Sevilla, die Stadt, in der man draußen lebt und im Stehen isst
Ein spanisches Sprichwort besagt: Quien no ha visto Sevilla no ha visto maravilla. Wer Sevilla nicht gesehen hat, hat kein Wunder gesehen. Das klingt maßlos, wie alles, was von hier kommt. Doch wer an einem Frühlingsabend einen Fuß in das Barrio de Santa Cruz setzt und den berauschenden Duft der Bitterorangenbäume einatmet, die jede Gasse säumen, der versteht, dass die Sevillanos nur minimal übertreiben.
Als viertgrößte Stadt in Spanien und Hauptstadt Andalusiens vereint Sevilla auf erstaunlich kompaktem Raum eine kolossale gotische Kathedrale, einen noch genutzten Königspalast, mehr als 3.000 Tapas-Bars und die Wiege des Flamenco. Das alles zu Preisen, bei denen Reisende aus Paris oder Barcelona vor Neid erblassen würden.
Sevilla, die Stadt am Tresen
Der sevillanische Rhythmus ist ansteckend. Man steht spät auf, isst gegen 14:00 Uhr zu Mittag, hält Siesta, und das eigentliche Leben beginnt erst um 20:00 Uhr. Wer gerne um 19:00 Uhr zu Abend isst und früh schlafen geht, wird sich hier umstellen müssen. Doch genau diese Verschiebung macht den Charme aus: Die Straßen sind um 23:00 Uhr voll, Kinder spielen um Mitternacht auf den Plätzen, und die Stadt strahlt eine nächtliche Energie aus, die in Europa selten ist.
Ideal für:
- Liebhaber der Gastronomie und Tapas-Kultur
- Fans maurischer, gotischer und barocker Architektur
- Paare auf der Suche nach einem romantischen und bezahlbaren Kurztrip
- Reisende, die gerne zu Fuß durch eine autofreie Altstadt schlendern
- Anhänger des Flamenco und der andalusischen Kultur
Weniger geeignet für:
- Reisende im Juli und August, die extreme Hitze meiden wollen
- Urlauber, die einen Strand direkt vor der Hoteltür suchen
- Menschen, die lieber früh essen und den nächtlichen Trubel meiden möchten
Ein moderates Budget für eine europäische Top-Destination
Sevilla ist deutlich günstiger als Barcelona, Madrid oder jede größere französische Stadt. Besonders beim Thema Essen kommt man gut weg: Eine Tapa kostet in den meisten Bars zwischen 2,50 und 4 Euro, und fünf Tapas reichen für eine komplette Mahlzeit. Die Preise ziehen jedoch während der Semana Santa und der Feria de Abril drastisch an, insbesondere für Unterkünfte.
| Ausgaben | Preisspanne |
|---|---|
| Übernachtung in Jugendherberge oder Pension | 25 bis 50 Euro |
| Übernachtung in 2-3 Sterne Hotel oder Airbnb | 60 bis 100 Euro |
| Tapas-Mahlzeit am Tresen | 10 bis 18 Euro |
| Restaurantbesuch | 18 bis 30 Euro |
| Transport und Aktivitäten pro Tag | 15 bis 35 Euro |
| Tagesbudget Backpacker | 60 bis 80 Euro |
| Tagesbudget Komfort | 100 bis 150 Euro |
Wichtige Infos vor der Reise
Sevilla lässt sich fast vollständig zu Fuß erkunden. Das historische Zentrum, das drittgrößte Europas, ist weitgehend autofrei. Spanisch ist die Landessprache, in touristischen Zonen kommt man mit Englisch gut zurecht. Was die Sicherheit betrifft, ist die Stadt unproblematisch. Achten Sie lediglich in stark frequentierten Gegenden wie an der Kathedrale und im Viertel Santa Cruz auf Taschendiebe.
Vorsicht bei der Hitze. Von Mitte Juni bis Mitte September steigen die Temperaturen regelmäßig über 38 Grad, manchmal sogar auf 45 Grad. Die Sevillanos haben eine einfache Überlebensstrategie: Siesta zwischen 14:00 und 18:00 Uhr, Unternehmungen nur frühmorgens oder spätabends. Wenn du im Sommer reist, passe dich ihrem Rhythmus an.
Santa Cruz und das historische Zentrum: Stein und Azulejos
Alles beginnt hier. Die Kathedrale von Sevilla, die größte gotische Kathedrale der Welt, beherbergt das Grab von Christoph Kolumbus sowie Werke von Murillo und Zurbarán. Ihre Besonderheit verdankt sie der ehemaligen Moschee, auf deren Grund sie errichtet wurde: Der Orangen-Innenhof bewahrt dieses Erbe bis heute.
Die Giralda, ein ehemaliges Minarett, das zum Glockenturm umgebaut wurde, ragt 97 Meter in die Höhe. Man erreicht die Spitze über Rampen, die ursprünglich für Pferde konzipiert wurden. Oben angekommen bietet sich ein spektakulärer Blick über die Dächer der Stadt. Das Kombiticket für Kathedrale und Giralda kostet etwa 12 Euro.
Direkt daneben ist der Alcázar, ein noch genutzter Königspalast und UNESCO-Weltkulturerbe. Die Mudéjar-Architektur verbindet islamische und gotische Einflüsse in einer Abfolge von Innenhöfen, Azulejos (bunte Kacheln) und üppigen Gärten. Game-of-Thrones-Fans werden hier die Gärten von Dorne wiedererkennen. Plane 14,50 Euro Eintritt ein und buche unbedingt vorab online.
Tipp vom Experten: Kaufe deine Tickets für die Kathedrale und den Alcázar mehrere Tage im Voraus online. Die Warteschlangen vor Ort sind oft länger als eine Stunde, besonders im Frühling. Montagnachmittags bietet die Kathedrale manchmal kostenlose Zeitfenster bei Voranmeldung.
Das Barrio de Santa Cruz, das ehemalige jüdische Viertel, umgibt diese Monumente. Die Gassen sind so eng, dass man beim Ausbreiten der Arme beide Wände berühren könnte, gesäumt von blumengeschmückten Balkonen und versteckten Innenhöfen. Lass dich hier absichtlich treiben. Das Archivo de Indias, nur wenige Schritte entfernt, bewahrt die Originaldokumente zur Kolonialisierung Amerikas. Der Eintritt ist kostenlos.
Triana: Das Viertel, das den Flamenco erfand
Überquere die Brücke von Triana und du betrittst eine andere Welt. Als ehemaliges Viertel von Seeleuten, Töpfern und Zigeunern ist Triana die Keimzelle des Flamenco. Die Stimmung ist hier volkstümlicher, lauter und lebendiger als im monumentalen Zentrum. Hier treffen sich die Sevillanos am Wochenende, um zu essen, zu trinken und zu tanzen.
Der Mercado de Triana, untergebracht im ehemaligen Fort der Inquisition, mischt Stände mit frischen Produkten und Tapas-Tresen. Weiter entlang des Flusses verläuft die Calle Betis, die einen freien Blick auf den Torre del Oro und die Dächer des Zentrums bietet. Der perfekte Ort für einen Drink bei Sonnenuntergang.
In den umliegenden Straßen finden sich zahlreiche Keramikwerkstätten, in denen noch heute die berühmten sevillanischen Azulejos hergestellt werden. Hier findet man handgefertigte Stücke zu deutlich günstigeren Preisen als in den Boutiquen der Altstadt.
Tipp vom Experten: Für eine Flamenco-Show ohne Touristenfallen empfiehlt es sich, kleine Lokale in Triana oder Peñas Flamencas aufzusuchen, die von Einheimischen besucht werden. La Carbonería in Santa Cruz bietet kostenlose Shows in einem alten Kohlelager an, aber komme früh, um einen Platz zu bekommen.
Von der Plaza de España zum Parque de María Luisa
Die Plaza de España ist ein visueller Schock. Erbaut 1929 für die ibero-amerikanische Ausstellung, ist dieser halbkreisförmige Platz von 52 Bänken gesäumt, die mit Azulejos verziert sind, welche jede spanische Provinz darstellen. Für ein paar Euro kann man eine Bootsfahrt auf dem Kanal unternehmen. Der Zugang zum Platz ist kostenlos.
Wir sagen es direkt: Es ist einer der schönsten öffentlichen Plätze Europas und allein die Reise wert. Komm frühmorgens oder am späten Nachmittag, um den Massen zu entgehen und das goldene Licht auf den Kacheln zu genießen.
Der Parque de María Luisa umgibt den Platz und bildet die grüne Lunge der Stadt. Schattige Alleen, Brunnen, Papageien in den Bäumen. Dies ist der ideale Zufluchtsort, wenn die Hitze erdrückend wird.
Polanco und darüber hinaus: Jenseits der Klassiker
Das Metropol Parasol, genannt Las Setas, ist die größte Holzkonstruktion der Welt. Der Panoramablick von oben, zugänglich für etwa 15 Euro, bietet einen 360-Grad-Blick über die Stadt, ideal zum Sonnenuntergang. Im Untergeschoss zeigt das Antiquarium römische und maurische Ruinen, die beim Bau entdeckt wurden.
Kunstbegeisterte sollten das Museo de Bellas Artes besuchen, das in einem Palast aus dem 17. Jahrhundert untergebracht ist. Die Sammlung barocker Malerei von Murillo und Zurbarán ist bemerkenswert. Der Eintritt ist für EU-Bürger kostenlos, für andere Besucher kostet er lediglich 1,50 Euro.
Auf der Insel Cartuja beherbergt das gleichnamige Kloster das Andalusische Zentrum für zeitgenössische Kunst. Es heißt, Christoph Kolumbus habe hier vor seiner Expedition in die Neue Welt übernachtet.
Die Casa de Pilatos, ein Renaissance- und Mudéjar-Palast, ist selten überlaufen und eine intimere Alternative zum Alcázar, mit wunderschönen Innenhöfen voller Mosaike und antiker Statuen.
Wo essen und trinken in Sevilla?
Sevilla beansprucht den Titel der Welthauptstadt der Tapas für sich. Mit über 3.000 Bars bestimmt das Ritual des Tapeo jeden Abend: Man bestellt zwei oder drei kleine Teller, trinkt ein Glas Fino oder Manzanilla und zieht dann weiter zur nächsten Bar. Eine komplette Tapas-Mahlzeit kostet etwa 10 bis 18 Euro pro Person.
Spezialitäten, die du probieren musst
Salmorejo, eine kalte Tomatensuppe, die dickflüssiger und cremiger als Gazpacho ist, garniert mit Schinken und zerbröseltem hartgekochtem Ei. Espinacas con garbanzos, Spinat mit Kichererbsen und Kreuzkümmel, ein einfaches und süchtig machendes Gericht. Carrillada de cerdo, in Rotwein geschmorte Schweinebäckchen, die auf der Zunge zergehen. Und Pescaito frito, eine Auswahl an kleinen frittierten Fischen, serviert in einer Papiertüte.
Zum Nachtisch ist der Tocino de Cielo, ein kompakter Flan aus Eigelb und Karamell, eine historische Spezialität der Stadt.
Unsere Adressen
El Rinconcillo, eröffnet 1670, ist die älteste Bar Sevillas. Hier wird die Rechnung noch heute mit Kreide auf den Tresen geschrieben. Casa Morales ist seit 1850 aktiv und serviert seine Weine aus riesigen Tongefäßen. Die Bodeguita Romero gleich nebenan bereitet den besten Montadito de pringá der Stadt für 2,50 Euro zu.
Für eine modernere Interpretation der Tapas bieten La Brunilda und Eslava kreative Gerichte in gepflegtem Ambiente. Sei 15 Minuten vor Öffnung da: Diese Adressen nehmen keine Reservierungen entgegen und die Schlange bildet sich schnell.
Tipp vom Experten: Halte dich von den Terrassen direkt an der Kathedrale fern. Die besten Bars finden sich in den Seitengassen von Santa Cruz, rund um die Plaza Alfalfa oder auf der anderen Flussseite in Triana. Die goldene Regel: Wenn die Bar voller Sevillanos ist, die am Tresen stehen, bist du richtig.
Wo übernachten in Sevilla und Umgebung?
Das Viertel Santa Cruz liegt für Besucher ideal, da alles fußläufig zu erreichen ist, aber die Preise sind hier am höchsten. El Arenal, zwischen Kathedrale und Fluss, bietet einen guten Kompromiss aus Lage und Preis. Triana spricht Reisende an, die das lokale Leben suchen, mit Unterkünften, die oft 20 bis 30 Prozent günstiger sind als im Zentrum.
Das nördliche Viertel La Macarena ist die clevere Wahl für kleine Budgets. Weniger fotogen, punktet es mit einem lebendigen Viertelleben und Tapas-Bars, die fast ausschließlich von Einheimischen besucht werden. Buche mehrere Wochen im Voraus, falls du während der Semana Santa oder der Feria kommst.
Wie kommt man nach Sevilla?
Der Flughafen San Pablo liegt 10 km vom Zentrum entfernt. Von vielen europäischen Städten aus gibt es Direktflüge mit Billigfliegern. Der Bus EA verbindet den Flughafen für etwa 4 Euro mit der Innenstadt, ein Taxi kostet etwa 25 Euro.
Der Hochgeschwindigkeitszug AVE verbindet Madrid mit Sevilla in 2:30 Stunden für 20 bis 55 Euro, je nach Buchungsdatum. Von Frankreich aus ermöglicht ein Umstieg in Madrid die Anreise mit dem Zug. Die Busse von ALSA verbinden Sevilla zudem kostengünstig mit Granada, Córdoba und Málaga.
Wie bewegt man sich in Sevilla fort?
Zu Fuß ist die beste Art, die Stadt zu entdecken. Fast alle Sehenswürdigkeiten liegen in einem Radius von 20 Gehminuten. Für längere Strecken decken Bus und Straßenbahn die Stadt gut ab, ein Ticket kostet 1,40 Euro. Ein Tagesticket kostet 5 Euro, ein Dreitagesticket 10 Euro. Lade die App TUSSAM herunter, um deine Wege zu planen.
Das Leihradsystem Sevici ist praktisch und im Zentrum gut ausgebaut. Taxis und VTC sind verfügbar, aber selten nötig, außer für den Weg zum Flughafen oder in Außenbezirke. Wenn du mit dem Auto kommst, lass es in einem Parkhaus am Stadtrand: Das Fahren und Parken im Zentrum ist ein Albtraum.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die besten Reisezeiten sind März bis Mai sowie September bis November: milde Temperaturen, klarer Himmel und eine lebendige Stadt. Der Frühling ist Hochsaison, mit der Semana Santa und der Feria de Abril, die Preise und Besucherzahlen in die Höhe treiben. Der Herbst bietet einen idealen Kompromiss zwischen angenehmem Wetter und moderatem Andrang.
Meide Juli und August, wenn du keine Hitze verträgst. Die Temperaturen steigen regelmäßig über 40 Grad, ein Teil der Restaurants schließt und die Stadt leert sich. Der Winter von Dezember bis Februar ist mild und sonnig, mit Tageswerten um 15 Grad und sehr wenigen Touristen.
Was für ein wunderschönes Ziel für einen Städtetrip! Zwischen dem besonders milden Wetter in Spanien (ich war im Februar dort, es war sonnig und sehr angenehm), der Gastronomie, der Freundlichkeit der Spanier... Und ganz zu schweigen von den großartigen Monumenten überall in der Stadt: Man denkt natürlich sofort an die Plaza de España und den Alcázar, um nur diese zu nennen! Einfach durch die Gassen zu schlendern und auf Entdeckungstour nach den Schätzen der Stadt zu gehen, ist eine wunderbare Art, sie zu erkunden. Ich habe im Catalonia Giralda übernachtet, wir wurden hochgestuft und das Hotel war sehr gut gelegen!