Naxos, die Insel, die sich nicht anbiedern muss
Ein Detail sagt eigentlich schon alles: Die antiken Säulen am Hafen von Chora sind nicht einmal der Star der Insel. Die Portara, das sechs Meter hohe Marmortor, das den Sonnenuntergang einrahmt, ist nur das Überbleibsel eines Tempels, der vor 2.500 Jahren nie fertiggestellt wurde.
Naxos hat so viele Berge, Dörfer und Strände, dass sie es sich leisten kann, ihr spektakulärstes Monument als unvollendete Ruine dastehen zu lassen, ohne großes Aufhebens darum zu machen.
Ein Reiseziel für dich?
Naxos spricht alle an, die eine griechische Insel suchen, die keine makellose Postkartenkulisse vorspielt. Hier versteckt das bergige Landesinnere mit Marmor gepflasterte Dörfer an den Hängen, Olivenhaine und den höchsten Gipfel der Kykladen, den Berg Zas (1.004 m). Diese Insel will ein wenig erarbeitet werden und belohnt all jene, die sich einen Mietwagen nehmen und Chora verlassen.
Weniger ansprechen wird sie Reisende, die das permanente Treiben von Mykonos oder die durchgestylte Kulisse von Santorin suchen. Naxos bleibt weitgehend landwirtschaftlich geprägt und bodenständig, mit einem lokalen Alltag, der selbst in der Hauptsaison seinen gewohnten Gang geht.
Gut geeignet für:
- Familien auf der Suche nach breiten, flach abfallenden Sandstränden
- Wanderfans und Liebhaber authentisch griechischer Bergdörfer
- Reisende, die eine Basis für Inselhpping in den Kykladen suchen
- Kitesurfer und Windsurfer
Weniger geeignet für:
- Wer ein Nachtleben wie auf Mykonos sucht
- Wer ohne Mietwagen unterwegs sein und trotzdem alles sehen will
- Wer die ultra-fotogene weiß-blaue Architektur von Santorin erwartet
Deutlich günstiger als die berühmten Nachbarn
| Kategorie | Spanne |
|---|---|
| Übernachtung in Pension oder einfachem Studio | 35 bis 55 € |
| Übernachtung in komfortablem Hotel in Chora | 80 bis 150 € |
| Schneller Imbiss (Souvlaki, Gyros) | 4 bis 7 € |
| Restaurantessen mit einem Glas Wein | 18 bis 30 € |
| Mietwagen pro Tag | 30 bis 50 € |
Unverbindliche Richtpreise, Änderungen vorbehalten
Praktische Realitäten vor Ort
Die Insel erlebt einen spürbaren saisonalen Kontrast: Im Juli und August herrscht an den Stränden im Süden dichter Andrang, während das bergige Landesinnere fast das ganze Jahr über ruhig bleibt. Die Bergstraßen sind zwar kurvig, aber gut ausgebaut und mit einem normalen Kleinwagen problemlos zu befahren.
Englisch wird in den Küstenorten fast überall gesprochen, in abgelegenen Dörfern wie Apiranthos oder Koronos hingegen deutlich weniger, wo ein paar brocken Griechisch immer gut ankommen.
Chora, der Hauptort zwischen Meer und Geschichte
Die Hauptstadt lässt sich ausschließlich zu Fuß erkunden, da die Gassen des Kastro (dem mittelalterlichen venezianischen Viertel) zu verwinkelt für Autos sind. An den Steinstürzen der Häuser kann man noch die Wappen alter venezianischer Adelsfamilien entdecken.
Die Portara und der Hafen
Die Portara lässt sich jederzeit und völlig kostenlos besuchen, aber der absolute Pflichttermin ist der Sonnenuntergang, wenn das Licht durch den Marmorrahmen bricht. Abends erwacht der Hafen zum Leben, wenn sich die Fischtavernen an den Kais füllen.
Ein Tipp unter Freunden: Sei gut eine Stunde vor Sonnenuntergang an der Portara, um dir einen Platz auf den Felsen zu sichern, denn die besten Aussichtspunkte sind im Sommer schnell belegt.
Die Strände, von der lokalen Riviera bis zu einsamen Buchten
Agios Prokopios und Agia Anna
Diese beiden Nachbarstrände liegen rund zehn Autominuten von Chora entfernt und bieten feinen Sand sowie flaches Wasser, was sie ideal für Familien macht. Hier reiht sich auch die intensivste Infrastruktur aus Strandbars und Liegenverleih aneinander.
Plaka
Weiter im Süden zieht sich Plaka über mehrere Kilometer, eingerahmt von Dünen und Tamarisken. Der Strand zieht ein jüngeres und entspannteres Publikum an, an den Rändern gibt es auch diskrete FKK-Abschnitte.
Mikri Vigla
Ein bekannter Spot zum Windsurfen und Kitesurfen dank konstanter Winde (dem sommerlichen Meltemi). Der Strand ist durch eine Landzunge in zwei Buchten geteilt und begeistert sowohl Profis als auch Urlauber, die etwas weniger trubelige Ecken suchen.
Das Landesinnere, das wahre Gesicht der Insel
Hier unterscheidet sich Naxos spürbar von anderen Kykladeninseln. Die Straße hinauf nach Chalki, der ehemaligen Hauptstadt, führt durch Täler voller jahrhundertealter Olivenbäume und Zypressen. Das Dorf bewahrt prächtige neoklassizistische Herrenhäuser und eine traditionsreiche Kitron-Brennerei, in der die lokale Zitruslikörherstellung besichtigt werden kann.
Weiter oben ist Apiranthos fast komplett aus Marmor und Schiefer gebaut. In den gepflasterten Gassen spürt man noch heute den kretischen Einfluss der Gründer. Die Dörfer Filoti und Koronos dienen als Ausgangspunkte für die Besteigung des Bergs Zas, in dessen Höhle Zeus der Mythologie zufolge zur Welt gekommen sein soll.
Wo essen und trinken auf Naxos?
Die Insel ist für ihren Käse berühmt, insbesondere den geschützten Graviera, der auf den Bergbauernhöfen hergestellt und dort frittiert oder über Nudeln gerieben serviert wird. Die Tavernen im Landesinneren, etwa in Apiranthos oder Chalki, servieren oft geschmortes Ziegenfleisch, das eine wohltuende Abwechslung zum Fisch an der Küste bietet.
Zum Trinken gehört der Kitron, ein Zitruslikör, den es je nach Destillationsgrad in Gelb oder Grün gibt. Er ist das perfekte Mitbringsel oder der ideale Digestif nach einem frischen Fischgericht am Hafen von Chora.
Wo übernachten auf Naxos und Umgebung?
Chora bleibt die logische Wahl für den ersten Besuch: Man ist zu Fuß an jedem Ort, genießt abends das Leben und blickt von den Unterkünften am Rande des Kastro direkt auf die Portara. Familien zieht es eher in die Nähe von Agios Prokopios oder Agia Anna, wo der Strand nach wenigen Autominuten erreicht ist.
Wer ein ländlicheres Erlebnis sucht, findet in Chalki oder Filoti einige Gästezimmer mitten in den Bergen, weitab vom Trubel an der Küste.
Wie kommt man nach Naxos?
Der Flughafen von Naxos wird in der Hauptsaison direkt aus Athen angeflogen, die Flugzeit beträgt rund 35 Minuten. Die Mehrheit der Reisenden kommt jedoch mit der Fähre vom Hafen Piräus an, wobei die Überfahrt je nach Schiffstyp (konventionell oder Schnellboot) zwischen 3 und 5 Stunden dauert. Alternativ reist man von anderen Kykladeninseln wie Paros, Mykonos oder Santorin in 30 Minuten bis 2 Stunden an.
Wie kommt man auf Naxos von A nach B?
In Chora erledigt man alles zu Fuß, da die Gassen des Kastro für den Autoverkehr gesperrt sind. Ein Busnetz der KTEL verbindet die Hauptstadt mit den wichtigsten Stränden und Dörfern im Landesinneren, allerdings sinken die Abfahrtszeiten außerhalb des Sommers drastisch.
Um die Insel wirklich zu erkunden, insbesondere die Bergdörfer und die einsamen Buchten im Süden, ist ein Mietwagen die praktischste Lösung. Die Bergstraßen sind zwar stellenweise schmal, aber asphaltiert und sicher.
Wann ist die beste Reisezeit für Naxos?
Mai, Juni und September bieten den besten Kompromiss aus warmem Wetter, angenehmen Wassertemperaturen und moderatem Besucherandrang. Juli und August garantieren zwar verlässlichen Sonnenschein, bringen aber auch volle Strände und Höchstpreise bei den Unterkünften mit sich. Im Winter schließen fast alle touristischen Betriebe, und die Insel kehrt zu ihrem rein landwirtschaftlichen Rhythmus zurück.