warm genug zum Baden und der Andrang bleibt überschaubar. Im Juli und August ist es voll, vor allem an den Wochenenden, wenn Einheimische aus La Spezia und Umgebung anreisen. Der Winter verläuft ruhig und einige Geschäfte machen Pause, doch Spaziergänge an der Uferpromenade bei klarem Himmel besitzen einen ganz eigenen Reiz.
Die kleine Stadt, die man auf keinen Fall verpassen sollte, wenn man die Cinque Terre besucht! Es ist ein bisschen schwieriger dorthin zu gelangen, da es keinen Bahnhof gibt. Die Anreise ist mit dem Bus ab La Spezia möglich (ein Erlebnis für sich, das kann ich euch versichern!!), aber der Ausflug lohnt sich wirklich! Die Stadt ist super angenehm, um herumzuspazieren und sich an den Stränden auszuruhen. Man kann kleine Bootsausflüge zu den umliegenden Inseln machen. Meiner Meinung nach steht dieses kleine Dorf mit seiner Festung seinen Nachbarn in nichts nach, atemberaubende Landschaften und eine wirklich super angenehme Atmosphäre (und ein bisschen mehr Platz an den Stränden)!