Kryptoportikus von Arles: In den Eingeweiden des römischen Forums
Wenn du die Stufen des Rathauses hinabsteigst, lässt du die Gegenwart hinter dir. Die Temperatur sinkt spürbar, die Luft wird feucht und beinahe greifbar. Unter deinen Füßen liegt der antike Boden, auf dem die Bewohner von Arelate bereits vor zweitausend Jahren wandelten. Der Kryptoportikus von Arles ist kein gewöhnlicher Museumsbesuch: Es ist eine unterirdische Reise direkt in das Herz römischer Ingenieurskunst.
Warum diese Galerien so faszinierend sind
Diese gewölbten Gänge wurden am Ende des 1. Jahrhunderts vor Christus errichtet und bildeten das unsichtbare Fundament des Forums, dem pulsierenden Zentrum der römischen Stadt. Die Herausforderung für die Erbauer war beachtlich: Sie mussten einen riesigen öffentlichen Platz auf einem Gelände anlegen, das natürlich zum Fluss Rhone hin abfiel. Die römischen Ingenieure lösten dieses Problem mit beeindruckender Präzision.
Drei monumentale, U-förmig angeordnete Galerien bilden eine künstliche Terrasse von 90 Metern Länge. Jeder Flügel besteht aus einer Doppelgalerie mit einer Breite von 8,5 Metern, die von massiven Pfeilern aus großen Steinblöcken gestützt wird. Die Tonnengewölbe ruhen auf Arkaden mit flachen Bögen. Ein architektonisches Meisterwerk, das zwei Jahrtausende überdauert hat und seit 1981 zum UNESCO-Welterbe gehört.
Das Erlebnis vor Ort: Ein Abstieg in die Dunkelheit
Erwarte keine auf Hochglanz polierte Sehenswürdigkeit. Die Kryptoportiken bewahren ihren rauen, geheimnisvollen Charakter. Die Kühle, die hier herrscht, ist besonders im heißen provenzalischen Sommer eine Wohltat und bildet einen starken Kontrast zur drückenden Hitze an der Oberfläche. Deine Augen benötigen einen Moment, um sich an das Dämmerlicht zu gewöhnen.
Der Rundgang führt dich durch die drei Hauptgalerien. Die galerie sud wurde direkt in den Fels des Hügels gehauen. Im Norden wurde das Gelände um mehrere Meter aufgeschüttet, wodurch Überreste der vorrömischen Stadt erhalten blieben. Lichtschächte dienten ursprünglich der Belüftung und dem natürlichen Lichteinfall. Die massiven Pfeiler erzeugen eine faszinierende Fluchtlinie und ein ständiges Spiel von Licht und Schatten.
Die vierte Galerie: Zeuge einer anderen Epoche
Eine zusätzliche Galerie hebt sich durch die Verwendung von Ziegelsteinen in ihren Wänden und Gewölben ab. Sie zeugt von einer umfassenden Umgestaltung des Stadtzentrums in der Spätantike, vermutlich im 4. Jahrhundert nach Christus. Dieser Bereich, der an die ehemaligen Läden aus der Zeit des Augustus grenzt, offenbart die verschiedenen Schichten der städtischen Geschichte von Arles.
Was die Mauern erzählen
Anders als man vermuten könnte, waren diese Galerien in der Römerzeit nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Nur zwei schmale Eingänge für das Dienstpersonal führten in das Innere. Sie dienten vermutlich als Lagerflächen und Versorgungsräume für das geschäftige Treiben auf dem darüber liegenden Forum.
Zu Beginn des 5. Jahrhunderts, als das Forum allmählich verfiel, wurden die Kryptoportiken unterteilt und dienten Privatleuten als Keller. Später wurden einige Abschnitte sogar als Gefängniszellen genutzt. Jeder Stein trägt die Spuren dieser wechselvollen Geschichte in sich.
Der Tipp vom Experten: Die Besichtigung dauert etwa 30 Minuten und wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas karg, da es nur wenige Erklärtafeln gibt. Nimm dir die Zeit, in jeder Galerie innezuhalten und die architektonischen Details genau zu betrachten. Achte besonders auf die Pfeiler: Ihre Bauweise mit riesigen, perfekt ohne Mörtel angepassten Steinblöcken verdeutlicht das technische Können der Römer. Besuche den Ort am besten am späten Vormittag oder frühen Nachmittag, wenn das natürliche Licht aus den Schächten am besten einfällt.
Wichtig: Die Anlage ist aufgrund der zahlreichen Treppen nicht für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Die Atmosphäre kann auf klaustrophobisch veranlagte Besucher beklemmend wirken. Der Boden ist stellenweise feucht und glatt, daher solltest du festes Schuhwerk tragen.
Der wohl dunkelste Teil der antiken Geschichte von Arles. Eine faszinierende Entdeckung, die mir den Einfallsreichtum unserer Vorfahren erst richtig bewusst gemacht hat. Diese Krypta erstreckt sich unter der gesamten Stadt. Man kann also sagen, dass es ein riesiger und beeindruckender Ort ist. Ein Besuch, der mal etwas anderes ist und einem das Gefühl gibt, ein Entdecker zu sein.
Es ist kühl dort, also eher etwas für den Sommer!