Porquerolles, die autofreie Insel, auf der die Zeit stillsteht
Im Jahr 1912 schenkte der belgische Entdecker François Joseph Fournier seiner Frau Sylvia eine ganze Insel als Hochzeitsgeschenk. Er legte Weinberge an, baute Wege und formte ein kleines Paradies. Ein Jahrhundert später ist das 7 Kilometer lange und 3 Kilometer breite Eiland genau das geblieben: ein Ort ohne Autos, auf dem man zwischen Pinien mit dem Fahrrad unterwegs ist und die Strände mit denen der Karibik konkurrieren.
Ein Ziel für Naturfreunde und Ruhesuchende
Die Insel ist ideal für Paare, die Romantik suchen, Familien, die gerne baden und spazieren gehen, sowie Sportler, die gerne in die Pedale treten oder wandern. Feine Sandstrände mit türkisfarbenem Wasser, die absolute Stille nach der Abfahrt der letzten Fähre und die Möglichkeit, alles mit dem Fahrrad zu erkunden, machen den Aufenthalt zu einem seltenen Erlebnis an der Côte d'Azur.
Wer hingegen ein pulsierendes Nachtleben, Luxusboutiquen oder ein großes kulturelles Angebot sucht, sollte besser auf dem Festland bleiben. Es gibt nur ein einziges Dorf, eine Handvoll Restaurants und wenige Hotels. Partygänger und Shoppingbegeisterte werden sich hier langweilen. Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollten zudem beachten, dass die Wege oft unbefestigt und teils steil sind.
Ein Budget, das schnell steigt
Das Inselleben hat seinen Preis. Rechne mit 23 Euro für die Hin- und Rückfahrt mit der Fähre, 30 bis 45 Euro für die Tagesmiete eines Fahrrads und 15 bis 30 Euro pro Person für eine Mahlzeit. Die Übernachtungspreise liegen je nach Saison zwischen 120 und 400 Euro pro Nacht, wobei das Angebot begrenzt ist.
Die Strände: Das Herzstück der Insel
Der plage Notre-Dame wurde 2015 zum schönsten Strand Europas gewählt. Er verdient diesen Ruf. Das Wasser ist in unwirklichem Türkis, der Sand fein und die Umgebung wild von Eukalyptusbäumen gesäumt. Plane 30 Minuten mit dem Fahrrad vom Dorf aus ein oder 50 Minuten zu Fuß. Es gibt dort keine Infrastruktur, also nimm Wasser, ein Picknick und einen Sonnenschirm mit.
Der besser erreichbare plage d'Argent liegt nur 20 Gehminuten vom Hafen entfernt. Seinen Namen verdankt er dem weißen Quarzsand, der in der Sonne glitzert. Dies ist der einzige Strand mit einem Restaurant und Sonnenliegenverleih. Der Nachteil: Er ist am stärksten besucht. Komm am besten früh am Morgen.
Geheimtipp: Um den Menschenmassen zu entgehen, fahre bis zum plage blanche du Langoustier an der Westspitze der Insel. Der Weg ist mit einigen Anstiegen anspruchsvoller, aber dort findest du Ruhe und kristallklares Wasser weit abseits der Touristenströme.
Die Insel mit dem Fahrrad erkunden
Da Autos verboten sind, ist das Fahrrad das wichtigste Fortbewegungsmittel. Die Verleihstationen befinden sich direkt am Anleger der Fähre. Wähle am besten ein E-Mountainbike, da die Wege oft unbefestigt sind und einige Abschnitte, besonders Richtung Langoustier im Westen und zum Leuchtturm im Süden, ordentliche Steigungen aufweisen. Ein E-Mountainbike kostet 45 Euro pro Tag, ein klassisches Fahrrad 30 Euro.
Vier markierte Routen führen über die Insel. Die spektakulärste verläuft entlang der wilden und steilen Südküste, wo die Klippen direkt ins Meer abfallen. Das Panorama von der calanque de l'Indienne ist den Ausflug am Morgen wert. Der phare du Cap d'Arme wurde 1830 erbaut und ist der leistungsstärkste Leuchtturm am Mittelmeer. Er ist zwar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, aber der Ausblick von seinem Standort aus ist beeindruckend.
Kultur und Erbe
Das Fort Sainte-Agathe überragt das Dorf seit dem 16. Jahrhundert. Franz I. ließ es errichten, um die Insel vor Piratenangriffen zu schützen. Der 360-Grad-Blick über die Bucht von Hyères und die Nachbarinseln entschädigt für den kurzen Anstieg. Ein Stück weiter verleiht die Moulin du Bonheur, die 2007 nach zwei Jahrhunderten des Verfalls restauriert wurde, der Landschaft eine malerische Note.
Die Fondation Carmignac ist auf dieser naturbelassenen Insel eine Überraschung. Das Museum für zeitgenössische Kunst, das seit 2018 geöffnet ist, präsentiert Werke von Botticelli, Warhol oder Basquiat inmitten grüner Natur. Die Besonderheit: Der Besuch findet barfuß statt. Reserviere im Voraus, da der Zutritt auf 50 Personen gleichzeitig begrenzt ist. Die Ausstellung 2025 trägt den Titel "The Infinite Woman".
Geheimtipp: Die Weinberge der Insel produzieren bemerkenswerte Rosé- und Weißweine der Côtes de Provence. Das Domaine de la Courtade bietet Weinproben an. Das Modehaus Chanel hat das Domaine de l'Île gekauft und produziert dort seit 2015 Bio-Weine.
Wo kann man in Porquerolles essen und trinken?
Das kulinarische Angebot ist bescheiden, aber qualitativ hochwertig. Im Dorf serviert Le Pélagos frischen Fisch und Cocktails direkt am belebten Dorfplatz. L'Escale bietet Tapas und Aperitifs zum Sonnenuntergang mit Blick auf den Hafen. Für eine traditionelle bouillabaisse solltest du L'Orangeraie in einer ruhigen Gasse aufsuchen.
Am plage d'Argent ermöglicht das gleichnamige restaurant ein Mittagessen fast direkt im Wasser. Für ein gehobenes Erlebnis bietet Le Poisson Ivre in der Fondation Carmignac eine raffinierte Küche in einer außergewöhnlichen Umgebung. Denke in der Hochsaison an eine Reservierung, da die Tische rar und sehr begehrt sind.
Wo übernachtet man auf Porquerolles und Umgebung?
Das Hotelangebot auf der Insel ist begrenzt, aber charmant. L'Oustaou De Porquerolles bietet eine moderne Ausstattung und ein freundliches Team mitten im Dorf. Die Villa Sainte Anne verfügt über Zimmer mit Hafenblick und bietet die Möglichkeit, die Duschen nach dem Check-out zu nutzen, was für ein letztes Bad sehr praktisch ist.
Für ein gehobenes Erlebnis versteckt sich das Mas du Langoustier an der Westspitze der Insel, isoliert und luxuriös. Auf dem Festland bietet die Halbinsel von Giens Campingplätze und Hotels zu günstigeren Preisen, wobei die Fähre nur wenige Minuten entfernt liegt.
Wie kommt man nach Porquerolles und wie bewegt man sich fort?
Die Fähren legen ganzjährig von La Tour Fondue auf der Halbinsel von Giens in Hyères ab. Die Überfahrt dauert 15 Minuten. In der Hochsaison gibt es etwa alle 30 Minuten eine Abfahrt. Der Preis liegt bei etwa 23 Euro für die Hin- und Rückfahrt. Von April bis September gibt es auch Verbindungen ab Toulon, La Londe-les-Maures und Les Sablettes.
Wenn du mit dem Auto anreist, kosten die Parkplätze in der Nähe des Anlegers 10 bis 18 Euro pro Tag. Komme im Sommer vor 9:00 Uhr, da sie schnell voll sind. Vom Flughafen Toulon-Hyères benötigst du 30 Minuten mit dem Taxi bis zur Tour Fondue. Von Marseille aus sind es 1 Stunde und 30 Minuten Fahrt, von Nice etwa 2 Stunden.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die Insel genießt 300 Sonnentage im Jahr. Die Monate Mai-Juni und September-Oktober bieten den besten Kompromiss zwischen angenehmem Wetter und erträglichen Besucherzahlen. Vermeide Juli und August unbedingt: Im Jahr 2020 kam es auf der Insel nach dem Ansturm von 10.000 Besuchern am Wochenende des 14. Juli sogar zu einem Wassermangel. Der Winter eignet sich für ruhige Spaziergänge, aber das Wasser ist dann zu kühl zum Baden.
Ihr sucht einen Ort (ein bisschen weniger touristisch) im Süden? Dann sucht nicht weiter! Porquerolles ist ein autofreier Ort, den man zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden kann. Es ist eine sehr ruhige Gegend, die man super entspannt mit der Familie besuchen kann. Ich habe es sehr genossen, ein Fahrrad zu mieten und die Schönheit der Natur zu entdecken.
Allerdings empfehle ich euch wirklich, eigenes Essen und Trinken mitzubringen. Die Gastronomen auf der Insel haben gut verstanden, dass man hier Geld verdienen kann. Lasst euch davon aber nicht den Tag verderben.