Das Schloss, das um einen heiligen Baum wuchs
In den schottischen Highlands, zwischen Inverness und Nairn, steht ein Schloss, dessen Legende fast zu fantastisch klingt, um wahr zu sein: Cawdor Castle wurde buchstäblich um einen heiligen Stechpalmenbaum herum errichtet, der sich bis heute im Inneren des mittelalterlichen Turms befindet. Diese märchenhafte Festung, seit über 600 Jahren der Stammsitz der Campbell of Cawdor, verbindet mit Eleganz das raue Mauerwerk des 14. Jahrhunderts mit einem Interieur, das den Geist eines echten Familienwohnsitzes atmet.
Warum dieses Schloss so fasziniert
Die Geschichte von Cawdor beginnt mit einem Traum und einem goldbeladenen Esel. Im 14. Jahrhundert soll der Thane of Cawdor im Schlaf die Anweisung erhalten haben, einen Esel durch die Landschaft ziehen zu lassen und seine Festung dort zu bauen, wo das Tier für die Nacht anhielt. Der Esel legte sich an einer Stechpalme nieder, und der Turm wurde um den Baum herum gebaut. Die Radiokohlenstoffdatierung bestätigt, dass dieser Baum im Jahr 1372 starb, was zeitlich perfekt zum Bau der ursprünglichen Turmarchitektur passt.
Dass der Name Cawdor so vertraut klingt, liegt an Shakespeare und seinem Macbeth. Der Thane of Cawdor aus dem Theaterstück machte den Ort weltberühmt, obwohl die beschriebenen Ereignisse zeitlich weit vor der Errichtung des Schlosses liegen. Die Ironie bleibt den heutigen Besitzern nicht verborgen: Der 5. Earl soll einmal gesagt haben, er hätte es vorgezogen, wenn der Autor dieses Stück niemals geschrieben hätte.
Die Besichtigung: Zwischen Geschichte und Privatsphäre
Im Gegensatz zu vielen anderen Schlössern, die wie erstarrte Museen wirken, ist Cawdor ein lebendiger Ort. Die Dowager Countess Angelika verbringt hier noch heute einen Teil des Jahres, und diese Präsenz ist in jedem Raum spürbar. Der Salon, in dem Generationen von Campbell-Porträts hängen, wirkt, als würden jeden Moment Gäste zur Teestunde eintreffen. Das Tapissier-Schlafzimmer zeigt kostbare Wandbehänge aus dem 16. Jahrhundert, während das Esszimmer durch einen riesigen, kunstvoll behauenen Steinkamin beeindruckt.
Der im Eintrittspreis enthaltene Audioguide bereichert den Besuch durch persönliche Anekdoten zu jedem Raum. Besonders die Küche aus dem 19. Jahrhundert mit ihren historischen Küchengeräten und dem massiven Herd zieht Besucher an. Der Höhepunkt ist jedoch die Thorn Tree Room, ein mysteriöser Raum, der erst 1979 entdeckt wurde und in dem man die Überreste des legendären Stechpalmenbaums hinter einem Gitter sehen kann.
Die wichtigsten Räume
- Die Thorn Tree Room mit dem uralten Stechpalmenbaum im unteren Turmbereich
- Der Salon mit den Ahnenporträts der Familie Campbell
- Das Tapissier-Schlafzimmer mit seinen Wandteppichen aus dem 16. Jahrhundert
- Das Esszimmer mit seinem monumentalen Steinkamin
- Die mittelalterlichen Verliese, die an die einstige Wehrhaftigkeit erinnern
Ein kleiner Tipp: Komme am frühen Morgen, noch vor den Reisebussen, um das Schloss in einer ruhigeren und intimeren Atmosphäre zu erleben. Die ersten Stunden nach der Öffnung bieten ein deutlich kontemplativeres Erlebnis.
Drei Gärten, drei Stimmungen
Was Cawdor von anderen schottischen Schlössern abhebt, sind seine drei bemerkenswerten Gärten, von denen jeder seinen eigenen Charakter besitzt. Der Walled Garden, umgeben von Mauern aus dem 17. Jahrhundert, beherbergt heute ein Labyrinth, das vom Mythos des Minotaurus in Knossos inspiriert wurde. Die Blumenbeete stehen dort von Mai bis September in voller Blüte.
Der Flower Garden aus dem 18. Jahrhundert besticht durch seine sorgfältig gepflegten Staudenrabatten, in denen Azaleen, Rhododendren, Schwertlilien, Rosen und Dahlien gedeihen. Der Wild Garden ist naturbelassener und windet sich zwischen dem Schloss und dem Bachlauf entlang, gesäumt von Rhododendren, Weiden und Bambus sowie einem Teppich aus Narzissen und Primeln im Frühling.
Der Tibet-Garten: Ein botanischer Schatz
In der Nähe des kleinen Anwesens Auchindoune verbirgt sich ein ungewöhnlicher Garten, der Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt wurde. Der Pflanzensammler Frank Kingdon-Ward und Jack Cawdor, der 5. Earl, brachten von ihren Expeditionen in die Tsangpo-Schluchten in Tibet seltene Blumen und Sträucher aus dem Himalaya mit. Die Dowager Countess erweitert diese Sammlung bis heute mit zahlreichen Primelarten. Dieser Garten ist im Sommer nur dienstags und donnerstags gegen eine freiwillige Spende zugänglich.
Der Cawdor Big Wood: Einer der schönsten Wälder Europas
Hinter den formalen Gärten erstreckt sich der Cawdor Big Wood, ein alter Eichenwald, der von über 8 Kilometern farblich markierten Wanderwegen durchzogen ist. Es ist eines der schönsten Waldgebiete Europas und Heimat für hunderte Pflanzenarten sowie über hundert Flechtenarten. Familien werden den hölzernen Spielplatz zu schätzen wissen, der versteckt im Unterholz liegt.
Weitere Vorzüge des Anwesens
Für Golfer gibt es einen 9-Loch-Platz, der sich durch das Anwesen schlängelt und für alle Spielstärken geeignet ist. Das Courtyard Café, untergebracht im ehemaligen Haus des Verwalters, serviert von 10:00 bis 17:00 Uhr lokale Produkte und hausgemachtes Gebäck. Auch die drei Läden des Schlosses sind einen Besuch wert: Der Gift Shop, der Highland Shop und der Wool Shop bieten eine große Auswahl an hochwertigem schottischem Kunsthandwerk.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Dieses Schloss ist sehr gut gepflegt und erhalten. Die Gärten kann man das ganze Jahr über besuchen, sie sind perfekt in Schuss, aber das Innere ist nur zu bestimmten Zeiten zugänglich. Das Schloss ist nämlich noch bewohnt. Ich hatte die Gelegenheit, mit den Eigentümern zu sprechen, die sehr sympathisch sind. Es ist ein sehr interessanter Besuch.