Colmar, die Weinhauptstadt des Elsass und wie aus dem Bilderbuch
Ockerfarbene und zinnoberrote Fachwerkhäuser, der Duft von Lebkuchen aus einer kleinen Bäckerei, das sanfte Plätschern der Lauch unter den blumengeschmückten Brücken der Petite Venise. Colmar ist eine der wenigen französischen Städte, in denen die mittelalterliche Kulisse keine bloße Inszenierung ist. Sie ist der Alltag von 65 000 Einwohnern.
Da die Stadt von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs weitgehend verschont blieb, ist ihr historischer Kern bis heute so intakt erhalten, dass ihn manch europäische Hauptstadt beneidet. Die Kehrseite der Medaille: Das hat sich herumgesprochen, und die Stadt füllt sich schnell.
Ist dieses Ziel das Richtige für dich?
Colmar ist ideal für Geschichtsinteressierte, Familien, Paare für ein Wochenende und Liebhaber der elsässischen Küche. Die Stadt ist kompakt, lässt sich bestens zu Fuß erkunden und bietet genug Programm für zwei bis drei entspannte Tage.
Wenn du hingegen Menschenmassen und Touristengruppen meiden möchtest, kann der historische Kern im Juli, August oder während der Weihnachtsmärkte schnell anstrengend werden. Nachtschwärmer könnten die Stadt für ihr Abendprogramm zudem etwas zu ruhig finden.
Geeignet für:
- Liebhaber mittelalterlicher Architektur und elsässischer Baukunst
- Paare auf der Suche nach einem romantischen Wochenende
- Familien mit Kindern (Spielzeugmuseum, Bimmelbahn, Europa-Park in der Nähe)
- Fans der Gastronomie und elsässischer Weine
- Reisende, die Ausflüge auf die Weinstraße planen
Weniger geeignet für:
- Reisende, die touristische Hotspots meiden wollen (besonders im Sommer und Dezember)
- Fans eines ausgeprägten Nachtlebens
- Reisende mit sehr knappem Budget (Unterkünfte und Restaurants im Zentrum sind hochpreisig)
Budget: Rechne lieber etwas mehr ein
Colmar ist ein klassisches Reiseziel, doch der touristische Andrang treibt die Preise für Unterkünfte vor allem in der Hochsaison und während der Weihnachtsmärkte in die Höhe. Frühzeitiges Buchen ist hier absolut empfehlenswert.
| Posten | Richtwert |
|---|---|
| Übernachtung einfach (Hotel/Herberge) | 50 bis 80 Euro |
| Übernachtung komfortabel (3-4 Sterne Hotel) | 100 bis 180 Euro |
| Einfaches Essen (Winstub, Tagesgericht) | 12 bis 18 Euro |
| Restaurantbesuch (Vorspeise + Hauptgang + Weinglas) | 30 bis 50 Euro |
| Museen und Tagesaktivitäten | 10 bis 25 Euro |
| Tagesbudget Rucksacktourist | 80 bis 120 Euro |
| Tagesbudget Komfort | 160 bis 250 Euro |
Richtpreise, Änderungen vorbehalten
Praktische Tipps
Das historische Zentrum von Colmar ist komplett fußläufig. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen in einem Umkreis von weniger als einem Kilometer. Ein Auto ist vor Ort nicht nur unnötig, sondern oft eine Belastung, da Parkplätze im Zentrum knapp und kostenpflichtig sind. Am besten parkst du auf einem der Parkplätze am Stadtrand und läufst ins Zentrum.
Die Stadt ist touristisch bestens erschlossen. Das Office de Tourisme am Place Unterlinden bietet detaillierte Stadtpläne sowie thematische Stadtführungen an, besonders die abendlichen Rundgänge im Winter sind sehr empfehlenswert. Sprachbarrieren sind in der Regel kein Thema: Deutsch wird von vielen verstanden, und mit Englisch kommst du in praktisch allen touristischen Geschäften problemlos weiter.
Der historische Stadtkern: Einfach treiben lassen
Das Herz von Colmar lässt sich am besten ohne festen Plan erkunden. In jeder Gasse warten Fachwerkhäuser, schmiedeeiserne Schilder oder skulpturale Details, die man sonst übersehen würde. Ein paar Fixpunkte solltest du dennoch ansteuern.
Die Collégiale Saint-Martin im gotischen Stil beeindruckt durch ihre Fassade aus leuchtend rosafarbenem Sandstein aus Rouffach. Achte auf das Dach: Dort nisten Störche, ein echtes Symbol des Elsass. Ganz in der Nähe befindet sich die Église des Dominicains, die das Gemälde der Vierge au buisson de roses von Martin Schongauer beherbergt, ein Werk des 15. Jahrhunderts von bemerkenswerter Finesse. Das Maison des Têtes, ein denkmalgeschütztes Gebäude, verdankt seinen Namen den 106 grotesken Köpfen, die an der Renaissance-Fassade eingemeißelt sind.
Das Koïfhus ist das älteste öffentliche Gebäude der Stadt und stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das ehemalige Zollhaus dient heute als Kulturraum und liegt an einem Platz, der zum Verweilen einlädt. Ganz in der Nähe steht das Maison Pfister, eines der meistfotografierten Häuser des Elsass, bekannt für seine Arkadengalerie und die bemalten Medaillons.
Geheimtipp: Steh früh auf. Die Petite Venise und der quai de la Poissonnerie vor 8:00 Uhr morgens sind eine ganz andere Welt. Die Häuser spiegeln sich im Wasser, ohne einen einzigen Touristen im Bild. Ab 10:00 Uhr kommen dann die Reisegruppen.
Museen und Kultur: Mehr als nur Fachwerk
Das Musée Unterlinden ist eine der großen Überraschungen der Stadt. Es ist in einem ehemaligen Dominikanerkloster aus dem 13. Jahrhundert untergebracht und beherbergt den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, der als eines der bedeutendsten Meisterwerke abendländischer Malerei gilt. Im Jahr 2016 wurde das Museum um einen modernen Flügel erweitert, der von Herzog & de Meuron entworfen wurde. Allein dieser Ort ist die Reise wert.
Das Musée Bartholdi, das dem in Colmar geborenen Bildhauer der Statue de la Liberté gewidmet ist, überrascht viele Besucher. Man erwartet hier nicht unbedingt die Modelle und Skizzen für das berühmteste Bauwerk in New York. Das Village Hansi und sein Museum, das dem Karikaturisten Jean-Jacques Waltz gewidmet ist, runden das Bild für alle ab, die sich für die elsässische Geschichte interessieren.
Für eine rein zeitgenössische Pause bietet das Espace d'art contemporain André Malraux (EACAM), das in einer ehemaligen Sauerkraut-Fabrik untergebracht ist, fünf Wechselausstellungen pro Jahr. Der Ort ist schlicht, ruhig und bildet einen angenehmen Kontrast zum Trubel in der Innenstadt.
Rund um Colmar: Weinstraße und Europa-Park
Colmar ist der ideale Ausgangspunkt, um die Route des Vins d'Alsace zu erkunden. Die Dörfer Riquewihr, Ribeauvillé und Kaysersberg sind in weniger als 20 Minuten mit dem Auto erreichbar. Jedes hat seinen eigenen Charakter, offene Weinkeller und lokale Märkte.
Mit Kindern ist der Europa-Park in Rust in Deutschland in weniger als zwei Stunden erreichbar. Es ist der meistbesuchte Freizeitpark Europas und einer der wenigen, bei denen die Beschilderung durchgehend auch auf Französisch vorhanden ist.
Für einen Spaziergang ohne Auto bietet der parc du Champ de Mars eine angenehme Grünfläche direkt am Zentrum. Perfekt, um zwischen zwei Besichtigungen einmal durchzuatmen.
Colmar ist ein absolutes Muss, wenn wir im Elsass sind. Es ist einfach, in der Nähe des Stadtzentrums zu parken, um die architektonischen Schätze dieser charmanten Stadt zu entdecken. Ich mag besonders die „Petite Venise“, ein Viertel, das von der Lauch durchflossen wird. Man kann die Geschichte der Stadt und der Region an Bord eines kleinen Bootes erkunden, wobei die Geschichte von leidenschaftlichen, sympathischen und manchmal auch scherzhaften Reiseführern erzählt wird! Ob im Sommer oder im Winter, es gibt zahlreiche Veranstaltungen und an lokalen Spezialitäten mangelt es nicht.