Die Tour Magne, ein 2.000 Jahre alter Wächter über Nîmes
Die 140 Stufen der Wendeltreppe führen durch das Halbdunkel nach oben. Dann bricht das Licht durch. Von der Terrasse aus reicht der Blick bis zum Mont Ventoux, zu den Alpilles und über die ockerfarbenen Dächer der Stadt zu deinen Füßen. Dieses 360-Grad-Panorama entschädigt für die Anstrengung des Aufstiegs.
Warum die Tour Magne besuchen?
Dieser 32 Meter hohe achteckige Turm ist der letzte erhaltene Teil der römischen Stadtmauer von Nîmes. Von den ursprünglich 80 Türmen, die unter Kaiser Augustus um das Jahr 15 vor Christus errichtet wurden, hat nur dieser die Jahrhunderte überdauert. Die Römer bauten ihn um einen bereits existierenden gallischen Turm herum, den die Volques Arécomiques vier Jahrhunderte zuvor erbaut hatten.
Auf dem Gipfel des Mont Cavalier auf 114 Metern Höhe diente das Bauwerk als Wachturm zur Überwachung der Via Domitia, der bedeutenden Handelsstraße zwischen Rom und Spanien. Zudem signalisierte er Reisenden die Macht von Nemausus, einer florierenden römischen Kolonie.
Der Aufstieg zum Turm
Der Weg zur Tour Magne führt durch die Jardins de la Fontaine, eine der ältesten öffentlichen Parkanlagen Frankreichs. Der Pfad steigt sanft unter Pinien und Steineichen an. Plane etwa fünfzehn Minuten ab dem Parkeingang ein. Bei Hitze ist der Anstieg durchaus schweißtreibend, doch die Brunnen und Wasserbecken im Park machen den Spaziergang angenehm.
Am Fuß des Turms angekommen, erwartet dich die steinerne Wendeltreppe. Enge Stufen, rohes Mauerwerk und einfallendes Licht verändern die Atmosphäre spürbar. Wer zu Schwindel oder Klaustrophobie neigt, sollte vorsichtig sein. Da auf der Aussichtsplattform maximal 12 Personen gleichzeitig zugelassen sind, kann es zu Stoßzeiten zu Wartezeiten kommen.
Die Legende vom Schatz des Nostradamus
Im Jahr 1601 erhielt ein Gärtner aus Nîmes namens François Traucat von König Heinrich IV. die Erlaubnis, den Turm zu durchsuchen. Einer Prophezeiung von Nostradamus zufolge sollte ein Gärtner einen unter dem Monument vergrabenen goldenen Hahn finden. Traucat grub unermüdlich, höhlte das Innere des Turms aus und schwächte dabei dessen Fundamente. Das Ergebnis: kein Schatz, aber erhebliche Schäden, die im 19. Jahrhundert umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich machten.
Die Ironie der Geschichte: Derselbe Traucat führte den Maulbeerbaumanbau in der Provence und im Languedoc ein und legte damit den Grundstein für die Seidenindustrie, die Nîmes zu Reichtum verhalf. Seine Schatzsuche ruinierte ihn zwar, doch seine Pflanzungen brachten einer ganzen Region Wohlstand.
Tipp vom Experten: Ein kostenloser Audioguide erzählt während des Aufstiegs die Legende von Traucat. Frage einfach am Empfang danach. Wenn du auch die Arena und die Maison Carrée besichtigen möchtest, bietet der Pass Nîmes romaine für 13 Euro ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als Einzeltickets.
Was du vom Gipfel sehen kannst
Die Orientierungstafel hilft dabei, die markanten Punkte in der Landschaft zu bestimmen. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zu 50 Kilometer weit. Die Arena erscheint als perfekte Ellipse inmitten der Häuserblöcke. Der Pic Saint-Loup ist im Westen zu erkennen, der Mont Ventoux im Nordosten.
Orientierungspunkte für deinen Blick:
- Die Arènes de Nîmes, eines der weltweit am besten erhaltenen römischen Amphitheater
- Die Kathedrale Notre-Dame-et-Saint-Castor mit ihrem romanischen Glockenturm
- Die Ebene des Vistre und die Ausläufer der Cévennes in der Ferne
- Der Verlauf der antiken römischen Stadtmauer, der noch heute an den Baumreihen erkennbar ist
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Die Tour Magne ist ein beeindruckendes Überbleibsel aus der Römerzeit. Sie ist einen Abstecher wert.
Der Zugang erfolgt über einen angenehmen Spaziergang durch die Jardins de la Fontaine.
Oben angekommen, ist der Panoramablick über Nîmes und die Umgebung einfach herrlich.
Bei großer Hitze sollte man den Besuch jedoch meiden, da der Aufstieg mitten im Sommer ziemlich anstrengend sein kann.