Das Val d'Orcia besuchen
Ein Tal der Toskana südlich von Siena, zwischen den Hügeln von Montalcino und dem Kegel des Monte Amiata, wegen seiner Landschaft Welterbe. Hier hat die Renaissance das Land ebenso gestaltet wie die Städte: einsame Gehöfte am Ende von Zypressenalleen, kahle Hügel im Winter, grüne im Frühling, goldene im Sommer. Pienza, ein von einem Papst zur Idealstadt umgebautes Dorf, ist sein Balkon.
Ringsum keltert Montalcino den Brunello auf seinem befestigten Hügel, Montepulciano seinen Vino Nobile in Kellern unter den Palästen, und Bagno Vignoni hat als Hauptplatz ein Becken voll warmem Wasser. Du kommst für Landschaften im Morgenlicht, Wein und Landküche, nicht für Museen.
Das wird dir gefallen, wenn
- du von der Toskana der Postkarten träumst, Zypressen und Hügel
- du Wein liebst und Brunello-Keller besuchen willst
- du die Ruhe eines Agriturismo mit Aussicht suchst
Such dir lieber etwas anderes, wenn
- du ohne Auto reist: Die Dörfer sind schlecht verbunden
- du Strand suchst: Das Meer ist anderthalb Stunden entfernt
- du Nachtleben willst: Alles schläft früh
Die Höhepunkte
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Mitte des 15. Jahrhunderts ließ Papst Pius II. sein Heimatdorf zur perfekten Stadt der Renaissance umbauen. Platz, Dom und Palazzo Piccolomini passen auf ein Taschentuch. Geh bei Sonnenuntergang um die Stadtmauer: Das ganze Tal liegt dir zu Füßen.
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2 Die warmen Quellen von Bagno Vignoni und Bagni San Filippo
In Bagno Vignoni ist der Dorfplatz ein großes Becken mit Thermalwasser, in dem niemand mehr badet, das aber an Wintermorgen dampft. Zwanzig Minuten entfernt, in Bagni San Filippo, fließt warmes Wasser über weiße Kalksinter mitten im Wald: Dort kannst du frei baden.
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3 Die Zypressenstraße Landschaft
Zwischen San Quirico und Pienza steht die kleine Kapelle von Vitaleta allein zwischen zwei Reihen Zypressen, und ein runder Zypressenhain krönt den Nachbarhügel. Komm im Morgengrauen: Nebel füllt die Senken des Tals, und die Kämme tauchen einer nach dem anderen auf.
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4 Montalcino und die Abtei Sant'Antimo Weinberge
Montalcino blickt von seiner Festung auf seine Reben, und Brunello-Keller lassen sich im ganzen Ort und rundherum besichtigen. Zehn Minuten entfernt steht die romanische Abtei Sant'Antimo allein zwischen Olivenbäumen und Reben.
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5 Das Bravio delle Botti Fest
Am letzten Sonntag im August veranstaltet Montepulciano ein erstaunliches Rennen: Die Stadtviertel rollen achtzig Kilo schwere Fässer durch die steilen Gassen bis zur Piazza Grande. Am Vorabend füllen Bankette und Umzüge in historischen Kostümen das Zentrum.
Die klassische Falle
Nur einen Tagesausflug von Florenz oder Rom aus planen. Du sitzt vier Stunden im Auto, um die Dörfer mittags in praller Sonne zu sehen, zwischen den Busgruppen. Bleib mindestens zwei Nächte: Das Tal zeigt sich im Morgengrauen und am späten Nachmittag.
Unsere Routen im Val d'Orcia
| Dauer | Route | Was du siehst |
|---|---|---|
| 3 Tage | Pienza › San Quirico d'Orcia › Bagno Vignoni | Die Idealstadt, Zypressen bei Sonnenaufgang und das Warmwasserbecken |
| 5 Tage | Montepulciano › Pienza › Montalcino › Sant'Antimo › Bagno Vignoni | Die beiden großen Weine, die Abtei und die Thermalquellen |
| 1 Woche | Von Montepulciano nach Radicofani, mit Bagni San Filippo und Siena | Das ganze Tal, seine Festungen und die große Stadt in der Nähe |
Beginn in Pienza: die Stadtmauer bei Sonnenuntergang und ein Teller Pecorino. Am nächsten Morgen im Morgengrauen die Zypressenstraße nach San Quirico, danach ein Bad in Bagni San Filippo. Du hast eine Woche? Nimm die Keller von Montalcino und Montepulciano, die Abtei Sant'Antimo und die Festung von Radicofani dazu.
Beste Reisezeit im Val d'Orcia
| Reiz | Jahreszeit | Temperaturen | Höhepunkt | Andrang und Preise |
|---|---|---|---|---|
| WinterNov. bis März | 2 bis 12 °C | Nebel im Tal und dampfende Quellen | Niedrig | |
| FrühlingApril bis Juni | 8 bis 25 °C | Grüner Weizen und Mohnblumen | Mittel | |
| SommerJuli und Aug. | 16 bis 31 °C | Goldene Felder und Dorffeste | Hoch | |
| HerbstSept. und Okt. | 9 bis 25 °C | Weinlese und flaches Licht | Mittel |
Unser Rat
Komm im Mai für das Grün des Weizens und den Mohn, oder im Oktober für die Weinlese und das goldene Licht. Im Sommer werden die Hügel gelb, und die Nachmittagshitze ist drückend: Besichtige früh am Morgen und heb dir die Tagesmitte für den Pool auf.
Anreise
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Mit dem Flugzeug nach Florenz, Pisa oder Rom Am schnellsten
Direktflüge aus vielen deutschen, österreichischen und Schweizer Städten landen in Florenz, Pisa und Rom. Von Florenz sind es dann etwa anderthalb Stunden Fahrt, von Rom zwei.
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Mit dem Zug nach Chiusi Anfangs ohne Auto
Über München und Verona oder Bologna erreichst du Florenz mit dem Zug; von dort halten Züge der Hauptstrecke in Chiusi, dem nächstgelegenen Bahnhof bei Montepulciano. Den Mietwagen holst du bei der Ankunft ab.
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Mit dem Auto über die Alpen Am flexibelsten
Von München sind es über den Brenner rund neun Stunden Fahrt. Vor Ort bist du mit dem eigenen Auto am freiesten auf den kleinen Landstraßen.
Vor Ort ist das Auto unverzichtbar: Busse verbinden die Dörfer schlecht, und die schönsten Aussichtspunkte liegen an Landstraßen. Buch es für den Sommer früh und nimm ein kleines Modell, das in engen Gassen und auf Schotterwegen leichter ist.
Unterwegs im Val d'Orcia
Mit dem Auto durchquerst du das Tal in weniger als einer Stunde, von Montepulciano bis Montalcino. Die Dörfer sind autofrei: Park an den gebührenpflichtigen Parkplätzen vor den Toren und geh zu Fuß hinauf. Busse gibt es, aber selten, und die schönsten Höfe erreichst du über weiße Straßen, unbefestigte Wege, die sich auch wunderbar wandern lassen.
Gut zu wissen
Die Altstädte sind Zonen mit beschränktem Verkehr: Fahr nicht hinein, die Kameras schicken die Strafzettel bis nach Hause. Dein deutscher, österreichischer oder Schweizer Führerschein reicht in Italien.
Was isst man im Val d'Orcia?
- Pici: dicke, von Hand gerollte Spaghetti, mit Knoblauch-Tomaten-Soße oder Ragù.
- Pecorino aus Pienza: der Schafskäse des Dorfes, frisch, gereift oder in Walnussblättern veredelt.
- Brunello di Montalcino: ein großer Roter aus Sangiovese, der jahrelang reift, bevor er verkauft wird.
- Vino Nobile di Montepulciano: der andere große Rote des Tals, den du in den Kellern unter den Palästen probieren kannst.
- Cinta senese: das schwarze Schwein mit weißem Gürtel aus den Hügeln, als Wurst oder gegrillt.
- Ribollita: die dicke Suppe aus Brot, Schwarzkohl und Bohnen, am nächsten Tag aufgewärmt.
Wer wie die Einheimischen essen will, reserviert in einer Trattoria im Dorf oder in einem Agriturismo, der Abendessen serviert: handgemachte Pasta, gegrilltes Fleisch und Hauswein. Restaurants haben oft einen Ruhetag und schließen außerhalb der Saison früh: Ruf vorher an.
Wo übernachten im Val d'Orcia?
| Gegend | Wofür | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Pienza | Die Idealstadt, der Blick über das Tal | Am zentralsten |
| Montepulciano | Vino Nobile, eine echte Kleinstadt, Bahnhof Chiusi | Am lebhaftesten |
| Montalcino | Brunello, die Abtei Sant'Antimo | Am stärksten vom Wein geprägt |
| San Quirico und Bagno Vignoni | Zypressen, warme Quellen | Am erholsamsten |
| Agriturismo auf dem Land | Aussicht, Pool, Abendessen auf dem Hof | Am unvergesslichsten |
Was kostet eine Reise im Val d'Orcia?
| Reise | Dauer | Budget pro Person |
|---|---|---|
| Günstig (einfacher Agriturismo, geteiltes Auto, Picknicks) | 5 Tage | 400 bis 650 € |
| Komfort (Dorfhotel oder Agriturismo mit Pool, Trattorien) | 5 Tage | 900 bis 1.500 € |
| Gehoben (Luxus-Weingut, gute Restaurants, Verkostungen) | 5 Tage | 2.500 bis 5.000 € |
- Die Saison: Im November und März zahlst du oft deutlich weniger als im Mai oder September.
- Verkostungen: Viele Keller verlangen Geld dafür, andere schenken sie dir, wenn du eine Flasche kaufst.
- Warme Quellen: Bagni San Filippo ist kostenlos, die Thermalbäder verlangen Eintritt.
- Essen: Das Menü der Dorftrattoria kostet weit weniger als die Restaurants an den Plätzen.
- Parken: Die Parkplätze vor den Toren kosten ein paar Euro am Tag.
Traditionen und Lebensart im Val d'Orcia
Im Mittelalter führt die Via Francigena, der Pilgerweg nach Rom, durch San Quirico, Bagno Vignoni und Radicofani, und die warmen Quellen heilen die Reisenden. Die großen Familien Sienas bauen Festungen, und ein edler Räuber, Ghino di Tacco, hält die Rocca von Radicofani, besungen von Dante und Boccaccio.
1459 macht Pius II. aus seinem Heimatdorf Corsignano die Idealstadt Pienza. Die Höfe formen die Landschaft über Jahrhunderte, so sehr, dass die UNESCO sie 2004 als Werk des Menschen ebenso wie der Natur einträgt. Du hältst vor einem Weizenfeld mit Zypressen am Rand? Diese Kulisse hast du vermutlich schon im Kino gesehen.