Paimpont, das Dorf, in dem die Legenden zu Hause sind
Im Jahr 645 gründete König Judicaël von der Bretagne ein Priorat direkt am Ufer eines Sees. Vierzehn Jahrhunderte später ragen die Mauern der Abtei noch immer über das dunkle Wasser, und alte Eichen flüstern Geschichten, die nur Eingeweihte zu deuten wissen. Das Dorf mit seinen 1400 Einwohnern trägt einen Doppelnamen: Auf offiziellen Karten ist es der Forêt de Paimpont. In der kollektiven Vorstellung jedoch ist es Brocéliande, das Reich von Merlin dem Zauberer und den Rittern der Tafelrunde.
Paimpont: Ein Ort für Träumer, Wanderer und Mythenjäger
Dieses Gebiet ist wie gemacht für Familien, die sanfte Abenteuer suchen, für Wanderer, die gern innehalten, und für alle, die sich ein Stück Kindheit bewahrt haben. Auf den 7000 Hektar Wald finden sich unzählige markierte Wege, 5000 Jahre alte Megalithanlagen und eine Stimmung, die in Frankreich ihresgleichen sucht.
Wer jedoch Strandleben und Nachtschwärmerei sucht, wird hier nicht fündig. Die bretonische Küste liegt mehr als eine Stunde Fahrt entfernt. Abends legt sich früh Ruhe über das Dorf, und in der Nebensaison schließen die Restaurants oft schon vor 21:00 Uhr. Ein eigenes Auto ist unerlässlich, da öffentliche Verkehrsmittel kaum vorhanden sind und die legendären Orte weit verstreut auf verschiedene Gemeinden liegen.
Ein moderates Budget für die Bretagne
Plane für eine Übernachtung in einer Pension oder einem Gîte etwa 60 bis 100 Euro ein, ein komplettes Essen in einer Crêperie kostet 15 bis 25 Euro. Der Eintritt zu La Porte des Secrets liegt bei rund 10 Euro pro Person, und das Centre de l'Imaginaire Arthurien am Château de Comper verlangt ähnliche Preise.
Legendäre Pfade: Auf den Spuren von Merlin und Viviane
Das Tombeau de Merlin (Merlins Grab) versteckt sich im Staatsforst. Drei Schieferplatten bilden das bescheidene Denkmal, an dem der Zauberer gefangen sein soll, seit ihn Viviane aus Liebe dort einsperrte. Der Ort wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, doch die Atmosphäre im Unterholz ist den Abstecher wert. Nur wenige Schritte entfernt versprach einst die Fontaine de Jouvence (Jungbrunnen) jedem, der ihr Wasser trank, ewige Jugend.
Das Val sans Retour (Tal ohne Wiederkehr) ist die spektakulärste Wanderroute der Gegend. Dieses tief eingeschnittene Tal soll als Gefängnis für untreue Liebhaber gedient haben, die von der Fee Morgane festgehalten wurden. Der vier Kilometer lange Pfad führt zum Miroir aux Fées, einem Teich mit faszinierenden Spiegelungen, und weiter zum Arbre d'Or, einer modernen Skulptur, die nach dem verheerenden Waldbrand von 1990 errichtet wurde.
Ein Tipp unter Freunden: Starte früh am Morgen zum Val sans Retour. Nach 11:00 Uhr platzt der Parkplatz von Tréhorenteuc aus allen Nähten und der Zauber des Ortes geht im Lärm der Besuchergruppen verloren.
Das Dorf und seine Abtei: Das historische Herz
Die Abbaye de Paimpont stammt aus dem 13. Jahrhundert und kann kostenlos besichtigt werden. Ihre barocken Holzschnitzereien, der Christus aus Elfenbein und das Reliquiar des Heiligen Judicaël sind einen Stopp wert. Der See, der an das Gebäude grenzt, lädt zum Spazierengehen ein. Ein zwei Kilometer langer Pfad führt entlang des Ufers bis zur Grotte de Notre-Dame.
In den Gassen des Ortes reihen sich Häuser aus grès armoricain (armorikanischem Sandstein) aneinander. Kleine Kunsthandwerksläden verkaufen mittelalterliche Gegenstände, keltische Artikel und fantastische Kreationen. Das Tourismusbüro auf dem Place du Roi Saint-Judicaël hält die nötigen Karten bereit, um den Wald zu erkunden.
Die Schmieden und die tausendjährigen Eichen
Die Forges de Paimpont zeugen von einer vergessenen industriellen Vergangenheit. Sie wurden 1633 gegründet und nutzten das lokale Eisenerz sowie das Holz aus dem Wald. Das Arbeiterdorf, die Hochöfen und die Unterkünfte können mit einem Audioguide besichtigt werden. Am nahegelegenen Pont du Secret soll Lancelot seiner Guinevere die Liebe gestanden haben.
Besondere Bäume prägen das Gebiet. Die Chêne des Hindrés breitet ihre Äste über mehrere Meter Durchmesser aus. Die Chêne à Guillotin verdankt ihren Namen einem Abt, der sich dort während der Französischen Revolution versteckte. Heute schützen Holzstege den Stamm vor dem Ansturm der Besucher.
Immersive Erlebnisse
La Porte des Secrets bietet einen szenografischen Rundgang in den ehemaligen Nebengebäuden der Abtei. Eine Stunde lang führt die Stimme von Pierre, einem fiktiven Waldhüter, durch sechs animierte Räume. Die Musik der Harfenistin Cécile Corbel untermalt diese sensorische Reise. Kinder ab 5 Jahren sind meist begeistert.
Das Château de Comper beherbergt das Centre de l'Imaginaire Arthurien. Von Mai bis Oktober gibt es dort Ausstellungen, geführte Wanderungen und mittelalterliche Spektakel. Der Legende nach schläft unter dem Wasser des angrenzenden Sees ein Kristallpalast, den Merlin für die Fee Viviane erbaut haben soll.
Wo kann man in Paimpont essen und trinken?
Die Fée Gourmande, eine Crêperie am Ufer des Lac de Trémelin, serviert hervorragende bretonische Buchweizengalettes und Crêpes mit direktem Blick auf das Wasser. Besonders die Zitronen-Crêpes sind empfehlenswert. L'Atelier im Ortskern bietet traditionelle Küche, die mit saisonalen Produkten modern interpretiert wird.
Lokale Spezialitäten drehen sich um cidre breton (bretonischen Apfelwein), beurre salé (gesalzene Butter) und Buchweizengalettes. Der Tomme de Brocéliande, ein lokal produzierter Käse, passt hervorragend zu Salaten. Honig aus dem Wald und handgemachte Konfitüren findet man in den Dorfläden.
Unterkünfte in Paimpont und Umgebung
Im Dorf selbst gibt es einige Gästezimmer und Ferienhäuser mit Blick auf den See oder die Abtei. Die Villa de la Haute Forêt in Bréal-sous-Montfort bietet eine idyllische Lage, nur 15 Autominuten entfernt. Die Gîtes des Forges erlauben es, direkt im ehemaligen Arbeiterdorf der Schmieden zu übernachten.
Wer es ausgefallen mag, findet in der Umgebung Baumhäuser und Jurten. Der Lac de Trémelin in Iffendic bietet Campingplätze und Unterkünfte mit direktem Zugang zu Wassersportaktivitäten. Reserviere für die Schulferien unbedingt mehrere Wochen im Voraus.
Anreise und Fortbewegung in Paimpont
Von Rennes aus sind es etwa 40 Minuten über die N24 bis Plélan-le-Grand und dann weitere 7 Kilometer über die D38. Der Flughafen Rennes-Bretagne bedient die wichtigsten französischen und europäischen Städte. Der TGV-Bahnhof in Rennes bietet eine schnelle Verbindung nach Paris in 1:25 Stunden.
Da es keine regelmäßigen öffentlichen Verkehrsmittel gibt, ist das Auto die einzige praktische Möglichkeit, die weit verstreuten Orte zu erkunden. Die wichtigsten Parkplätze befinden sich in Paimpont, Tréhorenteuc und am Château de Comper. Einige Wanderwege starten abseits der Straßen, daher sind festes Schuhwerk und eine Wanderkarte ratsam.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling und der Herbst bieten die besten Bedingungen: Der Wald leuchtet entweder saftig grün oder in herbstlichen Farben, der Besucherandrang ist moderat und das Licht ideal für Fotos. Im Sommer ziehen die Orte viele Menschen an und die Parkplätze sind oft überfüllt, besonders am Val sans Retour. Im Winter hüllt Nebel die Bäume in eine mystische Stimmung, doch einige Sehenswürdigkeiten schließen und die Tage werden schnell kürzer.
Paimpont ist von Rennes aus mit dem Bus erreichbar. Wenn Sie jedoch den Wald erkunden möchten, sollten Sie besser ein Auto einplanen, denn es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, die Sie mitten in den Wald von Brocéliande bringen! Wenn Sie in der Nebensaison ein paar Tage bleiben möchten (angesichts des Touristenansturms im Hochsommer ist das deutlich angenehmer), können Sie einen Aufenthalt für jeden Geldbeutel planen: Der städtische Campingplatz von Paimpont bietet außerhalb der Saison einen Stellplatz für 6 Euro an.
Für einen Tag in Paimpont gönnen Sie sich eine kleine einstündige Wanderung um den See, besuchen Sie die Porte des Secrets und machen Sie einen Abstecher zur Abtei, bevor Sie durch die Hexenläden stöbern und ein bretonisches Bier in einer der beiden Kneipen auf dem Dorfplatz genießen!