Das Book of Kells: Ein handgemaltes Meisterwerk aus der Zeit vor 1.200 Jahren
Der Raum ist in Dämmerlicht getaucht. In der Mitte steht eine massive Vitrine aus dickem Glas, in der das Manuskript aufgeschlagen auf zwei Seiten präsentiert wird. Die Pigmente, die aus Pflanzen und Mineralien gewonnen wurden, haben über zwölf Jahrhunderte hinweg kaum an Leuchtkraft verloren. Was du hier siehst, wurde um das Jahr 800 von keltischen Mönchen in mühsamer Handarbeit auf Kalbspergament aufgetragen. Es ist ein Anblick, der einen Moment zum Innehalten zwingt.
Warum solltest du das Book of Kells besuchen?
Das vermutlich auf der Insel Iona in Schottland von irischen Mönchen begonnene und nach einem Wikingerangriff im Kloster von Kells vollendete Evangeliar enthält die vier Evangelien des Neuen Testaments in lateinischer Sprache. Es gilt als eines der bedeutendsten erhaltenen Beispiele frühmittelalterlicher keltischer Kunst.
Seine ornamentale Komplexität stellt alles andere aus dieser Zeit in den Schatten. Jede Seite ist durchzogen von kunstvollen Flechtmustern, fantastischen Kreaturen und Initialen, die mit einer Präzision gestaltet wurden, die den zeitlichen Aufwand kaum erahnen lässt.
Das Manuskript wird seit 1661 im Trinity College Dublin aufbewahrt, nachdem es der Bischof von Meath zum Schutz vor den Unruhen der Bürgerkriege der Universität übergab. Heute ist es die wichtigste kulturelle Attraktion in Dublin und zieht jährlich bis zu eine Million Besucher an.
Was erwartet dich bei einem Besuch?
The Treasury: Die Begegnung mit dem Original
Der Rundgang beginnt in einem Einführungsraum, der die Geschichte des Buches beleuchtet. Hier erfährst du, dass die 340 Blätter auf gegerbtem Pergament entstanden sind und die verwendeten Farben unter anderem aus Lapislazuli aus Afghanistan sowie gelbem Auripigment mineralischen Ursprungs bestehen.
Danach betrittst du The Treasury. In diesem abgedunkelten Raum liegt das Buch in einer gesicherten Vitrine. Es sind stets zwei Seiten zu sehen. Aus Konservierungsgründen werden diese mehrfach im Jahr ohne Vorankündigung gewechselt. Die Seiten, die du siehst, hat in diesem Halbjahr garantiert niemand vor dir in dieser Kombination gesehen.
Die Long Room: Eine Bibliothek, die beeindruckt
Das Ticket umfasst auch den Zugang zur Long Room. Diese viktorianische Bibliothek erstreckt sich über 65 Meter Länge und besitzt ein Tonnengewölbe, das 1860 angehoben wurde, um Platz für eine obere Galerie zu schaffen. Die Regale aus Eichenholz boten einst Platz für 200.000 Bände.
Seit 2023 werden die Bücher nach und nach entnommen, um sie im Zuge eines umfassenden Restaurierungsprojekts des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert zu reinigen und elektronisch zu erfassen. Der Saal bleibt jedoch zugänglich. Selbst in leerem Zustand wirkt der Raum architektonisch fast noch klarer und beeindruckender.
Zu den ausgestellten Objekten gehört die Harfe des Trinity College. Sie stammt aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und ist die älteste Harfe Irlands sowie das nationale Symbol des Landes. Du findest sie auf irischen Euro-Münzen und auf Guinness-Etiketten wieder.
The Red Pavilion: Ein immersives digitales Erlebnis
Seit Januar 2024 ergänzt das temporäre rote Gebäude The Red Pavilion den Besuch. Es bietet drei digitale Bereiche: eine animierte 360-Grad-Darstellung des Book of Kells, Einblicke in die geheimen Sammlungen der Bibliothek und eine Simulation der Long Room nach ihrer geplanten Renovierung. Auch wenn man bei solchen digitalen Angeboten skeptisch sein kann, überzeugt die 360-Grad-Projektion auf ganzer Linie.
Tipp vom Experten: Die Online-Buchung ist zwingend erforderlich, da die Zeitfenster in der Hochsaison oft Tage im Voraus ausgebucht sind. Die Long Room bleibt noch bis Ende 2027 geöffnet, bevor sie für umfassende Restaurierungsarbeiten schließt. Wer eine Reise nach Dublin plant, sollte den Besuch daher nicht zu lange aufschieben.
Das spricht für den Besuch
- Die direkte Begegnung mit einem 1.200 Jahre alten Manuskript in seinem historischen Kontext ist in Dublin einzigartig.
- Das 2024 eröffnete Red Pavilion liefert wertvolle Hintergründe und eine moderne Aufbereitung, die dem Museum zuvor fehlten.
- Die Long Room ist noch bis Ende 2027 zugänglich, was die letzte Gelegenheit vor der langen Schließung bietet.
- Der Campus des Trinity College kann nach dem Besuch frei und ohne weitere Kosten erkundet werden.
Punkte, die du vor der Buchung bedenken solltest
- Die Long Room ist derzeit weitgehend leer geräumt, da die Bücher für die Restaurierung ausgelagert wurden.
- Man sieht nur zwei Seiten des Manuskripts hinter Glas in einem abgedunkelten Raum, was manche Besucher als zu kurz empfinden.
- Der Eintrittspreis ist für viele Besucher im Verhältnis zur Aufenthaltsdauer recht hoch angesetzt.
- Im Sommer ist der Andrang enorm. Die Zeitfenster um 9:00 Uhr sind meist die entspannteste Wahl.
Eintrittspreise
| Kategorie | Richtpreis |
|---|---|
| Erwachsene | ca. 18 € bis 25 € |
| Studierende / Senioren (mit Nachweis) | Ermäßigter Tarif |
| Kinder | Ermäßigt oder kostenlos je nach Alter |
| Studierende und Personal des Trinity College | Kostenlos (Vorab-Reservierung erforderlich) |
Preisänderungen vorbehalten.
Öffnungszeiten
Wie viel Zeit du für diese Aktivität einplanen solltest
*Angaben können sich ändern
Auch wenn das Book of Kells sehr gut erhalten ist, war ich ein kleines bisschen enttäuscht davon. Ich fand den Eintrittspreis ziemlich hoch. Es ist allerdings möglich, kostenlos reinzukommen. Tatsächlich können einen die Studenten der Universität eventuell mit reinnehmen. Wenn man nett ist, stehen die Chancen gut, dass sie ja sagen.