Rennes, die bretonische Hauptstadt, die niemals schläft
Samstagabend, 23:00 Uhr, in der rue de la Soif. Die Menschenmassen drängen sich auf die Straße, Gläser klirren, und die Gespräche vermischen sich zu einem fröhlichen Stimmengewirr. Rennes beherbergt 70.000 Studierende auf 220.000 Einwohner. Dieses Verhältnis prägt eine Stadt, in der die Energie ständig zirkuliert, die Terrassen der Cafés immer gut gefüllt sind und jede Woche Konzerte, Ausstellungen sowie unerwartete Veranstaltungen stattfinden. Die bretonische Hauptstadt hat ihre Fachwerkhäuser bewahrt und pflegt gleichzeitig eine völlig unverkrampfte Modernität.Rennes: Die ideale Stadt für ein Wochenende ohne Auto
Du magst Fußgängerzonen, belebte Markthallen und ein Nachtleben, das bequem zu Fuß erreichbar ist? Dann bist du in Rennes genau richtig. Die Stadt lässt sich komplett ohne eigenes Fahrzeug erkunden, da Metro und Busse das Wesentliche abdecken und die Stimmung von Montag bis Sonntag lebendig bleibt. Wer Strandurlaub sucht, wird hier nicht fündig, denn die Küste ist eine Stunde Fahrt entfernt. Auch Ruhesuchende könnten das Zentrum am Wochenende als laut empfinden. Doch für einen kulturellen und festlichen Kurztrip gibt es in der Bretagne kaum einen besseren Ort. Die Stadt eignet sich besonders gut für Alleinreisende und Paare, die abends ausgehen möchten, ohne ein Vermögen auszugeben.Günstige Preise für eine Metropole
Rechne mit 80 bis 130 Euro pro Tag für zwei Personen. Hotels im Zentrum liegen bei 70 bis 110 Euro pro Nacht, eine komplette Mahlzeit mit Galette und Cidre kostet etwa 12 bis 18 Euro pro Person. Ein Ticket für die Metro kostet 1,50 Euro, und die meisten Museen verlangen weniger als 10 Euro Eintritt.Das historische Zentrum: Fachwerk und Kopfsteinpflaster
Der mittelalterliche Kern blieb von den Bombenangriffen 1944 wie durch ein Wunder verschont. Die Fachwerkhäuser drängen sich dicht an dicht um die place des Lices. Jeden Samstagmorgen findet hier ein riesiger Markt statt: Über 300 Händler verkaufen frische Austern, die direkt vor Ort geöffnet werden, sowie regionalen Cidre. Die place Sainte-Anne ist der Ort mit den begehrtesten Außenterrassen. Die bunten Fassaden vermitteln trotz der Größe der Stadt eine dörfliche Atmosphäre. Von hier aus erstreckt sich die rue Saint-Michel, im Volksmund rue de la Soif genannt, die auf wenigen hundert Metern Dutzende Bars beherbergt. Von Donnerstag bis Samstag herrscht hier Hochbetrieb.Tipp vom Experten: Wer den Markt am Samstag besuchen möchte, sollte vor 10:00 Uhr kommen, um das Gedränge zu vermeiden. Trink einen Kaffee an der Theke der Markthalle Martenot und beobachte das Treiben der Markthändler.
Das Parlament und die Quais: Das andere Gesicht
Das Parlement de Bretagne dominiert die gleichnamige Place mit einer etwas kühlen Majestät. Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das 1994 durch ein Feuer verwüstet wurde, wurde originalgetreu restauriert. Bei geführten Besichtigungen kann man die Grand'Chambre mit ihren bemalten Decken bewundern. Die Reservierung erfolgt über das Fremdenverkehrsamt. Die quais de la Vilaine bieten einen angenehmen Spazierweg bis zum parc du Thabor. Dieser zehn Hektar große Garten ist eine Mischung aus Rosengarten, französischem Garten und Waldgebiet. Die Einwohner von Rennes picknicken hier, sobald sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen. Der Park ist täglich kostenlos zugänglich und der friedlichste Ort im Zentrum.Das Viertel Sainte-Anne und die Außenbezirke
Nördlich des Zentrums bewahrt das Viertel um Sainte-Anne eine eher wohnliche Atmosphäre. Die portes Mordelaises, Überreste der mittelalterlichen Stadtbefestigung, bilden den Eingang zur Altstadt. Auf der anderen Seite beherbergt der faubourg Saint-Hélier eher versteckte Adressen, abseits der klassischen Touristenpfade. Das musée des Beaux-Arts, untergebracht in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, zeigt eine eklektische Sammlung von ägyptischer Archäologie bis hin zu Picasso. Der Eintritt kostet 6 Euro, und der Ort ist selbst am Wochenende selten überlaufen.Tipp vom Experten: Für einen kostenlosen Panoramablick solltest du in die oberste Etage der Champs Libres fahren. Dieser Kulturkomplex beheimatet auch das Bretagne-Museum und ein Planetarium.
Ich bin bei dieser Bewertung wohl etwas voreingenommen, da ich aus Rennes komme! Aber man muss einfach sagen, dass ich meine Stadt für ihre Dynamik und ihr kulturelles Leben liebe. Besonders im Sommer gibt es immer etwas zu tun (egal wie hoch das Budget ist!): Theater, Kino, kostenlose Konzerte und Museen, Freiluftkino, wissenschaftliche und kulturelle Aktivitäten für Kinder, Sportangebote, Parks, Spaziergänge am Ufer der Vilaine...
Wenn ihr die Bretagne besuchen wollt, ist Rennes ein guter Ausgangspunkt: Man findet hier erschwingliche Unterkünfte und kann von dort aus die Umgebung erkunden. Rochefort en Terre, Saint Malo oder auch der Wald von Brocéliande sind nicht weit entfernt...