Warum sich Apulien so gut für das Wohnmobil eignet
Wir waren auf der Suche nach einem italienischen Reiseziel, bei dem wir nicht unsere Tage auf der Autobahn verbringen müssen. Apulien hat alle Kriterien erfüllt: Zwischen Bari und der Spitze des Salento sind es weniger als 250 Kilometer. Alles, was wir sehen wollten, lag in einem gemütlichen Umkreis, und vor allem wechselte jede Station völlig die Kulisse.
In acht Tagen sind wir von einem lebhaften adriatischen Hafen zu Trockensteinmauern mit grauen kegelförmigen Dächern und dann zu einer Barockstadt gelangt, die komplett aus honigfarbenem Stein gehauen ist, bevor wir schließlich mit den Füßen im Ionischen Meer gelandet sind. Und das alles, ohne jemals mehr als zwei Stunden Fahrt an demselben Tag zu überschreiten.
Wir sind am Flughafen Bari Karol Wojtyła gelandet und haben unser Wohnmobil direkt vor Ort abgeholt. Wie überall in Italien variieren die Preise je nach Anbieter und Reisezeit enorm, weshalb wir vor der Buchung verglichen haben. Hier ist der Vergleichsportal, das wir für unsere Wohnmobilvermietung in Italien genutzt haben.
Dorf Ostuni in Apulien
Reisevorbereitung: Saison, Budget und Autofahren
Wann nach Apulien reisen
Wir sind Ende Mai gefahren, und rückblickend war das genau die richtige Entscheidung. Mai, Juni, September und Oktober bieten herrliches Wetter ohne die Menschenmassen. Im Juli und August machen auch die Italiener Urlaub: Die Campingplätze im Salento sind ausgebucht, die historischen Zentren überfüllt und die Hitze im Landesinneren wird regelrecht drückend.
Geheimtipp
Wenn du bei den Reisedaten keine Wahl hast und im Juli oder August los musst, reserviere das Fahrzeug und die Stellplätze am besten mehrere Monate im Voraus.
Was wir ausgegeben haben
Hier ist unser reales Budget für zwei Personen als Richtwert. Der Mietwagenposten bleibt mit Abstand am variabelsten.
| Poste de dépense | Budget (2 personnes, 8 jours) | Nos remarques |
|---|---|---|
| Location du camping-car | 700 à 1000 € | Écart énorme entre mai et août sur le même véhicule. |
| Carburant | 140 à 190 € | Environ 650 km parcourus. Le gazole dépassait les 2 € le litre durant notre séjour, avec de gros écarts entre stations. |
| Nuits (aires et campings) | 150 à 220 € | Comptez 15 à 25 € en aire de sosta, 30 à 40 € en camping équipé. |
| Visites et activités | 100 à 150 € | Grottes de Castellana, musées, quelques entrées payantes. |
| Nourriture | 200 à 250 € | En cuisinant à bord le midi et en sortant le soir. |
| Péages et parkings | 30 à 50 € | Peu de péages : l'essentiel du trajet se fait sur les routes nationales. |
Mit dem Wohnmobil durch Apulien
Drei Dinge, die wir vor der Abreise gerne gewusst hätten.
Die ZTLs sind überall. Die Zona a Traffico Limitato ist ein Bereich, der in fast allen historischen Zentren für unbefugte Fahrzeuge gesperrt ist. Die Kameras arbeiten automatisch, und die Strafe kommt Monate später per Post bei dir zu Hause an, zuzüglich der Bearbeitungsgebühr des Autovermieters. Wir haben uns angewöhnt, grundsätzlich am Stadtrand zu parken und den Rest zu Fuß zu gehen. In Städten dieser Größe macht das nie mehr als zehn Minuten Fußweg aus.
Wildcamping ist keine Option. Es ist in Italien verboten, es sei denn, es liegt eine ausdrückliche lokale Genehmigung vor. Dafür ist das Netz an aree di sosta (Wohnmobilstellplätzen) in der Region dicht, und zahlreiche Bauernhöfe sowie Olivenölbetriebe nehmen Wohnmobilreisende gerne auf.
Kraftstoff ist im Selbstbedienungsbetrieb günstiger. Italienische Tankstellen zeigen zwei Preise an: fai da te (du bedienst dich selbst) und servito (ein Tankwart übernimmt es). Die Differenz beträgt 20 bis 30 Cent pro Liter. Bei einer Wohnmobil-Tankfüllung ist das keineswegs unerheblich.
- Eine App zum Finden von Wohnmobilstellplätzen, unverzichtbar für spontane Übernachtungen am Abend
- Geld: Einige kleinere Bereiche funktionieren noch ausschließlich mit Bargeld
- Ein echter Hut, Schatten ist selten im Valle d'Itria
Tag 1: Bari, Mietwagenabholung und erster Abend in der Altstadt
Übernahme des Fahrzeugs am späten Vormittag, Einkauf in einem Supermarkt am Stadtrand, dann ab ins Zentrum. Wir haben das Wohnmobil auf einem Parkplatz in Hafennähe abgestellt und uns zu Fuß auf den Weg gemacht.
Bari Vecchia, die Basilika und die Orecchiette
Bari Vecchia ist ein Labyrinth. Man verliert sich hier freiwillig. Die Basilica di San Nicola ist das Herzstück: Hier werden seit 1087 die Reliquien des Heiligen Nikolaus aufbewahrt, die von Seefahrern aus Bari aus Myra hierher gebracht wurden. Die niedrige, massive Krypta ist allein schon den Umweg wert.
Danach haben wir nach der berühmten Strada delle Orecchiette gesucht, die offiziell Arco Basso heißt. Die Frauen des Viertels formen dort vor ihren Haustüren auf in der Gasse aufgebauten Tischen die Teigwaren. Wir haben ein Säckchen mit getrockneten Nudeln gekauft, die drei Tage später irgendwo im Valle d'Itria in einem Kochtopf landeten.
Tag 2: Polignano a Mare und Monopoli, die Adriaküste wie aus dem Bilderbuch
Nur fünfunddreißig Kilometer, was uns den ganzen Tag Zeit zum Bummeln ließ.
Lama Monachile, die am häufigsten fotografierte Bucht Apuliens
Polignano a Mare thront auf einer Kalksteinklippe, die steil in türkisfarbenes Wasser abfällt. Die Bucht von Lama Monachile (Cala Porto) schmiegt sich zwischen zwei Felswände, unterhalb einer fünfzehn Meter hohen Brücke. Viele Besucher halten sie für ein römisches Bauwerk, doch in Wirklichkeit handelt es sich um die Ponte Borbonico, die in den 1830er Jahren von den Bourbonen errichtet wurde. Die echte römische Brücke existiert tatsächlich, ist aber tiefer gelegen und unauffälliger, unten im Flussbett der Lama: ein einziger Bogen aus Tuffsteinblöcken als Überbleibsel der Via Traiana, die Benevent mit Brindisi verband. Nur wenige Leute steigen hinab, um sie sich anzusehen, und das ist schade.
Das Ganze ist wahrlich spektakulär und ab 10 Uhr morgens auch entsprechend überfüllt. Wir sind erst am späten Nachmittag wieder hinabgegangen, als das Licht golden wird und die Hälfte der Besucher bereits wieder weg ist.
Polignano ist zudem der Geburtsort von Domenico Modugno, dem Komponisten von Nel blu, dipinto di blu, den alle unter dem Namen „Volare“ kennen. Seine Statue blickt mit ausgebreiteten Armen auf das Meer hinaus.
Monopoli und sein Porto Vecchio
Zwanzig Minuten weiter im Süden ist Monopoli ruhiger und ehrlich gesagt haben wir es bevorzugt. Der Porto Vecchio mit seinen blau-weißen Booten, die Kathedrale, die Stadtmauern: alles ist da, ohne die Schlaufe, um genau denselben Blickwinkel zu fotografieren.
Bucht in Apulien
Tag 3: Alberobello und das Itria-Tal, die Heimat der Trulli
Wir haben die Küste verlassen, um ins Landesinnere zu fahren. Die Landschaft verändert sich schnell: Trockensteinmauern, jahrhundertealte Olivenbäume und diese kleinen kegelförmigen Bauten, die erst einzeln, dann zu Dutzenden auftauchen.
Rione Monti, und warum du früh dort sein solltest
Die Trulli von Alberobello gehören seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Viertel Rione Monti drängen sich über tausend dieser Bauten in wenigen ansteigenden Gassen. Das ist wunderschön und gleichzeitig sehr touristisch: Souvenirläden im Erdgeschoss und Reisebusse, die ununterbrochen ihre Passagiere ausspucken.
Ein guter Tipp
Komm vor 9:00 Uhr an oder geh rüber ins Viertel Aia Piccola auf der anderen Seite des Platzes. Weniger Trulli, fast keine Geschäfte und Einheimische, die dort noch wirklich leben. Verpass auch nicht den Trullo Sovrano, den einzigen, der ein Obergeschoss besitzt.
Locorotondo für die Nacht
Nur wenige Kilometer entfernt verdankt Locorotondo seinen Namen seinem perfekten kreisrunden Grundriss. Es ist weiß, ruhig, blumig und gehört zu den schönsten Dörfern Italiens. Wir haben auf einem Wohnmobilstellplatz inmitten von Weinbergen mit Blick auf das Tal übernachtet. Am nächsten Morgen gab es Kaffee im Freien und keinen Mucks.
Tag 4: Das weiße Ostuni und das Naturschutzgebiet Torre Guaceto
Ostuni sieht man schon von weitem: eine komplett kalkgetünchte Stadt, die auf einem Hügel über einem Meer aus Olivenbäumen thront. Den Beinamen Città Bianca versteht man schon lange, bevor man dort ankommt. Das Gewirr aus Gassen führt hinauf zur Kathedrale und ihrer großen gotischen Rosette.
Nachmittags geht es weiter zum Naturschutzgebiet Torre Guaceto, das etwa zwanzig Kilometer entfernt liegt. Es ist ein geschütztes Meeresgebiet mit kontrolliertem Zugang und einem Shuttlebus in der Hauptsaison. Sandstrände, Dünen, Feuchtgebiete: Das hat so gar nichts mit den zubetonierten Strandbädern zu tun, die man weiter im Süden antrifft.
Wissenswertes
Wenn du durch den Salento fährst, wirst du viele tote oder stark zurückgeschnittene Olivenbäume sehen. Das ist die Folge des Bakteriums Xylella fastidiosa, das 2013 in der Region nachgewiesen wurde und einen riesigen Teil des lokalen Olivenkulturerbes vernichtet hat.
Tag 5: Lecce, das Florenz des Barocks
Fünfundachtzig Kilometer und ein kompletter Tapetenwechsel.
Eine ganze Stadt aus demselben Stein gehauen
Lecce ist aus pietra leccese erbaut, einem weichen, fast butterartigen Kalkstein, der sich leicht bearbeiten lässt und in der Abendsonne einen honigfarbenen Ton annimmt. Das Resultat sind Fassaden voller Details, Girlanden und grotesker Figuren. Die Basilica di Santa Croce ist der absolute Höhepunkt dieser Kunst. Man bleibt minutenlang mit dem Kopf im Nacken stehen, ohne alles gesehen zu haben.
Auf der Piazza Sant'Oronzo ragt mitten im Stadtzentrum ein römisches Amphitheater hervor, das zur Hälfte freigelegt ist. Die Überlagerung der Epochen ist beeindruckend.
Cartapesta und pasticciotto
Lecce ist außerdem die Hauptstadt der cartapesta, der Kunst des Pappmachés, mit Werkstätten, die im Stadtkern noch immer aktiv sind. Und was die süßen Leckereien angeht, solltest du unbedingt ein pasticciotto probieren, dieses kleine Törtchen mit Konditorcreme, das morgens lauwarm serviert wird. Wir haben bis zum Ende unserer Reise jeden Tag eins gegessen.
Tag 6: Otranto und Santa Maria di Leuca, wo die zwei Meere aufeinandertreffen
Das Mosaik von Otranto
Otranto ist die östlichste Stadt Italiens. Ihre Kathedrale beherbergt einen Boden, der vollständig mit einem Mosaik aus dem 12. Jahrhundert bedeckt ist, das von dem Mönch Pantaleone geschaffen wurde: ein riesiger Lebensbaum, der biblische Szenen, fantastische Tiere und profane Figuren miteinander verbindet. Man geht im wahrsten Sinne des Wortes darauf. Das ist eines der seltsamsten und schönsten Dinge, die wir auf der Reise gesehen haben.
Nördlich der Stadt bietet die Baia dei Turchi einen von Pinien gesäumten Strand, der zu Fuß von einem etwas abseits gelegenen Parkplatz aus erreichbar ist.
Finibus Terrae
Santa Maria di Leuca
Die Küstenstraße nach Süden, kurvenreich und wunderschön, führt nach Santa Maria di Leuca, an die Spitze des Absatzes. Das Heiligtum De Finibus Terrae, wörtlich „an den Enden der Erde“, überragt das Kap. Genau hier, auf der Punta Méliso, treffen die Adria und das Ionische Meer aufeinander, zumindest nach der von der Internationalen Hydrographischen Organisation festgelegten Grenze. Andere nautische Konventionen verlegen die Grenze etwa sechzig Kilometer weiter nördlich, nach Punta Palascìa, in die Nähe von Otranto.
Die Einheimischen jedenfalls haben keinen Zweifel: Sie ist in Leuca. An manchen Tagen, wenn sich der Salzgehalt der beiden Wassermassen stark genug unterscheidet, soll eine Demarkationslinie mit bloßem Auge zu erkennen sein. Wir haben nichts dergleichen ausgemacht, aber die Aussicht vom Kirchplatz war den Umweg definitiv wert.
Tag 7: Gallipoli und die ionische Küste
Hinauf an der ionischen Küste, die sanfter und sandiger ist.
Gallipoli teilt sich in zwei Teile: die moderne Stadt auf dem Festland und das historische Zentrum auf einer Insel, die durch eine Brücke verbunden ist. Das Castello Angioino bewacht den Eingang. In den Gassen kann man alte frantoi ipogei besuchen, unterirdische Ölmühlen, die in den Fels gehauen wurden und in denen man früher im Licht von Öllampen arbeitete.
Zum Baden haben wir den Naturpark Porto Selvaggio etwas weiter nördlich bei Nardò bevorzugt: Pinienwald, felsige Buchten, keine Badeinrichtungen.
Tag 8: Die Höhlen von Castellana und Rückkehr nach Bari
Für den letzten Tag sind wir ins Landesinnere zu den Grotte di Castellana gefahren. Das Höhlensystem erstreckt sich über etwa drei Kilometer und hat eine konstante Temperatur von rund 15 °C, was nach einer Woche in der Sonne richtig gut tut. Der absolute Höhepunkt ist die Grotta Bianca, ein Alabastersaal von fast unwirklicher Weißheit.
Vierzig Kilometer weiter ging es zurück nach Bari, zum Tanken und zur Mietwagenrückgabe.
Achtung
Die Besichtigung der Höhlen von Castellana erfolgt ausschließlich in geführten Gruppen, reserviere also am besten im Voraus.
Unser Resümee nach 8 Tagen in Apulien
Acht Tage, das ist genau die richtige Länge für diese Runde. Du hast genug Zeit, um anzuhalten, an einem schönen Ort mal zwei Nächte zu bleiben und zurückzukehren, ohne das Gefühl zu haben, gehetzt zu sein.
Was uns am meisten im Gedächtnis geblieben ist, ist die Vielfalt. Alle fünfzig Kilometer erwartet dich etwas völlig anderes, und das Wohnmobil ist einfach die beste Art, das alles zu erleben, ohne ständig Koffer packen zu müssen. Das nächste Mal nehmen wir uns noch den
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