Das Museum der Schönen Künste in Nîmes, 200 Jahre Kunst unter einem Glasdach
Mehr als 50 Quadratmeter bunte Mosaiksteine breiten sich unter deinen Füßen aus. Schon beim Betreten des Raumes sorgt dieses römische Mosaik aus dem 2. Jahrhundert für eine andächtige Stille. Es zeigt die Hochzeit von Admetos, dem König von Pherä, und wurde 1883 unter den Markthallen der Stadt entdeckt. Fast zwei Meter tief unter der Erde verborgen, haben die Steine ihre Farben bewahrt, die so frisch wirken, als wären sie erst gestern verlegt worden.
Warum lohnt sich ein Besuch im Museum der Schönen Künste von Nîmes?
Dieses Museum beherbergt die zweitgrößte Sammlung der Region Languedoc-Roussillon. Gegründet wurde es 1821 in der Maison Carrée, wo zunächst antike Fundstücke ausgestellt waren, bevor die Sammlung um französische, italienische, flämische und niederländische Gemälde erweitert wurde. Da der Platz dort zu eng wurde, schrieb die Stadt 1902 einen Architekturwettbewerb aus. Der Nîmoiser Architekt Max Raphel gewann, und das heutige Gebäude öffnete 1907 seine Pforten.
Die Sammlung umfasst heute fast 3.800 Werke aus fünf Jahrhunderten künstlerischen Schaffens. Im Jahr 1987 renovierte Jean-Michel Wilmotte die Innenräume, ohne die Eleganz des Gebäudes zu beeinträchtigen. Das zentrale Atrium, überdacht von einem großen Glasdach, durchflutet die Galerien mit natürlichem Zenitlicht, das die feinen Nuancen der Gemälde perfekt zur Geltung bringt.
Werke, die du dir ansehen solltest
Im Erdgeschoss
Zwei monumentale Statuen von Henri Bouchard säumen die Treppe zum Eingang. Das römische Mosaik der Hochzeit des Admetos nimmt die Mitte des Atriums ein, umgeben von einem Gemäldezyklus über Marcus Antonius und Kleopatra aus der Hand von Charles-Joseph Natoire. Der aus Nîmes stammende Maler schuf diese großformatigen Leinwände im 18. Jahrhundert mit einer beeindruckenden Beherrschung von Stofflichkeit und Hauttönen.
In den oberen Galerien
Die sieben Säle im Obergeschoss laden zu einem chronologischen Rundgang durch die europäischen Kunstschulen ein. Hier begegnest du Rubens mit einem Porträt eines Kapuziners, sowie Werken von François Boucher und Jean-François de Troy mit seiner berührenden Darstellung der schlafenden Schnitterin. Das Gemälde Cromwell vor dem Sarg von Karl I. von Paul Delaroche zieht durch seine dramatische Intensität den Blick auf sich. Verpasse zudem nicht die Madone Foulc, ein glasiertes Terrakotta-Tondo von Andrea della Robbia, das ursprünglich aus dem Palazzo Strozzi in Florenz stammt.
Tipp vom Experten: Am ersten Sonntag jedes Monats ist der Eintritt frei. Das ist die beste Gelegenheit, ohne Zeitdruck durch die Galerien zu schlendern.
Ein Gebäude zwischen Tradition und Moderne
Die Architektur des Museums verbindet Naturstein mit Metallstrukturen. Die Stahlträger, die Böden aus Stahlbeton und die Glasdächer zeugen von den Bautechniken des frühen 20. Jahrhunderts. Die Renovierung von 1987 ergänzte schlichte Stellwände und eine dezente Beleuchtung, die die Gemälde in den Fokus rückt.
Der doppelte Rundgang durch die Galerien ermöglicht es, sich frei zwischen den Etagen zu bewegen. Die Ruhe, die hier herrscht, bildet einen bewussten Kontrast zur Lebhaftigkeit der Arenen, die nur wenige hundert Meter entfernt liegen. Besucher schätzen die gedämpfte Atmosphäre, die zur Kontemplation einlädt. Das Personal, das oft für seine herzliche Art gelobt wird, hilft dir gerne weiter, falls du nur wenig Zeit hast und dir die wichtigsten Stücke zeigen lassen möchtest.
Die Verbindung zum römischen Erbe von Nîmes
Die Platzierung des antiken Mosaiks im Herzen eines Museums für Schöne Künste war bereits bei der Planung des Gebäudes beabsichtigt. Die Einwohner von Nîmes wollten die römischen Wurzeln ihrer Stadt würdigen. Dieses außergewöhnliche Stück, das aus zwanzig verschiedenen geometrischen Quadraten besteht, tritt in einen Dialog mit den umgebenden Gemälden. Das gesamte Museum erzählt so eine fortlaufende Geschichte, von den Mosaiksteinen des 2. Jahrhunderts bis zu den Pinselstrichen des 19. Jahrhunderts.
Ich bin reingegangen, weil ich etwas Zeit übrig hatte. Dieses kleine Museum bietet hübsche Mosaike, die allerdings weniger beeindruckend sind als die im Musée de la Romanité, sowie französische, flämische und italienische Gemälde sowie Werke einiger lokaler Künstler. Schade, dass die ausgestellten Werke nicht immer gut präsentiert und noch weniger gut beschrieben sind. Es gibt nur einen kleinen Faltplan am Eingang. Meiner Meinung nach ist dieses Museum nicht unbedingt ein Muss. Gehen Sie hin, wenn Sie eine Stunde Zeit totzuschlagen haben.