Ein Tor ins Nichts, das sich dem Meer entgegenstellt
Auf der kleinen Insel Palatia am Eingang des Hafens von Naxos steht ein einsames Marmortor ganz ohne Wände oder Säulen. Vom einst geplanten Tempel ist nur dieser monumentale Rahmen geblieben, umgeben von den Spuren eines Fundaments, das nie vollendet wurde.
Die Blöcke dieses Tores sind gewaltig und wiegen teilweise bis zu 20 Tonnen. Der Marmor wurde aus dem rund 10 Kilometer entfernten Steinbruch von Flerio herbeigeschafft, was für die damalige Zeit eine beachtliche logistische Leistung war.
Warum sich der Weg zur Portara lohnt
Der Tempelbau wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. vom Tyrannen Lygdamis zu Ehren des Gottes Apollon in Auftrag gegeben. Die Anlage orientierte sich an den Vorgaben der großen Heiligtümer jener Epoche, etwa dem des olympischen Zeus in Athen und dem der Hera auf Samos. Das Gebäude sollte 59 Meter lang und 28 Meter breit werden, wobei der Eingang auf der Westseite liegen sollte, was für einen ionischen Tempel eher unüblich war.
Der Tempel wurde nie fertiggestellt. In der venezianischen Epoche nutzte man zahlreiche Steine für den Bau der Burg von Naxos, während die Blöcke des Tors vermutlich aufgrund ihres enormen Gewichts an Ort und Stelle verblieben. Später, im 5. Jahrhundert n. Chr., entstand auf den Ruinen eine christliche Kirche, die der heiligen Maria gewidmet und als Panagia Palatiani bekannt wurde.
Das Tor und die Sonne
Die Ausrichtung des Tors ist für viele Forscher kein Zufall, denn zur Sommersonnenwende wandert die Sonne direkt durch seine Öffnung. Vor allem bei Sonnenuntergang zieht das Ort zahlreiche Besucher an, wenn das Licht durch den Marmorrahmen auf das Meer fällt.
Direkt unterhalb sorgen ein Café und eine Badestelle mit ruhigem Wasser für einen angenehmen Ausklang, auch wenn das Areal oft als Strand der Portara bezeichnet wird, ohne ein klassischer Strand zu sein.
Vorteile
- Freier und kostenloser Zugang ohne Kassenhäuschen oder feste Öffnungszeiten
- Vom Hafen aus bequem zu Fuß zu erreichen
Nachteile
- Hoher Andrang bei Sonnenuntergang im Sommer
- Keinerlei Schatten oder Trinkwasser auf der kleinen Insel
Ein Tipp unter Freunden: Pack bequeme Schuhe ein, da der Boden rund um das Tor stellenweise uneben ist, und nimm genügend Wasser mit, da es auf der Insel keine Versorgungsmöglichkeiten gibt.
Wie viel Zeit du für diese Aktivität einplanen solltest
Plane 30 bis 45 Minuten ein, um die kleine Insel zu erkunden, die Marmorblöcke anzusehen und die Aussicht zu genießen. Nimm dir etwas mehr Zeit, wenn du dort den Sonnenuntergang erleben möchtest.