Das Antike Theater von Arles: Wenn Stein zweitausend Jahre Geschichte erzählt
Zwei Marmorsäulen ragen in den provenzalischen Himmel. Um sie herum erstrecken sich verwitterte Zuschauerränge und ein stilles Orchester, während man beim Betreten des Areals das Gefühl hat, dort zu stehen, wo einst 10.000 Zuschauer Platz fanden. Das Antike Theater von Arles ist kein verstaubtes Relikt. Jeden Sommer erwacht es unter freiem Himmel zu neuem Leben und pulsiert im Rhythmus verschiedener Festivals.
Warum sich der Besuch lohnt
Das Theater wurde um 12 v. Chr. fertiggestellt und zählt zu den ältesten Bauwerken aus Stein in der römischen Welt. Kaiser Augustus, der die römische Kolonie gerade erst gegründet hatte, wollte ein Zeichen setzen. Das Ergebnis war ein Bauwerk mit einem Durchmesser von 102 Metern, drei Stockwerken mit kunstvoll verzierten Arkaden und einer Bühnenwand, die mit rund einhundert korinthischen Säulen geschmückt war. Ein Machtbeweis architektonischer Art zur Ehre Roms.
Im Mittelalter diente das Bauwerk als Steinbruch. Die Materialien wurden genutzt, um die Stadtmauern zu errichten. Erst im 19. Jahrhundert legten Ausgrabungen die Überreste wieder frei. Seit 1981 gehört es zu den acht Monumenten von Arles, die als UNESCO-Welterbe gelistet sind, und zeugt eindrucksvoll davon, wie sich eine antike Stadt in die mittelalterliche europäische Zivilisation integrierte.
Die Überreste: Schönheit in Fragmenten
Von den ursprünglich 33 Sitzreihen hat nur ein Teil überdauert, der im Mittelalter in die Stadtmauer integriert und als Wehrturm genutzt wurde. Dennoch ist es ein besonderes Erlebnis, auf diesem jahrtausendealten Gestein zu sitzen. Das Orchester und die Grube für den Bühnenvorhang sind noch immer erkennbar, ebenso wie die zwei majestätischen Säulen, die als einzige Zeugen der einstigen Fassade stehen blieben.
Die Bühnenwand war Apollon geweiht und prachtvoll zu Ehren von Augustus gestaltet. Man kann sich die Szenerie gut vorstellen: skulptierte Nischen, monumentale Statuen und das kolossale Abbild des Augustus selbst. Hier entdeckten Arbeiter 1651 beim Ausheben eines Brunnens die berühmte Venus von Arles, die heute im Louvre zu sehen ist. Es handelt sich um eine römische Kopie eines griechischen Werks von Praxiteles, die über ein Jahrhundert lang in Versailles ausgestellt war.
Eine spektakuläre Renaissance: Die Festivals
Sobald die Nacht einbricht, entfaltet sich der Zauber des Ortes erneut als lebendiger Treffpunkt für Kultur.
Les Suds, ein Knotenpunkt für Weltmusik
Seit 1996 verwandelt das Festival Les Suds Arles jeden Juli in einen Schmelztiegel der Weltmusik. An sieben Tagen und sechs Nächten erklingen hier mediterrane, afrikanische und orientalische Rhythmen. Das Programm bietet eine Mischung aus internationalen Stars und neuen Talenten. Das Festival bespielt zudem den Cour de l'Archevêché (Erzbischöflicher Hof) und die Nuits des Forges im Parc des Ateliers.
Rencontres de la Photographie und weitere Veranstaltungen
Anfang Juli beleben die Rencontres Internationales de la Photographie den Ort mit monumentalen Projektionen. Hinzu kommen die Fêtes d'Arles et du costume Ende Juni, das Festival Les Escales du Cargo sowie das Festival du film Péplum Ende August. So lässt sich der Besuch gezielt nach kulturellen Interessen planen.
Den Alltag im Theater erleben
Außerhalb der Festivalzeiten ist das Gelände ganzjährig frei zugänglich. Ein Aufstieg zu den oberen Rängen lohnt sich, denn von dort überblickt man die gesamte Stadt mit ihren ziegelroten Dächern. In den Schulferien werden Vorführungen römischer Spiele angeboten, was besonders für Familien interessant ist.
Ein kleiner Tipp: Wer mehrere Sehenswürdigkeiten in Arles besichtigen möchte, sollte auf den Pass Liberté oder den Pass Avantage zurückgreifen. Damit spart man Eintrittsgelder und kann den Besuch ideal mit dem benachbarten Amphitheater verbinden. Beide Monumente liegen nur wenige Gehminuten auseinander. Die späten Nachmittagsstunden sind ideal, um das goldene Licht auf dem alten Gestein einzufangen.
Wichtiger Hinweis: Aufgrund der antiken Ränge und des unebenen Geländes ist der Zugang für Menschen mit eingeschränkter Mobilität schwierig. Bei Festen und Veranstaltungen kann es zu kurzfristigen Schließungen kommen, weshalb eine vorherige Prüfung ratsam ist.
Der Preis ist im Ticket für die Arena enthalten. Ansonsten kann man es auch von außen sehen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, empfehle ich euch trotzdem, es zu besichtigen. Es ist ein ziemlich großes Theater, von dem leider nicht mehr alles erhalten ist.
Die Besichtigung geht recht schnell. Dennoch hat es den Vorteil, dass es in der Nähe aller anderen Sehenswürdigkeiten liegt. Dadurch lässt es sich prima und zügig in euren Rundgang einbauen.