Abtei Orval: Wo Gebet auf Hopfen trifft
Eine Forelle taucht aus dem Mathilden-Brunnen auf, einen goldenen Ring im Maul. Die Gräfin ruft aus: „Wahrlich, ein goldenes Tal.“ Diese mittelalterliche Legende gab einem der faszinierendsten Orte Belgiens seinen Namen. Tief in einem bewaldeten Tal der Ardennen leben hier seit dem 11. Jahrhundert Trappistenmönche, die siebenmal täglich beten und eines der 11 authentischen Trappistenbiere der Welt brauen.
Warum die Abtei Orval besuchen?
Gegründet im Jahr 1070 von Benediktinermönchen und 1132 in eine Zisterzienserabtei umgewandelt, hat sie über Jahrhunderte hinweg Zeiten von Wohlstand und Zerstörung erlebt. Während der Französischen Revolution geplündert, erlebte sie 1926 dank einer kühnen Idee ihre Wiedergeburt: das Brauen von Bier. Seit 1931 finanziert die Brauerei das Kloster und seine sozialen Werke. Das Ergebnis ist ein bernsteinfarbenes Bier mit trockenem, einzigartigem Geschmack, das nach traditioneller belgischer Methode in der Flasche nachgärt.
Was diesen Ort auszeichnet, ist die seltene Mischung aus gelebter Spiritualität und klösterlichem Handwerk. Eine Gemeinschaft von Mönchen lebt hier noch immer, unsichtbar, aber präsent. Man besucht hier kein Museum, das in der Zeit erstarrt ist, sondern ein aktives Kloster, in dem der gregorianische Gesang erklingt.
Die Zisterzienserruinen und ihre Atmosphäre
Der Rundgang beginnt bei den Überresten der gotischen Kirche Notre-Dame, von der noch das Nordquerhaus-Fenster sowie Pfeiler mit romanischen, gotischen oder Renaissance-Kapitellen erhalten sind. Im Chor ruht Wenceslas, der erste Herzog von Luxemburg. Moosbewachsene Steine, eingestürzte Arkaden und die noch stehenden Mauern erzählen von neun Jahrhunderten Geschichte.
Der Weg schlängelt sich bis zum Mathilden-Brunnen, der von üppiger Vegetation umgeben ist. Hier hat der Legende nach alles begonnen. Der Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert und die gewölbten Keller aus dem 18. Jahrhundert, die heute als Ausstellungsräume dienen, strahlen absolute Ruhe aus. Es gibt keine lärmenden Menschenmengen, nur den Gesang der Vögel und das Rauschen der Blätter.
Der Garten der Heilpflanzen
Gegenüber dem Apothekenmuseum erstreckt sich ein sorgfältig angelegter Garten. Die Pflanzen sind nach ihrer Wirkung gruppiert: verdauungsfördernd, atemwegsstärkend oder neurologisch. Jede Art trägt ein erklärendes Schild. Im 18. Jahrhundert bereitete hier Bruder Antoine Perrin, ein Klosterapotheker, seine Heilmittel zu. Die rekonstruierte Apotheke zeigt die damaligen Werkzeuge und Destillierapparate. Der charakteristische Duft getrockneter Kräuter liegt noch heute in der Luft.
Das Museum und die Geheimnisse des Brauens
In den Kellern aus dem 18. Jahrhundert ist das Museum in drei Bereiche unterteilt: die Architektur der Abtei durch die Zeitalter anhand animierter Modelle, die Geschichte der lokalen Eisenverarbeitung, die die Region ernährte, und die Sammlungen sakraler Kunst. Zu bewundern sind unter anderem die Werke des Bruder Abraham Gilson, eines Malers aus dem 18. Jahrhundert, sowie Goldschmiedearbeiten von Bruder Arman Robin.
Ein interaktiver Bereich enthüllt die Etappen des Brauens. Das Wasser aus dem Abteibrunnen, reich an Calciumcarbonat, verleiht dem Bier seinen intensiven Geschmack. Kinder schätzen diesen spielerischen Parcours besonders. Die Brauerei selbst kann nicht besichtigt werden, außer an seltenen Tagen der offenen Tür.
Der Laden und das Orval Vert
Im Shop findet man die berühmte kegelförmige Flasche mit ihrem Etikett der goldenen Forelle. Achtung: Die Menge pro Kunde ist begrenzt, die Mönche wachen eifersüchtig über ihre Produktion. Der Orval-Käse, ein aus der Milch der Gaume-Region hergestellter Schnittkäse, ist die perfekte Begleitung zum Bier. Exklusive Varianten sind der Bierkäse und der Vieil Or.
Tipp vom Kenner: Nur wenige Schritte von der Abtei entfernt serviert das Gasthaus L'Ange Gardien das Orval Vert vom Fass. Diese weniger alkoholhaltige und jüngere Version des Trappistenbieres ist nirgendwo sonst zu finden. Ein Pflichtstopp für Liebhaber.
Das Orval-Bier ist unter Liebhabern sicherlich eines der bekanntesten der Welt. Vor Ort wird auch Käse hergestellt. Bier und Käse tragen das ATP-Siegel und können in der Abteigaststätte „À l'Ange Gardien“ verkostet werden. Lassen Sie sich auf keinen Fall ein Orval Vert entgehen! Nur die Ruinen der alten Abtei können besichtigt werden; ein Reiseführer erklärt uns die bewegte Geschichte dieser Abtei und die Legende der Gräfin Mathilde von Canossa.