Saint-Tropez, das Fischerdorf, das die Welt eroberte
Im Jahr 1887 eröffnete ein gewisser Sénéquier ein Café am Hafen. Seine roten Stühle stehen noch heute dort. Siebzig Jahre später richtete Brigitte Bardot ihren Blick auf diesen Fleck der provenzalischen Halbinsel, und die ganze Welt entdeckte ihn. Die Folge ist bekannt: überdimensionale Yachten, Paparazzi, Dior-Boutiquen und Champagner für 500 Euro die Flasche.
Doch hinter dieser glamourösen Fassade existiert etwas Ursprünglicheres. Ein ockerfarbener Kirchturm, der die Dächer überragt. Enge Gassen, in denen noch heute die Wäsche zum Trocknen hängt. Das Klacken der Boulekugeln unter den Platanen.
Saint-Tropez: Ein Ort der Extreme
Wenn du die Côte d'Azur von ihrer günstigen und bodenständigen Seite suchst, bist du hier falsch. Die Stadt zieht ein wohlhabendes Publikum, diskretion suchende Prominente und Schaulustige an. Ab Juni ziehen die Preise an. Ein Liegestuhl am Plage de Pampelonne kostet gut 70 Euro pro Tag. Ein Mittagessen in einem Beach Club schlägt mit mindestens 150 Euro zu Buche.
Doch das ist das Paradoxon: Das alte Dorf bleibt zu Fuß erkundbar, kostenlos und aufrichtig charmant. Kunstliebhaber finden hier ein erstklassiges Museum. Wanderer können 20 km Küstenpfad zurücklegen, ohne einer einzigen Yacht zu begegnen. Der Schlüssel liegt im Timing: In der Nebensaison, von November bis Mai, kehrt die Stadt zu einem menschlichen Maß und vernünftigen Preisen zurück.
Ein Budget, das schnell nach oben schnellt
Plane im Sommer 150 bis 300 Euro pro Tag für zwei Personen ein, je nach Anspruch. Die Übernachtungspreise beginnen bei 150 Euro pro Nacht für ein ordentliches Zimmer und haben nach oben keine Grenze. Die Restaurants am Hafen verlangen hohe Preise, doch die Adressen in den Seitenstraßen bieten Menüs für 25-35 Euro an.
Der Hafen und das alte Dorf
Am Quai Jean-Jaurès spielt sich das Wesentliche des tropézienischen Lebens ab. Die Terrassen des Sénéquier bieten einen freien Blick auf die Yachten und ihre Besitzer. Das Beobachten ist kostenlos. Morgens, vor 10:00 Uhr, gehört der Hafen noch den Fischern.
Das Viertel La Ponche beginnt dort, wo die Luxusboutiquen enden. Als ehemaliger Rückzugsort der Fischer bewahrt es enge Gassen, verblasste Fassaden und einen kleinen Strand, der zwischen zwei Türmen eingeklemmt liegt. Hier wohnten Anfang des 20. Jahrhunderts die Maler. Paul Signac richtete 1892 hier sein Atelier ein und lockte Künstler wie Matisse, Bonnard und Marquet an.
Tipp vom Experten: Steige am späten Nachmittag zur Citadelle hinauf. Das Fort aus dem 17. Jahrhundert beherbergt ein Schifffahrtsmuseum, aber vor allem das Panorama über den Golf und die Dächer des Dorfes ist den Aufstieg wert.
Strände, von Pampelonne bis zu versteckten Buchten
Ein erstes Missverständnis: Es gibt keinen großen Strand direkt in Saint-Tropez. Das Stadtzentrum ist ein reiner Hafen. Für Sand muss man in die Nachbargemeinde Ramatuelle fahren, etwa 10 Minuten mit dem Auto. Dort erstreckt sich auf 4,5 km der berühmte Plage de Pampelonne, bekannt geworden durch den Film Und immer lockt das Weib.
Die Beach Clubs reihen sich aneinander: Club 55 ist der älteste und begehrteste, Nikki Beach steht für Partystimmung, Tahiti Beach ist an seinen orangefarbenen Sonnenschirmen erkennbar. Reserviere im Juli und August Wochen im Voraus. Eine weniger protzige Alternative ist der Plage des Graniers, der zu Fuß von der Citadelle erreichbar ist, mit einem einzigen Restaurant direkt im Sand und Blick auf den Golf.
Wer Ruhe sucht, muss sich den Plage de la Moutte verdienen: Ein 20-minütiger Fußweg schützt ihn vor den Massen. Achtung, ein Teil dieses Strandes ist FKK-Bereich.
Kunst und Kultur, das andere Gesicht der Stadt
Das Musée de l'Annonciade befindet sich in einer alten Kapelle gegenüber dem Hafen. Die post-impressionistische Sammlung kann sich mit Pariser Museen messen: Signac, Matisse, Derain, Bonnard, Vuillard. Das Gebäude selbst, das im mediterranen Licht badet, ist einen Besuch wert. Plane eine Stunde ein, der Eintritt kostet etwa 8 Euro.
Origineller ist das Musée de la Gendarmerie et du Cinéma, das Louis de Funès und der Gendarmen-Filmreihe Tribut zollt, die hier in den 1960er Jahren gedreht wurde. Die ehemalige Kaserne stellt Kulissen und Kostüme für Nostalgiker des französischen Komikers aus.
Tipp vom Experten: Der Markt auf der Place des Lices findet dienstags und samstags am Vormittag statt. Probiere provenzalische Produkte, suche nach Strohhüten oder bunten Stoffen. Nach dem Einkauf kannst du die Boulespieler unter den jahrhundertealten Platanen beobachten.
Die umliegenden Bergdörfer
Ramatuelle ist mehr als nur ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg zum Strand. Das mittelalterliche Dorf mit seinen spiralförmigen Gassen überblickt Weinberge und das Meer. Hier werden exzellente Côtes de Provence Roséweine produziert. Gassin, eines der schönsten Dörfer Frankreichs, bietet von seinem Aussichtspunkt ein 360-Grad-Panorama über den Golf.
Port Grimaud, 15 Autominuten entfernt, fasziniert durch seine Architektur. Die in den 1960er Jahren erbaute Lagunenstadt ahmt venezianische Kanäle nach. Für manche Kitsch, für andere charmant. Wassertaxis ermöglichen eine Erkundung für wenige Euro.
Wo essen und trinken in Saint-Tropez?
Die Tarte Tropézienne wurde 1955 hier erfunden. Diese mit leichter Creme gefüllte Brioche wurde durch Brigitte Bardot bekannt, die ihr angeblich auch den Namen gab. Die ursprüngliche Konditorei, La Tarte Tropézienne, gibt es noch immer auf der Place des Lices. Ein Stück kostet etwa 6 Euro.
Um günstig zu essen, meide die Hafenfront. Das Restaurant L'Auberge des Maures in der Altstadt serviert ehrliche provenzalische Küche für rund 35 Euro. Les Graniers am gleichnamigen Strand serviert gegrillten Fisch und Salate in einer unberührten Umgebung. In Ramatuelle befindet sich Les Moulins in einer alten Ölmühle mit schattiger Terrasse.
Für die gehobene Gastronomie: La Vague d'Or hält drei Michelin-Sterne. Küchenchef Arnaud Donckele veredelt mediterrane Produkte. Budget: 200 bis 400 Euro pro Person.
Wo übernachten in Saint-Tropez und Umgebung?
Das Stadtzentrum konzentriert die legendären Adressen. Das Hôtel Byblos verkörpert den Luxus von Saint-Tropez seit 1967. La Ponche ist intimer und belegt mehrere renovierte Fischerhäuser direkt am Hafen. Lou Cagnard bietet erschwinglichere Zimmer in einem ruhigen provenzalischen Landhaus.
Um Kosten zu sparen, suche in Sainte-Maxime auf der anderen Seite des Golfs. Die Preise sind deutlich niedriger und ein Pendelboot erreicht den Hafen in 20 Minuten. Grimaud und Cogolin bieten ebenfalls gute Unterkünfte, nur 15 Autominuten entfernt.
Anreise und Fortbewegung in Saint-Tropez
Die Stadt hat keinen Bahnhof. Das ist einer der Gründe für ihren bewahrten Charme. Von Paris erreicht der TGV Saint-Raphaël in 4 Stunden. Ein Bus übernimmt die Weiterfahrt in 1,5 Stunden für etwa 3 Euro. Der Flughafen Nizza liegt 95 km entfernt, der von Toulon-Hyères 52 km.
Im Sommer vermeidet die Fähre ab Nizza oder Cannes die legendären Staus auf der Landstraße 98. Die Überfahrt dauert 1,5 Stunden und kostet 20 bis 40 Euro. Vor Ort ist das Zentrum zu Fuß am besten erreichbar. Für die Strände ist ein Roller oder ein Mietwagen unverzichtbar. Parkplätze im Zentrum kosten 3 bis 5 Euro pro Stunde.
Wann ist die beste Reisezeit?
Meide Juli und August, wenn du weder Menschenmassen noch überhöhte Preise oder Staus magst. Mai, Juni und September bieten den besten Kompromiss: angenehmes Wetter, badetaugliches Meer und vernünftige Preise. Der Winter zeigt ein anderes Gesicht: Die Einheimischen haben den Ort wieder für sich, Restaurants servieren ohne Reservierung und die Sonne scheint oft.
Eine meiner Lieblingsstädte im Süden! Sie ist typisch provenzalisch und bietet zahlreiche farbenfrohe Gassen zum Bummeln, einen sehr schönen, schicken Hafen und tolle Strände. Es ist wie ein kleines, malerischeres Cannes. Von der Zitadelle aus hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und die Boote. Ich empfehle euch außerdem ein ausgefallenes Museum, das Musée de la Gendarmerie et du Cinéma, das uns in die Kulissen des berühmten Gendarmen von Saint-Tropez eintauchen lässt. Kommt am besten in der Nebensaison, da die Stadt im Sommer völlig überlaufen ist.