Montepulciano: Die Stadt, die den Monte Amiata fest im Blick hat
Auf 605 Metern Höhe thront Montepulciano auf einem Kamm aus Kalktuff und lässt sich nicht einfach so erobern. Wer die steile und gepflasterte via di Gracciano nel Corso hinaufsteigt, begreift sofort, warum die Medici diesen Ort zu einem strategischen Grenzposten machten. Die Luft hier riecht nach warmer Steinhistorie und nach Wein, der unten in den Kellern unter den Palästen in Ruhe reift.
Ein Reiseziel nach deinem Geschmack?
Wenn du dir gerne Zeit nimmst, ziellos durch schmale Gassen streifst und an jeder offenen Kellertür für ein Glas Vino Nobile Halt machst, wirst du diesen Ort lieben. Auch Architekturfans kommen voll auf ihre Kosten, vor allem bei den Palästen, die von Schülern von Michelangelo entworfen wurden.
Suchst du hingegen nach pulsierendem Nachtleben oder einem großen Kulturangebot wie in einer Metropole, wirst du nach 21:00 Uhr kaum noch offene Türen finden. Montepulciano schläft früh ein, was für die einen seinen unvergleichlichen Charme ausmacht und für die anderen eine Einschränkung ist.
Besonders geeignet für:
- Weinfans und Liebhaber von Kellerverkostungen
- Paare auf der Suche nach romantischen, ruhigen Gassen
- Reisende, die mit dem Auto das Val d'Orcia erkunden möchten
Weniger geeignet für:
- Gruppen, die ein aktives Nachtleben suchen
- Reisende ohne Auto, die flexibel die Umgebung erkunden wollen
- Personen mit eingeschränkter Mobilität, da es steil ist und Kopfsteinpflaster gibt
Ein überschaubares Budget außerhalb der Lesezeit
Die Preise bleiben hier moderater als in Siena oder Florenz, außer im September und Oktober zur Weinlese, wenn Unterkünfte oft Wochen im Voraus ausgebucht sind.
| Kategorie | Preisspanne |
|---|---|
| Nacht in einfacher Pension | 60 bis 80 € |
| Nacht in komfortablem Agriturismo | 120 bis 180 € |
| Schneller Snack (Panino, Pizza al taglio) | 6 bis 10 € |
| Abendessen im Restaurant mit einem Glas Vino Nobile | 30 bis 45 € |
| Weinkeller-Verkostung (Glas und Führung) | 10 bis 25 € |
Unverbindliche Richtwerte, Änderungen vorbehalten
Praktische Tipps für vor Ort
Die Stadt lässt sich zu Fuß erkunden und im historischen Zentrum geht es ohnehin nur per pedes, da Autos im mittelalterlichen Kern tabu sind. An den Stadttoren (vor allem an der Porta al Prato) stehen kostenpflichtige Parkplätze bereit. Pack am besten feste Schuhe ein, denn die durchschnittliche Steigung zwischen dem unteren Tor und der Festung knackt an manchen Stellen die 10-Prozent-Marke.
Mit Englisch kommst du in den touristischen Läden meist gut weiter, in kleinen familiengeführten Trattorias eher weniger. Ein paar Brocken Italienisch öffnen dir vor allem im Gespräch mit den Winzern schnell alle Türen.
Der Corso als Lebensader der Stadt
Die via di Gracciano nel Corso durchzieht Montepulciano von unten bis oben, gesäumt von Renaissance-Palästen. Dazu gehören der Palazzo Bucelli, dessen untere Fassade mit antiken etruskischen und römischen Reliefs versehen ist, sowie der Palazzo Contucci, der bis heute einen aktiven Weinbetrieb beherbergt.
Nimm dir die Zeit, den Blick nach oben zu richten: schmiedeeiserne Schilder, eingemeißelte Wappen und Arkadengänge erzählen eine Geschichte, die den meisten gestressten Besuchern entgeht.
Die Piazza Grande und die Symbole der Macht
Ganz oben bündelt die Piazza Grande die einstige kommunale Macht: den Palazzo Comunale als verkleinerten Zwilling des Florentiner Palazzo Vecchio, dessen Turm du besteigen kannst, um bei klarer Sicht bis zum Monte Amiata zu blicken, und den Duomo mit seiner bewusst unvollendet gebliebenen Ziegelfassade.
Verpass im Inneren des Doms nicht das Triptychon der Himmelfahrt Mariens von Taddeo di Bartolo aus dem frühen 15. Jahrhundert, das hinter dem Hochaltar hängt.
Ein Tipp unter Freunden: Steig am späten Nachmittag, etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang, auf den Turm des Palazzo Comunale. Das schräge Licht über den Hügeln des Val d'Orcia entlohnt dich tausendfach für die Stufen der Wendeltreppe.
Die Tuffsteinkeller unter der Stadt
Unter dem Kopfsteinpflaster der Altstadt erstreckt sich ein System aus in Tuffstein geschlagenen Kellern, in denen der Vino Nobile di Montepulciano reift, der 1980 als erster italienischer Wein die DOCG-Klassifizierung erhielt. Die Cantina Contucci und die Cantina de' Ricci in mittelalterlichen Gewölben bieten Führungen mit anschließender Verkostung an.
Der Kontrast zwischen der sommerlichen Hitze in den Gassen und der feuchten Kühle dieser unterirdischen Galerien überrascht jedes Mal aufs Neue.
Wo du in Montepulciano essen und trinken kannst
Die pici, dicke handgerollte Nudeln, kommen traditionell all'aglione auf den Tisch, serviert mit einer Tomatensoße und mildem Knoblauch aus der Umgebung. Gereifter Pecorino aus dem nahegelegenen Pienza wird oft als Vorspeise zusammen mit einer Aufschnittplatte serviert.
Wenn du nach Wein suchst, halte nach der Bezeichnung Vino Nobile Riserva Ausschau, falls du einen langlebigen Rotwein bevorzugst, der strukturierter ist als der Rosso di Montepulciano als jüngere und preiswertere Variante für jeden Tag.
Wo du in und um Montepulciano übernachten kannst
Eine Unterkunft direkt im Zentrum hat den Vorteil, dass du die abendliche Ruhe genießt, sobald die Reisebusse abgefahren sind, allerdings sind die Zimmer dort oft recht klein und bieten keinen eigenen Parkplatz. Die Agriturismo-Betriebe in der umliegenden Landschaft, etwa 10 bis 15 Autominuten entfernt, bieten mehr Platz, meistens einen Pool und einen Blick auf die Weinberge, der die Reise allein wert ist.
Wie kommst du nach Montepulciano?
Der nächstgelegene Flughafen mit Direktverbindungen aus verschiedenen europäischen Städten ist der in Perugia, etwa eine Autostunde entfernt. Die von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus besser erreichbaren Flughäfen in Florenz und Pisa erfordern eine Fahrzeit von rund 1,5 beziehungsweise 2,5 Stunden.
Der praktischste Bahnhof ist Chiusi-Chianciano Terme an der Bahnstrecke Rom-Florenz, von wo aus du in rund 20 Minuten per Bus oder Taxi das historische Zentrum erreichst.
Wie kommst du in Montepulciano vorwärts?
Im Zentrum ist alles zu Fuß machbar, da die befestigte Altstadt gerade mal einen Kilometer lang ist. Ein kleiner Stadtbus verbindet die Parkplätze am Rand mit der Piazza Grande, falls du dir den Aufstieg ersparen willst.
Um das Val d'Orcia, Pienza oder die Thermen von Chianciano zu erkunden, ist das Auto unverzichtbar: Die Busverbindungen zwischen den Dörfern sind selten und eher auf Einheimische als auf Touristen ausgerichtet.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling (April bis Mai) und der Herbst (September bis Oktober) bieten den perfekten Kompromiss aus angenehmem Wetter und überschaubarem Andrang, im September kommt noch das Erlebnis der Weinlese hinzu.
Meide am besten den Hochsommer, denn die Hitze zwischen den Steinmauern und den steilen Gassen kann schnell anstrengend werden, und um die Mittagszeit drängen sich die Besuchergruppen durch die Straßen.
Ich kannte den Namen dieser Stadt wegen des Weins und wollte unbedingt mal dorthin. Wie San Gimignano ist es eine hübsche mittelalterliche Stadt, die man besuchen sollte, wenn man in der Gegend ist. Es ist ein toller Ausflug, um die lokale Gastronomie zu entdecken, besonders die Nudelspezialität Pici und den berühmten Vino Nobile. Wenn Sie Weinliebhaber sind, kann ich Ihnen einen Besuch der Weinkeller nur wärmstens empfehlen. Der Spaziergang durch die Stadt ist auch sehr angenehm. Die gepflasterten Gassen, die Piazza Grande, die Kirchen, das Rathaus und das Stadtmuseum haben mir richtig gut gefallen.