Stintino besuchen
An der Spitze der nach ihm benannten Halbinsel liegt Stintino weitab vom Trubel der Großstädte. Der Ort bewahrt sich eine gewisse wilde Natürlichkeit, was nur eine der vielen Facetten seines Charmes ist. Das kleine Dorf im äußersten Nordwesten von Sardinien entstand erst 1885, als 45 Fischerfamilien von der benachbarten Insel Asinara umgesiedelt wurden, um dort Platz für ein Lazarett und eine Strafkolonie zu schaffen. Die Fischer gründeten die Kooperative Communion des 45. Auch wenn die alten Thunfisch-Fabriken noch immer stehen, ist es heute vor allem der Ruf seiner Strände, der Stintino bekannt gemacht hat. Man sagt, es seien die schönsten von Italien.
Ein malerisches Dorf
Schon die Panoramastraße bei der Ankunft gibt den Ton an und zeigt, welch beeindruckendes Gebiet sich vor den Besuchern ausbreitet. Die Fahrt entlang der Küste ist von reiner Schönheit geprägt, mit Farben, die so intensiv leuchten, wie man es selten erlebt. Man blickt von oben auf das Meer und die Buchten, bevor die niedrigen Häuser in Sicht kommen. Die Pastellfarben verleihen den Gebäuden Charakter und die Gassen wirken sehr pittoresk. In der Rue Lepanto markiert das Kriegerdenkmal die Place des 45, das Zentrum des dörflichen Lebens. Ein Stück weiter, nahe der Rue Sassari, erhebt sich die Pfarrkirche der Unbefleckten Empfängnis von 1930 mit ihrem Turm und den blassrosa Fassaden. Das Zentrum ist überschaubar, bietet aber charmante Geschäfte, lokales Kunsthandwerk und zahlreiche Restaurants. Besonders empfehlenswert sind die Lokale an la Marina, dem Hafenviertel, das aus drei Häfen besteht und eine zauberhafte Kulisse bietet.
Es ist ein Genuss, bei Regattabooten, Seglern oder kleinen Fischerbooten direkt am Wasser zu sitzen. Die lokale Küche basiert natürlich auf Fisch und Meeresfrüchten, wie etwa frische Pasta mit Meeresfrüchten, eine Kartoffelsuppe mit Hummer, Oktopussalat und natürlich gegrillter Thunfisch. Die bottara di tonno, eine Spezialität aus getrocknetem Fischrogen, darf ebenso wenig fehlen wie die tumbarella, ein Nachtisch auf Ricotta-Basis, oder die tiricche-Kekse.
Wer die tiefe Verbindung zwischen Stintino und der Fischerei verstehen möchte, sollte das Musée della Tonnara besuchen. Es ist eine Hommage an die Arbeit von einst. Die Ausstellung ist wie eine echte Thunfisch-Fanganlage aufgebaut und führt den Besucher durch den Weg des Fisches, wobei Archivfotos und alte Gegenstände die Geschichte sehr bewegend erzählen.
Paradiesische Strände
Die wahre Pracht des Ortes ist zweifellos seine Küste. Mehrere weiße Sandstrände schaffen ein karibisch anmutendes Ambiente, das durch ein unglaublich klares Wasser in allen Türkistönen unterstrichen wird. Weniger als 2 km entfernt liegt la Pelosa, sicherlich einer der schönsten Strände im gesamten Mittelmeerraum. Es ist ein riesiger Küstenabschnitt, der sich bis zum Horizont erstreckt, direkt vor dem Wahrzeichen der Stadt: la Torre della Pelosa, einer aragonischen Befestigungsanlage aus dem Jahr 1578. Das Wasser ist flach und sicher, die tieferen Stellen beginnen erst nach einigen Metern. Weiter nördlich wird la Pelosetta von den Klippen des Capo Falcone und ihrem Vorgebirge überragt, wo eine Terrasse auf 200 m Höhe einen unvergleichlichen Ausblick bietet. Falken nisten dort, und für Vogelliebhaber ist der Teich von Casaraccio ein wichtiger Lebensraum für Kormorane und Seeschwalben. Am Strand Cala Lupo, der etwas schwieriger zu erreichen ist, genießt man fast vollkommene Einsamkeit. Der Ort ist zudem bei Tauchern beliebt, ebenso wie die Unterwasserwelt von Punta Negra di Stintino mit ihrer typischen Vegetation. Auch die Insel Asinara ist ein Naturwunder mit geschützten Gebieten, seltener Fauna, historischen Monumenten wie dem Kastell und weiteren Stränden.
Die beste Reisezeit
Das Klima ist das ganze Jahr über mild. Um die Strände jedoch ohne die großen Touristenmassen zu genießen, sind Mai, Juni und September ideal, da das Wasser dann bereits warm genug zum Baden ist. Im Juli und August ist la Pelosa überlaufen.
Anreise
Der nächstgelegene Flughafen ist Alghero-Fertilia, etwa 35 km entfernt. Private und öffentliche Buslinien bringen Reisende in etwa einer Stunde in den Ort; in der Hochsaison gibt es 5 Verbindungen pro Tag. Von Nizza aus kann man auch die Fähre nehmen. Vor Ort ist ein Mietwagen die beste Wahl, um in Sardinien flexibel zu bleiben.