Der Wald von Paimpont: Auf den Spuren von Merlin und den Rittern der Tafelrunde
Kleine Luftblasen steigen in der fontaine de Barenton an die Oberfläche, als würde das Quellwasser atmen. Dieses kalte Wasser, das scheinbar ohne Hitze sprudelt, fasziniert Besucher seit dem 12. Jahrhundert. Der Legende nach soll Merlin der Zauberer hier an einem Frühlingstag die Fee Viviane getroffen haben.
Warum den Wald von Paimpont besuchen?
Dieses 11 000 Hektar große Waldgebiet, das größte der Bretagne, trägt zwei Namen. Auf offiziellen Karten steht Wald von Paimpont. In der kollektiven Vorstellung heißt er jedoch Brocéliande. Diese Identifikation reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als Gelehrte und Romantiker den Erzählungen von Chrétien de Troyes und dem Artuszyklus eine geografische Heimat geben wollten.
Der Wald selbst gleicht keinem anderen. Jahrhundertalte Eichen, Heidekrautflächen, stille Teiche und Felsvorsprünge aus rotem Schiefer prägen die wechselhafte Landschaft. Die Stimmung ändert sich mit dem Tageslicht: morgendlicher Nebel im Val sans Retour oder das flache Licht auf den Bergrücken am späten Nachmittag.
Legendäre Orte zum Erkunden
Das Val sans Retour und der Arbre d'Or
Dem Lancelot-Graal aus dem 13. Jahrhundert zufolge sperrte die Fee Morgane hier untreue Ritter ein. Nach 17 Jahren brach Lancelot du Lac den Fluch und befreite 253 Gefangene. Am Eingang des Tals wurde 1991 nach dem verheerenden Brand von 1990 der Arbre d'Or (Goldener Baum) des Künstlers François Davin als Symbol der Wiedergeburt errichtet. Der Miroir aux fées, ein Teich, in dem sich der Legende nach nächtliche Wesen betrachteten, markiert den Beginn des Rundwegs.
Die fontaine de Barenton
Über einen 4 km langen Wanderweg ab dem Weiler Folle-Pensée erreichbar, ist diese unscheinbare Quelle ein Ort voller Mythen. Ihre natürlichen Gasblasen nährten Geschichten über übernatürliche Kräfte: von der Heilung psychischer Leiden bis zur Hilfe für junge Frauen bei der Partnersuche. Der anglo-normannische Dichter Wace erwähnte sie bereits im 12. Jahrhundert im Roman de Rou.
Das Grab von Merlin und weitere Orte
Zwei Schieferplatten in der Nähe von Saint-Malon-sur-Mel sollen das Grab des Zauberers bilden. Da der Ort direkt an der Straße liegt, sind manche Besucher auf der Suche nach Mystik enttäuscht. Beeindruckender ist der Chêne à Guillotin, eine fast 900 Jahre alte Eiche, deren hohler Stamm früher einem Menschen Unterschlupf bieten konnte.
Tipp vom Experten: Beginne bei La Porte des Secrets in Paimpont, einer immersiven audiovisuellen Erfahrung, die den legendären Kontext erklärt. Der Eintritt kostet 7,50 Euro und bereitet besonders Familien mit Kindern gut auf die anschließenden Wanderungen vor.
Wie man den Wald erkundet
Die Fremdenverkehrsämter in Paimpont, Tréhorenteuc und Guer verteilen kostenlose Wanderkarten. Achtung: 80 Prozent des Waldes befinden sich in Privatbesitz, und von Mitte September bis Ende März sind einige Wege wegen der Jagd gesperrt. Nur das Val sans Retour und seine Höhenzüge bleiben ganzjährig zugänglich.
Geführte Wanderungen mit Erzählungen starten in der Saison um 13:30 Uhr am Fremdenverkehrsamt in Paimpont. Plane etwa 4 Stunden und 30 Minuten inklusive Shuttle ein, um die fontaine de Barenton, den Arbre d'Or und das Val sans Retour zu entdecken. Das Centre de l'Imaginaire Arthurien (Zentrum für Artussage) im Schloss von Comper bietet zudem Führungen und Ausstellungen zu den Legenden an.
Ich habe Paimpont und Brocéliande geliebt. Die Kraft der Vegetation hat mich besonders beeindruckt. Rund um das Dorf kann man einen schönen Spaziergang um den See machen. Das Wasser ist ruhig und glatt. Das ist sehr beruhigend.
Fragen Sie die Einheimischen nach den Sehenswürdigkeiten. Es gibt viele versteckte Schätze wie jahrhundertealte Bäume.