Port Vauban, von römischem Garum zu Superyachten
Fischsoßenbecken aus dem 2. Jahrhundert schlummern direkt unter den Kais, an denen heute Yachten im Wert von 50 Millionen Euro festmachen. Die L'anse Saint-Roch, heute das tonnagemäßig größte Yachthafenbecken Europas, ist ein Ort mit langer Siedlungsgeschichte, seit die Phokäer dort im 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung den Handelsstützpunkt Antipolis gründeten. Dieser Kontrast ist beeindruckend, und genau das macht den Hafen so anders als die sterilen Marinas an der übrigen Côte d'Azur.
Warum einen Abstecher zum Port Vauban machen?
Dieser Hafen ist weit mehr als nur ein Parkplatz für Boote. Auf 25 Hektar Wasserfläche konzentrieren sich 2.500 Jahre maritime Geschichte. Ob griechischer Fischerhafen, römische Marinebasis, Ausgangspunkt des ersten Kreuzzugs im 11. Jahrhundert, Ölterminal im 20. Jahrhundert oder Wasserflugzeugbasis in der Zwischenkriegszeit: Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen.
Hier, auf der Werft am bastion Saint-Jaume, wurde zudem die legendäre Calypso von Kapitän Cousteau für ihre Expeditionen umgebaut, bevor der Standort 1985 schloss.
Die heutige Struktur stammt aus den 1970er Jahren, als Antibes gezielt auf die Großschifffahrt setzte. Mit 1.501 Liegeplätzen und 4.200 laufenden Metern an Anlegestellen bietet der Hafen Platz für alles, vom 4 Meter langen Pointu-Fischerboot bis zur 165 Meter langen Megayacht. Dieses Nebeneinander von Luxuswelt und lokalem Alltag verleiht dem Viertel seine ganz eigene Energie.
Der Quai des milliardaires und die Welt der Superyachten
Der 1986 eingeweihte quai Camille Rayon ist besser unter seinem Spitznamen Quai des milliardaires bekannt. Er geht auf Camille Rayon zurück, einen Helden der Résistance, der später zu einem der bekanntesten Hafenbauer der Côte d'Azur wurde. Geschützt durch eine 600 Meter lange Mole bietet dieser Kai 18 Liegeplätze für Superyachten mit einer Länge von bis zu 160 Metern, verwaltet vom International Yacht Club d'Antibes. Die Konzessionen werden zu Rekordpreisen gehandelt, und zu den Besitzern zählen einige der reichsten Menschen der Welt.
Ein Spaziergang entlang des Kais am späten Nachmittag ist ein Erlebnis für sich. Hubschrauberlandeplätze, Infinity-Pools und Beiboote, die größer sind als manch klassische Segelyacht: Die Ausstattung dieser Schiffe sprengt jede Vorstellungskraft. Im Sommer herrscht auf den Decks geschäftiges Treiben, während sich der Geruch von geöltem Teakholz mit der Meeresbrise vermischt. Abends wandelt sich die Stimmung. Die Lichter der Yachten spiegeln sich im dunklen Wasser, und die Promenade wird überraschend ruhig.
Vom bastion Saint-Jaume zum Nomade von Plensa
Am Eingang des Hafens, zwischen Altstadt und Quai des milliardaires, blickt der bastion Saint-Jaume auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Ob römischer Tempel, Kapelle, im 17. Jahrhundert zerstörter Wehrturm, Schiffswerft oder Brachfläche: Der Ort hat viele Leben durchlaufen. Seit 2010 dienen die aufwendig restaurierten Überreste als Sockel für die Nomade, eine monumentale Skulptur des katalanischen Künstlers Jaume Plensa. Die 8 Meter hohe menschliche Silhouette aus weißen Edelstahlbuchstaben sitzt mit angezogenen Knien zum Meer gewandt. Besucher können in das Innere der Figur treten und durch das Geflecht der Buchstaben auf die Umgebung blicken. Nachts verwandeln Strahler die Skulptur in eine leuchtende Wächterfigur.
Geheimtipp: Der bastion Saint-Jaume und die Nomade sind täglich außer montags geöffnet. Von Juni bis August ist der Zugang bis 23:00 Uhr möglich, was ihn zu einem der wenigen Orte in Antibes macht, um den nächtlichen Blick über den Hafen zu genießen, ohne in einem Restaurant sitzen zu müssen. Den Rest des Jahres schließt das Areal um 18:00 Uhr.
Ein Hafen mit Fokus auf Biodiversität
Unter den Stegen spielt sich ein ganz anderes Leben ab. Seit 2015 nutzt der Hafen sogenannte Biohut, künstliche Kinderstuben für Fische, die vom Unternehmen Ecocean entwickelt wurden. Diese mit Austernschalen gefüllten Stahlkäfige bieten Larven und Jungfischen Schutz und Nahrung. Die Ergebnisse sind messbar: Ökologische Untersuchungen haben über 60 Arten von Meerestieren und Pflanzen in diesen Habitaten nachgewiesen, darunter 15 wirtschaftlich bedeutende Arten wie Geißbrassen, Wolfsbarsche und Garnelen.
Der Port Vauban ist als Ports Propres und Ports Propres Actifs en Biodiversité zertifiziert und führt zudem ein Programm zur Wiederansiedlung von Cystoseira-Algen an den Felsblöcken seiner Hauptmole durch.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Der Port Vauban ist zu jeder Jahreszeit besonders angenehm und bietet absolut herrliche Ausblicke, sei es von den Stadtmauern von Antibes, vom Fort Carré oder auf die Bucht von Nizza. Sie werden viel Freude daran haben, die zahlreichen Yachten zu bewundern, von denen eine beeindruckender ist als die andere!
Ein sehr gutes italienisches Restaurant am Hafen ist das Da Vinci, nur 5 Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt! Oder die berühmten Pizzen und das Eis bei Gusto, direkt neben der Porte Marine.