Bari: Zwischen hellen Steinen und türkisblauem Meer am Stiefelabsatz
Der Duft von heißer Focaccia liegt in den engen Gassen. Eine Nonna formt direkt vor ihrer Haustür Orecchiette, ein Handgriff, den sie seit fünfzig Jahren mit bemehlten Händen perfektioniert. Nur ein paar Schritte weiter sitzt eine Gruppe junger Einheimischer auf einer Terrasse und genießt einen Aperol Spritz. Als Hauptstadt von Apulien tickt Bari in seinem eigenen Rhythmus, den einer Hafenmetropole, die ihre mediterrane Seele nicht für den schnellen Fortschritt opfert.Eine Stadt mit zwei Gesichtern
Nach Neapel ist Bari das zweitwichtigste wirtschaftliche Zentrum Süditaliens und überrascht durch seine Doppelpersönlichkeit. Auf der einen Seite steht die mittelalterliche Altstadt, in der die Wäsche zwischen ockerfarbenen Fassaden in der Sonne trocknet und lautstarke Gespräche aus den offenen Fenstern dringen. Auf der anderen Seite findet sich ein modernes Stadtzentrum, das seinen unternehmerischen und akademischen Geist selbstbewusst zur Schau stellt. Die Stadt ist ideal für Reisende, die Authentizität suchen, ohne auf städtischen Komfort zu verzichten. Geschichtsinteressierte kommen bei den romanischen und byzantinischen Monumenten voll auf ihre Kosten. Feinschmecker können sich in einer Region verwöhnen lassen, die kulinarisch wahrlich gesegnet ist. Familien schätzen die 40 Kilometer langen goldenen Strände, die sich an die Stadt anschmiegen. Wer allerdings eine sterile Postkartenidylle oder ein verschlafenes Dorf sucht, ist hier falsch. Bari ist lebendig, laut und voller Energie. Zum Budget: Plane etwa 80-100 Euro pro Tag für den mittleren Standard ein (Unterkunft, Verpflegung, Besichtigungen). Da man Bari wunderbar zu Fuß erkunden kann, halten sich die Transportkosten in Grenzen. Im Sommer steigen die Preise und die Strände füllen sich, entscheide selbst, ob dir das die Reise wert ist.Verlaufen im Labyrinth von Bari Vecchia
Das historische Herz erstreckt sich auf einer Halbinsel, die weit in die Adria hineinragt. Hier gibt es keine strikten Routen, der beste Tipp ist, sich einfach treiben zu lassen. Die Gassen werden immer enger, biegen ab und öffnen sich plötzlich zu einem kleinen Platz, auf dem ein paar einsame Plastikstühle stehen. In der Via Arco Basso findet das Leben auf der Straße statt. Schon am frühen Morgen stellen die Frauen ihre Teigbretter auf, um die berühmten Orecchiette zu formen, jene kleinen, öhrchenförmigen Nudeln. Sie verkaufen sie direkt vor Ort ohne Zwischenhändler für 5 Euro das Kilo. Frischer geht es nicht, und Konservierungsstoffe gibt es hier nicht.Ein Insidertipp: Besuche diese Straße am späten Vormittag, wenn die Produktion in vollem Gange ist. Die Frauen lassen sich meist gerne fotografieren, aber frage zur Sicherheit immer kurz vorher nach.
Die Basilika San Nicola, Hüterin der Reliquien
Man kann diese romanische Basilika aus dem 11. Jahrhundert, die über der Altstadt thront, nicht übersehen. Das Bauwerk beherbergt die Reliquien des Heiligen Nikolaus, die 1087 aus Myra entwendet wurden, um sie vor türkischen Übergriffen zu schützen. Seither zieht der Ort orthodoxe und katholische Pilger in einer seltenen ökumenischen Harmonie an. Die Architektur besticht durch ihre normannische Schlichtheit. Die Krypta, die 1089 von Papst Urban II. geweiht wurde, ist wegen ihrer antiken Säulen, die hier zweitverwertet wurden, absolut sehenswert.Die Kathedrale San Sabino und ihr byzantinisches Geheimnis
Nur wenige Schritte entfernt zeigt die Kathedrale San Sabino ihre makellose Fassade aus weißem Stein. Was man auf den ersten Blick nicht sieht: Das Gebäude ruht auf den Ruinen eines alten byzantinischen Doms, dessen Überreste in der Krypta teilweise noch zu erkennen sind.Monumente mit jahrtausendealter Geschichte
Das normannisch-schwäbische Kastell erhebt sich wuchtig zwischen der Altstadt und dem Meer. Diese Festung aus dem 12. Jahrhundert, die unter Friedrich II. umgebaut wurde, zeugt von der wehrhaften Vergangenheit der Stadt. Im Inneren finden regelmäßig Wechselausstellungen statt, doch der wahre Star ist das Gebäude selbst, dessen Strenge sehr beeindruckend wirkt. Kunstliebhaber sollten die Pinacoteca Provinciale Corrado Giaquinto besuchen. Das Museum versammelt Werke, die die künstlerische Geschichte Apuliens prägen, von italienischen Primitiven bis hin zu zeitgenössischen Kreationen. Gemälde, Skulpturen und Altarbilder zeichnen ein schönes regionales Panorama. Abends erstrahlt das Theater Petruzzelli in rotem Licht. Dieser Riese, das größte private Theater Europas und das viertgrößte Italiens, wurde 2009 nach einem verheerenden Brand im Jahr 1991 wiedereröffnet. Die Preise für Vorstellungen sind durchaus moderat, eine seltene Gelegenheit, eine Oper zu erleben, ohne das Budget zu sprengen.Ein Insidertipp: Buche deine Tickets vorab über die offizielle Website des Theaters. Die hinteren Reihen bieten eine perfekte Akustik zum halben Preis.
Das Borgo Murattiano und sein französisches Erbe
Joachim Murat, der Schwager Napoleons und kurzzeitige König von Neapel, wollte den lokalen Handel ankurbeln. Er ließ zu Beginn des 19. Jahrhunderts dieses moderne Viertel anlegen, dessen Straßen sich rechtwinklig schneiden, ein direkter Kontrast zum verwinkelten Bari Vecchia. Auf der Via Sparano da Bari konzentriert sich das Shopping-Leben, von großen internationalen Marken bis hin zu lokalen Boutiquen. Halte unterwegs kurz inne, um den Palazzo Mincuzzi zu bewundern, ein Juwel des Jugendstils, das heute als Bekleidungskaufhaus dient. Die Innenausstattung ist auch dann einen Blick wert, wenn man nichts kaufen möchte. Am Corso Cavour reihen sich bürgerliche Gebäude und neoklassizistische Bauten aneinander. Hier steht auch das bereits erwähnte Theater Petruzzelli, an dessen Fassade die Medaillons der drei großen italienischen Komponisten Bellini, Verdi und Rossini prangen.Der Lungomare und der Ruf des Meeres
Ein Aufenthalt ohne einen Spaziergang auf der Promenade am Meer ist kein Besuch in Bari. Die Einheimischen gehen hier morgens joggen, fahren sonntags mit der Familie Fahrrad oder flanieren abends, wenn die Hitze nachlässt. Die 40 Kilometer Küste, die die Stadt säumen, bieten zugängliche Stadtstrände und kristallklares Wasser. Für eine andere Perspektive empfiehlt sich eine Bootsfahrt zum Sonnenuntergang. Mehrere Anbieter haben 1,5-stündige Touren inklusive Aperitivo im Programm, rechne mit etwa 60 Euro pro Person. Die Stadt vom Wasser aus zu sehen, wenn die Monumente sich vor dem glutroten Himmel abzeichnen, ist ein ganz besonderes Erlebnis.Wo kann man in Bari essen und trinken?
Die lokale Gastronomie macht keine Kompromisse bei der Qualität. Die Burrata, die in Apulien erfunden wurde, erreicht hier eine neue Stufe der Cremigkeit. Die Orecchiette con cime di rapa (Nudeln mit Stängelkohl und Sardellen) sind eine echte Institution. Die Focaccia barese, weich und großzügig mit Olivenöl beträufelt, geht zu jeder Tageszeit. Verpasse nicht die Spaghetti all'assassina, eine lokale Spezialität, die man kennen muss: Die Nudeln werden direkt in einer scharfen Tomatensauce in der Pfanne geröstet, bis die Ränder leicht karamellisiert oder fast verbrannt sind. Das Restaurant Urban l'Assassineria Urbana hat dies zur Kunstform erhoben und serviert das Gericht in neun Variationen. Für ein eher traditionelles Erlebnis verzaubert Terranima mit beliebten Rezepten aus Bari in einer rustikalen und warmen Atmosphäre. Alles kommt aus der Region, vom Land wie vom Meer. PerBacco in der Altstadt verbindet Tradition mit Innovation und bietet eine Weinkarte, die regionale Tropfen in den Mittelpunkt stellt. Wer Fisch und Meeresfrüchte liebt, sollte zu La Tana del Polpo gehen, um ihren legendären gegrillten Oktopus zu probieren. Die entspannte Atmosphäre macht es zu einer perfekten Adresse für ein geselliges Abendessen.Ein Insidertipp: Vergiss für die Focaccia die touristischen Bäckereien nahe der Basilika. Hole dir ein Stück bei Chez Magda in der Via Pasquale Villari, die Einheimischen stehen dort Schlange.
Ich habe Bari zweimal besucht und hatte wirklich zwei völlig unterschiedliche Eindrücke. Das erste Mal war ich während eines Roadtrips durch Apulien dort. Im Vergleich zu den wundervollen Dörfern mit ihren Hunderten von Trulli bietet die kleine Stadt Bari kaum etwas Interessantes. Bei einem zweiten Aufenthalt aus beruflichen Gründen habe ich jedoch die geografische Lage dieses Ortes geschätzt, um von dort aus leicht die Umgebung zu erkunden, sowie die guten Restaurants und Bars in der historischen Innenstadt.