Der Hafen von Saint-Tropez, wo Superyachten auf Fischerboote treffen
Früh am Morgen, wenn die Terrassen am quai Jean Jaurès noch leer sind, zeigt sich der Hafen von Saint-Tropez von seiner unverfälschten Seite. Das Wasser klatscht sanft gegen die Rümpfe, der Duft von Kaffee vermischt sich mit der Meeresbrise und die ockerfarbenen sowie olivgrünen Fassaden des alten Beckens leuchten im flachen Licht. Es war genau dieses Licht, das Paul Signac dazu bewegte, seine Yacht l'Olympia im Jahr 1892 hier festzumachen und damit ein eher unbekanntes Fischerdorf im Var zum Zentrum der modernen Kunst zu machen.
Warum den Hafen von Saint-Tropez besuchen?
Der Hafen ist das pulsierende Herz des Ortes. Mit seinen 734 Liegeplätzen, die sich auf zwei Becken und eine Wasserfläche von 9 Hektar verteilen, vereint er das Paradoxon von Saint-Tropez auf engstem Raum. Hier liegen traditionelle Fischerboote, die sogenannten Pointus, nur wenige Meter neben Yachten, deren Wert in die zweistelligen Millionenbeträge geht. Dieser Kontrast ist kein Zufall, sondern erzählt von fünf Jahrhunderten maritimer Geschichte, von den genuesischen Familien, die den Ort 1470 neu besiedelten, bis hin zu den heutigen internationalen Regatten.
Bereits im 18. Jahrhundert war der Hafen der drittgrößte französische Mittelmeerhafen, getragen vom Handel mit Wein, Kork und Holz. Die Statue des bailli de Suffren, eines Vizeadmirals der königlichen Flotte, wacht noch immer über das Quai, das seinen Namen trägt.
Ein Spaziergang zwischen Luxus und Alltag
Der alte Hafen und seine Kais
Der Rundgang beginnt ganz natürlich am quai Suffren, direkt gegenüber den glänzenden Schiffsrümpfen. Die Terrassen vom Café Sénéquier und seinen Nachbarn bieten den perfekten Logenplatz, um das Treiben der Yachten zu beobachten. Hinter den Cafés, in einer engen Gasse gleich hinter dem Fremdenverkehrsamt, versteckt sich die halle aux poissons (Fischhalle). Lokale Fischer verkaufen dort ihren Fang des Morgens: Rotbarben, Wolfsbarsche und Kraken. Der Kontrast zum Luxus der Kais, der nur dreißig Meter entfernt ist, ist beeindruckend.
Das quai de l'Épi und das neue Becken
Das quai de l'Épi trennt das alte Becken vom modernen Hafenbereich. Hier reihen sich die imposantesten Superyachten aneinander, von denen einige am môle d'Estienne d'Orves eine Länge von bis zu 75 Metern erreichen. Hobbymaler stellen hier regelmäßig ihre Staffeleien auf und führen damit unbewusst die Tradition von Signac, Matisse und Derain fort, die alle genau diese Lichtreflexe auf die Leinwand brachten.
Der Hafen als Bühne für nautische Ereignisse
Jeden Herbst wandelt sich das Gesicht des Hafens. Die Luxusyachten machen Platz für rund 250 Segelschiffe aus aller Welt, die zu Les Voiles de Saint-Tropez anreisen. Das Event ist der Nachfolger der legendären Nioulargue, die 1981 aus einer einfachen Wette zwischen zwei Skippern entstand. Zehn Tage lang Ende September teilen sich historische Segler und hochmoderne Maxis das Wasser. Es gibt kein Preisgeld, denn hier geht es einzig um den Ruhm. Die Société Nautique de Saint-Tropez (der nautische Verein von Saint-Tropez), gegründet 1862, organisiert das ganze Jahr über zahlreiche Regatten.
Tipp vom Experten: Um den im Sommer oft katastrophalen Staus zu entgehen, nehmen Sie die Bateaux Verts ab Sainte-Maxime. Die Überfahrt dauert 15 Minuten, kostet etwa 18 Euro hin und zurück und bringt Sie direkt in den alten Hafen, mitten zwischen die Superyachten. Das ist die angenehmste Art, in Saint-Tropez anzukommen.
Was die Maler schon vor Ihnen sahen
Das musée de l'Annonciade, untergebracht in einer Kapelle aus dem 16. Jahrhundert direkt am Hafen, stellt die Werke aus, die von diesem Panorama inspiriert wurden. Zu sehen sind Arbeiten von Matisse, Derain, Marquet und natürlich Signac, dessen Werk La Bouée rouge heute im Musée d'Orsay in Paris aufbewahrt wird. Den Hafen nach dem Museumsbesuch in der Realität zu betrachten und ihn mit den pointillistischen Gemälden im Inneren zu vergleichen, bietet eine seltene Perspektive auf die Wandlung des Ortes. Das kleine Fischerdorf, das Signac einst malte, hat sich zum heutigen Hafen gewandelt, doch das Licht, das ist geblieben.
Öffnungszeiten
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Ich hatte einige Vorurteile gegenüber diesem Hafen, aber er ist wirklich sehr angenehm und trotz allem recht typisch, wenn man die Yachten mal ausblendet. Die Häuser ringsherum sind wirklich hübsch und verleihen dem Ort Charme. Es gibt dort auch sehr niedliche kleine Fischerboote. Ich empfehle euch, außerhalb der Saison zu kommen, um eine lokalere Atmosphäre zu erleben.