Die Grotten von Han: 30 Millionen Besucher im Bann der unterirdischen Lesse
Die Temperatur fällt auf 10,5°C. Die Luft wird feucht und riecht intensiv nach dem Kalkgestein. Vor dir ragt eine 6 Meter hohe Stalagmitenformation aus dem Halbdunkel empor, die über 12 000 Jahre hinweg Tropfen für Tropfen geformt wurde. Willkommen im größten unterirdischen Netzwerk Belgiens, wo sich der Fluss Lesse über Jahrtausende seinen Weg durch das Massiv von Boine gebahnt hat.
Warum die Grotten von Han besuchen?
Dieser mit 3 Sternen im Guide Vert Michelin ausgezeichnete Ort zieht jährlich fast 500 000 Besucher an. Der Grund für diese Beliebtheit lässt sich in einer Zahl zusammenfassen: 14 248 Meter kartografierte Galerien, von denen 2 Kilometer für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Lesse verschwindet im Schlund von Belvaux und benötigt je nach Wasserstand zwischen 2 und 28 Stunden, um das Massiv zu durchqueren. Dieses Phänomen des Versinkens und Wiederauftauchens eines Flusses ist in Westeuropa einmalig.
Die Grotten sind seit über zwei Jahrhunderten für Besucher zugänglich. Eine historische Straßenbahn bringt die Gäste noch immer vom Dorf bis zum Eingang, der am Trou au Salpêtre (Salpeterschlucht) liegt.
Die beeindruckendsten Hallen
Le Minaret und die Mystérieuses
Nach der Salle des Scarabées und der Salle du Vigneron offenbart der Rundgang le Minaret, einen schlanken Stalagmiten von fast 6 Metern Höhe. Die darauf folgende Galerie bietet ein Spektakel aus Sinterfahnen, Kerzenformationen und bunten Draperien. Die Mystérieuses tragen ihren Namen zu Recht: Es sind Konkretionen mit unwahrscheinlichen Formen und ockerfarbenen bis weißen Tönungen. Am Ausgang dieser Halle überragt ein stalagmitischer Boden, dessen Alter auf 120 000 Jahre datiert wird, den Durchgang.
Le Trophée und die Salle du Dôme
Le Trophée nötigt Respekt ab. Diese kolossale Formation ist 7 Meter hoch und misst an ihrer Basis 20 Meter im Umfang. Die Salle du Dôme bildet den Höhepunkt der Besichtigung: 145 Meter Gewölbe ragen über deinen Köpfen auf, ein Hohlraum von 124 000 Kubikmetern. Die Ausmaße sind schwindelerregend, besonders wenn die LED-Beleuchtung die natürliche Farbe des Gesteins hervorhebt.
Die Vorstellung Origin: Licht und Ton 110 Meter unter der Erde
Seit 2018 beherbergt die Salle d'Armes Origin, eine 4 Minuten und 30 Sekunden lange Vorstellung von Luc Petit. Der Regisseur arbeitete bereits mit Franco Dragone und Disney zusammen, bevor er sich den unebenen Wänden einer Grotte widmete. Durch Video-Mapping wird die Geschichte der Erde seit dem Urknall auf den Fels projiziert. Ein Symphonieorchester hat den Soundtrack im Studio aufgenommen. Die Installation umfasst 1 800 Meter Kabel, 4 hochauflösende Projektoren und zwei Laser.
Tipp vom Experten: Komme am frühen Morgen zur Besichtigung der Grotte. Vor 11:00 Uhr sind weniger Gruppen unterwegs und die Gästeführer können intensiver auf Fragen eingehen. Denke auch im Sommer an einen Pullover, da die Temperatur das ganze Jahr über konstant bleibt.
Der Tierpark: 250 Hektar geschützte Natur
Das Anwesen beschränkt sich nicht nur auf die unterirdischen Galerien. Ein 250 Hektar großer Park beheimatet etwa 650 Tiere, darunter die europäischen Big Five: Wisent, Grauwolf, Braunbär, Luchs und Vielfraß. Die Erkundung erfolgt zu Fuß auf einem 3 bis 6 km langen Pfad oder während einer 1,5 Stunden dauernden Safari-Tour. Die Colline aux Ours (Bärenhügel) erstreckt sich über 2 Hektar.
Der Park beteiligt sich an Programmen zur Wiederansiedlung bedrohter Arten. Hier gezüchtete Wisente und Przewalski-Pferde wurden bereits in ihre natürliche Umgebung zurückgeführt. Polarwölfe, Polarfüchse und Murmeltiere ergänzen diese europäische Fauna. Das Gelände ist Teil des UNESCO Global Geopark Famenne-Ardenne, dem ersten Geopark Belgiens.
Wichtige Informationen vor dem Start
Der unterirdische Rundgang umfasst 508 Stufen auf einer Länge von 2 Kilometern. Die Gästeführer sprechen Französisch und Niederländisch. Ein erklärendes Faltblatt ist auf Englisch auf Anfrage erhältlich. Trage rutschfeste Schuhe, da der Boden stellenweise feucht und glatt sein kann. Die Entdeckungstour dauert 1 Stunde und 15 Minuten, die Traversée für sportlichere Gäste etwa 2 Stunden.
Was du beachten solltest:
- Konstante Temperatur von 10,5°C in der Grotte
- Hunde sind in der Grotte an der Leine erlaubt, im Tierpark jedoch verboten
- Die Vorstellung Origin ist in allen Grotte-Besichtigungen inbegriffen
- Historische Straßenbahn zur Anreise vom Dorf zum Eingang
Die Aktivitäten im Domaine des Grottes de Han sind wirklich abwechslungsreich. Tierpark, eine beeindruckende Höhle (mit einem leidenschaftlichen Guide), Kletterwald, Spielplätze für die Kinder, Gastronomie, Shop… Es ist allerdings zwingend erforderlich, eine oder mehrere Reservierungen lange im Voraus zu tätigen, um für bestimmte Touren wie die Besichtigung „Grotte traversée“ noch einen Platz zu bekommen. Ich hatte ein wenig Schwierigkeiten zu verstehen, was man für den Tag unseres Besuchs buchen sollte, vielleicht gab es einfach zu viele Optionen. Wir haben unseren Tag dort als Familie sehr genossen, sowohl über als auch unter der Erde ;-)