Der tausendjährige Wächter des Luberon
Die goldenen Steine des Schloss Gordes glühen bereits seit fast einem Jahrtausend unter der provenzalischen Sonne. Eingebettet in das Dorf, das zu den Plus Beaux Villages de France (schönste Dörfer Frankreichs) zählt, thront der massive Bau mit seinen runden Türmen und Zinnen über dem Tal von Apt. Seine Erscheinung ist zugleich wehrhaft und majestätisch. Während die Nordfassade mit ihren hohen, strengen Mauern den Blick abweist, lassen die Renaissance-Kreuzstockfenster an der Südseite das Licht in einer eleganten mediterranen Weise in das Innere.
Warum fasziniert dieses Schloss so sehr?
Erstmals im Jahr 1031 von Guillaume d'Agoult erwähnt, einem der einflussreichsten Feudalherren der Provence, entwickelte sich das Schloss rasch zu einem nobile castrum. Es war das einzige Bauwerk in der Umgebung, das diesen Titel trug. Im 14. Jahrhundert wurde es angesichts der Plünderungen durch Raymond de Turenne und die sogenannten Grandes Compagnies (Söldnerheere) verstärkt und überstand selbst die Angriffe während der Religionskriege.
Zwischen 1525 und 1541 wandelte Bertrand Rambaud de Simiane die mittelalterliche Festung in einen Renaissance-Wohnsitz um, ohne dabei die militärische Vergangenheit zu verleugnen. Genau diese Doppelrolle macht den Charme des Ortes aus: eine Burg, die sich den Künsten und dem Licht öffnet.
Die Treppe und der Kamin: Zwei skulpturale Meisterwerke
Schon beim Betreten des Innenhofs beeindruckt die monumentale Wendeltreppe. Jede Stufe wurde aus einem einzigen Steinblock gehauen, die aus den Steinbrüchen von Ménerbes, Oppède und Saint-Pantaléon stammen. Die Steinmetze haben hier Details von erstaunlicher Finesse eingearbeitet: elegante Schwäne, Wappen, Konsolen, stilisierte Disteln, pausbäckige Putten und filigrane Muscheln säumen den Aufstieg.
Im ersten Stock beherbergt der 23 Meter lange Saal einen Schatz, der seit 1902 als Monument Historique (historisches Denkmal) geschützt ist: einen kolossalen Kamin mit einer Breite von 7,20 Metern und einer Höhe von 4,50 Metern. Er trägt die Jahreszahl 1541 und zeugt vom Abschluss der Arbeiten unter Simiane. In seinen zwölf Nischen standen einst die Statuetten der Apostel mit Christus in der Mitte. Diese wurden jedoch während der Französischen Revolution zerstört, als auch das Familienwappen beschädigt wurde. Die stilisierten Akanthusblätter, die gemeißelten Disteln und die Kassetten mit Rosetten wetteifern in ihrer Zartheit im ockerfarbenen Stein.
Ein außergewöhnliches Panorama und ein Geheimtipp
Von den Terrassen aus schweift der Blick über das Comtat Venaissin und das gesamte Tal bis hin zu den Alpilles. Weinberge, Olivenhaine und Lavendelfelder bilden ein Mosaik, das sich mit den Jahreszeiten wandelt: zartes Grün im Frühling, Gold und Violett im Sommer, Rot und Ocker im Herbst.
Der Insider-Tipp: Um die architektonische Entwicklung des Schlosses auf einen Blick zu erfassen, stell dich an den Eingang des Gartens vom Hôtel Simiane, direkt gegenüber der Nordfassade. Von links nach rechts siehst du die sarazenische Burg aus dem 12. Jahrhundert mit ihren mittelalterlichen Zinnen, den "entkrönten" Turm aus dem 14. Jahrhundert mit seinen Ziegeldächern und die Renaissancetürme aus dem 16. Jahrhundert, die von Bertrand de Simiane in Auftrag gegeben wurden. Das ist das beste Fotomotiv und eine kostenlose Geschichtsstunde.
Ein Rahmen für zeitgenössische Kunst
Nachdem Victor Vasarely das Schloss Ende der 1960er Jahre für einen symbolischen Franken erworben hatte, erwachte es nach seiner Restaurierung zu neuem Leben. Von 1970 bis 1996 traten die geometrischen Werke des Künstlers in einen spannenden Kontrast zu den mittelalterlichen Gewölben. Heute setzt das Schloss seine kulturelle Bestimmung mit jährlich wechselnden Ausstellungen fort. Im Jahr 2025 sind die Fotografien von Hans Silvester in den gewölbten Sälen zu sehen.
Ein eigener Raum zeichnet die Geschichte von Gordes nach und würdigt die Künstler, die das Dorf zu ihrem Zuhause machten: Marc Chagall, André Lhote, Jean Deyrolle. Das Schloss ist längst keine in der Vergangenheit erstarrte Festung mehr, sondern ein lebendiger Ort, an dem sich Kulturerbe und zeitgenössische Schöpfung gegenseitig bereichern.
Das Schloss von Gordes lohnt sich vor allem wegen des Panoramas und der beeindruckenden Architektur. Was den Rest angeht, handelt es sich hauptsächlich um eine Ansammlung von Ausstellungsräumen. Das Schloss an sich ist daher recht schlicht und ich fand es ein wenig leer. Man kann es sich auch einfach nur von außen ansehen, zumal die Parkgebühren in Gordes sehr hoch sind.