Dublin besuchen, wo die irische Seele im Takt der Pubs schlägt
Sobald du die kopfsteingepflasterten Straßen dieser überschaubaren Hauptstadt betrittst, umfängt dich ein Duft aus malzigem Bier und einer Prise Torf. Bunte georgianische Fassaden ziehen an dir vorbei, während an einer Straßenecke ein Geiger traditionelle Klänge anstimmt.
Willkommen in einer Stadt, in der genauso viel getrunken wie philosophiert wird, in der James Joyce und Oscar Wilde ihre Spuren hinterlassen haben und in der jeder Pub eine jahrhundertealte Geschichte birgt. Doch Vorsicht: Unter der Fassade einer gemütlichen Museumsstadt verbirgt sich für die irische Hauptstadt auch eine weniger romantische Realität, geprägt von hohen Preisen und einem Touristenandrang, der manche Viertel fast wie einen Freizeitpark wirken lässt.
Ein Ziel für Fans von festlicher Stimmung und Geschichte
Die Stadt richtet sich vor allem an Liebhaber authentischer keltischer Kultur, an alle, die davon träumen, auf den Spuren legendärer Schriftsteller zu wandeln und in die einzigartige Atmosphäre irischer Pubs einzutauchen. Geschichtsinteressierte kommen zwischen mittelalterlichen Burgen, jahrtausendealten Kathedralen und kostenlosen Museen voll auf ihre Kosten.
Wenn du hingegen nach einer Schönwettergarantie, paradiesischen Stränden oder absoluter Stille suchst, bist du hier falsch. Das wechselhafte Klima und die Menschenmassen in touristischen Hotspots wie Temple Bar können Reisende, die Ruhe suchen, abschrecken.
Die Stadt eignet sich perfekt für Kurztrips, idealerweise ein langes Wochenende oder vier Tage. Das kompakte Zentrum lässt sich leicht zu Fuß erkunden, was Transportkosten spart. Familien werden die zahlreichen Parks und zugänglichen Museen schätzen, während Freundesgruppen in der ausgelassenen Nachtszene ihr Glück finden. Praktischer Hinweis: Ein Auto ist absolut unnötig und eher hinderlich. Die öffentlichen Verkehrsmittel reichen vollkommen aus.
Ein Budget, das ein wenig schmerzt
Die irische Hauptstadt zählt zu den teuersten Städten Europas. Plane zwischen 60 und 75 Euro pro Tag als Backpacker ein (Jugendherberge, Pub-Essen) und eher 100 bis 130 Euro für soliden Komfort mit einem Zwei-Sterne-Hotel und anständigen Restaurants. Die Unterkunftspreise verdoppeln sich an Freitagen und Samstagen. Eine gute Nachricht gibt es jedoch: Die meisten nationalen Museen sind kostenlos.
Temple Bar und das historische Herz: Zwischen Authentizität und Touristenfalle
Das Viertel Temple Bar verkörpert für sich allein die ganze Ambivalenz Dublins. Die gepflasterten Gassen mit ihren farbenfrohen Pubs bieten das perfekte Postkartenmotiv, doch die Realität kann enttäuschen. Die Preise sind astronomisch (rechne mit 8 Euro für ein Pint statt 5 Euro anderswo), und die Stimmung erinnert eher an eine internationale Studentenparty als an ein authentisches irisches Erlebnis. Dennoch kommt man nicht daran vorbei: Die Live-Musik-Sessions sind den Umweg wert, besonders am späten Nachmittag, bevor die Massen der Feiernden eintreffen.
Direkt daneben birgt das historische Zentrum die wahren Schätze der Stadt. Die Kathedrale Saint-Patrick, die größte Irlands, beeindruckt mit ihren gotischen Proportionen und beherbergt das Grab von Jonathan Swift. Nur wenige Schritte entfernt bietet die Christ Church eine faszinierende mittelalterliche Krypta. Das château de Dublin, eine ehemalige normannische Festung, die acht Jahrhunderte lang Sitz der britischen Macht war, enthüllt im Untergrund ihre prächtigen Staatsgemächer und Wikinger-Fundamente.
Der Tipp vom Profi: Besuche Temple Bar tagsüber für die Kunstgalerien und den Markt am Samstag, ziehe dann abends in authentischere Pubs im Viertel Liberties weiter, wie das Gravediggers, wo sich die Einheimischen wirklich treffen.
Zwischen Grafton Street und den georgianischen Vierteln: Das elegante Dublin
Die Fußgängerzone Grafton Street vibriert vom Klang der Straßenmusiker, von denen einige zu internationalen Stars wurden. Man flaniert zwischen schicken Boutiquen und historischen Cafés, darunter das legendäre Bewley's, eine Dubliner Institution seit 1927. Am Ende der Straße bietet der Park St Stephen's Green eine willkommene grüne Oase, perfekt für ein spontanes Picknick.
Trinity College, gegründet 1592, ist ein Muss. Seine Old Library mit ihrem imposanten Saal und den Eichenregalen auf zwei Etagen gehört zu den schönsten Bibliotheken der Welt. Hier ruht das Livre de Kells, ein illuminierte Manuskript aus dem 9. Jahrhundert von atemberaubender Feinheit. Jeden Tag wird nur eine Seite ausgestellt, was jeden Besuch einzigartig macht.
Weiter östlich enthüllt das georgianische Viertel Merrion Square seine pastellfarbenen Fassaden mit bunten Türen, die von Säulen gerahmt sind. Hier konzentrieren sich die nationalen Museen, die alle kostenlos sind: Archäologie, Kunstgewerbe, Naturgeschichte. Der Platz selbst lädt mit seiner Statue von Oscar Wilde, die lässig im Gras liegt, zum Flanieren ein.
Der Tipp vom Profi: Reserviere dein Ticket für Trinity College zur ersten Stunde am Morgen (8:00 Uhr), um das Livre de Kells vor dem großen Ansturm zu bewundern. Die kontemplative Atmosphäre der Bibliothek ist das frühe Aufstehen absolut wert.
Die Liberties und die Guinness Storehouse: Dublins Arbeiterseele
Das Arbeiterviertel Liberties im Südwesten des Zentrums zeigt ein raueres und authentischeres Gesicht. Hier thront die Guinness Storehouse, die Touristenattraktion Nummer eins in Irland. Diese ehemalige Mälzerei, die in ein Museum umgewandelt wurde, zeichnet auf sieben Etagen die Geschichte des berühmten dunklen Bieres nach. Das Highlight? Die Gravity Bar ganz oben, die einen 360-Grad-Blick auf die Stadt bietet, während man ein perfekt gezapftes Pint genießt, das im Eintrittspreis von 26 Euro enthalten ist.
Aber die Liberties sind nicht nur Guinness. Handwerksbrennereien wie Teeling bieten intimere Führungen mit Verkostung von irischem Whiskey an. Die Atmosphäre im Viertel bleibt volksnah, mit Straßenmärkten und Nachbarschaftspubs, in denen man eher auf Dubliner als auf Touristen trifft. Die kürzlich sanierte distillerie Roe & Co verbindet Tradition mit Moderne durch ihre Whiskey-Cocktail-Workshops.
Der Tipp vom Profi: Wenn dir die Guinness Storehouse zu touristisch und teuer erscheint, entscheide dich für eine Führung in der Teeling-Destillerie (25 Euro), die kleiner und authentischer ist und bei der du drei Whiskeys zum Probieren bekommst statt nur ein einfaches Pint.
Das Nordufer und Ausflüge in die Umgebung: Abseits der ausgetretenen Pfade
Auf der anderen Seite der Liffey hatte das Nordufer lange Zeit einen weniger guten Ruf. Doch O'Connell Street, die Hauptverkehrsader, birgt geschichtsträchtige Monumente wie das General Post Office, Schauplatz des Osteraufstands von 1916. Der Spire, eine 120 Meter hohe Stahlspitze, ragt wie ein modernes Ausrufezeichen in den Himmel. Das Viertel Smithfield wertet mit neuen Galerien und einem Biomarkt auf.
Etwa 30 Minuten mit dem DART-Zug entfernt ist das Fischerdorf Howth einen Ausflug wert. Der Klippenwanderweg bietet spektakuläre Panoramen über die Bucht, und am Hafen gibt es ausgezeichnete Fischrestaurants, in denen man fangfrischen Fisch zu fairen Preisen genießt. Eine weitere Option ist Dún Laoghaire mit seiner Strandpromenade, weniger wild, aber ebenso charmant.
Phoenix Park, einer der größten Stadtparks Europas mit 700 Hektar, beherbergt frei lebende Damhirsche, den Zoo von Dublin und den Amtssitz des irischen Präsidenten. Ein Hauch von Natur zehn Minuten vom Zentrum entfernt, perfekt für ein morgendliches Jogging oder ein Picknick abseits der Hektik.
Der Tipp vom Profi: Nimm den DART bis Howth am späten Vormittag, mache die Klippenwanderung (2 Stunden), iss Fish and Chips am Hafen und kehre am Nachmittag zurück. Vermeide die Wochenenden, an denen auch die Dubliner in Scharen dorthin strömen.
Wo kann man in Dublin essen und trinken?
Die kulinarische Szene in Dublin ist in den letzten Jahren förmlich explodiert und schwankt zwischen wohltuender Tradition und gastronomischer Kreativität. In den Pubs findet man den Irish stew, einen Lammeintopf, der langsam mit Kartoffeln und Gemüse schmort, oder coddle, ein typisches Dubliner Gericht aus Würstchen, Speck und Kartoffeln, die lange in Brühe gekocht werden. Der boxty, ein Kartoffelpuffer, der außen knusprig und innen weich ist, begleitet Saucengerichte wunderbar.
Für ein authentisches Erlebnis, ohne zu viel auszugeben, sind Pubs wie das Gravediggers nahe den botanischen Gärten, Sheehan's in Portobello oder O'Shea's Merchant nahe der Christ Church zu empfehlen. Mittags kostet ein reichhaltiges Gericht 12 bis 15 Euro. Gastronomischere Adressen wie Delahunt in Portobello interpretieren irische Klassiker neu: Probiere ihre in Cidre geschmorten Schweinebäckchen oder den lokal gefangenen Fisch.
Was Getränke angeht, kommt man um Guinness nicht herum, aber probiere auch die irischen Craft-Biere, die in den angesagten Bars der Camden Street florieren. Der Irish coffee, eine Mischung aus Kaffee, Zucker, Whiskey und Sahne, wurde erfunden, um Passagiere eines verspäteten Fluges aufzuwärmen. Fish and Chips bei Leo Burdock's, einer Institution seit 1913, bleibt ein ungeschlagener Klassiker für den schnellen Hunger für unter 10 Euro.
Wo übernachten in Dublin und Umgebung?
Die Wahl des Viertels beeinflusst das Erlebnis erheblich. Um mitten im Geschehen zu sein, bieten Temple Bar und Umgebung alles in direkter Nähe, doch der nächtliche Lärm und die hohen Preise können abschrecken. Bevorzuge ruhigere Seitenstraßen wie Dame Street oder die Gegend um Trinity College für ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.
Die Wohnviertel Ranelagh oder Rathmines, 15 Minuten mit dem Bus vom Zentrum entfernt, bieten günstigere Unterkünfte in einer authentischen lokalen Atmosphäre. Die Jugendherbergen in Dublin sind von sehr guter Qualität, mit Betten im Schlafsaal ab 20-25 Euro pro Nacht. Bed & Breakfast bei Einheimischen kostet etwa 50-70 Euro pro Person. Mittelklassehotels liegen unter der Woche bei etwa 100-120 Euro für ein Doppelzimmer, am Wochenende das Doppelte.
Tipp: Die Preise steigen zum St. Patrick's Day Mitte März und an Wochenenden mit Konzerten im Aviva Stadium drastisch. Buche in diesen Zeiten mehrere Monate im Voraus. Das Viertel Ballsbridge, sicher und gut angebunden, ist eine interessante Alternative für Familien, die Ruhe suchen.
Wie kommt man nach Dublin und wie bewegt man sich fort?
Der Flughafen Dublin liegt 13 km nördlich des Zentrums. Die Airlink-Shuttles (Linien 747 und 757) verbinden das Zentrum in 30-40 Minuten für 7 Euro. Der öffentliche Bus 16 kostet nur 2,60 Euro, hält aber an allen Haltestellen. Mit dem Taxi rechne mit 25-30 Euro je nach Verkehrslage. Züge oder Straßenbahnen fahren den Flughafen bisher nicht an.
In der Stadt besteht das Netz aus Dublin Bus, der Straßenbahn Luas (rote und grüne Linie) und dem Vorortzug DART entlang der Küste. Die Leap Visitor Card (Preise von 19,50 Euro für drei Tage bis 40 Euro für sieben Tage) ermöglicht unbegrenzte Fahrten im gesamten Netz und kann am Flughafen gekauft werden. Alternative: Die wiederaufladbare Leap Card für 5 Euro bietet 20 % Rabatt auf jede Fahrt.
Das kompakte Zentrum lässt sich ideal zu Fuß erkunden. Von O'Connell Bridge im Norden bis St Stephen's Green im Süden reichen fünfzehn Minuten. Das Leihfahrradsystem Dublinbikes (3-Tages-Ticket für 5 Euro) eignet sich für erfahrene Stadtfahrer, aber achte auf den Linksverkehr und rutschiges Kopfsteinpflaster bei Regen.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die ideale Reisezeit liegt zwischen Mai und September, mit einem besonderen Vorteil für Juni und Anfang September: angenehme Temperaturen um 18-20 Grad, lange helle Tage und ein Touristenandrang, der weniger erdrückend ist als mitten im Hochsommer. Juli und August ziehen die meisten Menschen an, wobei die Preise in die Höhe schnellen und die Sehenswürdigkeiten überlaufen sind.
Der Herbst, besonders September und Anfang Oktober, bietet einen hervorragenden Kompromiss: weniger Menschenmassen, mildere Preise und kulturelle Festivals wie das Dublin Theatre Festival. Das Klima bleibt trotz häufigerer Schauer angenehm. Das St. Patrick's Festival am 17. März verwandelt die Stadt vier Tage lang in eine riesige Party, erfordert aber eine Buchung Monate im Voraus.
Vermeide hingegen Dezember und Januar, die dunkelsten und regnerischsten Monate, in denen manche Attraktionen schließen oder ihre Öffnungszeiten reduzieren. Das Wetter ändert sich schnell: Habe zu jeder Jahreszeit immer eine winddichte Regenjacke und einen Regenschirm dabei.
C'était un anneau qui permet de disparaitre en le portant ? Y a plein de monde qui le recherche :)